| Boulevard Bio: Selbst ist die Frau (ARD, 12.09.00) |
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| In dieser Sendung begrüßte Alfred Biolek: Carmen Nebel Mariele Millowitsch Jasmin Wagner ("Blümchen") Maybritt Illner [....] |
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| Biolek: Lauter Erfolgsfrauen habe ich um mich heute...
Mariele: Jaja, Frau Nebel ist ja das Allergrößte. Selbst ein Dirndl könnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie eben Hans-Günther - meinem Hund - das letzte Mozzarella Ding weggessen hat. (alle drei fangen an zu lachen) In der Garderobe! Der Hund hat so geweint und SIE hat das letzte Mozzarella ... (sie spielt beleidigt) Ich möchte nur darauf hinweisen, ne! Carmen Nebel kriegt sich gar nicht mehr ein vor Lachen Biolek: Das ist ja wirklich ein Blick hinter die Kulissen... Mariele: Jaja, Dirndl hin, Dirndl her! C. Nebel: Ich wußte ja auch nicht, dass Hunde, die Hans-Günther heißen Mozzarella essen, also... |
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Mariele: Ich glaube, wenn man so heißt, muss man
irgendwas Idiotisches tun. (alle lachen) Ich geb's ja zu. Biolek: Hans-Günther. Das ist ja auch selten, dass ein Hund... Mariele: Es ist keine Rache an niemanden, das werde ich immer wieder gefragt. Ich KENNE keinen Hans-Günther. Ich wollte auch keinem was Böses ... der Hund sieht ja nett aus, insofern wär's ja auch keine Strafe. |
| Biolek: Aber es ist doch viel persönlicher als "Fiffi"
... Mariele: Ja, ich hab immer ein Faible gehabt, Tiere irgendwie Menschen-Namen zu geben. Ich hatte einen Karl-Heinz und eine Elvira - als Schwein... Biolek: Sie hatten doch ein Hängebauchschwein... Mariele: Ja, das war meine Püppi, meine Elvira. Die war wirklich zauberhaft. Biolek: Die war bei Ihnen zu Hause. Mariele: Die war in meinem Garten, ja. Und ich musste mich von ihr trennen - ein Scheidungsschwein ist sie geworden (das Publikum lacht) Ja, wirklich! Und dann habe ich sie auf einen Bauernhof gegeben und dachte mit Kumpels geht's ihr dann gut, weil bei mir war sie eh immer alleine. Die hatte sich aber total auf mich fixiert und hatte nach zwei Monaten einen Magendurchbruch gehabt und dann war's vorbei. Biolek: Ja, Kummer... Mariele: Ja, ein Stress-Syndrom beim Schwein, echt. Und da bin ich heute noch ein bisschen .... ist mir das peinlich letztendlich, ja. Biolek: Am Freitag kommt eine neue Staffel von "Nikola" ... Mariele: (stolz) Ja! Biolek: ... und das ist ja auch 'ne Erfolgsgeschichte. Das war bisher erfolgreich und ich bin sicher, es wird weiterhin erfolgreich. Und das parallel dazu, dass "girl friends" wiederholt wird und auch erfolgreich ist. Sie sind ja auch so 'ne Art Quoten-Garant. Mariele: Ja, toi, toi, toi (sie klopft 3x an ihren "Holz"*g* - Kopf). Ich weiß, man sagt von mir, ich sei eine Sympathieträgerin. Das muss dann aber auch immer gebettet sein in ein gutes Buch. Ich meine, wenn ich da nichts habe, womit ich spielen kann, und kann sagen, da kann ich mir was zu überlegen, dann bin ich auch gnadenlos verloren. Biolek: Aber trotzdem, es hängt ja an einem und das ist auch ein gewisser Druck, das haben wir ja auch gerade [im Gespräch mit C.Nebel] gesagt... |
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| Mariele: Ja, das ist es durchaus. Das wissen Sie
