| Menschen bei Maischberger (ARD, 27.09.04) |
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Neben Mariele zu Gast waren Günther Netzer, Jürgen von der
Lippe und Gesine Schwan mit ihrem Ehemann Peter Eigner. |
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Mariele: Dann bitte Fräulein Dr. Marie-Luise
Millowitsch, weil ich nicht verheiratet bin. S. Maischberger: "Fräulein" ist doch politisch nicht mehr korrekt, dachte ich. Mariele: (grinst) Das ist mir egal. Ich möchte es dann komplett. S. Maischberger: Sagt das jemand? Fräulein Dr. Marie-Luise Millowitsch? Zu Ihnen? Mariele: Nein, aber ich habe letztens alte Zeugnisse gesucht - also die Unterlagen von der Uni in Bayern, weil ich ja in München studiert habe. Und da war die Anrede wirklich noch "Fräulein Millowitsch". Fand ich echt süß. |
| S. Maischberger: Aber auf Visitenkarten oder sonst
irgendwo bei Vertragsgesprächen stellen Sie den Doktor nie heraus?
Mariele: Den benutze ich meistens bei Behörden oder so. Also in meinem schauspielerischen Leben lasse ich ihn weg, aber wenn ich denke: "der kann noch Eindruck schinden - tun wir ihm mal rein", dann verbrate ich ihn auch gnadenlos. Wozu hab ich ihn gemacht !?! (sie grinst) S. Maischberger: Es ist ein Doktor in der Tiermedizin. Die Promotion hatte was mit dem Bandscheibenvorfall des Dackels zu tun. Wie war das noch mal genau? Mariele: Die perkutane partielle Disektomie beim Bandscheibenvorfall des Dackels. Also das ist eine bestimmte Operationsmethode. S. Maischberger: Als alternative Behandlungsmethode oder so was. Mariele: Genau. Die durch die Haut geht, die nicht sehr invasiv ist. Aber ich glaube, viel mehr kann ich Ihnen nach der langen Zeit auch dazu nicht mehr erzählen (sie lacht) |
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| S. Maischberger: Aber Sie haben einen Dackel zuhause
und was ich mich gefragt habe ist, wie sieht das bei einem Dackel aus, wenn
der einen Bandscheibenvorfall hat? Mariele: Ganz schrecklich! Die können sich dann nicht bewegen und schreien die ganze Zeit, das ist schon ein Bild des Jammers. Und in der Statistik, die ich zu der Doktorarbeit aufgestellt habe, ist auch mein Dackel Sophie dabei. Die lebt nun nicht mehr, aber damals musste sie mit ran, weil die einen wirklich richtig tollen Bandscheibenvorfall hatte. Der ließ sich auch mit Kontrastmitteln so schön darstellen. Man sah richtig eine Stufe im Spinalkanal, weil es eindrückte. Also die Bandscheibe drückt ja rein und dann sehen Sie, wenn Sie das Kontrastmittel drin haben, richtig schön wie's einmal abgelenkt wird. Sieht schick aus. Und gerade ihr Bild ist so gut geworden, dass ich sie auch als Foto in der Doktorarbeit habe. |
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| S. Maischberger: Haben Sie sie denn auch behandelt,
wenn sie schon als Foto hergehalten hat? Mariele: Ich hab sie nicht operiert, also nicht auf die Methode. Ich hab das konservativ gemacht. Und es ging auch weg. S. Maischberger: Sie haben ja Dackel, glaube ich, als Tradition schon lange. Sie haben jetzt einen der heißt "Hans-Günther", kann das sein? Mariele: Ja, da bin ich ein bisschen aus der Art geschlagen mit dem, denn da ist ein Yorkshire mit drin. Den müsste ich jetzt unterschlagen, aber ich stehe zum Yorkshire-Terrier und der ist mit drin und das ist in Ordnung. Aber der ist sehr dackelig. S. Maischberger: