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(Bayern 3 Radio, 12.03.06)
   
Vielen vielen vielen Dank an Sonja R. die die Hälfte des Interviews für mich getippt hat. DANKE

Das Interview ist (zur Zeit noch) auch komplett als mp3 bei Bayern 3 zum Download verfügbar.
 
Thorsten Otto: Herzlich Willkommen, ich freu mich wirklich sehr.

Mariele: Ja, hallo, ich freue mich sehr, dass ich hier bin.

T. Otto: Ist das Ihre Zeit? 9 Uhr morgens? Sind Sie eine Langschläferin oder passt Ihnen das schon in den Kram?

Mariele: Durch die Dreharbeiten ist man eigentlich gewöhnt, dass man früh aufstehen muss. Also ich kann mittlerweile auch nicht mehr viel länger schlafen als bis 8 oder 9 Uhr...

T. Otto: Sie können nicht mehr länger schlafen?

Mariele: Ich krieg Hummeln im Hintern und dann möchte ich aufstehen und irgendwas machen und wenn's nur durch die Wohnung laufen ist, meine Blümchen begrüßen und mir 'nen Kaffee machen. Es kann durchaus sein, dass ich mich dann mit einem Buch wieder ins Bett verziehe, aber das ist sehr sehr selten.

T. Otto: Ich muss gleich knallhart nachfragen: Sie begrüßen Ihre Blümchen?

Mariele: Ja, ich sag immer: "Guten Morgen, Wohnung". Das ist eine Meise von mir. Ich sag den Blümchen auf dem Weg "Guten Morgen", ich sag meiner Küche "Guten Morgen. Das ist so.

T. Otto: Wenn Sie so früh aufstehen, dann sind die Nächte wahrscheinlich nicht mehr so lang wie früher, oder?

Mariele: Nein, nein. Also diese Abstürze sind seltener geworden, weil ich festgestellt hab, dass man mittlerweile doch zwei Tage braucht, um sich von so was zu erholen. Und deswegen lasse ich's. Ich portioniere das. Unter der Woche beim Drehen geht gar nichts. Da muss man wirklich sehen, dass man um zehn, halb elf im Bett liegt. Da ist einfach 'ne Disziplinfrage. Disziplin gehört dazu. Und wenn man am Wochenende weiß, am Montag muss ich wieder ran, ist ein Samstags-Absturz schlecht. Dann macht man ihn besser am Freitag nach den Dreharbeiten, trifft sich dann mit jemandem und wenn's dann spät und feucht wird, hat man bis Montag.

T. Otto:
Freitag ist ein guter Tag für nen Absturz?

Mariele: Freitag ist zum Abstürzen der Beste.

T. Otto:
Die Berlinale ist ja gerade zu Ende gegangen, das muss ja für Sie ein Highlight gewesen sein als "Emergency Room" Fan. George Clooney war ja da.

Mariele:
Ja, ich weiß, ich hatte das ganz große Vergnügen mal vor ein paar Jahren, als ich in Berlin die Goldene Kamera bekommen habe, mit George Clooney auf der Bühne zu stehen. Und hab mit ihm richtig auch ein Schwätzchen gehalten und festgestellt, was das für ein total cooler Sack ist, wie man so sagt. Der ist unkompliziert, unprätentiös, redet mit den Leuten. Er macht überhaupt kein Theater um sich.

T. Otto:
Das stimmt wirklich? Man liest ja immer, dass er so locker ist.

Mariele:
Ist er. Also, er war wahnsinnig freundlich und ich dachte: "Das ist nett. Kollegen, die nicht irgend so einen Hype um sich machen." Sondern da kommt George Clooney und er weiß genau, was er auslöst...

T. Otto: Hat's auch nicht mehr nötig, oder?

Mariele: Ja, man hat nicht das Gefühl, er bezieht sein Selbstwertgefühl und seine Wichtigkeit daraus, dass die Leute alle schreien, wenn er auf die Straße kommt. Ich glaube, er kann gut einordnen, was das heißt und wie wackelig eine solche Position ist.

T. Otto: Und ist er wirklich so toll, wenn man jetzt neben ihm oder vor ihm steht?

Mariele: Ja, er hat eine unglaubliche Präsenz und eine tolle Ausstrahlung, dass muss ich schon sagen. Und er ist nicht so klein (sie schmunzelt). Viele dieser Hollywoodschauspieler sind ja...

T. Otto: Tom Cruise zum Beispiel, ist 1,68, glaube ich.

Mariele: Ja, ich sag immer salopp: ein Handbreit größer als ein kniendes Schwein. Das ist unglaublich, wie klein die sind. Aber George Clooney ist wirklich groß. Also ich bin jetzt nicht groß, aber ich musste nach oben gucken.

T. Otto: Ist das ein Traummann?

Mariele: Also ich kenne ihn jetzt nicht weiter persönlich, aber sagen wir mal von der Optik kommt er in die engere Wahl. (sie lacht)

T. Otto: In die engere Wahl?

Mariele: Es gibt einige gutaussehende amerikanische Schauspieler. Ich bin da auch nicht so festgelegt, mir geht's wirklich um die Ausstrahlung und um die Präsenz. Und wenn jetzt bei George Clooney zu seiner Nettigkeit noch dieses Aussehen dazu kommt und der wäre wirklich privat auch so und auf Dauer auch so, dann wäre der Mann gefährlich, klar.

T. Otto: Wobei wir hier ja nicht nur über Hollywood-Schauspieler sprechen wollen, sondern auch über die deutschen, da gibt's ja auch tolle Männer darunter.

Mariele: Ja, klar.

T. Otto: Wer würde Ihnen da spontan einfallen?

Mariele: Keiner.

T. Otto: (lacht) Keiner ?!?!

Mariele: Nee. Ohje erwischt.

T. Otto: Frau Millowitsch! Ein toller deutscher Schauspieler...?

Mariele: (flüstert) Geben Sie mir eine Vorlage, geben Sie mir eine Vorlage.

T. Otto: (flüstert) Da brauchen Sie doch keine Vorlage. (redet mit normaler Stimme weiter) Sie haben doch mit einem absoluten...

Mariele: Mann, Walter! Entschuldigung!

T. Otto: ... Traummann.

Mariele: Walter Sittler! Ach du Heiland, natürlich!

T. Otto: Und wie es der Zufall so will, haben wir ihn gleich am Telefon. Servus, Herr Sittler, Hallo.

Walter: Ja, Hallo, Servus. Servus Mariele, grüß dich. Ich hab das natürlich jetzt alles gehört...

Mariele: (erschrocken) Walter, das tut mir ja so wahnsinnig leid. (Walter und T. Otto lachen)

Walter: Erwischt!

Mariele: Du liegst so nah dran, Schatz, dass ich da gar nicht drauf komme. Weil ich dachte...

Walter: Nein, wir sind ja befreundet, wir sind ja schon gar nicht mehr Schauspieler füreinander irgendwie...

Mariele: Nein, das ist, als würden Sie (T. Otto) nach meinen Bruder fragen. Bei Walter, das ist einfach so: Der ist für mich Familie.

T. Otto: Merken Sie was, Herr Sittler? Sie versucht sich jetzt rauszureden, aber das wird schwierig.

Mariele: Oh nein, gar nicht.

Walter: Nee, da erwischen Sie sie nicht auf dem falschen Fuß, das ist tatsächlich so.

T. Otto: Weil Sie sich einfach schon so lange und so gut kennen? Sie haben Riesenerfolge gefeiert mit "Nikola" und "girl friends". Denkt man da gar nicht mehr in diesen Kategorien: Mann / Frau? Oder? Ganz ehrlich?

Mariele: Sag du was.

Walter: Natürlich ist Mariele 'ne Frau, also bitte schön.

T. Otto: Ja, unübersehbar.

Walter: Aber sie ist eine sehr gute Freundin für mich. Wirklich, sehr nah. Und eine wunderbare Kollegin. Also ich kann da keine Kategorie vorneweg nennen, das geht einfach nicht.

Mariele: Kann man nicht, ne?

Walter: Nee.

Mariele: Irgendwie ist das wie jemand, der einem sehr ans Herz gewachsen ist, so geht's mir mit Walter. Und dann ist es manchmal so: ich sehe den Walter irgendwo in ein Haus gehen oder irgendwo beim Drehen oder er macht 'ne Geste oder er guckt nach jemandem und dann kriege ich so ein warmes Herz. Dann denke ich: "Ach, mein Walter." (Walter und T. Otto lachen) Hab ich dir ja schon mal gesagt, das mir das manchmal so geht, oder?

Walter: Ja, genauso ist es.

Mariele: Und so ist das einfach. Das ist einfach so eine unglaubliche Wärme, die in einem hochkrabbelt. Das hat aber nichts mit irgendwas darüberhinausgehendem zu tun.

T. Otto: War das denn wirklich von Anfang an so? Es gibt ja auch diese Freundschaften, die ein bisschen dauern, eh sie entstehen. Vielleicht war's ja am Anfang auch so, dass Sie [Walter] sich gedacht haben:"Mensch, was ist denn das für 'ne Zicke?" (Mariele lacht)

Walter: Nee, das war von Anfang an klar. Die Nähe entsteht natürlich mit der Zeit, das ist ja logisch, das geht ja nicht sofort. Aber es war überhaupt nie der Gedanke: "Was ist denn das für eine?!?!" und dann hab ich mich doch geirrt und sie ist doch toll. Nee. Das war gleich, als wir bei "girl friends" angefangen haben und ich ganz neu in die Fernsehwelt rein kam. Da war irgendwie was da, wo man wusste, da muss man nicht so viel reden. Die versteht einen und ich versteh sie auch und das war schön.

T. Otto: Mariele, das beruht auf Gegenseitigkeit so?

Mariele: Absolut! Also der Start war, dass wir merkten wir haben eine ähnliche Art an die Schauspielerei ranzugehen oder die Rollen anzugehen. Eine ähnliche Disziplin. Der Walter ist auch unglaublich diszipliniert. Und er ist vorbereitet und macht sich Gedanken über das, was er spielt. Und wenn man im Rheinland sagt: "Man muss auch jönne könne" ist der Walter jemand, der auch nicht sagt: "Ich muss jetzt hier irgendwie groß rauskommen!" Sondern der Walter hat für meine Begriffe begriffen, dass man selber groß rauskommt, wenn man seine Kollegen mit groß rauskommen lässt. Denn es gehören immer zwei zum Tango, damit was Tolles dabei rauskommt. Und er hat nie die Haltung gehabt: "Ich muss die anderen an die Wand spielen" oder "Ich muss möglichst schlechte Kollegen um mich rum haben, damit ich hervorsteche" Denn das funktioniert nie.

Walter: Im Gegenteil, man muss die besten Kollegen haben, die man kriegen kann.

T. Otto: Wenn man sich beruflich so gut versteht, wenn's da so gut klappt, wenn man spürt da ist eine gemeinsame Chemie da. Warum ist denn da nie was daraus entstanden, was man als Romanze bezeichnen könnte?

Mariele: Ja, Gott sei Dank nicht! Sonst könnte man wahrscheinlich so nicht mehr arbeiten. Walter, oder was sagst du?

Walter: Da bin ich ganz sicher. Das war auch so: ich bin ja schon lang mit meiner Frau glücklich verheiratet und hab Kinder und das ist auch das, was ich leben will.

Mariele: Ja, eben.

Walter: Und von den Frauen neben meiner Frau ist Mariele mir die nächste. (T. Otto lacht)

Mariele: Wie süß!

T. Otto: Von Ihren Nebenfrauen sozusagen.

Walter: (lacht) Also neben meiner Frau. Und das ist meine Frau und da gibt's auch kein Blatt Papier dazwischen. Aber genauso ist es zwischen Mariele und mir: wenn wir arbeiten und jemand versucht ein Blatt Papier zwischen uns zu schieben, der schneidet sich die Finger dran.

