Das geheime Leben meiner Freundin
(AT: Die Sonnenuhr)
(ZDF, Erstausstrahlung: 04.04.05)
 
Handlung | Darsteller | Produktion | Quote & Kritiken | Sonstiges

Leonies (Mariele Millowitsch) beste Freundin Roos ist mysteriöserweise am Strand an einem Hitzschlag gestorben. Auf der Trauerfeier, die im Universitäts-Institut stattfindet, in dem Roos als Laborantin gearbeitet hat, wird Leonie von Roos' Anwalt zur Testamentseröffnung eingeladen.

Überrascht erfährt sie dabei am nächsten Tag, dass Roos sie als Alleinerbin eingesetzt hat. Doch die Erbschaft ist an eine seltsame Bedingung geknüpft: Sie muss sich um 3 Katzen, die ihr Roos ebenfalls hinterlässt, kümmern.
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Leonie zieht in Roos Wohnung ein und wird dort direkt in der ersten Nacht von einem Einbrecher heimgesucht. Bastian Mendig - Roos Chef aus dem Institut, mit dem Leonie vor langer Zeit auch einmal ein Verhältnis hatte - ist auf der Suche nach Unterlagen, die Roos angeblich aus dem Institut mit nach Hause genommen hat.
Am nächsten Tag taucht ein unbekannter Mann auf, der sich als Roos' Freund ausgibt: der Bauunternehmer Fred (Jürgen Vogel). Als er von Roos Tod erfährt, macht er sich schwere Vorwürfe, weil er Roos nicht geglaubt hat, als sie ihm kurz vor ihrem Tod davon erzählt hat, dass sie Angst um ihr Leben habe. Er ist sich sicher, dass Roos ermodet wurde.

Kurz darauf lernt Leonie eine weitere von Roos ungewöhnlichen Bekannten kennen. Die junge Fiona, die fest davon überzeugt ist, die Tochter des Insitutschefs Prof. Wehnagel zu sein. Roos hat Fiona in diesem Glauben sogar noch bestätigt.

Am Strand an dem Roos gestorben ist, erfährt Leonie, dass ein Anwohner namens Brockmann den Notarzt verständigt hat. Als sie ihn in seiner Wohnung aufsucht, entdeckt sie, dass Brockmann ein Spanner ist, der Roos nicht nur am Strand, sondern auch privat beobachtet hat.


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Mit Unbehagen realisiert Leonie, dass Roos sich nicht nur auf dieses Spielchen eingelassen hat, sondern dass sie den Spanner sogar für eigene Zwecke eingespannt hat und von ihm noch ein anderes Video hat filmen lassen. Brockmann vermutet dieses Video in Roos' Bankschließfach.

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Roos Anwalt bringt Leonie auf die Idee, ihre Ähnlichkeit mit Roos auszunutzen, um problemlos an den Schließfach-Inhalt zu kommen. Bei der Suche nach dem Schließfach-Schlüssel entdeckt Leonie einen weiteren Schlüssel mit dem Aufdruck "MS Poseidon", mit dem sie erst mal gar nicht anfangen kann.

Als Roos verkleidet, hat Leonie keine Probleme den Bank-Angstellten zu täuschen und das Schließfach auszuräumen. Geschockt entdeckt sie dort jede Menge Bargeld, aber kein Video mit irgendwelchen Aufnahmen.

Leonie und Fred fragen sich, woher das viel Bargeld im Schließfach stammen könnte. Allmählich ist auch Leonie der Meinung, dass Roos keines natürlichen Todes gestorben sein kann.

Fred äußert die Vermutung, dass Roos oder jemand anders aus dem Institut dort illegale Drogen hergestellt haben könnte und der Geldsegen aus diesem Drogengeschäft stammt. Etwas, was Leonie sich beim besten Willen nicht vorstellen kann und vor allem nicht vorstellen will.
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Als Fiona abends bei Leonie auftaucht, erzählt sie, dass Roos ihr Geld gegeben habe, das von Prof. Wehnagel stammte. Gegen die Vermutung, das Prof. Wehnagel Roos etwas angetan haben könnte, weil Roos ihn erpresst habe, setzt sich Fiona allerdings vehement zur Wehr. Eher noch habe die Frau ihres Vaters etwas mit dem Mord zu tun.