Sehr dackelig? Mariele: Er hört nicht und ist schwer erziehbar. S. Maischberger: Ich lese, dass Sie auch mit Schweinen zusammenwohnen zu Hause oder mal ein Hausschwein hatten oder so etwas in der Art. Mariele: Ja, meine Püppi. Die war ziemlich genial. Also Elvira war wirklich sehr schlau. Und die war so schlau, dass sie gar nicht erziehbar war. Also jemand beeindruckt mich... wenn ein Mensch oder ein Schwein wirklich gerne Schokolade isst und soll etwas dafür tun und man sagt: "Mach was für die Schokolade" und die Sau macht so (zeigt sich 'nen Vogel) und geht in den Stall... das hat mich so beeindruckt. Das nenne ich doch einen unglaublichen Charakter. S. Maischberger: Aber die meisten Menschen nehmen niemanden gleich mit nach Hause, nur weil der einen unglaublichen Charakter hat. Wie kommt man dazu ein Schwein mit nach Hause zu nehmen? Mariele: Ich hab Schweine gesammelt. Und mir fehlte ein lebendiges Schwein. Ich hab das jetzt ausgedünnt, ich sammele sie jetzt nicht mehr. Damit nicht wieder Leute auf die Idee kommen, Schweine zu verschenken. Und dann habe ich das inseriert gesehen im Stadtanzeiger: "2 vietnamesische Hängebauchschweinchen. Das "-chen" war falsch. Ich wollte nur mal gucken, ich wollte nur einfach mal gucken. Und dann hab ich eine davon mitgenommen und das war meine Püppi. |
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Und die ist dann bei mir im Garten gewesen und dann haben
wir in einem Gartengeschäft ein Holzhaus gekauft und gebaut. Mit einer
Rotlichtlampe und Stroh bis hier oben hin und da hat sie dann gelebt. Und
da ging es ihr, glaube ich, wirklich gut. Und dann wurde sie zum Trennungsschwein,
weil ich von Köln nach Hamburg gezogen bin und mich aus der Beziehung
auch gelöst hab. Und ich hab sie auf einem Bauernhof gegeben zu Menschen,
die auch auf alte Schweinerassen zurückzüchten, also es waren
ein Haufen Kumpels für sie da. Ich hatte aber unterschätzt, dass
Schweine, wenn die sich einmal festlegen, dann sehr... S. Maischberger: Wie Hunde? Oder noch treuer als Hunde? Mariele: ich glaube fast noch schlimmer. Die sind fast noch zerrissener.
Und die ist wirklich an einem Magengeschwür gestorben. |
| S. Maischberger: Och nee. Mariele: Ja, das war furchtbar. Ich hatte das als Einschreibenbrief bekommen und an dem Tag hatte ich mit Walter Sittler zu drehen. Und wir waren am Flughafen und es hatte sich alles wieder mal gezogen und es dauerte und wir standen rum. Und dann hatte ich diesen Brief gelesen. Und Walter hatte eine Wolljacke an. Die Wolljacke stand nachher von alleine, ich hab ihn, glaube ich, nass geheult. Ich hab nicht mehr aufhören können, ich hab mich so geschämt, dass ich so ein armes Tier habe eingehen lassen. Ich hatte mich auch nicht mehr so furchtbar um sie gekümmert, und dann starb sie auch noch wegen mir. Ich war voll der Schuld. S. Maischberger: Na gut, das kann man nicht wirklich wissen. Das heißt, Sie haben eine Weile lang mit Schwein und Mann zusammen gelebt? Mariele: Jawohl. Dann hatte ich auch zeitweise neun Hunde. S. Maischberger: Neun Hunde? Mariele: Ja. Denn Sophie und Karl-Heinz, das war ein Cairn-Terrier, die hatten sich vereint und dann gab's zu Weihnachten, ich glaube 1987, noch mal sieben Junge. S. Maischberger: Täuscht der Eindruck, dass Sie es irgendwie leichter schaffen mit Schweinen und Hunden zusammen zu leben als dann mit Männern? Denn wenn ich richtig informiert bin, leben Sie im Moment mit einem Hund zusammen, und der Mann lebt zwar im selben Haus, aber nicht wirklich in derselben Wohnung. Anders als der Hund. |