[C. Nebel] zu bestätigen... Biolek: Man hat ja die Latte, über die man springen muss, selbst so hoch gelegt. Mariele: Ja die Meßlatte wird natürlich immer höher. Und bei jedem Film, den ich mache, denke ich "So! Das ist jetzt der Untergang! Wenn du Pech hast!" Könnte ja sein. Wobei, wenn man einen in den Sand setzt, das wird einem unter Umständen noch nachgesehen, aber wenn das jetzt zum Dauerzustand wird...? Und das Fernsehen ist hart geworden, haben Sie zwei, drei Mal die Quote nicht eingefahren, dann geht's "Zack! Weg!" Biolek: Und der Mißerfolg kann auch an Dingen liegen, mit denen man selbst gar nichts zu tun hat. |
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| Mariele: Nein, nein, der Kopf wird hingehalten und
dann funktioniert der Hintergrund nicht und dann heißt's "Naja, die Millowitsch
war Mist!" Biolek: Aber noch ist es ja ganz wunderbar und macht sicherlich mindestens so viel Spaß wie bei Frau Nebel... Mariele: Ja, es ist meine Lieblings-Arbeit, sozusagen. Biolek: Hatten Sie je Existenzängste? Mariele: Ja, schon. Das war die Zeit, als ich noch nicht so genau wusste, was will ich? Tiermedizin studiert... Biolek: Also mehr aus diesem Grunde... Mariele: ... dieser Fluchtversuch. Dann merkte ich zu Hause am Theater, das ist es jetzt auch nicht. Was machst du? Und irgendwie hatte ich dann das Gefühl: Komm zu einem Punkt! Sonst wird's... Biolek: Das interessiert mich noch mal, dieser Weg. Ich meine, man denkt ja, wenn jemand den Namen "Millowitsch" trägt, dann ist ja der Erfolg garantiert. |
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Mariele: Ja, habe ich auch gedacht zu der Zeit. Als
ich so klein war noch und zu Hause spielte. Da war ich ja eingebettet und
da hätte man mich von der Bühne bomben können. Ich stand da oben und dachte
"so bleibt es jetzt für den Rest meines Lebens!" Blieb's nicht! Weil irgendwann
kommt dann so ein Grummeln auf und du denkst: "Was machst du hier eigentlich?
Lernst du dazu? Willst du dahin? Wirst du Inventar bleiben in der Familie?
Denk dir was aus!" Biolek: Sie waren schon mit acht auf der Bühne. (Mariele nickt zustimmend) Aber wie war das Leben auch ohne die Bühne? Mit diesem Patriachen und dieser Großfamilie und mit dieser Familie, die gleichzeitig ja auch ein Theater-Unternehmen ist. |
| Mariele: Ach, im Prinzip normal. Weil Vater war ja
relativ wenig da - ich kannte ihn ja letztendlich gar nicht, sondern mein
Verhältnis zu Vater ... Als Kinder saßen wir immer zu Hause mit Mutter und
Vater war auf Tournee. Und wenn er dann mal am Wochenende kam, wurde so
"in Familie" gemacht und dann war der Vater - der Boss hieß er bei uns -
auch wieder weg. Und mein engeres Verhältnis zu ihm entstand, als ich dann
wieder fest anfing Theater zu spielen, so ab '71. Da habe ich dann gemerkt,
da ist mein Vater... Biolek: Bei ihm gespielt? Mariele: Bei ihm, ja am Haus. Und dann war was ganz Witziges. Dann habe ich mal ab und zu mit ihm abends da gesessen, Bierchen getrunken und dann ging das dann so los. Und dann merkte ich: "Hey, der weiß von dir viel mehr, als du dachtest!" Ich dachte immer: "Der Blödmann, der ist ja sowieso nie da, was will denn der von dir wissen?!?" Und dann merkte ich: der weiß alles. Der fragt Fragen und hat sich interessiert. Oh, da war ich sehr platt! Und dann wurde auch der Beruf ein Teil von mir. Ab da! Biolek: Aber dann haben Sie ja - Sie haben es eben schon angedeutet - so eine Art Flucht... Mariele: Fluchtversuch, ja. Biolek: Fluchtversuch: Etwas ganz Eigenes zu machen, was nicht mit "Millowitsch", nichts mit Theater zu tun hat. Sie haben Tiermedizin studiert. Was hat denn der Vater dazu gesagt? |