Von Roos' Anwalt erfährt Leonie endlich, was sich hinter der "MS Poseidon" verbirgt. Die MS Poseidon ist ein Sado-Maso-Club, in dem Roos ein aktives Mitglied war. Die ganze Geschichte wird für Leonie immer mysteriöser.

Währenddessen beschuldigt Prof. Wehnagel seinen Mitarbeiter Bastian Mendig, Untersuchungsergebnisse gefälscht zu haben, was dieser jedoch vehement bestreitet.

Als Leonie im Institut die Sachen von Roos abholt, schöpft sie aufgrund Bastians Verhalten den Verdacht, dass er hinter Roos Tod steckt.

Zum Andenken an Roos nimmt Leonie einen Ableger von Roos Lieblingspflanze - der Datura - im Institutgarten mit, um sich für zu Hause einen Steckling ziehen zu lassen.
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Bei einem gemeinsamen Essen äußert Fred den Verdacht, dass jemand aus dem Labor ein neuartiges Gift entwickelt und Roos damit ermordet haben könnte. Leonie bleibt jedoch skeptisch.

Als Fred bemerkt, dass Brockmann sie beobachtet, geht er auf ihn los, ehe Leonie ihn stoppen und ihm erklären kann, dass sie es genau darauf angelegt hat, um so an die Video-Aufnahmen zu gelangen, die Brockmann für Roos gemacht hat.
Das Video, dass Brockmann hinterläßt, ist allerdings das Video von Roos am Strand. Auf dem Band ist zu erkennen, wie sich eine unbekannte Person über die bewusstlose Roos beugt. Der oder die Mörder/in?

Als Leonie Roos' Schränke nach dem anderen Video durchsucht macht sie eine weitere schockierende Entdeckung: Ein Domina-Kostüm mit allem was dazu gehört. Und ein Foto auf dem neben Roos ein maskierter Mann - ebenfalls in Lack und Leder - zu sehen ist.

Während Roos sich im Institut mit Prof. Wehnagel treffen will, erfährt Fred vom Gärtner, dass dieser von der Datura-Pflanze keinen Steckling ziehen wird, weil die Pflanze extrem giftig ist. Das Gift ist geschmacklos, wirkt zeitverzögert und die Wirkung wird durch Sonneneinstrahlung sogar noch verstärkt. Fred sieht seinen Verdacht bestätigt.
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Leonie spricht Prof. Wehnagel auf Fiona an, aber er streitet die Vaterschaft ab und erklärte Leonie, dass Roos ihn mit dieser Behauptung erpresst hat. Das Geld für Fiona stamme aber definitiv nicht von ihm

Leonie wird klar, dass zwischen Roos und Wehnagel mehr bestand, als nur ein kollegiales Verhältnis. Wehnagel beichtet ihr, dass er mit Roos am Strand verabredet war, aber sie schon bewusstlos war, als er dazu kam. Somit ist Leonie also keinen Schritt weiter.

Um dem Geheimnis weiter auf die Spur zu kommen, beschließen Leonie und Fred dem Sado-Maso-Club einen Besuch abzustatten. Zu ihrem großen Erstaunen treffen sie dort auf Prof. Wehnagel. Im Club angekommen wird Leonie vorgeschlagen, Roos' Rolle als Domina zu übernehmen; ein Vorschlag, den sie jedoch dankend ablehnt.

In Roos Videosammlung wird Fred auf der Suche nach dem Videofilm von Brockmann endlich fündig. Die Aufnahmen zeigen wie jemand an Bastians Computer im Institut die Test-Ergebnisse abändert. Fred und Leonie sind überzeugt, dass Roos Bastian und/oder Wehnagel mit diesem Wissen erpresst hat.
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Leonie trifft sich mit Bastian am Strand und sagt ihm auf dem Kopf zu, dass er die Daten manipuliert und Roos ermordet hat. Bastian streitet jedoch alles ab und läßt Roos einfach stehen.

Leonie lädt Fred danach per Handy zum Abendessen ein, aber bemerkt dabei nicht, dass sie von einer Frau in ihrer Nähe belauscht wird.