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| Mariele: Das ist wahr. S. Maischberger: Also der Hund hat Zugang zu Räumen zu denen der Mann keinen Zugang hat, oder wie ist das? Mariele: (verschmitzt) Das kann man so nicht sagen. Das wäre jetzt übertrieben. (sie lacht) Also ins Schlafzimmer dürfen leider alle. Also, das "leider" bezieht sich jetzt auf die Hunde, da habe ich einen Erziehungsfehler gemacht. Das Schwein, das gibt's ja wie gesagt nicht mehr, das käme auch nicht ins Schlafzimmer, aber die Hunde dürfen rein, es ist halt so. Ich muss es jetzt gestehen. S. Maischberger: Aber Sie können mit Tieren ganz gut zusammenleben und diese Geschichte mit den getrennten Wohnungen mit dem Mann, die ist auf jeden Fall stimmig, also die ist richtig? |
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Mariele: Also, für uns ist die ist stimmig. Ich
will ja gar nicht behaupten, dass das für alle Leute gut ist. Für
uns ist es gut, weil Alexander sehr viel arbeitet, ich arbeite auch und
dann geht man sich ab und zu mal aus dem Weg und jeder braselt so für
sich... also für UNS funktioniert das. Ich hab auch nicht das Gefühl, dass man irgendwie sich nicht einlässt oder zu feige ist, zu sagen: wir machen das jetzt richtig rund, also in Form von zusammen unter einem Dach und heiraten. Ich brauche das alles nicht. Ich bin ein Freiwilligkeits - Fanatiker und Alexander genauso und deswegen ist da für uns das richtige System. S. Maischberger: Und das System ist: zwei Wohnungen in ein und demselben Haus, so dass die Nachbarn was davon haben, weil Sie dann irgendwann mal im Bademantel durch den Flur laufen, oder... ich weiß es nicht. |
Mariele: Also ich bin noch nicht im Bademantel durch den Flur gelaufen. (sie lacht) S. Maischberger: Der wird dann geschickt, oder wie? Mariele: Nein, das Leben spielt sich letztendlich schon in meiner Wohnung ab. Gekocht und gegessen und... also die ist wirklich schön gemütlich. S. Maischberger: Aber Sie haben den Freiraum wenn Sie ihn brauchen. Mariele: Ja, klar. Es ist ok so. |
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S. Maischberger: Wenn man es von außen betrachtet
würde, klingt es ein bisschen so wie der Gegenentwurf zur Großfamilie
Millowitsch, wo ja die Kinder nicht nur das Wohnzimmer geteilt haben mit
den Eltern, sondern zum Teil eben auch die Bühne, also alles. Ist das
ein Zufall, dass das so gegenteilig aussieht? Mariele: Das weiß ich gar nicht so, da müsste man den Psychologen fragen. Eigentlich sagt man ja, man sucht sich das wieder, in dem man groß geworden ist. Also diese Betriebsamkeit und diese vielen Menschen, die müsste ich ja eigentlich haben, aber irgendwie... das hat sich auch nicht so ergeben. Ich bin zu egoistisch, um's ehrlich zu sagen, um zuhause zu bleiben und zu sagen: ich ziehe jetzt Kinder groß. Denn ich finde, wenn man sich darauf einlässt, Kinder groß zu ziehen, sollte man es mit Haut und Haaren machen und nicht den Spagat zu versuchen zwischen Familie und Beruf, das franst am Ende vom Tag alle aus. Das war immer meine Meinung und ist sie auch nach wie vor. |
| S. Maischberger: Ihr Mutter hat das genauso gemacht.
