"Ihr Walker hat vier Beine"
(Bunte, 23.03.00)
   
Mariele Millowitsch, 44, die Tochter des berühmten Volks - Schauspielers Willy Millowitsch (gest. 1999) ist nicht so sexy wie Verona Feldbusch ("Blubb"), nicht so elegant wie Katja Flint ("Marlene") und nicht so jung wie Franka Potente (25) - und trotzdem (oder gerade deshalb) wurde sie bei der Goldenen Kamera zur beliebtesten deutschen Fernseh - Schauspielerin gewählt.

Ihr neuster Film ("Ich kaufe mir einen Mann") lief diese Woche im TV. Und wieder zeigte sie,dass ganz normal ganz außerordentlich sein kann. BUNTE sprach mit ihr beim Szene-Italiener "Casa di Biase" in Köln.
   
Sie spielen eine Frau, der alles schief geht: Mann weg, Job weg, Wohnung weg. Kennen Sie das selbst?
Mann weg kenne ich. Während des Studiums, wenn man Schiss vor einer Prüfung hat, oder sogar durchgefallen war und keinen hatte, der einen mal in den Arm nimmt und sagt: Alles wird gut, ich bin ja da! Das habe ich mir öfter mal gewünscht. Aber das ist ja typisch: Immer, wenn man einen Mann braucht, ist keiner in Sicht.

Moment Mal! Sie weigern sich doch, mit Ihrem Freund Alexander Isadi zusammenzuziehen?
Im Moment ist es halt so, dass er seine Wohnung hat und ich meine. Und wenn wir mal allein sein wollen, dann geht jeder in seine Wohnung. Sonst sind wir meist bei mir.

Was ist schöner: allein einschlafen oder zu zweit?
Zu zweit. Aber manchmal schläft man einfach besser alleine. Wenn man völlig ausgelaugt vom Dreh zurückkommt und ohnehin keine Lust auf nichts mehr hat.
Mariele und Hans-Günther
 
Das Thema Kinder gehört nicht zu Ihren Lieblingsthemen. Mögen Sie keine Kinder?
Doch, aber es hat sich bisher nicht ergeben. Da halte ich's wie Beckenbauer: "Schau'n mer mal" - nur dass er es in bestem Bayrisch sagt...

Ihre eigene Kindheit - war es schwer mit so einem übermächtigen Vater wie Willy Millowitsch klarzukommen?

Einfach war's mit ihm nicht. Aber ich war das Nesthäkchen und bin ein bisschen im Windschatten meiner Geschwister aufgewachsen. Vater lernte ich eigentlich erst richtig kennen, als ich schon 15 war.

Warum so spät?

Er war immer auf Tournee. Mutter hat den Haushalt geschmissen und die Familie am Laufen gehalten. Und als Vater dann da war, war ich alt genug, um ihm Paroli zu bieten.

War das nötig?

Wenn einer keine Positionslichter setzte, dann konnte es gut passieren, dass Vater ihn untergebuttert hat.

Haben Sie sich angebrüllt?
Das hatte wenig Zweck. Er war lauter. Nee, man musste Argumente habe, möglichst gute. Das hat er akzeptiert.

Als Ihr Vater letztes Jahr starb, hatten Sie da alles miteinander geklärt?

Eigentlich ja. Außer vielleicht, warum ich mich Ende der Achtziger geweigert habe, weiter an seinem Theater zu spielen.

Warum nicht?

Ich konnte mich nicht mehr weiterentwickeln. Das hätte ich Vater besser erklären sollen, aber ich glaube, er nimmt's mir unterdessen nicht mehr krumm.

Woher wissen Sie das?

Ich habe manchmal das Gefühl, dass er in meiner Nähe ist. Dann spüre ich eine unglaubliche Wärme.

Spricht er mit Ihnen?
Nein, das nicht. Ich rede mit ihm. Und ich gebe mir selbst Antworten - tief von innen.

Sind Sie nervös?
Ganz ruhig sitzen ist nicht mein Ding. Warum fragen Sie?

Weil Sie ständig mit Ihren Fingern rummachen.
Ich habe trockene Hände, müsste sie häufiger eincremen. Und wenn ich dann so ein Hautzipfelchen sehe, an dem ich rumbasteln kann, dann tu ich's.

Viele Schauspielerinnen versuchen beim Alter zu schummeln, wenn sie die 40 überschritten haben. Sie auch?

Ich habe ja erst Tiermedizin studiert und als ich dann plötzlich als Schauspielerin Karriere gemacht habe, war's zu spät, um zu lügen. Da stand schon überall, wie alt ich bin und ich kam von der Nummer nicht mehr runter.

Sonst hätten Sie gelogen?
Vielleicht schon. 'Ne Drei vorn sieht doch irgendwie netter aus als 'ne Vier. Aber letztendlich ist es auch egal. Bei mir zumindest. Mich besetzt eh keiner wegen hinreißender Schönheit, sondern weil ich ganz normal bin.

© 2000 Bunte; Michael Kneissler