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| Mariele: Ja, erst waren die völlig ... irgendwie
konsterniert. Denn ich sollte angemeldet werden am Mozarteum in Salzburg
und das war auch alles schon angeleiert. Und dann sahe ich diese Zettel
da liegen und dachte mir "No! Nein!" Irgendwas sagte: "NEIN." Und dann hieß
es: "Ja, du kannst ja jetzt nicht gar nichts tun!" Nee, wollte ich ja auch
nicht. Und dann habe ich Krankengymnastik angefangen, bis mir ein kluger Mensch gesagt hat, dass man sich einklagen kann an den Unis. (sie lacht) Weil ich so ein miserables Zeugnis hatte und damals musste man den Unis nachweisen, dass sie ihre Kapazitäten nicht erfüllt haben und dann bin ich so gerade noch mit reingerutscht und hab 'nen Studienplatz gekriegt. Per Anwalt. |
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Biolek: Als Tiermedizinerin. Haben Sie
fertig gemacht?
Mariele: Ja. Ich wollte nach dem Physikum aufhören und da hat Vater dann gesagt: "Du, Freundin!" so nach dem Motto: Das machst du mir aber jetzt zu Ende! Biolek: Also, wenn schon, denn schon. Mariele: Wenn schon, denn schon. Und ich bin auch niemand, der was hinwirft, so war's schon klar, dass ich das zu Ende mache. Biolek: Und Sie sind ja auch Frau Doktor. Wissen Sie noch, über welches Thema Sie promoviert haben? |
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Mariele: (denkt mal kurz konzentriert nach) "Die partielle,
perkutane Diskektomie als alternative Behandlungsmethode beim Bandscheiben
- Vorfall des Dackels" (dafür erntet sie erstmal Applaus) Oder so ähnlich...
Biolek: (lacht) Des Dackels ?!?! Aber Hans-Günther hat keinen Bandscheiben-Vorfall. Mariele: Nein, aber mein Hund, den ich vorher hatte, die Sophie, die ist mit in der Statisik. Ich hab ihr das auch gewidmet, meine Doktorarbeit. Die ist für Sophie, ja. |
| Biolek: Sie haben das also gemacht, aber wie wir alle
wissen, sind Sie dann doch keine Tierärztin geworden. Mariele: Nee, das klappte dann irgendwie nicht. So zum Ende des Studiums hin, dachte ich noch, jetzt in einer Praxis irgendwo verschwinden da in - ich sag dann immer salopp - "in Bregenz an der Knatter"...? Willst du auch nicht. Dann war ich gerade getrennt von meinem Komillitonen, mit dem ich eigentlich was zusammen machen wollte ... DER war's dann auch nicht. Und dann rief Kay Lorentz vom Düsseldorfer Kom(m)ödchen an. Die waren gerade dabei ein neues Ensemble neben der Lore [Lorenz] aufzubauen. Und da kam dann der Ruf und zwei Tage dachte ich "So was machst du denn?" und dann dachte ich "Jetzt machst du Kabarett! Jetzt gehst du zurück!" Und dann gab's kein Halten mehr. Biolek: Sie hatten ja - für sich wahrscheinlich auch - sich bewiesen, dass Sie auch was anderes machen können. Mariele: Da gebe ich Ihnen durchaus Recht. Ich nehme an, das hatte damit zu tun, absolut. Biolek: Und das war eine wichtige Sache, und dann war das abgeschlossen und da kann ich auch