Mariele: Mutter hat das gemacht, und das hat sie mir vorgelebt und da wusste ich schon, das ist es jetzt auch nicht. Denn immer waren es die Männer, die raus durften in den Sandkasten und mit Förmchen spielen und unsereins musste vernünftig und erwachsen und groß sein und die Kinder großziehen. Und dann dachte ich, DAS möchte ich nicht. Ich möchte es einfach nicht. Ich möchte aber auch kein Kind, das mit 5 Jahren einen Hausschlüssel hat. Und dann dachte ich mir, es ist für das Kind besser, ich lasse es. Ich glaube, ich bin eine prima Tante, aber als Mutter wäre ich wahrscheinlich sowieso eine Katastrophe. S. Maischberger: Was für eine Tochter waren Sie denn? Sie waren die Jüngste, es hatten zwei Schwestern, es gibt einen Sohn, Peter, bei dem offensichtlich schon relativ früh klar war, dass der natürlich - dynastisches Prinzip - auch irgendwann mal das Theater übernimmt. Und über Sie habe ich gefunden, dass Sie eigentlich eine Zeit lang ganz gerne auch die Rolle des Jungen in der Familie dann übernommen haben. Auf jeden Fall waren Sie ziemlich wild, glaube ich. Die Mutter hat eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen für das Kind Mariele und haben Sie versucht ein bisschen der Junge zu sein? Mariele: Ja, das behaupte ich jetzt einfach mal. Ich hab ganz sicher versucht, meinem Bruder Konkurrenz zu machen. Davon bin ich überzeugt. Mein Vater hatte schon noch so ein bisschen diese Erbhof-Mentalität und der Junge war ja was Besonders, weil er eben der Junge war. Und das ist mir damals schon unangenehm aufgefallen, dass Männer oder Jungs da wohl Privilegien haben und unsereins da mehr für tun muss. Und da dachte ich, wenn ich nun besonders laut und besonders schrecklich bin und auf mich aufmerksam mache, dann habe ich diese Aufmerksamkeit auch. Ist mir aber auch zu Teilen geglückt. |
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| S. Maischberger: Ich wollte gerade sagen: Hat's geklappt?
Mariele: Ich glaube schon. Ich war schwer zu überhören. (sie lacht) S. Maischberger: Und die Mutter musste sie dann wieder einfangen? Also die dann etwas zu laute Tochter? Mariele: Also ich weiß noch, wenn ich dann auf der Straße rumspielte und jemandem ein "Arschloch!" hinterher geschmettert hatte, dann musste ich rein und hatte für ein paar Stunden Stubenarrest. Was mich aber nicht davon abhielt, wieder irgendwann draußen jemandem "Arschloch!" oder "Scheiße! Oder "Blöde Sau!" hinterher zu schreien. Also das konnte ich gut. Ich war, glaube ich ... (sie schmunzelt) ... ein ziemlicher Prolet, ja. |
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| S. Maischberger: Wann hat sich das gelegt? Mariele: (lacht) Man lernt ja dazu im Leben, ich glaube heute lasse ich das dann weg. Man lebt ja auch angenehmer, wenn man nicht so rumschreit. S. Maischberger: Der Sohn hat tatsächlich das Millowitsch-Theater übernommen, eine Schwester hat, glaube ich, ein eigenes aufgemacht. Eine andere Schwester ist ganz woanders hingegangen. Sie sind auch woanders hingegangen - ans Kommödchen - als es dann erst mal ans Theater ging. Hat der Vater das gemocht? Hat der das so richtig realisiert, dass die Töchter vielleicht auch wegen der Rollenverteilung in der Familie dann einfach nicht mehr am eigenen Theater waren? Mariele: Nein, das glaube ich nicht, dass er das in Zusammenhang gebracht hat mit dem familiären System. Das glaube ich nicht. Natürlich wollte er uns alle zusammen haben. Was ihn, glaube ich, am meisten gekränkt hatte, war damals, als ich sagte: "Ich möchte weg von unserem Haus, vom Millowitsch Theater." Weil ich mir dachte, ich möchte nicht so zum Inventar werden. Und die Komikerrollen sind auf die Männer geschrieben und da war Peter der Nachfolger. So war klar, was für mich dann bleibt und da hab ich das Gefühl entwickelt, das wird mir nicht genügen. Also bin ich weg von der Aachener Str. 5 und dann hatte ja meine Schwester damals das "Theater im Bauturm" schräg gegenüber vom Millowitsch-Theater. Und da haben wir dann gespielt, Katarina und ich, und haben so ein bisschen ein Experiment gemacht und haben ein Stück geschrieben mit Freunden zusammen, was dann ein Riesenerfolg wurde. Das hat ihm, glaube ich, nicht gefallen. Das mochte er nicht. "Warum spielt ihr nicht bei mir?" Das war so der Gedanke, das hat ihn gefuchst. "Warum sind die Mädchen nicht an meinem Haus?" |
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S. Maischberger: Haben Sie es ihm beantwortet? Haben
Sie darüber geredet? Mariele: Nein, ehrlich gesagt, nicht ganz offen. Ich habe versucht ihm klar zu machen, dass wir auch mal was Eigenes versuchen wollen und er hat dann auch so ein bisschen signalisiert, dass er versucht das zu verstehen, aber gefuchst hat es ihn ganz bestimmt. S. Maischberger: Die Mutter hingegen hat, glaube ich, auch unterstützt, dass Sie was studieren. Also dass Sie Tiermedizin gemacht haben, war ja auch so ein bisschen so eine Flucht erst mal vor dieser klaren Festlegung: man ist einmal in dieser Familie und man ist einmal an dem Theater und da bleibt man dann. Und Sie sind dann, glaube ich, erst mal in dieses Medizinstudium gegangen, um auch ein bisschen davon wegzukommen. |
| Mariele: Das war aber nicht inszeniert von meiner
Mutter, sondern... S. Maischberger: Aber sie hat Sie jedenfalls unterstützt, oder? |
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| Mariele: Das auf jeden Fall! Ich sollte ja zuerst
nach Salzburg ans Mozarteum und da fiel bei mir so langsam der Groschen,
dass ich, wenn ich jetzt genau in diese Branche gehe und diesen Weg weitergehe,
da reinrutschen würde in etwas, was mir vielleicht nicht gefällt.
Wir hatten viele Prominente, Freunde meines Vaters, namhafte Schauspieler,
[zu Gast] die saßen dann abends zum Teil vor halbleeren Flaschen Wodka
oder Whiskey oder irgendwas und waren halt zum Teil auch gescheiterte Existenzen.
Ich sah relativ früh die Rückseite der Medaille und dachte: das
ist ein verdammt hoher Preis, den man zahlen muss, um Karriere zu machen.
Dann ist man zwar Herr oder Frau Soundso, aber so klein mit Hut dahinter.
