Mütter und Töchter - Die besten Freundinnen (Serie)
(das neue, 10.04.99) 
 
Zur Person: Gerda Millowitsch 
Gerda Millowitsch studierte nach dem Abitur Soziologie und Völkerkunde in ihrer Heimatstadt Köln und Berlin. 1947 heiratete sie Willy Millowitsch und gab ihr Studium auf. In acht Jahren bracht sie vier Kinder zur Welt: Katarina (51), Peter (50), Susanne (45) und Mariele (43). Drei Enkel: Peter (22), Philipp (20) und Johannes (10). 

Zur Person: Mariele Millowitsch 
Geboren am 23. November 1955 in Köln. Schon mit sieben stand das Millowitsch - Nesthäkchen auf der Bühne des familieneigenen Volkstheaters. Später Studium der Tiermedizin, Promotion. Doch Bühne und Fernsehen ließen sie nicht los. TV-Durchbruch 1995 mit „girl friends“. Bekam dafür den Goldenen Löwen. Riesenerfolg auch als „Nikola“ (RTL)


Noch heute kann Mariele Millowitsch jederzeit Mutter Gerda, „die unsere ganze Familie zusammenhält“, ihr Herz ausschütten. Wann immer die beiden Frauen zusammen sind, haben sie sich viel zu erzählen. Dafür bietet sich künftig noch mehr Gelegenheit, sobald die vielbeschäftigte Schauspielerin ihren Umzug von Hamburg zurück in ihrer Heimatstadt Köln erledigt hat. 
Sie muss wegen ihres zweimal hintereinander gebrochenen Fußes Dreharbeiten für die RTL-Serie „Nikola“ nachholen. Steckt mitten im Umzug von Hamburg zurück nach Köln, wo auch ihr Lebensgefährte, RTL Generalsekretär Alexander Isadi wohnt. Dennoch nutzt Mariele Millowitsch ein freies Stündchen, um bei den Eltern, Gerda und Willy Millowitsch, vorbeizuschauen. „Das muss sein.“ Im Schlepptau ihr quirliger Mischlingsrüde Hans-Günther. Denn Mariele ohne Hund - kaum vorstellbar. Das war schon in Kindheitstagen so. 
Mariele und Gerda Millowitsch
 
„Mariele arbeitet zuviel“, stellt ihre Mutter besorgt fest. „Aber so ist sie nun mal, sehr streng mit sich selbst.“ Dennoch liegt es Gerda Millowitsch fern, sich in die beruflichen Angelegenheiten ihrer Jüngsten einzumischen. „Da läge ich falsch, sie weiß schon, welchen Weg sie zu gehen hat.“ Mariele lacht und umarmt die Mutter. „Stimmt, Mütterlein. Du weißt, ich habe meinen eigenen Kopf, von Willy geerbt.“

Toleranz wird im Haus Millowitsch großgeschrieben. Getreu dem Motto: Leben und leben lassen. „Das ging auch nicht anders bei den vielen ‘wahnsinnigen‘ Schauspielern, die bei uns aus- und eingingen“, erinnert sie sich. „Den toleranten Umgang mit Menschen habe ich meinem Elternhaus zu verdanken.“Wichtigste Bezugsperson für Mariele und ihre drei älteren Geschwister war die Mutter. „Sie war immer für uns da. Dank ihr war unser Elternhaus die ‘Burg‘, unser Anlaufpunkt, unsere Sicherheit.“ 
 
