"Als Mutter wäre ich keine Katastrophe"
(auf einen Blick, 24.04.03)
 
Die Tochter des großen Volksschauspielers Willy Millowitsch wuchs praktisch im Theater auf. Ihre größten Erfolge feierte sie allerdings im Fernsehen. Am Dienstag, dem 6. Mai, ist Mariele Millowitsch als Leiterin der Münchner Mordkommission in dem RTL-Thriller "Die Stimmen" zu sehen.

Sie spielen erstmals eine Kommissarin. Haben Sie sofort zugesagt?

Ich habe gezögert. Es gibt schon so viele Kommissarinnen im Fernsehen. Der Roman hat mich dann aber so sehr interessiert, dass ich zugesagt habe.

Man kennt Sie eher aus lockeren Rollen wie in "girl friends" und "Nikola". Wie ist es als Polizistin?

Ich finde, die Waffe steht mir nicht so gut. Ebenso die Zigaretten. Ansonsten hat mir die Rolle viel Spaß gemacht.

Im Film werden Sie von Kollegen gemobbt. Haben Sie so etwas schon selbst durchgemacht?

Die Verletzungen und Beleidigungen, die man im Leben erfahren hat, kommen in so einer Rolle wieder hoch. Da muss man sich nicht groß hineinversetzen. Das fühlt man. Deshalb ist Schauspielerei auch ein bisschen Therapie.

Legen Sie die Rolle nach Drehschluss ab?
Das ist manchmal gar nicht so leicht.

Die Rolle als Mutter steht Ihnen gut. Warum haben Sie sich privat gegen ein Kind entschieden?

Als Mutter wäre ich eine Katastrophe, weil ich zu ungeduldig bin. Ich will mein Leben selbst bestimmen und möchten nicht, dass jemand von mir abhängig ist.

Haben Sie noch immer den Dran, alle paar Jahre in Ihrem Leben etwas ändern zu wollen?
Davon ist nur meine Reiselust geblieben. Mein Traum ist es in die Antarktis zu reisen. Das habe ich mir fürs nächste Jahr vorgenommen.

Sie sind eine vielbeschäftigte Schauspielerin. Denken Sie auch an schlechte Zeiten?
Ich weiß, dass ich im Moment Glück habe. Die Zuschauer mögen anscheinend, was ich spiele. Ich weiß, das kann sich schnell ändern. Doch ich schaue optimistisch in die Zukunft, lasse alles auf mich zukommen.

Setzt Sie Ihr Ehrgeiz nicht unter Druck?
Manchmal vergieße ich ein, zwei Tränen, weil ich denke, mir wird alles zu viel. Aber dann geht es wieder. Mein Vater hat mich zu Disziplin erzogen. Früher habe ich deshalb oft geflucht. Heute weiß ich den Wert dieser Erziehung zu schätzen.

Hat Ihr Vater Sie als Schauspielerin gelobt?
Anfangs nicht, später schon. Er hat immer geglaubt, Mariele macht das schon.

Für "Nikola" haben Sie den Grimme-Preis bekommen...
Das war eine große Genugtuung. Denn Adolf-Grimme, nach dem der Preis benannt wurde, mochte nicht, was mein Vater tat.

Privat haben Sie einen Schicksalsschlag hinnehmen müssen. Wie geht es Ihrer Mutter nach dem Schlaganfall?

Erst war ich sehr traurig, dachte, das hat sie nicht verdient. Mittlerweile bin ich guter Dinge, dass Mama noch iene schöne Zeit hat.

Ihr Vater Willy ist 90 Jahre alt geworden...
Ja, wir tragen offenbar gute Gene in uns. Ich bin gespannt, wie alt ich werde.

© 2003 auf einen Blick