Da fiel mir dann schon auf, das kann's nicht sein. Das war so ein Konglomerat von Gedanken und zu der Zeit auch noch der Gedanke, ich möchte ja vielleicht mal Familie haben. Das war da noch akut. Und dann brachte mich jemand auf die Idee, dass ich eine Chance hätte, trotz meines wirklich bescheidenen Notendurchschnitts beim Abi, einen Platz zu bekommen für die Tiermedizin und das ist mir dann auch geglückt. |
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| S. Maischberger: Also was hat die Mutter an diesen
Abenden dann gemacht? Also wenn dann abends noch Gäste mit nach Hause
gekommen sind? Was war ihre Rolle dabei dann? Mariele: Na so häufig kam das Gott sei dank nicht vor. Aber es gab schon Abende, da saß ich mit der Mutter da und wir einen Film zusammen geguckt oder ein bisschen geschwätzt und dann rief mein Vater an und meinte er bringt noch ein paar Freunde mit. S. Maischberger: Volles Haus? Mariele: Ja und dann waren es mitunter 3,4,5,6 Personen und dann ist Mutter in die Küche gedackelt, obwohl sie gerne den Film zuende gesehen hätte, obwohl sie wirklich müde war und hat dann wirklich sehr diszipliniert... Meine Mutter machte dann nicht nur ein paar Schnittchen. Meine Mutter hatte ein tolles Händchen für so etwas und dann waren es wirklich wunderbare Platten und es sah auch wirklich toll aus. Sie war wirklich eine Granaten-Gastgeberin, das kann man nicht anders sagen. Ja, und dann hat sie es einfach gemacht. Und ich hab dann manchmal die Faust in der Tasche gehabt und so gedacht: Das ist einfach nicht fair, was sich hier abspielt, da stimmt was nicht. |
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S. Maischberger: Und haben Sie nie den Impuls gehabt
irgendwie, dass man aufspringt, wenn der Mann nach Hause kommt? Mariele: Ich hab's mir abgewöhnen müssen. Ich hab das so von zu Hause aufgesogen. Auch wenn mein Vater reinkam: Zack, war ich aus dem Sessel hoch und hab immer gedacht, ich muss mich dann irgendwie kümmern. Ich hab auch ganz lange beim Alexander am Anfang noch gedacht, ich muss aufspringen. Und jetzt bleibe ich so zufrieden sitzen und es ist in Ordnung. Es kann ja keiner erwarten, dass man alles stehen und liegen lässt. S. Maischberger: Sie lassen jetzt die wunderbare Serie "Nikola" stehen und liegen, an die sich so viele Menschen gewöhnt haben. Sie drehen gerade die letzte Staffel... |
| Mariele: Nein, die fangen wir erst im Januar
an. S. Maischberger: Aber das wird dann die letzte sein, also danach... Mariele: Ja. S. Maischberger: Oder haben Sie es sich anders überlegt? Mariele: Nein, nein! [Sie haben die] Angst im Blick, was kommt jetzt? (sie lacht) S. Maischberger: Haben Sie keine Angst? Ich meine, das ist eine so todsichere Angelegenheit, alle lieben das. |
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| Mariele: Weil sie es alle lieben, werden wir aufhören. Es ist einfach richtig zu gehen, wenn es am Schönsten ist, es ist wirklich so. Und die Leute sollen sagen: "Ach, ist das schade!" anstatt dass wir anfangen uns zu wiederholen und im Kreis zu drehen. Denn die Möglichkeiten auszubrechen und Geschichten zu erzählen sind ja in der Konstellation auch ein bisschen begrenzt. Und ich denke wir haben mit neun tollen Staffeln was ganz Feines gemacht, da brauchen wir uns nicht zu verstecken. Und wenn die Leute sagen "Schade" ist das besser als wen sie sagen "Wurde auch Zeit!". | |
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S. Maischberger: Die Rolle, in der Sie jetzt gleich
zu sehen sein werden, ist eine Kino-Rolle. Sie sind eine Wirtin in einer
Art Fußball-Kneipe. Die Fußballmannschaft um die es da geht
hat eine Besonderheit. Es sind zwar auch 11 junge Männer, aber sie
sind alle schwul. Mariele: Jep! S. Maischberger: "Männer wie wir" heißt der Film, Sherry Hormann hat den Film gemacht. Haben Sie mit schwulen Fußballspielern je irgendeiner Art von Erfahrung gesammelt? Mariele: Nicht das ich wüsste. Ich hab zwar früher Fußball gespielt und ich hab auch im Zeugnis "Sehr gut" stehen, aber ich wüsste jetzt nicht ob da schon - ich nenne sie immer "Verzauberte" - dabei waren, oder ob da jemand die Veranlagung hatte. |
| S. Maischberger: Aber eins der ersten Stücke,
die Sie gespielt haben als Siebenjährige war doch "Drei kölsche
Jungs". Ist das nicht auch ein Fußball-Stück gewesen letztendlich?
