| "Am Anfang stand das 'Techtelmechtel' " (Berliner Morgenpost, 07.09.97) |
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| Wenn Spätzünder kommen, kommen sie gewaltig:
Mariele Millowitsch, jüngste Tochter des Originals Willy, promovierte
erst in Tiermedizin, bevor sie vor die TV-Kamera trat. Ein Serien-Star ohne
Allüren. Neulich habe sie sich ein Eis kaufen wollen und durfte es nicht bezahlen, erzählt Mariele Millowitsch verwundert. "Die Dame sagte, ich wäre ihr Vorbild, sie gehe einen ähnlichen Weg und möchte nicht, dass ich dieses Eis bezahle. Das war so süß", strahlt sie. Auslöser dieser unerwarteten Reaktion ist die ZDF-Serie "Girl Friends", die in diesem Herbst (ab 7. Oktober, jeweils dienstags um 19.25 Uhr) in die dritte Staffel geht: Als Landei Marie Malek hat sie in den ersten Folgen einen Neuanfang im Schreibbüro eines Hamburger Hotels gewagt, dort Freunde gefunden, den Mann fürs Leben entdeckt und Widerstände überwunden. Seit 1994 verfolgen im Schnitt 4,63 Millionen Zuschauer die starken Frauengeschichten um Marie und ihre Freundin Ilka (Tamara Rohloff). "Es passiert mir oft, dass Frauen sagen, sie finden es toll, wenn eine Frau den Mut hat, einfach von vorn anzufangen, und ihr Licht nicht unter den Scheffel stellt." |
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| Auch Mariele Millowitsch ist ihren Weg nicht immer geradlinig
gegangen: Obwohl sie schon als Kind auf der Bühne gestanden hat - der
Millowitsch-Clan macht in der sechsten Generation Volkstheater -, hat sie
nach dem Abitur erst einmal Tiermedizin studiert. "Ich wollte unbedingt etwas Eigenes auf die Beine stellen", erklärt die 41jährige.Erst nach ihrem Abschluß als Dr. med. vet., mit einer Dissertation über den Bandscheibenvorfall beim Dackel, gestand sie sich ihre Liebe zur Schauspielerei ein. Sie spielte Theater, Kabarett, moderierte die Shows "Techtelmechtel" und "Stargeflüster" und trat in Serien wie "Euro Cops" auf. Der große Erfolg kam jedoch erst mit "Girl Friends". "Meine Krisen und Umwege waren wichtig", sagt sie heute. "Alles hat seine Zeit, und ich bin eben spät dran. Das ist auch in Ordnung so. Ich sehe es mittlerweile als einen Vorteil, weil ich viel gelassener den Dingen gegenüberstehe. Ich muss nicht mehr verbissen Karriere machen. Das finde ich sehr schön." Diese Gelassenheit, ihre sympathische Ausstrahlung und ihre Natürlichkeit sind das Geheimnis ihres Erfolgs. Mariele wirkt wie die beste Freundin, mit Problemen und Sorgen, die jede Frau kennt. "Ich spiele am liebsten Frauen, die auch Ecken und Kanten haben, die nicht stromlinienförmig sind." |
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| Neben Marie in "Girl Friends" war das im letzten Jahr die
Staatsanwältin in der "Mordfilm"-Reihe (Sat.1) und demnächst "Nikola"
bei RTL: Als eigenwillige Krankenschwester bringt sie nicht nur ihre Patienten
und ihre heftig pubertierenden Kinder, sondern auch den arroganten Chefarzt
Dr. Schmidt (Walter Sittler) auf trab. Für die "Darstellung menschlicher
Werte" wurde "Nikola" beim Fernsehfestival "Die Goldene Rose von Montreux"
im Frühjahr dieses Jahres mit dem Unda-Preis der Internationalen Katholischen
Vereinigung für Radio und Fernsehen ausgezeichnet. Die 13teilige Serie
startet am 12. September um 21.15 Uhr und wird immer freitags ausgestrahlt. Welche Figur ist ihr am nächsten? "Ich bin ein Mischmasch aus allen dreien. Die Staatsanwältin ist wohl am weitesten von mir weg. Ich bin so direkt und schlagfertig wie Nikola. Marie trifft Entscheidungen aus dem Bauch heraus und ist bodenständig - wie ich." Doch trotz dieser liebenswerten Figuren hat Mariele Millowitsch einen Traum: "Solche Rollen, wie Kathy Bates sie in ,Misery' spielt, diese spießige Hausfrau, die anfängt, den Schriftsteller zu quälen, finde ich genial. Das ist überirdisch." trotz ihrer steilen Karriere habe sich ihr Leben "nicht wirklich" verändert: "Mein fester Freundesstamm ist geblieben. Es wird schwieriger, wenn man ein Promi ist - das ist keine Klage, sondern nur eine Feststellung -, zu unterscheiden, wer mich meint oder den Namen. Das ist aber ein Teil des Geschäfts. Deswegen ist es wunderbar, ins Ausland zu verschwinden. Da reduziert es sich wirklich auf mich, ob ich mit den Menschen klarkomme, oder ob die mich mögen. In Spanien kennt mich keiner, in Italien nicht, in Amerika sowieso nicht. Das ist für mich entspannter." Allerdings musste sie, als sie für "Girl Friends" von Köln nach Hamburg gezogen ist, ihre Haustiere abgeben: "Das tut mir sehr leid. Meine Püppi, mein Schwein, hat es nicht überlebt, der alte Dackel lebt noch, der wird jetzt sechzehn, und die beiden anderen Hunde habe ich weggegeben. Ich höre immer, dass es ihnen gut geht", sagt sie, und man merkt, wie ihr das Herz schwer wird. Könnte sie sich vorstellen, sich in den nächsten Jahren wieder Zeit für Tiere zu nehmen, oder ist die Arbeit wichtiger? "Die Arbeit ist mir im Moment wichtiger. Das Tier müsste sich um mich herum drapieren, und das ist Biesterei. Das ist nicht im Sinne des Erfinders." Auch die Liebe muss sich dem Job unterordnen: "Wenn man einen solchen Beruf hat, dann darf man nicht morgens um acht Uhr gehen und um fünf nach Hause kommen wollen. Das geht nicht. Ich habe einefeste Beziehung, lebe aber in Hamburg allein. Man sieht sich, so oft es geht, meistens am Wochenende." In ihrer Freizeit liest sie gern oder geht zum Turnen. Erkannt wird sie dabei selten: "Ich habe die Haare auf zwanzig nach sieben, meistens eine Mütze auf, kein Make-up im Gesicht, und bevor die Leute dreimal hingeguckt haben, bin ich schon wieder weg." Von ihrer Familie hat sie gelernt, wie der Erfolg einzuschätzen ist: "Ich weiß, dass die Zuschauer auf die Geschichten stehen, und dass es nicht heißt, ich bin ein besonders toller Mensch." Wenn es nicht mehr so gut laufen würde, wäre es für sie also kein Drama? "Es wäre nicht schön, aber ich würde nicht mein ganzes Wohl und Wehe davon abhängig machen, ob ich nun gefragt bin, ob ich prominent bin oder nicht. Es gibt noch andere Möglichkeiten im Leben." © 1997 Berliner Morgenpost |
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