| Interview zu "Der weißblaue Engel" (24.10.07, Streiflichter / Bavaria Film) |
| Starke Frauen mit Verstand, Gefühl und Humor sind ihr Revier. Ob
als Teil der Girl Friends oder als Titelheldin in Nikola
und Die Familienanwältin Mariele Millowitsch spielte
sich in den vergangenen Jahren immer mehr in die Herzen der TV-Zuschauer
und wurde für ihre Arbeit mehrfach ausgezeichnet (u.a. mit dem Grimme
Preis). Noch bis zum 8. November gibt die Kölnerin in der Hauptrolle der Diakonissin Anna Seelenbinder am Set von Der weißblaue Engel Anna und das sündige Dorf (AT) eine weitere Kostprobe ihrer Vielseitigkeit. Allerdings ist sie in dieser Produktion von Arbor TV-Filmproduktion (Produzent: Dr. Holger Schulz) in Koproduktion mit Bavaria Fernsehproduktion (Produzent: Dr. Matthias Esche) im Auftrag der ARD Degeto für das Erste zum ersten Mal als Kirchenvertreterin zu sehen. Die Streiflichter fragten Mariele Millowitsch... |
| Was für eine Frau ist Schwester Anna? Sie ist klug, energisch und hat immer ein Ohr für ihre Mitmenschen. Aber mit ihrem feierlichen Versprechen Gehorsam, Demut und Werke der Barmherzigkeit haperts leider manchmal. Weil sie Probleme oft sehr impulsiv und vor allem unkonventionell löst... Das geht ihrer Chefin, der Oberin, gegen den Strich, deshalb wird die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin Anna dann in den Außendienst versetzt, um sich in erster Linie um die finanziellen Dinge der Diakonissenanstalt zu kümmern. Aber so sehr sie das akzeptiert und ihr studiertes Handwerk beherrscht, so wenig kann Anna aus ihrer wahren Haut... Also, bei allen Bemühungen, der Oberin und der Kirche zu dienen, ist Anna eben ein Mensch mit Seele und Gerechtigkeitssinn. Was sie mir auch so sympathisch macht. |
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| Eine katholische Prominente aus dem Rheinland spielte
eine evangelische Schwester aus dem bayerischen Oberfranken für
Sie ein willkommener Kontrast oder auch eine Herausforderung? Weder noch. Denn Religion spielt für mich persönlich überhaupt keine Rolle. Natürlich ist die Anna insofern interessant, als ich jetzt wieder etwas über die Unterschiede der katholischen und der reformierten Kirche lerne, deshalb habe ich darüber als Vorbereitung viel gelesen. Und es ist tatsächlich ein anderer Ansatz zu wissen, dass ich erstmals eine Geistliche spiele, das habe ich schon immer im Kopf. Aber für die Figur an sich ist es nicht ausschlaggebend: Anna ist schon von ihrem Wesen her ein Mensch, der gern hilft und sich einfach einmischen muss deshalb ist sie wahrscheinlich auch in der Diakonissenanstalt gelandet. Trotz ihres kirchlichen Versprechens ist Anna eine durchaus weltliche Person dass sie mit einem Freudenhaus konfrontiert wird, nimmt sie nach einem ersten Schock ja mit Bravour. Liegt in dieser Mischung aus Glauben und Realität vielleicht die Chance der Kirche, sich zu modernisieren? Sagen wir mal so: Das Freudenhaus in unserem Film ist ein schönes Bild dafür, wie die Kirche mit dem Alltag konfrontiert wird und auch dafür, wie sie dieser Alltag manchmal irritiert. Wenn man sich noch andere Probleme vor Augen führt, wie etwa Aids oder hohe Geburtenraten in Afrika, die u.a. zu Verarmung führen, dann müsste sich die Kirche, egal welcher Konfession, weltlicher orientieren. Also zum Beispiel beim Thema Verhütung. Darüber hinaus suchen die Menschen heutzutage mehr denn je Halt und Sinn in ihrem Leben. Auch das wäre eine Chance für beide Seiten aufeinander zuzugehen, um gemeinsam stark zu werden. © 2007 Bavaria Film, caro |