Mariele: Nee, das war kein Fußball-Stück, aber es geht darum, dass ich auf die Bühne komme und ich muss eben erzählen, dass ich von meiner Oma eine Mark dafür bekommen habe, dass ich die Fußballmannschaft von 1964 noch zusammenkriege. S. Maischberger: Kriegen Sie die noch hin? Mariele: Die kriege ich noch hin. Das waren der Ewert, der Pott, der Regh, der Benthaus, der Wilden, der Sturm, der Thielen, der Schäfer, der Müller, der Overrath und der Hornig. (sie schmunzelt) Es gibt Dinge, die vergisst man nicht. Im Gegensatz zu Namen oder Gesichtern, worüber wir uns ja gerade noch gesprochen haben, ist DAS auf der Festplatte fest drauf. Das werde wahrscheinlich mit 90 noch können. S. Maischberger: Ich finde das nicht so schlecht. Und Sie müssen eine Kommunion gehabt haben, bei der Ihre Oma Ihnen, weil Sie das weiße Kleid nicht mochten, als Mädchen, das gerne etwas wilder war... Mariele: Ja, grauenhaft! S. Maischberger: ... hat Sie Ihnen eine komplettes Trikot geschenkt oder was war das? Mariele: Ja, das war meine Oma, die war echt klasse. Es war ein Riesenproblem mit meiner Größe - also ich war jetzt nicht dick, aber ich war relativ kräftig. Und für die anderen Püppchen-mäßigen Kinder war es kein Problem Kleider zu finden, aber bei mir war's wirklich problematisch. Ich wollte immer im Anzug gehen, aber das ging natürlich nicht. Und als trostpflaster hat sie mir diese Fußball-Ausrüstung geschenkt. Also mit Schuhen mit diesen Dingern drunter... wie heißen die? S. Maischberger: Stollen, glaube ich. Mariele: Danke schön. Ich wollte jetzt Nupsi [Anm.d.W. ???] sagen, das wäre völlig falsch gewesen. (sie lacht) Gott sei Dank. |
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| S. Maischberger: Also 11 Freunde, die alle homosexuell
sind. Gestern Abend war Premiere. Was glauben Sie, wie die Fußballwelt
darauf reagiert? Mariele: (überlegt) Das ist schwer zu sagen. Ob man damit etwas initiiert. Ich denke mal, es gibt eine Dunkelziffer, es ist zwar sehr männlich... S. Maischberger: Es ist ja auch beziffert. In dem Film heißt es irgendwie 10% der Bevölkerung sind homosexuell und dann rechnet man das hoch und sagt dann müssten irgendwie 30 in der Bundesliga... Mariele: ...verzaubert sein. S. Maischberger: ... wie Sie es sagen. |
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Mariele: Wahrscheinlich ist das so. Aber vielleicht
kann man auch dafür sorgen, dass sich mal einer traut es zu sagen.
Aber andererseits kann ich auch nachvollziehen, dass man es nicht macht,
denn diese Sportart ist so männlich belegt. "Fußball ist
was für Männer!" Das wird ja auch immer wieder betont von
der anderen Gruppe, die dort spielt in Boldrup. Und ich könnte mir
vorstellen, dass man sich das gar nicht trauen darf, auch wenn man es möchte.
