"Mariele ist die "millowitschste" von allen!"
(Bild und Funk, September 1984)
 
Die jüngste der Millowitsch-Töchter ist Schauspielerin und Tierärztin. Noch weiß sie nicht, was später ihr Hauptberuf werden soll.

Zwei Seelen wohnen, ach, in ihrer Brust! Die eine gehört dem Theater. Das sieht Abend für Abend auf der Bühne ganz einfach aus: Mariele Millowitsch kommt raus und spielt alle an die Wand - bis auf den berühmten Vater, versteht sich. In dem Operetten-Schwank "Das Liebesverbot" zieht sie als rassige Spanierin Marietta eine Sonderschau ab, wenn sie den millionenschweren Anton Raffke (gespielt von Vater Willy) auf die Knie zwingt, um ihr die Füße zu küssen. Das ist köstliche kölsche Kost, und das Publikum kringelt sich.
Szenenwechsel - denn die andere Seele gehört ihrem eigentlichen Beruf. Dafür tauscht Mariele das Theaterkostüm gegen den Arztkittel und versorgt in der Praxis des Kölner Tierarztes Dr. Spieth kranke Tiere. Sieben Jahre hat sie, mit ein paar verbummelten Semestern ("Ich konnte dem Vater ja nicht alles hinschmeißen") in München studiert. Jetzt nimmt die frischgebackene Tierärztin ihre Doktorarbeit in Angriff.
Aber so ganz ohne Schauspielerei hält Mariele Millowitsch es auch nicht aus. Dafür fließt wohl doch zuviel Komödiantenblut in ihren Adern. So nahm sie auch im letzten Jahr das Angebot an, am Düsseldorfer Kom(m)ödchen Kabarett zu machen. Auch diese Feuerprobe hat sie mit Bravour bestanden. "Das Kind ist eben ein Naturtalent", sagen viele. Wie wahr, denn eine Schauspielschule hat die Jüngste der sechsten Millowitsch - Generation nie besucht. Als sie nach dem Abitur am Salzburger Mozarteum aufgenommen werden sollte, bekam sie im letzten Augenblick kalte Füße. Sehr zum Kummer des Herrn Papa, denn der Willy hatte ja schon die Töchter Katharina (36) und Susanne (30), an andere Berufe verloren. Nur Sohn Peter (34), der auch das Theater an der Aachener Straße einmal weiterführen will, hat sich voll und ganz der Bühne verschrieben.
Wofür ihr Herz einmal endgültig schlagen wird, das weiß Mariele immer noch nicht genau. "Wenn ich beides gleichzeitig machen könnte, das wäre ideal", sagt sie, "ein bißchen Praxis, ein bißchen Theater. Aber jetzt bin ich 28, und da denkt man auch an Mann und Kinder, und das alles unter einem Hut? Unmöglich!"
Für einen Mann hat sie sich bereits entschieden: "Aber darüber kein einziges weiteres Wort!" Zu jung ist das Glück, um schon sagen zu können, ob es auch eine Zukunft hat. Eine Zukunft als Schauspielerin hätte Mariele auf jeden Fall - sie müsste nur richtig wollen. Was sagte Erzkomödiant Rudolf Vogel, als er Mariele als Achtjährige bei ihrem ersten Bühnenauftritt sah? "Dieses Kind ist das millowitschste von allen."

© 1984 Bild und Funk: Gudrun Stiehr