jeder Zeit zurück, wie wir eben [von C. Nebel] schon gehört haben... Mariele: Naja, auch ein Fake. Wie Sie [C. Nebel] wissen: Sie können nicht morgen anfangen. Ich kann nicht hingehen und sagen "So jetzt ist mein Beruf dahin, jetzt mache ich 'ne Praxis auf!" Biolek: Ich bin immer völlig entsetzt, wenn mich nach 38 Jahre Fernsehen fragt: "Und Sie sind doch Jurist?" Dann sage ich: "Was bin ich?" Mariele: Achja, stimmt ja. Biolek: Ich habe vier Monate in Rechtsabteilungen des ZDF gearbeitet und dann 38 Jahre Fernsehen gemacht, dann sagen sie, ich bin Jurist. Das wäre ja, als würde jemand sagen "Sie [Mariele] sind ja Tierärztin." Mariele: Aber es ist ... es tut gut. Ich muss sagen, ein paar Mal in meinem Leben, wenn es darum ging: "kriegst du die Rolle oder kriegst du sie nicht?" dann habe ich immer noch gedacht: ich bleibe locker, ich hab einen anderen Beruf. |
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| Biolek: Klar, das habe ich die ersten Jahre auch
gehabt, aber später nicht mehr... Was hat denn der Vater gesagt? Dass Sie
nun doch wieder zum Theater gehen, aber nicht zu ihm? Mariele: Da wurd's schwierig, das gebe ich zu. Da wurd's dann mal ein paar Zeiten lang eng. Weil er das nun gar nicht mochte, dass jemand fremd geht. Hat's aber dann irgendwie akzeptiert, weil er sah: die Kleene will wohin, die hat 'ne Richtung, einen anderen Weg. Denn die Komödianten-Rollen sind immer oder meistens für Männer geschrieben. Also gab's Papa und gibt's Peter. Und dann habe ich jetzt die soundsovielte Dienstmädchen - Rolle gespielt oder die soundsovielte Tänzerin oder so ein altes Verhältnis, das plötzlich auftaucht und alles durcheinander bringt... das konnte ich dann auch! |
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Biolek: Die Hauptrollen sind alles Männer. Mariele: Ja, klar, das sind die Männer. Biolek: Hat er eigentlich je eine Folge von "Nikola" gesehen? Mariele: Ja, das war sehr süß. Im Sommer noch hat er sich ... da war er ja schon immer wieder müde und da ging's ihm schon nicht so wahnsinnig gut. Und dann habe ich gesagt: "Papi, willst du mal zwei sehen?" Ja. Und dann habe ich eine gezeigt, dann die zweite gezeigt, die dritte gezeigt, die vierte, die siebte, die zehnte... und dann hat er sich hintereinander die ganzen 13 Folgen angeguckt. Und er war müde, er war kaputt - es elf oder halb zwölf Uhr abend, aber er wollte es alles sehen. Und dann hat er den Daumen gehoben und das war sein Form von Lob. War echt sehr süß. Biolek: Jetzt ist er ja ... in zwei Wochen jährt sich sein Todestag. Mariele: Ja, so ist das. |
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Biolek: Vermissen Sie ihn? Mariele: Ja klar, das Haus fängt an sich zu verändern. Wobei 'ne ganze Zeit lang hat das Haus sich überhaupt noch nicht bewegt. Dass du denkst, der ist jetzt eben mal gerade weg. Und jetzt geht's so los, dass du sagst, auch das Haus bekommt eine andere Ausstrahlung. Es ist nicht mehr das alte. Es verändert sich dadurch, dass er nicht mehr in dem Sessel sitzt, in dem er immer war und das man die Stimme nicht mehr durchs Haus hörte. Oder sein berühmtes... (sie zieht die Nase hoch und lacht) ...er zog doch immer so die Nase hoch... Biolek: Ja, das kenne ich gut. |
| Mariele: ... und das war für mich als Kind immer...