„Dickedull“ (nach einer Märchenfigur) nennt Gerda Millowitsch manchmal ihre Jüngste, „weil sie bei der Geburt zehn Pfund wog. Ein Wonnekloß mit vielen Grübchen. Ihrem Charme konnte niemand widerstehen. Sie einfach umwerfend!“ Also ein süßes kleines Mädchen? „Nein, eigentlich der reinste Junge“, lacht Gerda Millowitsch. „Und immer ein Dreckspatz. Ein Naturkind eben. Mariele verabscheute hübsche Kleidchen, lief lieber in Lederhosen rum. Ich schloß eine Haftpflichtversicherung für sie ab, weil sie immer etwas anstellte und sich verletzte. Sie fiel vom Baum, sie brach sich den Arm oder geriet mit dem Bein in die Fahrradspeichen. In der Schule spielte sie in der Fußballmannschaft, und zur Erstkommunion bekam sie statt des obligatorischen Silberbestecks eine Fußballausrüstung vom 1.FC Köln.“ 

„Ich hatte immer viele Kinder um mich rum“, denkt Mariele zurück, „wenn ich die nach Hause brachte, rief Mami nur: ‚Wie viele sind’s heute?‘ und machte die Würstchen zum Kartoffelsalat heiß.“  Wie wurde Mariele von der Mutter erzogen? Kurzer Blickkontakt zwischen den Frauen. Dann antwortet Mariele: „Ich bin als Nummer vier bei den Erziehungsversuchen gut weggekommen. Da hatte Mami ihre Ambitionen schon ein bißchen eingebüßt. Aber sie hat mir Tischmanieren und gutes Benehmen beigebracht.“ „Und absolute Ehrlichkeit“, ergänzt Mutter Gerda, „ansonsten war ich keine strenge Mutter.“ Das zeigte sich auch, als Mariele eine Klasse wiederholen musste. Gerda Millowitsch: „Wir haben das nicht dramatisiert.“ 

Wie sie das Abitur schaffte, ist Mariele heute noch ein Rätsel, denn schon während der Schulzeit war der in die Wiege gelegte Hang zur Komik und Schauspielerei stärker. Ihr Weg war also vorgezeichnet. Dennoch studierte die Tierärztin nach ihrer Ausbildung am Salzburger Mozarteum Tiermedizin, schloß mit dem Doktortitel ab. „Dafür bewundere ich sie“, sagt ihre Mutter stolz. Aber auch während des Studiums immer wieder Abstecher auf die Bühne. Mariele musste sich entscheiden, letztendlich siegte die Liebe zur Schauspielerei. Hat sie die damals schwere Entscheidung mit den Eltern besprochen? „Nein“, sagt Mariele Millowitsch selbstbewusst, „so was mache ich alleine mit mir ab.“ Ihre Mutter schaut sie an und fügt hinzu: „Das schätze ich auch an Mariele, ihre Geradlinigkeit und ihre direkte Art.“ 

Nein, Gerda Millowitsch hat an ihrer Tochter nichts auszusetzen. Und umgekehrt? „Mami sollte mal fünf grade sein lassen“, antwortet Mariele spontan, „sich mal für ein paar Stunden von zu Hause loseisen, sich mit uns vergnügen, statt sich nur um unseren Vater zu kümmern. Sie hat sich ein Leben lang zurückgenommen. Alles getan, um ihm den Rücken für die Karriere freizuhalten. Wenn er spätabends anrief und Gäste ankündigte, hat Mutter die Küche wieder angeworfen. Ich würde meinem Mann sagen: Geh in die Kneipe.“ 
„Damals“, fährt Mariele fort, „habe ich für mich den Entschluß gefaßt, dass später einmal nicht so zu machen. Ich bin bestimmt keine Emanze. Aber da bekam ich meine ersten feministischen Züge. Sorry, Mami, aber ich will doch nur dein Bestes!“ Typisch Mariele: direkt, aber herzlich. 
„Meine Mutter ist eine Sicherheit in meinem Leben“, sagt Mariele Millowitsch im nächsten Moment. „Sie gab mir das Gefühl, nie unter Verlustängsten leiden zu müssen. Bis heute hält sie unsere ganze Familie zusammen. Und ich würde mir wünschen, dass es ewig so bliebe.“ 

© 1999 das neue; Uschi Coenen