Mariele: Das ist wahr!

T. Otto: Also, Sie beide sind sozusagen der lebende Beweis dafür, dass es Freundschaft zwischen Mann und Frau doch geben kann.

Mariele: Ja.

Walter: Ja, ganz klar. Und das gibt es auch. Wir sind nicht die Einzigen, Gott sei Dank.

Mariele: Ich glaube auch, dass wir nicht die Einzigen sind, das wäre ja schrecklich.

Walter: Und ich wünschte mir, es würde viel mehr davon geben, weil das einfach was ganz anderes ist als zwischen Frau und Frau und Mann und Frau, das ist einfach so. Also wenn man eine Liebe hat, ist es etwas anders als eine Freundschaft, das ist einfach großartig.

Mariele: Das stimmt.

T. Otto: Millionen von Fernsehzuschauern warten darauf: Wann gibt's denn mal wieder eine Zusammenarbeit?

Mariele: Sobald ein gutes Buch da ist. Wir sind mehr als bereit wieder miteinander zu arbeiten, aber bis jetzt kamen keine Bücher auf unsere Tische, bei denen man sagte: "Oh, das ist ganz toll, damit können wir was machen." Es war bis jetzt eher ein bisschen so, dass man dachte: "Das Paar Sittler / Millowitsch, die sind eh ein Pfund, da kann man vielleicht mit einem eher mauen Buch herkommen und die reißen es raus." Und so ist der Walter nicht und so bin ich nicht. Also, ich denke, Walter, da gibst du mir Recht, da sind wir wirklich so weit es geht Perfektionisten und das machen wir nicht.

Walter: Ja, es ist auch so, dass wir natürlich auch sehr viel Glück hatten mit unseren beiden Serien, die wir zusammen gemacht haben. Dass die Menschen das so mochten und dass die so gute Leuten und Autoren hatten. Also es muss einfach ein richtig passendes Buch kommen und dann sofort.

T. Otto: Herr Sittler, ich danke Ihnen, dass Sie kurz am Telefon waren.

Walter: Ja ich werd natürlich weiter zuhören. Mariele, mach's gut. Bis bald.

Mariele: Ja, du auch, mein liebes Herz. Ich schicke dir einen dicken Kuss und grüß die Family.

Walter: Das tue ich.

Mariele: Bis ganz bald. Tschüß.

T. Otto: Ciao.

Walter: Danke, Tschüß.

T. Otto: Mariele, bei einem guten Freund oder vielleicht dem besten Freund, ist ja auch der Vorteil, dass man von so jemandem wahrscheinlich hoffentlich nie im Leben verlassen wird.

Mariele: Das will ich doch hoffen.

T. Otto: Mit einem Mann, mit dem man zusammen ist, kann das natürlich schon passieren.

Mariele: Das kann passieren, ja.

T. Otto: Und es passiert Ihnen in Ihrer neuen Serie: "Die Familienanwältin" und zwar gleich in der ersten Folge. Sie spielen die Anwältin Hanna und wir haben einen kleinen Ausschnitt, über den können wir dann gerne sprechen und ich glauben, Hanna kann gar nicht glauben, was da so passiert

Charlotte: Was ist los? Wo ist Papa?
Hanna: Hat mich verlassen.
Charlotte: Sehr witzig.
Hanna: Das hat er jedenfalls gesagt.
Charlotte: Der überlebt doch keine drei Tage ohne dich.
Hanna: Das muss die Midlife-Krise sein.

Mariele: Hanna ist auch so ein Fall für sich. Eine Frau, die ihren Beruf sehr sehr ernst nimmt. Auch 100% funktioniert im Berufsleben. Das Familienleben daneben kriegt sie eigentlich GAR nicht hin. Wenn alles so funktioniert, wie sie das will, ist es wunderbar. Sie ist auch ein Kontroll-Freak, aber sie lässt die Dinge laufen und sie hat sich nicht wirklich um die Familie gekümmert. Sie hat immer gedacht, so lang keiner was sagt, ist es ja in Ordnung. Hat aber zig Signale ihres Mannes, von denen wir ausgehen, dass die vorher kamen, nicht begriffen, nicht zugelassen. Das war zu viel, zu lästig. Ich hab Arbeit, ich muss das und das machen. Und das ist die Quittung dafür. Und das ist ernst, dass sie völlig fassungslos darüber ist, aber wenn man sich das als Außenstehender betrachtet denkt man: "Naja, aber entschuldige mal, wie lange hast du eigentlich gedacht, geht das gut? Du bist ja vielleicht ne Else!" Aber sie sitzt dann da und sagt: "Das verstehe ich jetzt überhaupt nicht."

T. Otto: Das geht ja wirklich gleich gut los. Kommt er denn zurück? Kann man da was verraten?

Mariele: Das weiß ich nicht. Das hab ich vergessen. (sie lachen beide)

T. Otto: Was unterscheidet denn "Die Familienanwältin" jetzt von einer der zahlreichen Anwaltsserien, die wir ja im deutschen Fernsehen schon zu sehen bekommen haben?

Mariele: Ich hab jetzt nicht so viele andere Anwaltsserien gesehen, deswegen kann ich das jetzt nicht einzeln vergleichen. Das mache ich auch nicht, also ich geh nicht hin und schaue mir andere Sendungen an, um dann auf Teufel komm raus anders zu sein. Das wäre ein Fehler. Weil man sich da ein Korsett anlegt, was weder Spaß macht zu spielen, noch ist es sinnvoll. Ich denke, wir haben einfach gute menschliche Geschichten erzählt. Geschichten, die zum Teil auch auf der Wahrheit beruhen. Gerade in der ersten Folge mit den Kindern, das IST so passiert. Und wir versuchen schnörkellos zu sein, also eine Geschichte gerade von A bis Z zu Ende zu erzählen.
Und es gibt auch für viele Probleme im Leben nicht immer Lösungen und wir wollen auch nichts Verlogenes anbieten, sondern nach manchen Folgen steht man auch da und sagt: "Es hat nicht funktioniert." Oder "Es gibt keine Antwort." Und das war mir immer ganz wichtig, ich möchte nicht am Ende - ich nenne das immer salopp - das befreiende "Fury" Lachen hören von allen Beteiligten nach dem Motto: "Hahahaha, alles wieder gut". Sondern es ist im Leben nicht immer alles wieder gut und es gibt, wie gesagt, nicht auf alles eine Antwort.
Und auf diesem Terrain wollten wir uns bewegen und das wollten wir erzählen und ich hoffe, dass die Leute das sehen mögen. Es ist nicht immer heiter und es geht auch nicht immer super gut aus, aber es wird auch erzählt, wie's funktionieren kann. Es ist jetzt nicht nur duster und spielt im tiefen Schlamassel, sondern es gibt auch heitere Momente.

T. Otto: Also "Die Familienanwältin" mit Mariele Millowitsch. Wann geht's los?

Mariele: Am 14. März, Viertel nach neun abends, auf RTL.

T. Otto: Und ist das dann in Spielfilmlänge oder ist es eine Stunde?

Mariele: Das sind 60 Minuten.

T. Otto: Wäre das denn eigentlich ein Beruf für Sie? Anwältin?

Mariele: Ich weiß nicht. Ich glaube, ich wäre an der Ausbildung gescheitert, weil man einfach unglaublich "Fakten fressen" muss. Was mir Spaß macht, sind so die Zusammenhänge: wie man in einem Prozess mit welcher Argumentation wo rein grätschen kann. Wie kann ich den Gegenanwalt aushebeln. Was kann ich noch zur Anwendung bringen um einen anderer Aspekt zu diesem Fall in Spiel zu bringen. Aber dadurch, dass mein Lebensgefährte Anwalt ist, bin ich da ja auch so ein bisschen gecoacht worden. Ich war auch am Gericht und hab mir Verhandlungen angeschaut, die wesentlich nüchterner sind als man das erwartet. Also so wie's wirklich im Leben passiert, kann man das praktisch nicht verwenden als Fernsehsendung.

T. Otto: Auf keinen Fall ist es so wie in den amerikanischen Krimis...

Mariele: Oh nein, wir haben ein ganz anderes Rechtssystem.

T. Otto: ...wo man diese flammenden Plädoyers der Strafrechtsanwälte sieht.

Mariele: Nein, das gibt's ja bei uns gar nicht. Es gibt schon auch Plädoyers als Zusammenfassungen der Anwälte jeweils am Ende. Aber man muss keine Geschworenen überzeugen, das gibt's ja bei uns nicht.

T. Otto: Sie haben es schon angesprochen, Ihr Lebensgefährte ist Jurist. Wie schwierig ist es mit einem Juristen zu streiten und zu diskutieren?

Mariele: Das ist gar nicht schwierig, das ist sogar ganz gut. Weil mein Lebensgefährte dann sachlich bleibt. Da hat man immer das sachliche Gegenüber, das wirklich logisch und nicht emotional argumentiert und das ist ganz gut, weil ich dann schon eher mal emotional aus der Hose springe und dann ist es ganz gut, wenn ich ein ruhigeres, sachlich denkendes Gegenüber habe. Das hilft mir.

T. Otto: Und er ist dann wirklich so, wie man sich den typischen Juristen vorstellt, der dann in einer solchen Situation ruhig bleibt, logisch und klar argumentiert?

Mariele: Eigentlich eher ja. Im Gegensatz zu mir. Also um Alexander aus der Fassung zu bringen braucht man mehr als bei vielen...

T. Otto: Das schaffen nicht mal Sie?

Mariele: Selten.

T. Otto: Wie stelle ich mir das vor, wenn Sie über etwas diskutieren und unterschiedlicher Meinung sind. Werden Sie dann richtig laut? Sind Sie jemand der dann sagt: "Mensch, verdammt ich hab doch Recht und jetzt sieh das doch endlich mal ein!" ?

Mariele:
Das kommt drauf an. Wenn ich das Gefühl habe, ich werde nicht gehört und habe aber ein gutes Argument, das drüben nicht anerkannt wird, dann kann's schon mal passieren, dass ich dann lauter werde. Aber eigentlich ist die Lautstärke kein Verkaufsmedium für nicht vorhandene Argumente, das ist eigentlich Blödsinn. Deswegen bin ich in einer wirklichen Diskussion, bei der es um was geht, bei Drehbüchern oder sonst irgendwas, vor allen Dingen auch eher ruhig.

T. Otto:
Sie sind jetzt wirklich seit Jahren schon zusammen, haben Sie eigentlich immer noch getrennte Wohnungen? Stimmt das wirklich, oder ist das 'ne Legende?

Mariele:
Nee, nee, das ist so. Das ist auch ganz gut so.

T. Otto:
Warum?

Mariele:
Weil sich jeder zurückziehen kann und man nicht auf Gedeih und Verderb durch einen Mietvertrag dran gebunden ist, zusammen in einem Haus zu sein. Und wenn man sich mal richtig dick hat, kann man sich aus dem Weg gehen. Ich finde das ganz gut so. Eine Methode, die mir liegt und dem Alexander auch.

T. Otto: Man besucht sich dann gegenseitig?

Mariele: Ja, vor allem basiert das Ganze auf Freiwilligkeit und nicht darauf, dass man eben halt zufällig dieselbe Haustür hat, aber eigentlich woanders sein möchte. Und deswegen funktioniert das ganz schön, dann kann sich jeder in seine Ecke verziehen.

T. Otto: Weil Sie sagen, es beruht auf Freiwilligkeit: sind Sie deswegen auch so gegen's Heiraten?

Mariele: Ich bin nicht gegen's Heiraten! Ich hab immer gesagt, das ist für MICH nichts. Jeder kann heiraten so viel und so oft er möchte. Dann freuen sich die Scheidungsanwälte.

