Heute keine Entlassung
(ZDF, Erstausstrahlung 14.12.2009)
 
Handlung | Darsteller | Produktion |Kritiken
 

Frührentner Anton Franzen hat einen Hass auf Ärzte, Krankenhäuser und das gesamte Gesundheitswesen seit seine Frau Elsa vor vier Jahren an Krebs gestorben ist und nicht gerettet werden konnte. Der ehemalige Phantombildzeichner lebt seitdem allein und wird immer kauziger und schwieriger im Umgang mit seinen Mitmenschen.Nur zu seinem Enkel Jens, ist er nett, zur Tochter Jenny ist das Verhältnis äußerst angespannt und voller unausgesprochener Vorwürfe.

 

Als Anton an seinem 60. Geburtstag eine Herzattacke kriegt, erwacht er dort, wo er niemals hin wollte, nämlich in einem Krankenhaus. Einziger Lichtblick im "Gesundheitszentrum Maria Heimsuchung" ist die hübsche und schlagfertige, kroatische Krankenschwester Mirjana. Anton erwischt es auf seine alten Tage mal wieder so richtig, auch wenn er sich das niemals eingestehen würde!

Doch dummerweise läuft da was zwischen der Schwester und Antons behandelndem Arzt Dr. Jan Borsche. Als Anton das herausfindet, ist er beleidigt und entwickelt sich zum "Ekel von Maria Heimsuchung" und macht (nicht nur) der Schwester das Leben schwer. Wenn er schon nicht Mirjanas Herz haben kann, dann wenigstens ihre gesamte negative Aufmerksamkeit!

   
Alles ändert sich als Anton Anschluss an eine Clique in der versteckten "Spielhölle"findet und seine soziale Ader wieder entdeckt. Er freundet sich auch mit Kemal, seinem türkischen Bettnachbarn im Dreibettzimmer, an, der Anton zu einer "Charmeoffensive" der Schwester gegenüber rät. Anton lernt sogar Kroatisch und nähert sich Mirjana an. Als das wiederum Dr. Borsche mitkriegt, will er den Patienten (und Konkurrenten!) Franzen entlassen. Nur durch die gekonnte Simulation einer erneuten Herzattacke kann Anton vorerst bleiben, doch am nächsten Tag ist seine geliebte Mirjana nicht mehr da. Ihr wurde von der Verwaltungschefin Katharina Krüger, die einen Kieker auf die aufmüpfige Schwester (und ein Auge auf Borsche geworfen) hat, fristlos gekündigt.

Jetzt tut Anton alles, um die Schwester wieder zurück zu holen. Die Gelegenheit ergibt sich, als eine Preis-Jury - begleitet von Presserummel - die "Herz-Selbsthilfegruppe" von Dr. Borsche besucht. Anton unterwandert die Gruppe, reißt die Leitung an sich und begeistert die Jury mit seinen unorthodoxen Methoden. Die Gruppe gewinnt den Preis und Anton kann nun - zu Macht und Einfluss gekommen – der kleinlauten Krüger gegenüber durchsetzen, dass Mirjana sofort zurückkommt. Auch einen "Angel-Ausflug für Herzkranke" schlägt Anton für sich und seine Clique heraus, bei dem er und Schwester Mirjana sich etwas näher kommen. Doch am Schluss des Ausflugs bricht Kemal zusammen und Anton erfährt, dass sein neuer Freund Lungenkrebs und nicht mehr lange zu leben hat.

Anton und Mirjana verbringen einen romantischen Abend in der "Spielhölle" zu Zweit, doch dann kommt es zu einem großen Missverständnis zwischen beiden...


Darsteller
 
Mariele Millowitsch Marijana
Peter Sattmann Anton Franzen
Ralph Herforth Dr. Borsche
Jürgen Tarrach Bernie
Ercan Dumaz Kemal
Nele Müller-Stoefen Jenny
   
   
u.v.m.  
   
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Produktion
   
Regie Thomas Nennstiel
Buch Anne Müller
Kamera Reiner Lauter
Produzentin Elke Ried
Produktion Ziegler Film
gedreht wurde im November/Dezember 2008 in Berlin
   
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Kritiken


Berliner Morgenpost, 15.12.09
[....] So gesehen ist das klinisch-sterile Setting ein reizvoller Rahmen für eine komische Romanze. Und mit Peter Sattmann hat das ZDF einen Schauspieler engagiert, der die Verwandlung des verbitterten Ekelpaketes in einen verliebten Heißsporn glaubwürdig verkörpert.

Mariele Millowitsch muss da gar nicht über Gebühr ihren entzückenden kroatischen Dialekt strapazieren, den sie sich von der beliebten Berliner Kabarettistin Andreja Schneider („Geschwister Pfister“) abgeguckt hat. Die beiden Querköpfe harmonieren auch so.

Doch entweder hat die Drehbuchautorin Anne Müller am Ende ihrem eigenen Stoff nicht mehr vertraut, oder aber die ZDF-Spielfilmredaktion hat so oft Nachbesserungen gefordert, bis die Handlung auf bizarre Abwege abgedriftet ist. Jedenfalls kann sich der Film (Regie: Thomas Nennstiel) schon nach der Hälfte nicht mehr entscheiden, ob er lieber eine Romanze, eine Satire auf die Sparpolitik im Gesundheitswesen oder ein Lehrstück für Krankenhausmanager sein will.

Anton Franzen soll das Krankenhaus nicht nur als gesünderer, sondern auch als besserer Mensch verlassen. Der Marburger Bund wird seine Freude an dem geläuterten Helden haben Im Krankenhaus lernt der 60-jährige Familienvater nicht nur, Verantwortung für seine Gesundheit zu übernehmen. Als Leiter der Herzgruppe motiviert er auch andere Patienten dazu, das Gesundheitssystem nach Kräften zu entlasten. Fröhlich skandieren sie: „Bypass oder Stent – wir sind selber kompetent.“

Es entbehrt nicht der Ironie, dass an diesem Sinneswandel ausgerechnet die renitente Schwester Mirjana schuld sein soll, die wie keine zweite für bessere Arbeitsbedingungen kämpft. Rückendeckung bekommt sie von Antons Bettnachbarn Kemal. Er und seine Freunde bringen Ekel Alfreds Bruder im Geiste neben dem Zocken auch Umgangsformen bei. Als Klassenzimmer muss ein illegales Casino herhalten, das die Drehbuchautorin in einen Schuppen auf dem Krankenhaushof verpflanzt hat. Dort frönen die Patienten hinter dem Rücken der Ärzte nicht nur ihrer Spiel- und Nikotinsucht, sie feiern auch rauschende Partys.

Ein Herzinfarkt, so die makabere Moral dieser Geschichte, ist also eigentlich eine feine Sache. Dabei hatte man immer gedacht, Lachen sei die beste Medizin. Doch das soll einem bei dieser als Komödie getarnten PR-Offensive für unser Gesundheitssystem schnell vergehen.




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