Als Leonie abends die Tür nicht öffnet, erfährt Fred von Paul Brockmann, nicht nur, dass Leonie zu Hause ist, sondern auch dass nachmittags im Supermarkt eine Frau Leonie Einkäufe vertauscht hat.

Fred findet Leonie bewusstlos in ihrer Wohnung und kann sie noch rechtzeitig ins Krankenhaus bringen.

Dort bekommt sie schon nach kurzer Zeit Besuch von Frau Wehnagel, die ihr Pralinen mitgebracht hat und Leonie bedrängt, diese auch sofort zu probieren.

Leonie sagt ihr auf den Kopf zu, dass die Pralinen vergiftet sind. Als Fred hinzukommt, gibt Frau Wehnagel zu, dass sie Roos ermordet hat, weil sie nicht mehr ertragen konnte, wie ihr Mann und sie selbst durch die Beziehung zu Roos und ihre Erpressungsversuche zugrunde geht.
Prof. Wehnagel gibt bei seinem Besuch im Krankenhaus darüber hinaus zu, dass ER die Test-Ergebnisse manipuliert hat, so dass auch dieses Rätsel endlich gelöst und Bastian entlastet ist.
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Kurz nach ihrem Geständnis nehmen sich Prof. Wehnagel und seine Frau das Leben. Bei der Trauerfeier, die ebenfalls im Insitut stattfindet, erklärt Leonie ihrem Anwalt, dass sie Roos' Erbschaft annimmt. Sie genießt ihr neues Leben und auch mit Fred scheint es eine gemeinsame Zukunft zu geben...

Darsteller

In Klammern die Original-Namen aus dem niederländischen Roman, falls die Fernsehnamen sehr "eingedeutscht" wurden

Mariele Millowitsch Leonie Krüger (Kuyper)
Jürgen Vogel Fred Wenger (Freek Volbeda)
Anne Kanis Fiona
Rainer Piwek Paul Brockmann (Pleun Mastenbroek)
Hansa Czypionka Bastian Mendig (Bas Mentink)
Viktoria von Trautmannsdorf Margarete Mendig (Marjolein Mentink)
Anke Sevenich Frau Wehnagel
Peter Rühring Prof. Matthias Wehnagel
Angelika Thomas Frau Goldblum
Susanne Wilhelmina Roos Berger (Berczy)
Peter von Strombeck Notar Grafland
Max Landgrebe Bankangestellter
Peter Heinrich Brix Gärtner
u.v.m  

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Produktion
   
Regie Walter Weber
Buch Charles Lewinsky & Walter Weber nach dem Roman "Die Sonnenuhr oder Das geheime Leben meiner Freundin Roos" von Maarten 't Hart
Kamera Arthur Ahrweiler
Produktionsleitung Christian Kohn
Herstellungsleitung Roger Daute
Producer Carsten Kelber
Produzentin Jutta Lieck-Klenke
Produktion Network Movie fürs ZDF
Redaktion ZDF Daniel Blum
gedreht wurde vom 20. Juli bis 20. August 2004 in Flensburg & Umgebung sowie in Hamburg
   
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Quote & Kritiken


Einschaltquote:

Der Film hatte bei der Erstausstrahlung 7,54 Mio Zuschauer ab 3 Jahre (22,9%) und in der Gruppe der 14-49jährigen immerhin auch 2,12 Mio Zuschauer (15,5%). Insgesamt lag der Film somit an dem Tag auf Platz 1 der Gesamtzuschauer und auf Platz 4 bei denen zwischen 14 und 49 Jahren.

TV - Today, 24.03.05
Tagestipp! Großartig. Mariele Millowitsch als Ermittlerin wider Willen - eine Paraderolle. Herrlich leichtfüßig und mit stubiler Komik erzählt.

Hörzu, 24.03.05
Tagestipp. Gut. Unterhaltsame Spurensuche. [....] Nach dem Roman von Maarten t' Hart entstand ein recht origineller Rätselkrimi, bei dem es zwischen Jürgen Vogel und Mariele Millowitsch gehörig knistert.

Gong, 24.03.05
Top-Tipp. Unterhaltsam dank ausgezeichneter Darsteller. Mariele Millowitsch und Jürgen Vogel geben dem Film seine Klasse. Dank ihnen folgt man die sich langsam entwirrenden Handlungsfäden bis zum Ende mit Interesse und amüsiert sich auch.