T. Otto: Aber Sie persönlich möchten nicht...

Mariele: Ich möchte nicht, nein. Ich halte das nicht für nötig und wir haben keine Kinder. Wozu?

T. Otto: Das kann doch so romantisch sein, so eine tolle Hochzeit...

Mariele: Ach, aus dem Alter bin ich ja nun doch ein bisschen raus.

T. Otto: Aus dem Alter romantisch zu sein?

Mariele: Nein, aber die Vorstellung einer weißen Hochzeit oder sonst irgendwas...

T. Otto: Muss ja nicht weiß sein. Kann ja auch irgendwie in so einer Wedding Chapel in Las Vegas sein (er lacht)

Mariele: Ja, toll romantisch. Sie machen vielleicht Vorschläge.

T. Otto: Zu einem Elvis-Imitator.

Mariele: Tolle Idee. Nee, nicht wirklich.

T. Otto: Was ist für Sie, Mariele, die ideale Familie?

Mariele: Das ist schwer zu sagen, weil ich glaube, dass die Familienstrukturen sich schon sehr geändert haben. Die Frauen bleiben heute nicht mehr zu Hause, sondern möchten natürlich gerne einen Beruf neben der Familie haben und ich find diesen Anspruch absolut gerecht und das ist auch gut so, dass das da ist. Aber ich denke, das macht das Zusammenleben schwieriger. Ich glaube, dass man vor allen Dingen sich als Eltern miteinander darüber im Klaren sein muss, inwieweit man das bei dem Anderen akzeptiert. Der Mann muss sich dementsprechend auch so verhalten, dass die Frau die Chance hat, noch was anderes nebenbei zu machen, weil es sonst nicht geht.
Ich denke, eine Frau verbrennt irgendwann in der Grätsche oder in dem versuchten Spagat zwischen dem Beruf, den sie gerne hätte oder behalten wird oder will und der Familie. Denn ich glaube, dass man permanent mit schlechtem Gewissen herumläuft im Berufsleben und denkt: "Eigentlich versage ich zu Hause". Und dem hab ich mich nicht ausgesetzt. Das wollte ich nicht.

T. Otto: Deswegen haben Sie auch keine Kinder?

Mariele: Ja, ich denke das ist mit ein Aspekt, weil ich wusste: ich höre nie auf zu arbeiten, ich liebe meinen Beruf, ich möchte raus, ich möchte unter Leute, ich möchte die Rollen spielen. Und ich wusste genau, mein Anspruch an mich, wäre eigentlich, da zu sein für die Zwerge. Und weil ich weiß, dass ich das nicht kann, ist es, glaub ich, ganz gut, dass ich's gelassen hab. Ich bin sicher, es ist gut, dass ich's gelassen hab.

T. Otto: Im Zuge der Recherchen habe ich gelesen, dass Sie mal gesagt haben: "Früher hab ich mir so sehr eine Großfamilie gewünscht, das war für mich so der Idealzustand". Ist das nicht mehr so?

Mariele: Ach, das war ein naiver Gedanke natürlich, so zu Hause im feinen Nest, im Wattebett der Familie. Meine Mutter ist ja zu Hause geblieben. Um es mal so zu sagen: ich hatte mir die Konsequenzen nicht zu Ende gedacht. Klar waren da 8 oder 9 Kinder und auf diesen Bildchen, die ich gemalt hab, waren auch immer noch Pferde, Hunde, Schweine, Gänse, Fische. Fragen Sie mich nicht...

T. Otto:
Auf dem Bauernhof...

Mariele: ...alles was irgendwie Flossen oder Füße oder Beine hat, war alles mit gemalt und ich weiß, ich wollte das immer haben. Aber ich hab natürlich im Laufe des Älterwerdens gemerkt, dass ich das nicht einlösen kann und letztendlich auch nicht will. So einige Lebensträume, die ich früher hatte, haben sich nicht erfüllt und das find ich aber auch in Ordnung, weil jeder seinen Weg geht. Ich glaube, da hab ich einen ganz guten Instinkt bewiesen, den Weg zu gehen, der für mich, für die Mariele, die ich auch erst mal kennen lernen musste...

T. Otto: Geht ja auch nicht von heute auf morgen.

Mariele: Geht auch nicht von heute auf morgen, also Marie und Luise, wir zwei haben da, glaub ich, einen ganz guten Weg gefunden, zu sagen, jetzt leben wir so, wie wir's wollten.

T. Otto: Sie sind ja selber auch in einer relativ großen Familie aufgewachsen?

Mariele: Ja.

T. Otto: Sie haben, glaub ich, noch 3 Brüder.

Mariele: 3 Geschwister. Nee, nicht 3 Brüder, um Gottes Willen. Ich hab die Katharina, das ist die große Schwester. Dann kommt der Peter, dann kommt meine Schwester Susanne und dann komm ich.

T. Otto: Mama und Papa, der berühmte Willy Millowitsch als Vater. Ich kann mir vorstellen, es war eine eher patriarchalisch geprägte Familienstruktur noch.

Mariele: Das war sie absolut. Vater ist arbeiten gegangen, der hatte das Sagen und wenn er dann an den Wochenenden kam - er war ja viel weg, also insofern ist das nicht vergleichbar mit anderen Familien - dann wurde immer alles um ihn herum aufgebaut, so dass also wirklich... Der Vater war der Chef, der hieß auch immer ganz lang "der Boss"...

T. Otto: Der Boss?

Mariele: ...bei uns.

T. Otto: Jetzt kommt der Boss.

Mariele: Ja genau. Und der Boss war mir irgendwie lange gar kein Begriff. Schon, dass irgendwo ein Chef kommt, aber das war jetzt irgendwie sehr abstrakt für mich, weil's mein Vater war als Boss. Der war für mich nicht vorhanden.

T. Otto: Was ist denn die erste Erinnerung, die Sie an ihn haben?

Mariele: Darüber hab ich letztens noch nachgedacht und dachte, eigentlich ist es witzig, weil ich aus meiner Kindheit an Szenen nicht viel zu bieten habe. Und dann weiß ich manchmal nicht: weiß ich das jetzt weil ich's auf 'nem alten Super oder Doppel 8 Film gesehen hab.

T. Otto: Das ist ja immer der Punkt, man weiß es dann nicht wirklich mehr.

Mariele: Ich kann nicht wirklich sagen, ob das aus meinem Erinnerungseck im Kopf entspringt oder ob ich's abgepaust hab, sozusagen von einem Kinderfilm.

T. Otto: Wenn er mal nicht im Theater war, sondern zu Hause, hat er dann mit Ihnen gespielt?

Mariele: Ja, aber wohl auch nur so lange er wollte. Allerdings ist das, was ich Ihnen jetzt sage, Info meiner großen Geschwister, die wissen natürlich viel mehr. Die haben mir auch oft gesagt, dass es für sie so war, dass der Vater dann so lange mit ihnen spielte, wie er das dann wollte und wenn's dann genug war, dann musste es genug sein. Also man musste sich schon nach seinem Timing richten als Kind. Dass man da was zu fordern hatte, war nicht üblich, das gab es nicht.

T. Otto: Trotzdem muss es ja wohl 'ne relativ spannende Kindheit gewesen sein, speziell dann als Sie ein bisschen älter waren. Ich hab gelesen, auch Zarah Leander war zum Beispiel zu Gast.

Mariele: Ja das war ganz irre. Zarah Leander saß unten und hat immer dem Alkohol recht gut zugesprochen. Ich glaub es war Wodka - lass mich aber dafür nicht hängen - und ich bin ziemlich sicher - ich hoffe meine Geschwister sagen jetzt nicht: "Die spinnt!" - sie hatte ein rotes Samtkleid an. Ein tief ausgeschnittenes und das war zu der Zeit, als Zarah Leander nicht mehr ganz schlank war, sondern körperlich auch schon was zu bieten hatte.
Und wir Kinder waren oben in den Kinderzimmern untergebracht und irgendwie sind wir wach geworden und ich weiß nicht, wer von uns Zwergen zuerst runter getappt ist. Auf jeden Fall haben sich dann alle vier unten eingefunden, um die Zarah Leander gesessen und die hat angefangen russische Kinderlieder zu singen und das war ganz faszinierend, das muss ich schon sagen. Das war toll, das sind so Erinnerungen, da bin ich dankbar, dass ich die haben kann.

T. Otto: Wie alt waren Sie da?

Mariele: Vielleicht vier, fünf?

T. Otto: Sehen Sie, haben Sie doch Erinnerungen.

Mariele: Gut, das ist da. Das ist abgespeichert...

T. Otto: Ist ja wirklich was ganz Besonderes...

Mariele: ...aber Sie hatten mich nach Erinnerungen zu Willy gefragt, die sind einfach rar gesät.

T. Otto: Ist er für Sie Willy oder...?

Mariele: Manchmal sage ich Willy, manchmal sage ich Papa oder Babo, wie die Italiener sagen, das ist unterschiedlich.

T. Otto: Haben Sie noch so was wie einen Dialog mit ihm im Himmel?

Mariele: Also auf der Berlinale hab ich zu ihm gesagt "Guck dir das an hier, diese Veranstaltung!" oder so, aber ich denke, er kriegt es ja mit. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Aber was ich früher mal gesagt hatte, so die Diskussionen für und wider, das mach ich seltener.

T. Otto: Harald Schmidt hat 'nen tollen Satz gesagt über Willy Millowitsch. Er hat gesagt: "Wenn Millowitsch kam, dann wurden die Türen zugesperrt, die Kerzen angezündet, das war eine Feierstunde". Also, als er ein Junge war.

Mariele: (lacht) Nett gesagt, ich glaub's ihm nicht so richtig, aber es lag natürlich wirklich daran, dass es damals Straßenfeger waren. Es gab das erste und zweite Programm und dann waren Einschaltquoten von 80 oder 90 % nicht ungewöhnlich. Da glühen einem heut noch die Ohren, das gibt's nicht mehr bei dem Angebot.

T. Otto: Wie war das bei Ihnen zu Hause? Mussten Sie dann gucken, wenn der Papa im Fernsehen kam?

Mariele: Oh, wir haben gerne geguckt.

T. Otto: Ja?

Mariele: Wir haben gerne geguckt und da fällt mir jetzt auch was ein, was ich noch weiß. Ich weiß nicht, wie alt ich da war, lass das Anfang der 60er gewesen sein. Im Stück "Der Meisterboxer" gibt es die Szene, als der Vater von einem vermeintlichen Boxkampf kommt, den er gar nicht bestritten hat, sondern er war einen Saufen. Das war ja noch dieser komische moralische Überbegriff damals bei diesen alten verstaubten Theaterstücken, das kann man heute auch nicht mehr machen. Jedenfalls kommt er nun zurück und kriegt dann von dem echten Boxer, der das spitz kriegt, dass er dessen Namen benutzt hat, einfach richtig Senge und das mochte ich nicht sehen. Wenn der Vater sich blamierte oder dann verkloppt wurde, da weiß ich, da bin ich deshalb hinter den Sessel gegangen. Ich wollt das nicht und das hat mein Bruder mal bestätigt in einem Interview, da hat er gesagt, dass ihn das genauso hart angegangen ist, dass die Leute über den Vater lachen. Mich hat's jetzt nur mehr an dem "Meisterboxer" gestört, dass er da so Senge kriegt. Ich glaube Bubi Scholz spielte damals den richtigen Boxer und der hat den Papa dann halt vermöbelt und das wollte ich nicht sehen.

T. Otto: Können Sie ihn in einem Satz beschreiben?

Mariele: Den Vater?