"Mensch Vater!" Aber jetzt vermisse ich's. Jetzt denke ich, das würde ich
noch mal hören wollen. Naja, so ist das im Leben. Biolek: Aber er hat ja ein wunderbares Alter erreicht und... Mariele: Wir haben keinen Grund uns zu beklagen. Wir hatten den Vater wirklich sehr, sehr lange. Und da gibt's andere Leute, die schlimmer dran sind und ihre Eltern oder Vater viel früher verlieren. Biolek: Sie sind in einer Großfamilie - habe ich schon gesagt - patriarchalisch, ein Clan... hat man da nicht irgendwann das Bedürfnis auch selbst eine Familie...? Vielleicht nicht ganz so eine große, vielleicht auch nicht so eine ... naja, so als außenhin auch als Familie auftretenden Clan, aber doch 'ne Familie? |
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| Mariele: War ich immer zwiegespalten. Einerseits,
dachte ich: "Klasse! Ne große Tafel mit vielen Leuten dran. Topf Spaghetti
drauf und an alle verteilen und Salat und so. In einer Blumenwiese, so wie
im Märchen." Auf der anderen Seite habe ich gesehen, was meine Mutter
leisten musste, wenn Vater ganz gerne abends um halb elf anrief und sagte:
"Du, ich komme jetzt noch mit Leuten rum." Und dann hat die Mutter sich
aufgerafft in die Küche und sie war ja - Sie kennen sie ja - nicht eine,
die dann fünf Butterbrötchen macht, sondern sie kam dann mit Schlachtplatten.
Das heißt, dann saß meine Mutter abends dann noch mal 'ne Stunde in der Küche und wusch auch alles ab und ich dachte "Das kann's nicht sein. Ich will das nicht!" Und irgendwie hat es mich immer schon gestört, dass die Männer - wobei, das ist jetzt wirklich kein Angriff - aber, die sitzen für mich viel im Sandkasten. Die dürfen im Sandkasten bleiben. Dürfen mit Förmchen spielen. |
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Und wir Frauen müssen immer als Toughe dahinter stehen und
alles so in der Hand halten. So kam mir auch meine Mutter vor. Papa spielt
mit Förmchen, der geht raus, macht Tournee und Mutter hält den Laden zusammen.
Und da dachte ich immer: "Nein, ich will mitspielen! Ich will auch ein Förmchen!" Ich will ja keinem den Platz im Sandkasten streitig machen. Ich sag nur "Rück ein Stück, ich gucke mit und ich möchte auch Förmchen haben!" Und das war immer so mein Gedanke. Und deswegen bin ich alleine und deswegen habe ich keine Familie. Biolek: Keine Kinder und Sie .... |
| Mariele: Nee, ich hab Hans-Günther, ist doch gut!
Da bricht C. Nebel erstmal wieder in Lachen aus ... schlechtes Gewissen in Person *g* Biolek: Ja natürlich, der von anderen Mit-Teilnehmerinnen in Talkshows .... |
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| Mariele: (gespielt vorwurfsvoll) ... geknechtet wird.