TV - Digital, 24.03.05
Gelungen. Faszinierendes Puzzle. So pfiffig wie Miss Marple: Mariele Millowitsch

prisma-online
Sehenswert! Nach einer Vorlage des niederländischen Schriftstellers Maarten t’Hart inszenierte Walter Weber einen packenden, stark gespielten Kriminalfilm, bei dem man nicht nach der ersten Minute ahnt, worauf alles hinaus läuft.

teleschau, März 2005
[....] Der Stoff bot sich geradezu für ein Drehbuch an. Mariele Millowitsch setzte sich für eine Verfilmung ein und schlüpft so natürlich in die Rolle der Leonie wie diese sich sorglos als Roos ausgibt. Walter Weber führte Regie bei der Krimikomödie, die in strahlend schönen Sommerbildern von einem skurrilen Doppelleben erzählt. Flensburg ist mehr als nur der Ort des Geschehens: Der Film formuliert mit ausgiebigen Kamerafahrten eine kleine Liebeserklärung an die alten Gemäuer und den Strand der Stadt. Auch das Privatermittler-Duo, das sich trotz seiner Gegensätzlichkeit prima ergänzt, leistet seinen Beitrag für ein kurzweiliges, amüsantes bis verstörendes Fernsehvergnügen.

taz, 04.04.05
Tipp: Nicht verpassen! [....] Doch komme, was da wolle - Leonie und Fred sind selbst da nicht aus der Ruhe zu bringen, und man ertappt sich bei der Frage: Sind die beiden nun besonders cool oder irgendwie nicht ganz helle? Egal, die ganze Geschichte ist zwar nicht sehr tiefgründig, aber schön absurd und unterhaltsam bis zum Schluss.

TV Beilage des STERN, 30.03.05
[...] Klar, weder passt der skurille Lebenswandel in das provinzielle Flensburg noch kann man sich eine Freundschaft zwischen der bodenständigen Leonie und der schillernden Roos, die sich nachts als Sadomaso-Domina in Lack und Leder verdingt, vorstellen. Und auch der Krimi zieht der Film den Zuschauer nicht in seinen Bann, da es nicht gelungen ist, einen Spannungsbogen aufzubauen. Und trotzdem macht es Spaß, dem ungleichen Paar Millowitsch/Vogel bei seinem überzeugenden Spiel mit jeder Menge Wortwitz zuzuschauen.

BWZ, 01.04.05

Vergnüglicher Krimi-Spaß.

Hamburger Abendblatt, 05.04.05

Rum, Spickaale und Beate Uhse - das war bisher typisch für Flensburg. Nun agiert die Stadt im hohen Norden auch als Schauplatz eines leicht perversen Krimis. Es geht um den Tod einer blonden Laborantin mit langen Kunstnägeln. Mariele Millowitsch, taff wie stets, geht als beste Freundin stracks auf Geheimniserkundung. An ihrer Seite Jürgen Vogel als Spürnase. Nach dem Bestseller "Die Sonnenuhr" von Maarten t'Hart hat Walter Weber (Buch/Regie) einen fabelhaft verzwickten Thriller (Spannungsmuster wie bei Durbridge) gedreht. Thema: Intrigen in einem Forschungsinstitut, Doppelmoral an der Förde. Das Dunkel hellt auf: Die langen Nägel, Leder-BH samt Peitsche verweisen auf einen Sadomaso-Klub. Bingo. Dort "erzog" die Blondine (gegen Euro) brave Bürger. Verstrickt in eine Erpressung, mußte sie leider sterben (asiatisches Gift). Ach, man ahnte es: Auch Flensburg hat ein Doppelleben.