T. Otto: Ja

Mariele: Nee, nicht in einem Satz, das geht nicht, das kann ich nicht machen (sie lacht). Das ist einfach nicht drin. Also, er war schon irgendwie was Besonderes und er war wirklich für mich immer so ein bisschen eine Mr. Jekyll & Mr. Hyde Figur. Einerseits der Vater und andererseits eben der Schauspieler und die haben beide unterschiedlich getickt für meine Begriffe.

T. Otto: Für viele seiner Fans, war er ja so was wie das Herz von Köln.

[es wid Musik eingespielt: Willy Millowitsch singt "Das Herz von Köln"]

Mariele: Ach du Heiland, da kratzt und krispelt's aber...

T. Otto: Ist ganz alt.

Mariele: Das ist aber echt uralt.

T. Otto: Ja.

Mariele: Süß.

T. Otto: Aber so diese kölsche Frohnatur, das war er wirklich nur auf der Bühne?

Mariele: Das konnte er auch zu Hause sein, das war nur nicht so häufig. Wie viele Komödianten war er zu Hause relativ ernst und still, aber wenn er gut drauf war und das war er ganz oft, wenn wir im Urlaub auf Elba waren - da fühlte er sich wahnsinnig wohl, das hat er geliebt - und dann wurde er teilweise so albern, dass es mich geschmissen hat. Also ich konnte über den wirklich herzlich lachen, er hatte 'nen tollen Humor.

T. Otto: Also der erste Stand-up-Comedian.

Mariele: Ja, einen tollen Witz auch.

T. Otto: Aha. Elke Heidenreich hat uns zu dem Thema, wie Willy Millowitsch war, wenn er von der Bühne runter kam, auch etwas gesagt:

[Elke Heidenreich: Wenn er von der Bühne runter kam, war das Licht ausgeknipst und er war überhaupt nicht mehr komisch]

Mariele: (lacht) Naja, nur ab und an war er nicht mehr komisch, wie gesagt, es gab Ausnahmen.

T. Otto: Also, die Elke hat ihn offenbar so kennen gelernt.

Mariele: Ja, da ist schon was dran, was sie sagt, absolut. Wie gesagt, ich kenn ihn aber auch in Zuständen, in denen er dann aufgeräumt war und dann war er auch privat sehr lustig und dann hatten wir Spaß mit ihm und das war die meiste Zeit, wie gesagt, im Urlaub, wenn er nicht belastet war.

T. Otto: War er denn auch noch lustig, als Sie das zweite Mal sitzen geblieben sind in der Schule?

Mariele: Ach, da war er immer auf unserer Seite als Kinder. Er war immer 'ne Katastrophe gewesen in der Schule. Ich glaube, er ist auch aus Internaten abgehauen, es war furchtbar und er hat uns dann schon eher in Schutz genommen. Ich erinnere mich - sehen Sie, jetzt kommt's doch so peu à peu - ich weiß, dass ich nach Hause gekommen bin und hatte miserable Schulnoten. Kann sein, dass das irgendwie ein Halbjahreszeugnis war, das schon vorausahnen ließ, die Klasse schaffe ich nicht. Ich war schon älter. Und dann bin ich oben im Treppenhaus auf der Treppe gesessen und meine Mutter hat natürlich gezetert, die musste natürlich als Mutter da das Regiment führen und hatte das dem Vater unten im Flur erzählt. Und der Vater brüllt rauf: "Wir sprechen uns noch!" mit dem Rücken zu seiner Frau und nickt mir zu. Da wusste ich schon: Gott sei's gepriesen, er macht 'ne Riesenshow, damit die Mutter zufrieden ist, aber er wird mir nie irgendwie den Kopf abreißen.
Ich glaube, meine Schwester Susanne - die war so wie ich auch eine katastrophale Schülerin - ist auch dann meistens ins Theater und nicht nach Hause gefahren aus der Schule. Sondern erst mal zu ihrem Papa, um sich erst mal einen Trost abzuholen, weil sie wusste, wenn ich jetzt nach Hause komme, kriegt die Mutter 'nen Afrikanischen und da war es besser, man war erst mal bei Willy, der war da etwas toleranter.

T. Otto: Also, die Schulnoten waren ihm nicht wichtig, weil er sowieso davon ausgegangen ist, dass Sie auch Schauspielerin werden würden?

Mariele: Nein, ich glaube, er ist davon ausgegangen, dass seine Kinder schon irgendwie den Weg machen werden. Und ich glaube, weil er eh selber so 'ne Katastrophe in der Schule war, wollte er, jetzt nicht den großen Lehrmeister oder dann moralisches Verhalten rauskehren, was er letztendlich selber nicht hatte.

T. Otto: Konnte er denn auch richtig streng sein? Gab's irgendwas, was ihn so richtig auf die Palme gebracht hat? Die Schulnoten waren's ja offenbar nicht.

Mariele: Ja, wenn man nachlässig mit Dingen umging. Der Vater hatte ja arme Zeiten miterlebt, in denen es gar nix gab und dann hat er Limonade gemacht als Kind und musste mit den Flaschen von Haustür zu Haustür fahren und Limonade verkaufen. Die haben harte Zeiten mitgemacht, die Millowitschs, die Gaukler. Und er hasste es wirklich, wenn wir, die wir als Nachkriegskinder in Wirtschaftswunderzeiten dick und fett versorgt waren ohne irgendwie darben zu müssen und Fahrräder bekommen haben - zum Beispiel zu Weihnachten - was ja in seiner Zeit nie selbstverständlich war und wir die dann draußen haben rumfliegen lassen und die wurden nass und rosteten. Oder wenn man was mutwillig kaputt machte. Da wurde der so wütend, das können Sie sich nicht vorstellen.

T. Otto: Und was auf den Teller kam, das musste aufgegessen werden, oder?

Mariele: Ja, schon, aber nicht oberstreng. Ich erinnere mich, dass man mit ihm ganz gute Deals machen konnte. Also wenn man irgendwie keinen Hunger mehr hatte, dann konnte schon mal 'ne Mark rüberrutschen, wenn man's aufgegessen hat.

T. Otto: Nein!?

Mariele: Ja. "Wenn du's aufisst, kriegst du 'ne Mark!". Das war immer ganz günstig, da konnte man Geschäfte machen. Ich hab das aber nie eingesetzt, nach dem Motto "Ich kann nicht mehr" und dann rübergeblinzelt. Das hätte er gemerkt. Also man musste da schon warten, dass er dann sagt: "Iss auf."

T. Otto: Sie waren ja auch das Nesthäkchen. Hatten Sie's denn leichter als Ihre älteren Geschwister?

Mariele: Ich nehme mal an: ja. Ich glaube am Schlimmsten erwischt hat's meine große Schwester Katharina als Vorreiterin für alle Problematiken. Da wird immer noch Erziehungsmethode ausprobiert und für die war das am Schwersten, denk ich mal. Und dann kam halt der Peter, Söhne haben immer noch mal eine Extraposition.

T. Otto: Der Peter musste, glaub ich, dann oder wollte oder sollte das Theater übernehmen - Hallo Peter! [P. Millowitsch ist am Telefon]

P. Millowitsch: Hallo, guten Tag! Hallo Mariele!

Mariele: Hi Peter!

T. Otto: Peter, was haben Sie denn überhaupt für Erinnerungen, wie war Mariele denn als kleine Schwester?

P. Millowitsch: Das weiß ich nicht mehr, die war da viel zu klein, die hab ich ja gar nicht wahrgenommen. Als Mariele 6 oder 7 war, da war ich dann 15 oder so. Da nimmt man doch kleine Schwestern gar nicht wahr.

T. Otto: Nee?

P. Millowitsch: Die nimmt man nicht zur Kenntnis. Das ist wie Fliegen, das ist wie Wetter, das ist einfach da.

Mariele: Du hast mich einmal mitgenommen, Peter, weißt du das noch?

P. Millowitsch: Wohin denn?

Mariele: In eine Kneipe auf der Aachener Straße, wo du dich immer mit deinen Kumpels getroffen hast.

P. Millowitsch: Ach so, bei dem Sonntagsfrühschoppen?

Mariele: Oh, da hätte ich dich erschlagen können! Da durfte ich mit - stolz wie Bolle - lass mich 13 oder 14 gewesen sein.

T. Otto:
Peter dann so ungefähr 20.

Mariele: So in dem Dreh und dann bestellt der sich ein Kölsch und sagt dann: "Und für meine Schwester ein Glas Milch und ein Bilderbuch." (T. Otto lacht) Das hab ich nie vergessen!

T. Otto: Und nur Kumpels von ihm dabei?

P. Millowitsch: Ja klar!

Mariele: Ja, klar! Ich glaub, ich bin so rot geworden, wie dieses Studiolicht hier, mein Gott!

T. Otto: Gab's denn nie die Situation, als Mariele dann so 14 war und vielleicht auch schon interessant war für die Kumpels, wo irgendeiner Ihrer [Peter] Kumpels dann scharf war auf Mariele und Sie gesagt haben: "Bloß die Finger weg!" ?

P. Millowitsch: Nee, erlaubt ist, was Spaß macht.

Mariele: Ehrlich, war da mal einer scharf auf mich?

P. Millowitsch: Weiß ich nicht, das musst du doch besser wissen als ich.

Mariele: (lacht) Ich wiederum hab doch so was nicht gemerkt.

P. Millowitsch: Du hast das verdrängt, oder was? Ich weiß das doch auch nicht.

Mariele: Ich hab das doch immer nicht mitgekriegt. Du weißt doch, wie ich damals drauf war: schüchtern bis zum geht nicht mehr, letztendlich. Wenn mich da einer angesprochen hat, da war ich doch sofort auf'm Baum.

T. Otto: Gab's denn den Moment, wo Sie [Peter] das erste Mal gedacht haben: "Mensch die kann ja richtig was, die ist ja 'ne tolle Schauspielerin"?

P. Millowitsch: Ja, das hab ich doch schon sehr bald gemerkt, als wir zusammen Theater gespielt haben, wir haben ja viel zusammen gespielt.

Mariele: Das ist wahr.

T. Otto: Haben Sie's ihr auch gesagt, oder war das dann eher so...

P. Millowitsch: Na, bestimmt. "War gut" hab ich gesagt. Bei uns wurde Lob immer sehr spärlich verteilt.

Mariele: Das ist wahr.

T. Otto: Ich merke das schon.

P. Millowitsch: Das wurde immer sehr spärlich verteilt.

Mariele: (schmunzelt) Das stimmt.

T. Otto: Klingt extrem enthusiastisch.

P. Millowitsch: Was?

T. Otto: Ja, wie sie gelobt haben. (Mariele lacht)

P. Millowitsch: Naja, das war sehr spärlich bei uns, aber dann kann man es umso besser bewerten.

Mariele: Ja, aber man hat's dann schon gemerkt.

P. Millowitsch: Lieber so, als wenn jeder sofort in so Euphorie verfällt und dann ist das hinterher so inflationär, dass man das auch nicht mehr braucht.

Mariele: Da stimmt, da hast du vollkommen Recht.

T. Otto: Was ist denn das Euphorischste, was Ihnen zu Mariele einfällt?

Mariele: Peter, das tut mir leid.

P. Millowitsch: Was denn?

Mariele: Dass du das jetzt so sagen muss. Das hab ich nicht gewusst.

P. Millowitsch: Ach, damit hab ich doch kein Problem. Mariele ist eine tolle Schauspielerin. Müsst ihr mal gucken, was die so auf dem Bildschirm macht.

T. Otto: Ja, da haben wir schon geguckt.

P. Millowitsch: Ja, das ist doch wohl toll, was?

T. Otto: Ist sie denn auf der Bühne genauso gut, oder vielleicht sogar noch besser?

P. Millowitsch: Das kann man schwer vergleichen. Die Arbeit auf der Bühne ist eine andere als im Film. Weil man beim Theater ja da ganzen Bogen hat, die zwei Stunden am Stück. Und beim Film sagt man: "Scheiße, ich komme noch mal" Das gibt's bei uns am Theater ja nicht.