Das man's noch mal erwähnt hat! Ja, ja. C. Nebel: Ich überlege schon die ganze Zeit, wie ich das wohl wieder gut machen kann. Mariele: (todernst) Oh, Frau Nebel, das wird hart. DAS wird hart. Biolek: Wir versuchen mal schnell noch so ein Brötchen zu besorgen für ... Mariele: Nicht Brötchen, Herr Biolek. Mozzarella. Brötchen kann jeder. |
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Biolek: Vielleicht kann ja die Requiste ein
Mozzarella besorgen. (Mariele lacht) Und Sie wollen auch nicht einen Mann
im Haus, Sie haben eine Verbindung... Mariele: Ja ja, aber wir leben getrennt, d.h. letzendlich läuft es darauf hinaus, dass man doch zu zweit in einer Wohnung ist, das ist halt so, aber... Biolek: Aber nicht so, dass es sein muss. Gibt es noch eine zweite Wohnung? Mariele: Ja ja, klar. Wir haben zwei Wohnungen. Und so bleibt's auch erstmal. Dass man sagen kann: "Ok, heute geht's mal gar nicht und ich muss mich sortieren im Kopf und lass mal gut sein jetzt!" Biolek: Heißt das, dass Sie so etwas wie einen Freiheitsdrang haben? Oder ein besonderer Individualismus? |
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Mariele: Ja, ich glaub schon. Also wenn ich was überhaupt
nicht vertragen kann, ist das, wenn mir jemand sagt, wo's lang geht. Oder
wenn sich jemand in mein Leben einmischt. Oder mir meine Entscheidungen
abnimmt. Oder auch Fehler, wenn ich sie mache ... wobei, es gibt ja keine
Fehler, es gibt ja nur Erfahrungen ... und mich davor bewahren will, Erfahrungen
zu machen. Ich will das nicht. Ich mache die dann schon selber. Bevormundung
ist für mich 'ne Katastrophe, da werde ich zum reißenden ... zum Tiger.
Das kann ich überhaupt nicht leiden! Biolek: Wenn Sie so an die Zukunft denken... erstmal, haben Sie Probleme damit älter zu werden? |
| Mariele: Nöö, überhaupt nicht. Das Einzige wovor
ich wirklich Angst hab, ist, wenn man nicht mehr kann, wenn man krank wird.
Ich hab's an Papa gesehen. Vater hatte die alte Theater-Seele und die lebte
noch und dieser Körper funktionierte nicht mehr und dann saß Willy bis zum
Schluss und sagte: "Ich will wieder Theater spielen." Es ging nicht mehr
und das möchte ich nicht haben. Biolek: Er rief mich ja immer an. "Hier ist Willy" und "Kann ich denn nicht zu dir in die Sendung kommen?" Mariele: Ja klar, Mensch. |
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| Biolek: Und dann wollte er in die Kochsendung kommen
und ich fragte nur "Kannst du denn kochen?" Mariele: Oh, Vater in 'ner Kochsendung? (sie bricht in Lachen aus) Da wäre aber... Biolek: Aber er wollte das. Mariele: Super! Biolek: Und dann hat er gesagt: "Ach Bio, weißt du, ich werde mir schon was vorbereiten." |
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| Mariele: Aber da können Sie mal sehen.
Es war so und der Körper machte es nicht mehr mit. Und dann sah ich, wie
schwer das ist. Biolek: Aber gut, dass ist ja etwas ... krank kann man ja auch werden, wenn man jung ist. Mariele: Aber selbstverständlich. Das ist keine ... Biolek: Also keine Angst vor dem Alterwerden, sondern... Mariele: Nicht wegen der paar Falten, das ist egal. Biolek: ... sondern vorm Krankwerden. Mariele: Dass der Körper nicht mehr will und die Seele dann jung bleibt und man am Spiegel vorbei geht und denkt man ist 15 und schaut rein und denkt "Oh shit, das ist 60!" Das ist doof. Biolek: Können Sie sich vorstellen, noch mal ganz was anderes zu machen? Später mal? Nach einer Schauspielkarriere? Mariele: Weiß ich nicht. Also mit der Tiermedizin, das Einzige, was ich gelernt habe...? Und ansonsten...? Ich bin relativ offen, dadurch, dass ich jetzt keine Verantwortung habe und keine ... natürlich die Verbindung, in der ich bin und das mit großer Freude, aber