FAZ, 04.04.05
Eine Frau purzelt aus ihrem langweiligen Leben. Sie schaut sich irritiert um, schüttelt sich kurz, arrangiert sich mit verwirrenden Ereignissen in ihrer Umgebung, verliebt sich in einen Mann und klärt nebenbei Verbrechen auf. Das ist etwas für Mariele Millowitsch, die häufig Frauen zwischen Verschrecktheit und Intuition, zwischen Verschrecktheit und Verschmitzheit darstellt und dabei zwei Rollenfächer miteinander verbindet. Frohnatur und Femme fatale. Dabei darf die Millowitsch zwischen Vamp und Volksschauspielerin chargieren und Erotik mit komödiantischem Akzent inszenieren, wenn sie sich zum Beispiel anlässlich einer Trauerfeier in ein enges Kostüm zwängt und dabei in wenigen Sekunden zeigt, wie viel Sex-Appeal ein Dekolleté erlaubt und wie notwendig eien kleine Diät-Kur sein könnte. Alles sauber, propper, charmant und mit einer kleinen Dosis Verruchtheit.
[....] Sie stößt auf einen Sado-Maso-Zirkel, in dem Roos so etwas wie die "Königin der Nacht" gewesen ist. Leonie möchte in diesem Etablissement dann doch nicht die Nachfolge ihrer Freundin antreten, auch wenn sie sich schon in den enganliegenden Domina-Dress gequält hat. Sie bleibt sich treu: sauber, propper, charmant. Diese Geschichte besitzt Thrill und Komik, doch die dramaturgische Kraft fehlt. Viele Versatzstücke machen noch keine Story, einzelne Typen keine Charaktere. Ein Film wie eine zusammengewürfelte Revue, die zwar kleine Sensationen, aber keine erzählerische Dichte bietet. Vieles erscheint zufällig und erzwungen: dahingehuschte Ideen, die aneinandergeklebt wurden. Überzeugend allerdings Mariele Millowitsch und Jürgen Vogel, die eigentlich so gar nicht und deswegen wohl so gut zusammenpassen.

Kölner Stadtanzeiger, 05.04.05
Am Anfang war es bloß ein Sonnenstich, am Ende gar ein Mord. Der ZDF-Krimi „Das geheime Leben meiner Freundin" erzählte zunächst vom harmlosen gesellschaftlichen Aufstieg einer Frau und wollte dann ganz beiläufig zum stillen Thriller mutieren.
So oder so ähnlich werden sich das die beiden Schweizer Charles Lewinsky und Walter Weber bei ihrer Adaption von Maarten 't Harts fast gleichnamigem Roman „Die Sonnenuhr oder Das geheime Leben meiner Freundin Roos" wohl gedacht haben. Derart viel Beiläufigkeit ist allerdings mit Mariele Millowitsch nicht drin. Das Korsett der etwas unbedarften Alleinerbin saß ähnlich eng wie die Reizwäsche aus Lack und Leder, in die sie sich vorübergehend quetschen musste. Zum Äußersten kam es dann aber doch nicht: Der Auftritt als „Königin der Nacht" im Sado/Maso-Club blieb ihr verwehrt und dem Publikum erspart.
Zu diesem Zeitpunkt war die Hauptfigur dennoch längst mittendrin in der Metamorphose. Um dem Nacht- wie auch dem Ableben ihrer toten Freundin auf die Spur zu kommen, glich sie sich der toten Roos immer mehr an. Doch der Prozess blieb rein äußerlich und beschränkte sich auf knallrote Fingernägel und zu enge Kostüme. Darunter kam unvermeidlich immer wieder Schwester Nikola zum Vorschein, die Frohnatur aus der RTL-Sitcom. Mariele Millowitsch ist das vermutlich nicht anzulasten: Drehbuch und Regie (ebenfalls Weber) haben ihr anscheinend keine Zwischentöne geboten. Die Geschichte hatte dennoch ihren Reiz; vorausgesetzt, man hielt sich nicht lange mit der Frage auf, was ein Chabrol aus der bissigen Bourgeoisie-Kritik gemacht hätte.

TV - Movie, 24.03.05

Durchschnitt. Verschenkt viel gutes Potential.

TV - Spielfilm, 24.03.05
Durchschnitt. Trotz schnurriger Momente kommt der Krimi reichlich verschnarcht daher. Nur der agile Vogel bringt Schwung ins Geschehen. Das Buch war wieder einmal aufregender.

DER SPIEGEL, 04.04.05

Die Vorlage zu dieser verschlungenen Geschichte (Regie: Walter Weber) stammt von dem holländischen Autor Maarten 't Hart ("Das Wüten der ganzen Welt"). Eine arbeitslose Sekretärin (Mariele Millowitsch) erbt von ihrer Freundin, die an einem Hitzschlag gestorben ist, deren Wohnung nebst dreier Katzen. Die Tote, so stellt sich heraus, hatte viele Geheimnisse, die bis in die sadomasochistische Szene reichen. Die Schauspieler, besonders die lieb-freundliche Millowitsch an der Seite von Jürgen Vogel als Bauunternehmer, wirken von all den bösen Entdeckungen leider reichlich überfordert.