Mariele: Obwohl ich das sehr vermisse. Also wenn ich bei Peter im Theater bin und guck mir ein Stück an, ich merke schon, dass mir die Tränchen langsam hoch kommen...

P. Millowitsch: Das kribbelt, das kann ich mir vorstellen.

Mariele: ... und ich denke so: "Verdammt, ich möchte eigentlich auch mal wieder mitmachen!" Denn das waren tolle Jahre, die wir hatten. Auch die Tourneen, die wir gefahren sind, das war doch nun auch wirklich lustig, oder?

P. Millowitsch: Das war schon lustig. Nur das Problem ist einfach, es geht nur das eine oder das andere. Vor dem Problem stehe ich ja immer.

T. Otto: Ich glaube, das Problem ist auch vor allem, dass man mit Theaterspielen nicht besonders wohlhabend werden kann, oder?

P. Millowitsch: Das ist das geringere Problem. Die Tatsache ist einfach, dass man, wenn man Theater spielt, sieben Monate belegt ist. Das fängt mit der Probenzeit im August an und geht dann bis zum Ende der Tournee bis Ende Juni. Da ist man im Grunde weg von der Straße. Und wenn man so viel dreht wie die Mariele kann man das einfach nicht.

Mariele: Ja und wenn man drei oder vier Mal fürs Fernsehen angefragt wird und sagt dann: "Nein, ich arbeite auf der Bühne"...

P. Millowitsch: Und sagt drei oder vier Mal ab, dann ist Feierband.

Mariele: Genau, dann ist Schluss. Die fragen nicht mehr, die rufen nicht mehr an.

T. Otto: Gut, Peter, dann danke ich Ihnen sehr, dass Sie kurz am Telefon waren.

P. Millowitsch: Es war mir ein Vergnügen.

T. Otto: Danke Ihnen, Alle Gute.

Mariele: Tschüß, mein Herz. Vielen Dank.

P. Millowitsch: Tschüß.

T. Otto: Wie groß war denn der Ärger und der Zoff mit dem Papa, als Sie gesagt haben: "So, ich mache jetzt erst mal keinen auf Schauspielerin, sondern ich studiere Tiermedizin!"?

Mariele: Ich weiß, dass wir da im Wohnzimmer saßen. Ich bin mir nicht mehr so ganz im Klaren, wie das ablief, aber ich weiß, dass ich die Anmeldung für das Mozarteum in Salzburg hätte unterschreiben sollen. Ich weiß, dass ich es nicht wollte und gesagt hab: "Ich möchte das nicht machen." Wenn ich mich recht entsinne, war da erst mal Fassungslosigkeit auf beiden Seiten.

T. Otto: Also direkt knallhart, man sitzt sich im Wohnzimmer gegenüber und Sie sagten: "Papa, ich mach's nicht."

Mariele: Ja, es waren beide da, die Mama und der Vater. Und ich hab gesagt: "Leute, ich glaube nicht, dass das richtig ist, wenn ich das mache." -"Ja, wie?" -"Ich will das nicht machen." -"Ja, was willst du denn machen?" Und dann weiß ich noch, dass die Mutter irgendwas sagte wie: "Rumhängen und nix tun kannst du auch nicht". Das mache ich sowieso nicht, dazu bin ich nicht gebastelt.
Und dann hatte ich mir eine Ausbildungsstelle für Krankengymnastik besorgt, das hätte ich anfangen können. Dann hat mir aber jemand gesagt, dass man auch mit einem miserablen Zeugnis an einen Studienplatz für Tiermedizin kommen kann. Das hab ich dann parallel gemacht, also das alles was man da tun kann, in die Wege geleitet und siehe da: Ich hatte plötzlich in Berlin und München einen Studienplatz.

T. Otto: Sie haben's ja dann auch fertig studiert, die Tiermedizin. Wissen Sie denn noch, wie man einen Bandscheibenvorfall bei einem Dackel alternativ behandelt?

Mariele: Ja, ich weiß, ich hab eine alternative Behandlungsmethode damals beschrieben in der Doktorarbeit über Fenstrieren dieser Bandscheiben...

T. Otto: Fenestrieren heißt?

Mariele: Also, ein Fensterchen reinschneiden. Ich sag jetzt mal salopp: Ein Loch in die Bandscheibe machen und das was da drin matschig ist rausholen in der Hoffnung, dass sich der Rest dieser Bandscheibe wieder zusammen zieht und keinen weiteren Ärger macht. Ist in der Praxis aber auch nicht so günstig gewesen, also man muss technisch schon sehr ausgestattet sein und eigentlich bleibt diese Methode nur Kliniken vorbehalten. Und ein normaler Wald- und Wiesen-Tierarzt würde bei einem Bandscheibenvorfall immer erst mal Spritzen geben und dann versuchen es mit Wärme zu behandeln. Also letztendlich all das, was wir Menschen auch mit einem Bandscheibenvorfall machen, auch erst mal tun.

T. Otto: Wissen Sie noch wie der Titel Ihrer Doktorarbeit genau lautete?

Mariele: Nein.

T. Otto: Ich weiß nicht, ob das so stimmt, ich hab's mir mal aufgeschrieben. "Perkutane, partielle Disektomie als alternative Heilmethode beim Bandscheibenvorfall des Dackels" Kann das sein?

Mariele: Ich glaube, der Dackel hat sich da reingemogelt, der war nicht in dem Titel. Ich glaube, es heißt einfach"Die partielle, perkutane Disektomie als alternative Behandlungsmethode beim Bandscheibenvorfall" Basta. Der Dackel allein war's ja nicht, sondern es sind alle anderen Rassen...

T. Otto: Ach, das ist beim Terrier auch anwendbar?

Mariele: Ach Gottchen, das sprengt aber jetzt den Rahmen der Sendung. Es gibt verschiedene Rassen, die diese Disposition haben, dass deren Bandscheiben früher auf eine Art und Weise degenerieren wie's bei anderen Hunderassen eben nicht vorkommt.

T. Otto: Deswegen dürfen die keine Treppen steigen, richtig?

Mariele: Das ist auch 'ne Mär, das ist auch Quatsch.

T. Otto: Stimmt nicht?

Mariele: Nein, nein, das ist Quatsch. Wenn ein bandscheibengeschädigter Hund oder ein Hund dieser Rasse irgendwo runterspringt, da kann was passieren oder nicht passieren. Ob Sie den Treppen steigen lassen oder nicht, das ist letztendlich egal.

T. Otto: Es war eine Premiere, Mariele, und es wird mit Sicherheit auch das einzige Mal geblieben sein, dass in diese Sendung über alternative Heilmethoden für Dackel gesprochen wurde und ich fand das extrem spannend.

Mariele: Aber mein Dackel war dabei, meine Sophie, die gehört mit...

T. Otto: Wie? Die war dabei?

Mariele: Die gehörte mit zu der Statistik.

T. Otto: Versuchskaninchen?

Mariele: Die hatte tatsächlich einen Bandscheibenvorfall.

T. Otto: Mariele, wir kommen jetzt zu einer kleinen Rubrik. Stars & Hits Hörrätsel.

Mariele: Ach du Heiland.

T. Otto: Ja, das sagen viele vorher. Hinterher kriegen sie dann eine Belohnung dafür und dann freuen sie sich.

Mariele: Ok.

T. Otto: Es läuft folgendermaßen ab: Ich spiele Ihnen zwei kleine akustische Sequenzen vor, die stehen für einen zusammengesetzten Begriff. Den sollten Sie erraten. Ich gebe einen kleinen Tipp: der hängt mit einem Thema zusammen, über das wir auch schon gerade etwas ausführlicher gesprochen haben. Und los geht's.

[Hörrätsel (mp3, 32kB)]

Mariele: Das war's?

T. Otto: Ist aber auch extrem schwierig heute. Ich weiß gar nicht, ob das eine Belohnung wert ist. Was haben wir denn gehört zuerst?

Mariele: Bellen.

T. Otto: Ja, wer bellt so.

Mariele: Ein Hund. Hundeschnauze? (Es wird jubelnde Applaus eingespielt) Was? Dafür gibt's schon so einen Applaus? Ich mach irgendwas falsch (sie schmunzelt)

T. Otto: Ja wir machen das immer abhängig vom jeweiligen Gast, je nachdem schwerer oder leichter. (er lacht). Gut, es gibt eine Belohnung dafür.

Mariele: Einen Hund?

T. Otto: Einen Hund, das wäre schön. Hätten Sie gerne noch einen?

Mariele: Ich hab zwei, vielen Dank.

T. Otto: Ja eben. Der Chris Böttcher, Bayern 3 Comedian hat extra für Mariele Millowitsch ein kleines Lied gemacht. Und das kommt jetzt.

Mariele: Ach nee...

[Das Lied für/über Mariele (mp3, 590 kB)]

T. Otto: Das kriegen Sie natürlich auch als Geschenk auf CD.

Mariele: Ach, vielen Dank, da freue ich mich jetzt sehr.

T. Otto: Können Sie Ihren Dackeln, Dackel-Terrier, sind das glaube ich...

Mariele: Dackel-Terrier-Mischlinge sind das, genau. Hans-Günther und Zoppo.

T. Otto: ...vorspielen.

Mariele: Das mache ich.

T. Otto: Hans-Günther gibt's auch noch?

Mariele: Ja klaro.

T. Otto: Dem geht's gut?

Mariele: Hans-Günther ist 11, hat 'nen kleinen Herzfehler, das kriegt man aber mit Tabletten in den Griff und dadurch, dass er seinen Sohn jetzt an der Seite hat, der wesentlich jünger ist, hat Papi jetzt den Ehrgeiz dran zu bleiben und der ist fast alberner als sein Sohn.

T. Otto: Woher kommt eigentlich der großartige Name Hans-Günther?

Mariele: Ich hatte den aus zweiter oder sogar dritter Hand und irgendwie gefiel mir der Name, den er vorher hatte, nicht. Ich glaube, der hieß Jerry. Und ich steh einfach darauf, wenn Tiere Menschennamen haben. Ich hatte ja auch mal eine Elvira, mein Schwein im Garten. Und meine Viecher hießen eigentlich immer irgendwie nach Menschennamen. Sophie, Emma... ich überleg gerade, was ich alles hatte.

T. Otto: Na gut, was sollen sie sonst für Namen haben außer Menschennamen?

Mariele: Naja, wie heißen die denn: Fiffi oder Waldi oder...

T. Otto: Aber Waldi gibt's ja auch. Waldemar Hartmann.

Mariele: Das stimmt.

T. Otto: Es gibt ja sogar Menschen, die so heißen.

Mariele: Das ist wahr, das passiert.

T. Otto: Darf der Hund mit ins Bett, der Hans-Günther?

Mariele: Jaja, das hat keinen Zweck mehr. Die Erziehung hab ich versemmelt. Der ist drin.

T. Otto: Das heißt, wo liegt er dann?

Mariele: Am Fußende. Zoppo macht es nach, der liegt....

T. Otto: Und haart vor sich hin.

Mariele: Der haart keine Sekunde, das ist das Angenehme. Kein bisschen. Auch der Zoppo nicht. Das sind beides Hunde, die Gott sei Dank auch überhaupt nicht stinken. Da hab ich dann schon mein Geruchsorgan, sonst würde das dann...

T. Otto: Der stinkt nie?

Mariele: Keine Sekunde!

T. Otto: Hans-Günther stinkt nicht?

Mariele: Nein, dieser Hund riecht wirklich nicht und das ist herrlich. Dieses Geruchsproblem haben ja auch oft mehr die großen Hunde. Und der kleine Kerl stinkt wirklich gar nicht, sonst würde ich's nicht aushalten. Der liegt am Fußende rum und der Zoppo daneben und die machen sich ordentlich breit und dann muss ich sehen, dass ich mich irgendwie drumrum drapiere. Im Winter ist das aber toll, weil man warme Füße hat.