ansonsten bin ich ja nicht irgendwie festgetackert sozusagen. Schau' mer mal. Biolek: Also alles offen? Mariele: Alles offen eigentlich, ja. Biolek: Und Angst davor irgendwann mal einsam zu sein, haben Sie nicht. Mariele: Doch! Haben wir alle. Denke ich mal. Biolek: So ein bisschen ... Mariele: Ja klar. Wenn man so alt wird wie Vater zum Beispiel, dann sind die Freunde weg. Also, Vater war auf vielen Beerdigungen und hat viele seiner Freunde gehen sehen. Biolek: Ja, das ist der Nachteil vom Alter Mariele: Und dann wird's einsam. Dann wird's einfach wirklich einsam. |
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Biolek: Es sei denn man hat ... in seinem Fall war's
ja die Familie. Mariele: Klar, er hatte seine Familie, aber da ich sie nicht hab... Was auch kein Garant ist, es heißt nicht, dass eine Familie immer da steht, wenn's einem schlecht geht, im Gegenteil. Also da kann man Sachen erleben... Biolek: Also, ich kenne echte Familien, die sind nicht annähernd so füreinander da, wie die paar Freunde.... Mariele: So ist es, deswegen der Freundeskreis ist dann unglaublich wichtig als Familienersatz. |
| Biolek: Haben Sie eigentlich je dickes Kölsch gesprochen? | |
| Mariele: Hah! (sie lacht) Ja, ich hab das letztens,
das war so klasse... Ich hab's ein bisschen verlernt, weil ich darf's ja
nicht mehr sprechen. Und bin mit 'nem Kölner Taxifahrer gefahren und hab
mich dann bemüht und es ging ein bisschen. Und es war total klasse. (sie
fängt an zu gestikulieren) Und er fährt die Alteburger Straße und da kommt
ein Igel entlang. Und er macht ne Vollbremsung und ich sag: "Isch helf jetz'
däm Ijel!" Bin raus, han dä jenumme, bin links erüm. Sät dä: "Nää, andre
Sick - in de Wald!!" Sag isch: "Ja, jo da jehööt de Ijel jo hin". Sät er:
"Voll nomal!" Isch also de Ijel jenomme, widder rüvver in de Wald (weiter
auf hochdeutsch) und dann kam ich zurück und dann fing der an zu singen
"Wen se Ijel fleiss" und so fing der an. Da hab ich natürlich gebrüllt,
denn "eagle" ist Adler und da gibt's so ein altes Lied "wenn der Adler fliegt".
Für ihn war "Ijel" = "Eagle" Ich hab gedacht, ich sterbe. (Biolek kriegt
sich auch nicht mehr ein vor Lachen) Ich versuche dann Kölsch zu sprechen,
aber ich glaube ein echter Kölner denkt sich: "Ach du lieber Güte!" |
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Biolek: (zu C. Nebel) Können Sie Sächisch? So richtig?
C. Nebel: Ja, klar. Ich war ja gerade jetzt da und ... das hört man 10 Minuten und dann vergisst man... Mariele: Das steckt an, oder? C. Nebel: ... dann vergisst man alles, was man bisher ordentlich gesprochen hat. Mariele: Das finde ich überhaupt bei Dialekten so, dass die einen so anstecken. |
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C. Nebel: Aber sie verfolgen einen ja auch.
Ich glaube, dass das bei uns auch immer irgendwie durchkommt. Also wenn
ich mich zum Beispiel freue oder lachen muss und dann weiterrede, dann
hört man dieses Gemischte aus Berlin und Sächsisch schon. Biolek: Aber so im Fernsehen...? Also professionell hört man das nicht. C. Nebel: Nee, das wollen die nicht. Mariele: Nee, das will auch keiner. Verstehe ich auch gut, möchte man auch nicht, das muss nicht sein. Aber so privat, darf einem schon mal was durchrutschen, oder? Biolek: Vielleicht kriegen wir nachher noch privat eine kleine Kostprobe. (zu Mariele) Ich wünsche alles Gute, weiter Erfolg... |
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Mariele: Danke! Biolek: ... Quotengarant. Dass es nicht so schnell nachläßt. Mariele: Wie gesagt.(sie klopft wieder auf "Holz" *g*) Biolek: Und viele tolle Aufgaben und viel Spaß. Mariele: Dankeschön! © 2000 ARD |
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