S. Maischberger: Wir sind gespannt, am 7. Oktober kommt der Film ins Kino. Mein nächster Gast kommentiert vieles im Fußball, ich weiß nicht, ob der dieses kommentieren wird. |
| [....] S. Maischberger: Was glauben Sie [G. Netzer], wie Ihre Kreise auf so einen Film reagieren? Das ist ja eher eine leichte Art damit umzugehen, gleichzeitig aber mit eben einem ernsten Hintergrund? G. Netzer: Ich denke schon, dass er gesehen wird. Wie er beurteilt wird, kann ich beim besten Willen nicht sagen Mariele: Also beim BVB ist er gut angekommen, die zeigen den trailer in den Pausen im Stadion. Finde ich ganz herrlich, die sind so begeistert. Ist doch toll, oder? S. Maischberger: Und das ist ja auch eine lokale Geschichte eigentlich... |
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| Mariele: Es hat was damit zu tun, die Kerstin Hager,
unsere Produzentin, Sie [G. Netzer] auch kennt. Die wollte etwas über
Mönchengladbach erzählen, also vom Lande so ein bisschen die Geschichte.
Und Sie sind früher gemeinsam vor den Discos vorgefahren. Also man
kennt sich. S. Maischberger: Da kommt man wieder auf die Discos. Mariele: Das war so ein bisschen der Gedanke auch, dass Frau Hager sich dafür interessierte und sagte "Da erinnere ich mich an früher." Und das waren Sie. Waren Sie mit Auslöser. S. Maischberger: Für diesen Film. Na, Herzlichen Glückwunsch. [....] Über die schwarzen und roten Ferraris von Günther Netzer G. Netzer: Ich meine 60 ist ein Alter, wo man nicht mehr in diese
roten Sardinenbüchsen hineinkommt. |
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G. Netzer: Nein, das ist der fahrbarste Ferrari, den es überhaupt
gibt. |
| [....] Jürgen von der Lippe spricht über seinen Berufswunsch Priester J.v.d.Lippe: Ich teile das Schicksal ja auch mit vielen Kollegen, also zumindest Gottschalk und Elsner haben auch mit dem Gedanken gespielt. |
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| S. Maischberger: Die waren Messdiener alle miteinander?
J.v.d.Lippe: War ich auch, waren wir, glaube ich, alle. S. Maischberger: (zu Mariele) Wollten Sie das nicht auch? Mariele: Ja, das ist auch so was, wo ich sagte, da stimmt was nicht, in der Geschlechterverteilung. Dass die in den langen schicken Klamotten da hingen und im richtigen Moment klingeln dürfen und wir Mädels durften es nicht. Wir waren nicht zugelassen. J.v.d.Lippe: Den Weihrauch nicht zu vergessen. Mariele: Davon mal abgesehen. Wie toll. Das hat mich damals schon geärgert. |
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| [....] Jürgen von der Lippe erzählt sehr anschaulich von der "Atkins-Diät" S. Maischberger: Ist nicht der Erfinder dieser Diät eines ganz furchtbaren Todes gestorben? Mariele: (sichtlich amüsiert) Leberverfettung, oder? J.v.d.Lippe: Der ist übergewichtig und relativ früh gestorben: Beim Joggen umgefallen ist der, glaube ich. (die anderen lachen) Das ist nicht lustig! S. Maischberger: Wobei müssten Sie dann sterben? J.v.d.Lippe: Ich möchte auf der Bühne umfallen. Mariele: Ja! [....] Jürgen v. Lippe erzählt, warum er am allerliebsten vor Publikum auf der Bühne spielt (im Vgl. zum Fernsehen etc.) |
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Mariele: Ich werde das nie vergessen, Funkausstellung
irgendwann, als ich bei dir war. Und da war Stromausfall, du wirst das gar
nicht mehr wissen. Da hast du angefangen zu improvisieren J.v.d.Lippe: Da haben wir gesungen ohne Strom. Mariele: Das war zum Niederknien! Das war unglaublich, was er aus dem Handgelenk schüttelte. Jeder andere Moderator wäre weinend zusammengebrochen, denn das waren, glaube ich, 20 oder 30 Minuten. Da war nichts mehr zu machen, keine Übertragung und nichts. Und da hast du losgelegt. J.v.d.Lippe: Ja, aber das waren doch nur 4000 Leute. Mariele: (lacht) NUR 4000 ist gut! das war wirklich unglaublich. |
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