Allgemeine Zeitung, 06.04.05
[....] Ob all der Irrungen und Wirrungen, die das Drehbuch so vorschrieb, schien die Leonie bestenfalls verdutzt. Erschrocken war da wohl eher Mariele Millowitsch. Sicher, die Darstellerin spielte eine blasse, fast schon eigen- und leidenschaftslose Figur. Und trotzdem blieb die Millowitsch-Leonie nichts weiter als ein Abziehbild. Sie findet eine Peitsche, die offenbar zu einem Sado-Maso-Outfit ihrer Freundin gehört - und bleibt stumm. Immerhin Jürgen Vogel schlägt sich recht gut durch die neunzig Filmminuten.

Was aber sollte aus diesem ZDF-Fernsehfilm (Regie: Walter Weber) eigentlich werden: ein Krimi, eine Komödie, eine psychologische Charakterstudie? Die Vorlage von Maarten 't Hart, der Roman "Die Sonnenuhr oder Das geheime Leben meiner Freundin Roos" durchzieht jedenfalls, so heißt es, ein versteckter, makabrer Humor. Wenn jener sich im Film mal zeigte, schien er lediglich krampfig-gewollt. Ansonsten hat er sich in der Fernsehfassung noch viel besser versteckt, der Humor. Wahrscheinlich zusammen mit der Spannung. Hinter der Langeweile.

Berliner Zeitung, 04.04.05

[....] Der niederländische Autor Maarten t'Hart, berühmt geworden durch seinen furiosen Roman "Das Wüten der ganzen Welt", ist bekannt für seine Skepsis gegenüber den Verfilmungen seiner Stoffe. Ob er nach Ansicht dieses Films, der seinen Roman "Die Sonnenuhr", beschneidet, zerpflückt und in treudeutscher Geradlinigkeit neu zusammensetzt, seine Einwilligung bereut? Zu verstehen wäre es, denn der vorwiegend "girl friends"-gewohnte Regisseur Walter Weber hat (zusammen mit Charles Lewinsky) ein Drehbuch vorgelegt, das der leicht luftigen und angenehm rätselhaften Vorlage beinahe jeden Charme austreibt.
Das Geschehen wurde in das äußerst langweilig wirkende Flensburg verlegt, eine Art Backsteinhölle mit Meereszugang, einige der faszinierendsten Figuren samt vieler schönen falschen Fährten hat man gleich ganz gestrichen. Zudem ist diese Leonie, von Mariele Millowitsch sehr routiniert als leicht biestige Langweilerin gespielt, eine der reizlosesten Figuren, die man je sah. Diese Frau ist von so öder Properheit, dass man sich bald sehnlichst die Auferstehung der Hobby-Domina Roos wünscht. Dass man der patenten, aber appealfreien Frau Millowitsch ausgerechnet den gleichermaßen verhärmt, übermüdet und unterfordert aussehenden Jürgen Vogel an die Seite gestellt hat, entpuppt sich als bitterer Casting-Scherz - der Hungerkünstler und die Wuchtbrumme.
Die von t'Hart recht hübsch verschränkten Rätseleien und Milieus, darunter jene der überehrgeizigen Chemiker, tragikomischen Sex-Sklaven und freundlichen Voyeure, werden rasch entzaubert und fantasielos abgehakt. Es gibt keinerlei Raffinesse, nur sehr bodenständige deutsche Fernsehkost. Einmal erklingt ganz kurz der raunende "Blue Velvet"-Song, da muss man kurz an David Lynch denken - und man ist gleich noch ein bisschen trauriger.

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Sonstiges
 
Artikel, Interviews, Berichte
3 Fragen an Mariele Millowitsch (TV Today, 24.03.05)
Interview mit Mariele (ZDF, 01.03.05, Pressemappe)
"Vom Roman zur Rolle (vorwärts)..." (ZDF, 01.03.05, Pressemappe)

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