T. Otto: Wir halten fest: es stinkt nicht nach Hund im Bett von Mariele Millowitsch.

Mariele: Oh nein, überhaupt nicht!

T. Otto: Bringt uns jetzt doch weiter, denn wir haben die Leute auf der Straße gefragt: "Was glauben Sie, wie sieht's im Schlafzimmer aus bei Mariele Millowitsch?"

Mariele: Um Gottes Willen!

Verschiedene Leute auf der Straße: Ihr Schlafzimmer könnte flippig ausschauen oder aber auch romantisch mit Himmelbett und Plüsch und so weiter und von den Farben her flippig. - Ich denke, weiße Bettwäsche hat sie, weiße Bettwäsche weil man da den Schmutz am besten sieht. - Sie hat die Betten gemacht. - Also ich glaube, bei der sieht es total bunt aus und alles geblümt und verziert, aber auf jeden Fall nicht langweilig. - Ich würde sagen, die Frau hat eher ein relativ helles Schlafzimmer, so in weiß, viele Spiegel. Ich sag mal, das ist eine verheiratete Frau, eher konservativ. Die hat ihr Nachttisch-Lämpchen da stehen und vielleicht ein Buch dazu. Also ein Liebesroman oder ein Krimi wird's schon sein. - Ja, vielleicht Liebesromane. (Mariele amüsiert sich königlich)

T. Otto: Ich muss dazu sagen, wir sind mit einem Foto von Ihnen losgegangen.

Mariele: Ist das lustig.

T. Otto: Wir arbeiten das mal kurz ab. Himmelbett?

Mariele: Nein.

T. Otto: Nachttisch-Lampe mit Buch daneben?

Mariele: Ja.

T. Otto: Was für ein Buch gerade?

Mariele: Ich lese gerade mit großer Freude "Die Vermessung der Erde" Vorher hab ich jetzt Treichel gelesen. Denn ich war auch bei Elke angesagt...

T. Otto: Elke Heidenreich "Lesen!", großartige Sendung.

Mariele: Ja, super Bücher. "Der Verlorene" und "Menschenflug". Kann ich wirklich empfehlen. Und Elke ist ja immer, wenn ich was nicht weiß oder wenn ich sage: "Elke, ich weiß nicht was ich lesen soll", dann gibt sie super Tipps. Und ihr Buchgeschmack schlägt auch immer bei mir ein.

T. Otto: Aber wir schweifen gerade ab.

Mariele: Tun wir?

T. Otto: Ich weiß nicht, ob das Absicht ist, ob Sie ablenken wollen?

Mariele: Von meinem Schlafzimmer?

T. Otto: Wir waren beim Schlafzimmer. Kann man irgendwas berichten, irgendwas Außergewöhnliches aus diesem Schlafzimmer?

Mariele: Nein, ich hab nur ein Rollo das hat so Bahnen in Gelb-, Orange- und Rot-Tönen, das ist immer sonnig, sobald draußen das Licht angeht. Und da kann es noch so trübe sein, es vermittelt sich ein Sonnengefühl im Schlafzimmer.

T. Otto: Das ist schön.

Mariele: Und das brauche ich einfach.

T. Otto: Doppelbett oder...?

Mariele: Doppelbett.

T. Otto: Mit Ritze oder ohne?

Mariele: Mit.

T. Otto: Mit Ritze?

Mariele: Ja, macht aber nix. Ich hab mir ein Bett basteln lassen, das hab ich mir selber entworfen. Das ist ein ganz schönes Holz und steht auf Rädern. Ich liebe Räder, so Industrie-Räder, da hab ich 'ne Meise. Weißrandreifen hat mein Bett. Und darunter noch Schubladen, damit ich noch was...

T. Otto: Wie so ein Krankenhausbett, oder...?

Mariele: Nein, nein, es ist aus Holz, aber es hat unten drunter diese Industrieräder, das finde ich schön, ich mag das. Ich mag es so Industrielles mit einem warmen Material wie Holz zu verbinden. Ich finde die Kombination Stein, Holz und Metall überhaupt ganz herrlich

T. Otto: Also eine Ader für Design?

Mariele: Das macht mir Spaß, ja, das muss ich schon sagen. Das ist vielleicht auch so ein bisschen was... in meinem nächsten Leben könnte ich das noch machen.

T. Otto: Im nächsten Leben?

Mariele: Ja.

T. Otto: Ist ja noch ein bisschen Zeit auch in diesem Leben.

Mariele: Ist noch ein bisschen Zeit, aber ich müsste ungefähr noch ein paar Mal wiedergeboren werden, weil ich würde auch gerne noch Cutterin werden nebenbei und alles Mögliche.

T. Otto: Trotzdem wenn wir schon gerade über Zeit sprechen und insofern ja auch über ein gewisses Alter: Ich glaube, Sie haben schon vor länger Zeit mal gesagt: "Ich möchte nie wieder nackt im Fernsehen sein".

Mariele: Ja. Wozu auch?

T. Otto: Es gibt ja Regisseure, die sagen, für diese Szene ist das jetzt unbedingt notwendig

Mariele: Nee, das ist für keine Szene wirklich notwendig. Glaube ich einfach nicht.

T. Otto: Unabhängig vom Alter?

Mariele: Ja.

T. Otto: Auch wenn Sie jetzt 20 wären, würden Sie sagen...

Mariele: Also natürlich gibt es Momente oder dramaturgische Situationen, in denen man sagt, das muss jetzt da sein um was weiß ich zu erzählen über die Nacktheit, ok. Aber wenn es darum geht, Erotik zu erzählen, bin ich immer der Meinung, das, was man nicht sieht, ist das Spannende.

T. Otto: Das regt die Fantasie dann an...

Mariele: Das regt die Fantasie viel mehr an. Oder nur in ganz kurzen Sequenzen. "Wenn die Gondeln Trauer tragen". Diese Liebesszene zwischen Donald Sutherland und Julie Christie. Das ist einfach hinreißend gemacht. Immer nur ganz kurze Spots der Liebe und dann geschnitten, wie die sich jeweils anziehen und wie's dann hinterher ist. Und das vermittelt so eine tolle Erotik. Für mich ist das eine ganz erotische Szene und alles, was ich dann voyeuristisch noch mit ansehen muss in Großaufnahmen törnt mich endlos ab.

T. Otto: Und Erotik hat auch nichts mit Jugend zu tun? Beziehungsweise überhaupt mit dem Alter?

Mariele: Nein, überhaupt nicht.

T. Otto: Sie sind ja sowieso in einer sehr glücklichen Lage, dass Sie sich mehr oder weniger ja doch die Rollen, aussuchen können, denke ich.

Mariele: Stimmt. (sie schmunzelt)

T. Otto: Stimmt?

Mariele: Ja.

T. Otto: Haben Sie sich mal überlegt, wie das wäre, wenn Sie in Hollywood wären, wo ja schon eine Frau über 35 darüber nachdenken muss, wo lasse ich mich jetzt demnächst liften, damit ich überhaupt noch was kriege?

Mariele: Horror! Für Hollywood bin ich viel zu fett, da müsste ich gleich mal...

T. Otto: Wie bitte?

Mariele: Ich schwör's Ihnen. Ich hab jetzt 'ne normale Größe 40. In Hollywood müssen Sie magersüchtig sein. Ich hab's ja jetzt wieder gesehen bei der Golden Globes Verleihung.

T. Otto: Ja, schrecklich.

Mariele: Genau. Was sind das zum Teil für Hungerhaken. Ich hätte die Disziplin nicht. Ich bin ein disziplinierter Mensch, nur ich esse wahnsinnig gern und man sieht's ja auch. Und ich sehe nicht ein, dass ich mir so was alles verkneifen soll um Karriere zu machen. Nun ist das, wenn man Karriere in Hollywood macht, sicher noch mal was ganz anderes. Also man ist dann ja wirklich ein Riesen-Star und das ganze Drumrum, was man sich alles erlauben und leisten kann...

T. Otto: Die Wohnwägen sind auch größer, glaube ich.

Mariele: Aber Hallo! Ich glaube, die würden meinen Wohnwagen nicht betreten, aber ist ja egal. Aber ich brauche diesen Hype nicht. Ich bin nicht so.

T. Otto: Dieser Schlankheitswahn ist das etwas, worüber Sie sich aufregen können, etwas was Sie wütend macht?

Mariele: Nee, das macht mich nicht wütend. Da machen mich andere Sachen wütend, das nicht.

T. Otto: Ja? Was denn zum Beispiel?

Mariele: Ich rege mich einmal am Tag auf über ganz viele verschiedene Dinge, wenn ich die Zeitung aufschlage. Auch über Sachen, die ich nicht verstehe. Ich versteh diese ganze Geschichte mit den Karikaturen nicht. Was das jetzt plötzlich für Ausmaße annimmt. Das macht mich krank. Ich finde es auch irgendwie richtig scheiße, dass Wolfgang Clement jetzt Vorstandsvorsitzender bei RWE ist. Das sind Sachen, die regen mich einfach auf.

T. Otto: Haben Sie eigentlich noch den Sandsack im Keller?

Mariele: Nee, den hab ich meinem Neffen geschenkt. Den sollte ich vielleicht mal zurückholen. (sie lacht)

T. Otto: Das ist wirklich wahr? Sie haben sich dann abreagiert am Sandsack?

Mariele: Ja, aber Sie brauchen feste Decken und ich hatte dann Wohnungen zwischendurch, wo die Decken einen Sandsack nicht gehalten hätten. Also Spreizdübel hin, Spreizdübel her.

T. Otto: Wir haben eine kleine Alternative für Sie?

Mariele: Was ist das denn?

T. Otto: Das ist ein Punching-Ball.

Mariele: Na, hör auf.

T. Otto: Doch das funktioniert!

Mariele: Und wenn ich dann einmal drauf haue...?

T. Otto: Hauen Sie mal drauf. Festhalten!

Mariele: Und wenn ich dann einmal drauf haue... (klingt es so ; mp3, 130 kB) Das nenne ich Erfolgserlebnisse mit kleinen Mitteln. Das ist doch toll. Hervorragend.

T. Otto: Können Sie auch mit nach Hause nehmen.

Mariele: Das mache ich, Danke schön.

T. Otto: Wenn man schon keinen Sandsack mehr hat, dann wenigstens den Punching-Ball.

Mariele: Nein, aber ich kann das echt empfehlen, wenn man wirklich wütend ist. Boxen ist auch toll für den Körper.

T. Otto: Ja, Boxen ist super Training.

Mariele: Das ist ganz ganz herrlich, ein super Training. Da muss man Beinarbeit machen und Armarbeit, das ist für ein Körpertraining wirklich ziemlich gut.

T. Otto: Was treiben Sie für Sport?

Mariele: Ich bin auf dem Cross-Trainer jeden Morgen eine Stunde.

T. Otto: Zu Hause?

Mariele: Ja, den hab ich zu Hause stehen und den fahre ich mir dann ganz dekadent vor die Glotze und dann trainiere ich eine Stunde oder 70 oder 80 Minuten je nachdem was ich mir gerade angucke. Ich hab 'ne relativ große DVD Sammlung, ich guck mir die meisten Filme lieber im Original an als synchronisiert, weil's mir nicht gefällt. Oder auch amerikanische Serien. Die bestelle ich mir dann und dann schaue ich mir die alle mit großer Freude an. Aber im Original auf Englisch.

T. Otto: Haben Sie gerade eine Lieblingsserie?

Mariele: Ich gucke gerade, weil ich das unterschätzt hatte, mit großer Freude "Desperate Houswives"...

T. Otto: Ehrlich?

Mariele: Ja, weil ich das im Original ganz ganz toll finde. Wirklich auch gute Dialoge. Tolle, tolle, tolle Bücher, wie das dramaturgisch aufgebaut ist.

T. Otto: Aber ist nicht gut synchronisiert, oder?

Mariele: Nein. Ich hab's einmal kurz gesehen und ich konnte das nicht... Das geht mir aber ganz genauso mit den "Sopranos". Die "Sopranos" synchronisiert gehen überhaupt nicht. Und wenn Sie sich die im Original angucken, da geht aber die Post ab. Das ist richtig toll. Wobei ich bei den "Sopranos" wirklich auch Untertitel brauche, wenigstens in Englisch.

T. Otto: Das ist schwierig zu verstehen, ne?

Mariele: Weil ich dieses italienische Englisch nicht verstehe, da reicht das dann bei mir nicht. Aber das sind ganz ganz tolle Serien. Oder "Six Feet Under". Ein Traum! Traumserien, also ich finde eine Serie zu erzählen super spannend und hab deswegen auch keine Berührungsängste Serien zu drehen.

T. Otto: Schreiben Sie doch mal ein Drehbuch für eine Serie.

Mariele: Ich kann das nicht. Ich hab da schon vor gesessen und dann habe ich gedacht: "Jetzt ist es schon mit dem ersten Satz mindestens Pulitzer und alle Preise dieser Welt" und das hebelt einen aus. Natürlich hab ich nie ein Wort geschrieben. Ich kann es nicht.

T. Otto: Wir halten fest: Mariele Millowitsch ist eigensinnig (Mariele schmunzelt) Würden Sie das unterschreiben?

Mariele: Ja, schon.

T. Otto: Hat durchaus einen eigenen Kopf.

Mariele: Ja, den hab ich wohl.

T. Otto: Temperamentvoll.

Mariele: Jo.

T. Otto: Ist doch nix Schlimmes, ist doch alles gut.

Mariele: Ja, das kann man sagen, bin ich schon.

T. Otto: Sie sind "Schütze". Wie sind "Schützen" noch? Meine Tochter hat übrigens am selben Tag wie Sie Geburtstag.

Mariele: Nee, ist das wahr? Da gibt's ganz viele, ich glaube, das sind die Karnevalsunfälle. Kann das sein?

T. Otto: (gespielt empört) Hallo?!?!

Mariele: (lacht) Ich glaube, das sind...

T. Otto: Ein Kind der Liebe.

Mariele: ...die Faschingskinder.

T. Otto: Ja klar, Fasching stimmt.

Mariele: Ja, wenn man es mal zurückrechnet. Ich kenn einige.

T. Otto: Wobei Fasching ja in Bayern nicht so die Rolle spielt wie Karneval in Köln.

Mariele: Ja das stimmt schon, aber...

T. Otto: Da passieren nicht so viele Unfälle.

Mariele: Viktualienmarkt? Bierchen trinken? (sie lachen beide)

T. Otto: Ja, 23.11.55 in Köln geboren um 12 Uhr.

Mariele: Um 12 Uhr. Haben Sie mal geguckt, was ich für ein Aszendenten hab? Steinbock, ne?

T. Otto: Ich habe nicht geguckt, aber Leslie Rowe hat geguckt.

Mariele: Ach was?

T. Otto: Das ist unsere Haus-Astrologin, die kann das richtig.

Mariele: Jetzt bin ich mal gespannt.

T. Otto: Und die hat für Mariele Millowitsch ein ganz persönliches Horoskop gemacht und ich muss dazu sagen, sie wusste nicht, um wen es geht. Das weiß sie nie bei den Gästen. Sie hatte - ganz ehrlich - nur diese Daten.

Leslie Rowe: Sie sind eine Schütze-Dame mit Steinbock-Aszendent. Eine temperamentvolle entschlossene Frau mit klaren Prinzipien, hohen Idealen und sehr eigenen Ideen. Nach außen wirken Sie vielleicht trotz Ihrer Lebensfreude und Ihres Optimismus manchmal etwas streng, ernst und diszipliniert. Der Kampf um die Selbstdisziplin ist vermutlich immer wieder ein wichtiges Thema für Sie. An andere setzen Sie hohe Maßstäbe.
Sie sind dabei aber eine sehr einfühlsame Frau mit einer guten Intuition und einem untrüglichen Gespür für die Schwachstellen anderer Menschen. Ihnen kann keiner so schnell etwas vormachen. Sie sind leidenschaftlich und eine gute strategische Kämpferin, die mit diplomatischer Taktik siegt. Mit Ihnen sollte sich niemand anlegen, denn Sie können sehr impulsiv reagieren.
In der Liebe brauchen Sie etwas Ungewöhnlicheres. Viel Freiheit und Abwechslung vom Alltag. Partnerschaften sorgen in Ihrem Leben für die größten und stärksten Veränderungen, aber auch für das größte Glück. Für Sie geht es im Leben darum von der Selbstdarstellung wegzukommen und sich dafür mehr für höhere Ziele und Reformen einzusetzen.

Mariele: Also, ich wünschte, ich wäre diplomatischer, so wie es mir jetzt unterstellt wurde, dass ich es sei. Manchmal bin ich etwas zu schnell vorneweg mit Emotionen und bin nicht so taktisch, wie ich es gerne wäre. Mir fehlt leider, genau zu wissen, wie ich mich verhalten muss, damit ich das und das vom Gegenüber kriege. Da gehe ich zu schnell auf die Leute zu und dann verprelle ich sie auch ganz gerne mal, das weiß ich. Das mit der Disziplin, das unterschreibe ich absolut. Die Selbstdisziplin hab ich, wie gesagt bis aufs Essen.

T. Otto: Was hatten wir zum Schluss? Was hat Leslie Rowe gesagt? Weg von der Selbstdarstellung hin zu einem höheren Sinn. Selbstdarstellung, ist das was, was ihr Leben prägt, etwas Ihnen sehr wichtig ist?

Mariele: Nein. Überhaupt nicht. Ich möchte nicht mich als Mariele darstellen. Es geht mir nur um die Figuren und ich selber bin nicht massentauglich, ich bin auch nicht gern unter vielen Menschen. Ich mag mich selber nicht darstellen, ich tue mich auch wahnsinnig schwer - das hört sich jetzt furchtbar eingebildet an, das soll es aber nicht - wenn ich einen Preis bekomme, was toll ist, aber dann sterbe ich, wenn ich da hoch [auf die Bühne] muss.

T. Otto: Das ist ein komisches Dilemma, auf der einen Seite vor Millionen an den Fernsehern eine Rolle spielen und auf der anderen Seite vor ein paar hundert Leuten Schiss kriegen.

Mariele: Ja, das ist so. Also Selbstdarstellung ist wirklich nicht mein Ding. Ich brauche ein gutes Feedback für meine Arbeit. Da bin ich natürlich massenabhängig, das ist klar, sonst könnte ich in meinem Job nicht überleben.

T. Otto: Können Sie eigentlich noch richtig Kölsch?

Mariele: Ja, ich denk schon. Nur wenn ich im Taxi sitze und versuche dann Kölsch zu improvisieren, dann hab ich manchmal das Gefühl, beim Taxifahrer es stellen sich oder weniger so die Härchen hinten auf.

T. Otto: Ach, ich glaub, Sie sind da viel zu kritisch mit sich selbst.

Mariele: Nein, nein, mein Kölsch ist... also, ich kann Kölsch vom Blatt lesen, wenn ich das erst mal gelesen hab. Ich könnte mir auch zutrauen, ein kölsches Hörspiel zu machen.

T. Otto: Sie können ja zum Beispiel mal die die Bayern-3-Hörer auf Kölsch grüßen. Die werden's sicher nicht erkennen, dass das nicht mehr astrein ist.

Mariele: Nein, das können die wahrscheinlich nicht erkennen, das glaub ich wohl. Was soll ich denn wohl sagen nach Bayern, dass so ein paar Kölsche Worte da drin sind. (auf kölsch) Hallo, liebe Zuhörer in Bayern, ich grüße Euch ganz herzlich und ich hoffe, ihr habt genau so Spaß an der Sendung wie ich das hab.

[Und das klingt dann so, mp3, 150 kB]

T. Otto: Perfekt.

Mariele: Na ja.

T. Otto: Ja also der Versprecher, mein Gott. Bayrisch haben wir schon angesprochen, so a bissl.

Mariele: A bissl, aber echt.

T. Otto: So bissl so, so Wohnzimmerbayrisch.

Mariele: Das Wohnzimmerbayrisch. (sie redet auf bayrisch weiter) I red da so privat immer ganz gern so wie die Bayern, wenn die dann sagen: "Alle bei uns in der Familie haben einen Dialekt, ich ja nicht, gell."

T. Otto: (auf bayrisch) Ah ja, das ist ein bisschen so Gisela Schneeberger.

Mariele: (auf bayrisch) Das ist das. Ja, die ich ganz wahnsinnig schätze als Kollegin, hab sie gerad wieder getroffen...

T. Otto: Ganz eine großartige Kollegin von Ihnen.

Mariele: Ja, ganz wunderbare Frau, ganz großartig, ich lieb sie sehr.

T. Otto: Mögen Sie Brezn?

Mariele: Ja klar.

T. Otto: Brezn mögen Sie, waren Sie schon mal 'ne Breze?

Mariele: Ob ich mal eine war? Im Vorleben oder wie meinen Sie das?

T. Otto: (lacht) Weiß ich ja nicht

Mariele: Keine Ahnung.

T. Otto: Nein, aber es gibt doch dieses Method Acting, wie heißt der Mann? Lee Strasberg, diese berühmte Schauspielschule in Amerika, wo man dann zum Beispiel einen Orangensaft darstellen muss oder sich da hinein versetzt.

Mariele: Ja ich weiß, das wird da immer gern genommen.

T. Otto: Ich erklär's nur so für die Hörer, die vielleicht noch nie was davon gehört haben. Deswegen frage ich: waren Sie schon mal 'ne Breze?

Mariele: Nein, ich war noch keine Breze. Ich bin auch nicht der Typ für Method Acting. Wobei ich es noch nicht versucht hab. Auf der anderen Seite, wenn man sieht, in was für Figuren unsere amerikanischen Kollegen reinschlüpfen können, ich sag jetzt einfach nur Tom Hanks in seiner Vielfältigkeit, ob Sie Forrest Gump oder sonst was nehmen. Die haben aber auch den Segen, dass die wirklich Monate vor Drehbeginn schon nur an den Figuren arbeiten.

T. Otto: Natürlich.

Mariele: Trainer haben. Drin sind. Die Figürlichkeit übernehmen. die wachsen à la Method Acting wirklich hinein in die Figur.

T. Otto:
Und ich sage Ihnen, der war schon mal eine Brezn, sonst könnt der nicht so spielen.

Mariele: Vielleicht war er's. Also dieser Mann ist für mich ein Beispiel für das...

T. Otto: Wir haben eine kleine Szene vorbereitet. Ganz spontan. Sonntag Vormittag, Frühstück ist fertig Monsieur Croissant liegt knusprig im Brotkorb, das wäre ich. Ich würde also knusprig im Brotkorb liegen, das müssen Sie sich schon mal vorstellen, das wäre die Aufgabe. Sie wären die wohlgeformte Brezn. Beide kommen gerade frisch aus der Tüte, logisch, und die fesche Brezn macht sich an den leckeren Monsieur Croissant heran.

Mariele: Aha, ich muss Sie jetzt anbaggern?

T. Otto: Genau.

Mariele: Ok.

T. Otto: Sie auf Bayrisch. Sie sind natürlich eine bayrische Brezn.

Mariele: Darf ich das vorher einmal lesen oder sind wir jetzt beide... Sie haben's bestimmt gelesen.

T. Otto: Ich hab's nicht gelesen.

Mariele: Ach hören Sie auf, ganz bestimmt, Sie legen mich jetzt rein.

T. Otto: Wie Sie wollen, wir können es spontan machen oder Sie können es einmal lesen. Das entscheiden Sie.

Mariele: Nee, nee, jetzt machen wir das spontan.

T. Otto: Los geht's.

[Mariele und T. Otto als Breze und Croissant (mp3, 750 kB)]

T. Otto: Sehr gut!

Mariele: Danke. Mei die armen Bayern, die machen jetzt was mit, mit mir.

T. Otto: Das war auch so eine Mischung aus Österreichisch und Bayrisch, gell?

Mariele: Ich weiß, das muss irgendwie meine Wiener Wurzel sein.

T. Otto: Wiener Wurzel?

Mariele: Ja, mein Vater war halber Wiener, das weiß ja keiner, meine Großmutter war Wienerin.

T. Otto: Wir haben hier jetzt natürlich auch...

Mariele: Ne Brezel, lecker! Ich hab noch nichts gegessen.

T. Otto: Breze und Croissant und lecker Butter hier auch. Dankeschön. Möchten Sie lieber Breze oder lieber Croissant?

Mariele: Lieber Brezel, das passt schon.

T. Otto: Brezel und Butter?

Mariele: Das Croissant können Sie ja, Sie französischer...

T. Otto: So bittschön, gell

Mariele: (auf bayrisch) Jo merci, ich fummel das gleich mal...

T. Otto: Jo merci, das ist auch so ein toller bayrischer Ausdruck. Du merci, merci dir.

Mariele: Du merci du.

T. Otto: Merci dir. Der Altbayer sagt nicht "Dankeschön", der sagt merci dir, du fei merci dir.

Mariele: Du merci.

T. Otto: Fei ist auch ein tolles Wort.

Mariele: Das macht fei nix.

T. Otto: Das macht fei nix, kann kein Mensch übersetzen. "fei" gibt's das im Kölschen auch?

Mariele: Ich überleg grad... ui, jetzt wird's ja richtig schwierig. "ävver"? Nee, "ävver" ist "aber"... nee, haben wir nicht, das "fei" haben wir nicht.

T. Otto: Gibt's nicht, gell? Haben wir euch schon wieder was voraus. Gut, also streichen Sie bitte Ihre Brezn.

Mariele: Was war denn das? Moment, wieso schon wieder? Wieso: Sie haben uns schon wieder was voraus?

T. Otto: Den besseren Fußballverein...

Mariele: Puh...

T. Otto: ...den weit besseren Fußballverein

Mariele: Och, die haben auch mehr Geld.

T. Otto: Nicht so einen Absteigerverein.

Mariele: Ja, aber gerade da zeigt sich die Liebe des Fans, wenn der Verein nämlich Probleme hat. Weil ihr... ihr habt alles und könnt alles und macht alles, dass man da viele Fans hat, ist ja kein Wunder. Nein, bei den armen Geknechteten, Geknüppelten...

T. Otto: Wir haben ja beides. Wir haben den zukünftigen Champions-League-Sieger und wir haben den eventuell hoffentlich
Aufsteiger in die 1. Liga, 1860. Da wird auch gelitten.

Mariele: Naja, trotzdem.

T. Otto: Sind Sie Fußballfan?

Mariele: Nein! (sie lacht) Ich hab keine Ahnung. Ich wollt uns jetzt nur verteidigen. Ich weiß, dass der FC jetzt, glaub ich, durch irgendwelche Spiele auf den untersten Platz gelangt ist.

T. Otto: Schaut schlecht aus.

Mariele: Schaut ganz schlecht aus. Und dann ist er in der 2. Liga und wird da wieder ganz gut sein und dann springt er wieder in die 1. und dann hält er sich 'ne Weile da und dann wird er wahrscheinlich wieder absteigen.

T. Otto: Eine Fahrstuhlmannschaft nennt man das.

Mariele: Ja, das ist ein schöner Ausdruck.

T. Otto: Sind Sie Mozart-Fan?

Mariele: Jein. Ich weiß, es ist jetzt Mozart-Jahr, alles dreht ja durch.

T. Otto: Wir schreiben ja das Mozart-Jahr. Kennen Sie sich ein bisschen aus mit Mozart?

Mariele: Ich kenn mich ein bisschen aus, aber wirklich nur ein bisschen, weil ich jetzt nicht der Klassik-Hörer bin.

T. Otto: Das reicht völlig. Wir haben bei uns nämlich eine Rubrik, wo Sie jetzt auch noch einen Preis abräumen können. Anlässlich des Mozart-Jahres. Es geht um Folgendes: Eines der herausragenden Werke von Mozart "die kleine Nachtmusik", die sollten, müssten, dürften Sie summen. Jeder Gast in dieser kleinen Sendung hat diese lohnende Aufgabe und am Ende des Jahres werden wir die Hörer dann abstimmen lassen, wer hat am tollsten die kleine Nachtmusik gesummt, der kriegt dann die goldene Mozartkugel von Bayern 3.

Mariele: Toll, kann ich nicht die Königin der Nacht singen? Die kann ich auch nicht.

T. Otto: Können Sie natürlich auch singen, aber wir haben ein kleines Beispiel, ich glaube es ist Maria Furtwängler.

[Eingespielt wird Maria Furtwängler]

T. Otto: Nicht schlecht, oder?

Mariele: Das ist ja 'ne gemeine Vorlage.

T. Otto: Bitteschön, Mariele Millowitsch.

Mariele räuspert sich und dann summt sie die "kleine Nachtmusik" (mp3, 750 kB]

T. Otto: Wow!

Mariele: Oder so ähnlich!

T. Otto: Da wurde es richtig schwierig, und das haben Sie auch... !

Mariele: Gepfuscht hab ich! Und keinen einzigen Ton getroffen.

T. Otto: Fast jeden Ton getroffen.

Mariele: Wolfgang Amadeus, es tut mir wahnsinnig leid!

T. Otto: Nein, der würde sich nicht im Grab umdrehen.

Mariele: Zwei Mal! Aber dann liegt er wieder richtig.

T. Otto: (lacht) Da liegt nicht mehr viel.

Mariele: Da liegt nicht mehr viel, nehme ich auch nicht an.

T. Otto: Sehr schön. Mariele, wir sind eigentlich fast am Ende. Ganz am Schluss noch ein paar Zitate, die Ihnen zugeschrieben werden. Sie sagen einfach "Stimmt" oder "stimmt nicht" mit einer kleinen Begründung. Stimmt oder stimmt nicht: "Ich steh auf kleine Bullterrier"

Mariele: Stimmt.

T. Otto: Diese hässlichen, grauslichen Hunde?

Mariele: Ja, ich liebe hässliche, grausliche Hunde.

T. Otto: Das sind diese weiß-rosa Viecher?

Mariele: Die gibt's in allen Farben und die haben einen super Charakter. Man muss nämlich immer das andere Ende von der Leine sehen. Und das sind ganz schmusige und freundliche Hunde.

T. Otto: Liegt es wirklich immer nur am anderen Ende der Leine - sprich an den Herrchen, die meistens bei Bullterriern ein bisschen merkwürdiger aussehen?

Mariele: Die Charaktereigenschaft eines Terriers ist häufig, dass sie sich verbeißen, die kriegen Sie auch so schnell nicht wieder runter. Das haben Sie aber auch bei einem normalen Cairn-Terrier oder bei meinen Hunden, bei Hans-Günther, wenn der zubeißt. Sie kriegen jeden Hund dazu, sich so zu verhalten. Terrier haben aber...

T. Otto: Hans-Günther beißt zu?

Mariele: Aber Hallo! Wenn Sie aber einen Bullterrier haben, der zugeschnappt hat, dann haben Sie natürlich ein anderes Loch im Arm, als bei Hans-Günther. Und Terrier lassen nicht los, das ist es.

T. Otto: Ein Satz für die Ewigkeit.

Mariele: Nicht wahr? Kann man vielleicht feiner formulieren, aber... (sie lacht) Philosophisch gesehen sollte man ihn bewahren.

T. Otto: Aber warum? Haben Sie Mitleid mit denen, weil die so hässlich sind oder was ist es?

Mariele: Ich find die einfach toll, weil sie hässlich sind. Da stimmt nichts von der Proportion. Ich find die einfach klasse! Ich steh auf so Hunde. In Italien sieht man manchmal so wirkliche furchtbare Mischungen rumlaufen, so Würste mit vier kurzen Beinen und viel zu kleinen Köpfen.

T. Otto: Mischung aus Katze und Hund.

Mariele: Ja, was weiß ich was: Da sind Autos mit drinnen, Schlangen, Schweine, ich hab keine Ahnung, aber...

T. Otto: Fiat Panda.

Mariele: Ja.

T. Otto: Stimmt oder stimmt nicht: "Für meine Falten hab ich gelacht, geheult und manchmal auch gesoffen".

Mariele: Ja das stimmt. Kann ich so unterschreiben.

T. Otto: Das sind aber gar nicht so viele.

Mariele: Ach, die sind schon da.

T. Otto: Ein paar Lachfalten.

Mariele: Ihr habt hier vielleicht eine freundliche Beleuchtung.

T. Otto: Ein paar Lachfältchen vielleicht.

Mariele: Ja, aber immerhin besser als Weinfalten und besser als Magenfalten.

T. Otto: Mehr gelacht, mehr geheult oder mehr gesoffen?

Mariele: Am meisten gelacht und dann würde ich sagen, Suff und Tränen halten sich die Waage.

T. Otto: Ok, stimmt oder stimmt nicht: "Mich schreit in diesem Leben niemand mehr an".

Mariele: Stimmt. Also wenn ich angebrüllt werde, dann dreh ich mich auf'm Absatz um und geh.

T. Otto: Woher kommt das? Aus der Kindheit?

Mariele: Mag ein bisschen damit zusammenhängen, dass unser Vater gerne geschrien hat und ich find, schreien ist... also, wenn jemand mal die Stimme erhebt in einer Diskussion, das ist was anderes. Aber wenn man mich anschreit, dann bin ich weg.

T. Otto: Traut sich aber doch eh keiner mehr, oder?

Mariele: Nee, sollte auch keiner, kann ich auch nicht empfehlen.

T. Otto: Uh, ihr solltet mal das Funkeln sehen. (Mariele lacht) Stimmt oder stimmt nicht: "Mein Motto ist: Alles wird gut."

Mariele: Ich bin Optimist, muss ich schon sagen, ja. Ich hab zumindest in meinem Leben gelernt, mir nicht im Vorfeld was auszumalen, über das ich mich dann schon aufregen kann, obwohl es gar nicht passiert ist. Sondern ich wart's ab. Guck, ob es passiert. Wenn's passiert, kann ich mich immer noch aufregen. Aber die Chance, dass es nicht passiert, ist ja relativ hoch, wenn man davon ausgeht, dass es nicht passieren könnte. Hab ich mich klar ausgedrückt?

T. Otto: Das ist die "Self-fullfilling prophecy" oder so.

Mariele: Ja.

T. Otto: Alles wird gut oder alles ist gut?

Mariele: Alles wird gut. Gut ist alles sowieso, ich kann mich echt nicht beschweren, weiß Gott nicht. Wenn ich jetzt jammern würde, dann käme irgendwie jemand von oben runter oder ein Blitz und sagte: "So jetzt kriegst mal richtig was zum abjammern."

T. Otto: Ich kann mich auch nicht beschweren über diesen Gast. Vielen Dank Mariele Millowitsch.

Mariele: Ganz gern geschehen. Vielen vielen Dank zurück.

© 2006 B3