| "Als ich das zweite Mal sitzen blieb, nahm
mich meine Mutter in Schutz" aus der Serie: Danke, liebe Eltern - Prominente über ihre Kindheit (das neue, 1994) |
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| Zwischen Schminktisch und Kleiderbergen, neben Bügelbrett
und Kaffeemaschine, mit Lockenwicklern im Haar und Zwergdackeldame "Sophie"
auf dem Schoß wartet Mariele Millowitsch (38) gerade auf ihren nächsten
Auftritt für die ZDF-Serie "Girl Friends". Die Unordnung
um sie herum, die Hektik ihrer Filmkollegen - das alles stört die gebürtige
Kölnerin nicht. "Wissen Sie", sagt Mariele mit ansteckendem fröhlichen Millowitsch-Lächeln (von einem Ohr zum andern), "ich bin Trubel von Kindesbeinen an gewohnt. Was meinen Sie, was bei uns zu Hause alles los war. Bei so vielen Kinder!" Mariele Millowitsch ist die jüngste von insgesamt vier Geschwistern: Katharina (47), Peter (45) und Susanne (41) kamen vor ihr. "Mein Glück, denn als Nesthäkchen konnte ich anstellen, was ich wollte - und niemand war mir böse!" |
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| Bestes Beispiel ist ihre Schulzeit. Mariele erzählt: "Als Kind war ich total verspielt, hatte nur Flausen im Kopf. In der Schule konnte ich mich nicht richtig konzentrieren. Als ich in der 5. Klasse sitzenblieb, sagten die Eltern noch nichts. Aber als ich auch die 10. Klasse wiederholen musste, da rechnete ich mit einem Donnerwetter von meinem Vater. Er legte nämlich immer viel Wert auf Ordnung und Disziplin. Geknickt beichtete ich meiner Mutter mein schlechtes Zeugnis, doch sie tröstete mich, statt mich auszuschimpfen! Und am Abend nahm sie mich sogar vor Vater in Schutz. Sie nahm ihm regelrecht den Wind aus den Segeln, indem sie diplomatisch verkündete: "Mariele wird ein ganz schlaues Mädchen, sie darf noch ein Jahr länger zur Schule gehen!" | |
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In all den Jahren war Mutter Gerda (heute 67) Marieles Bezugsperson
und Vertraute. Vater Willy (85) war ständig auf Tournee. Die Schauspielerin
und promovierte Tierärztin erinnert sich: "Er war viele Jahre
lang ein reiner Wochenendpapi für uns. Wenn er kam, mussten wir unsere
schönsten Kleidchen anziehen, wurden um ihn herumdrapiert und mussten
artig sein." Erst mit 15 hat sie ihren vielbeschäftigten Vater richtig kennengelernt. "Als ich mich das erstmal mit ihm ernsthaft unterhielt, war ich überrascht, wie viel er von mir wusste. Das hätte ich nie vermutet..." Mariele verstummt, blickt nachdenklich aus dem Fenster. Leise fährt sie fort: "Vater ist kein einfacher Mensch. Er hat eine sehr dominante Persönlichkeit." |
| Und sie erinnert sich plötzlich an eine Begebenheit
als sie 17 Jahre alt war: "Ich hatte einen Unfall mit dem Mofa und
mir dabei mehrfach den Oberarm gebrochen. Vier Wochen lag ich im Krankenhaus.
In der Zeit haben mich viele Schulfreunde besucht. Es war die Zeit der langen
Haare und Bärte. Eines Nachmittags kam auch Papa ins Krankenhaus. Mit
Blumen in der Hand stand er in der Tür. Doch als er die jungen Männer
mit den langen Haaren an meinem Bett stehen sah, machte er auf dem Absatz
kehrt, knallte wütend die Tür zu und lief davon. Eine Nonne versuchte ihn zu besänftigen und fragte: 'Was haben Sie denn? Die Jünger unseres Herrn Jesu Christi hatten doch auch lange Haare!' Doch für ihn waren das alles Hottentotten!" Mariele seufzt leise: "Allein das Theater ist seine Welt. Dafür lebt er. Das ist er. Daneben bleibt wenig Platz." Es klingt beinahe wütend, als sie dann sagt: "Mutter hat für ihn soviel aufgesteckt. Sie ist eine kulturbegeisterte Frau, reist sehr gern. Doch mit vier Kindern, dem Haushalt war das schlecht möglich. Sie war immer nonstop für Willy im Einsatz. Machte den Bürokram und war eine perfekte Gastgeberin!" Und die Millowitschs hatten viel Besuch. Fast jeden Abend nach der Vorstellung brachte der Vater Schauspielerkollegen mit nach Hause. "Wir hatten ein offenes Haus. Und das gilt nicht nur für die vielen interessanten Menschen, die zu uns kamen, sondern auch für den Geist, der in unserem Haus herrschte: Weltoffenheit, Toleranz und Menschlichkeit." Das beeindruckendste Erlebnis mit einer berühmten Freundin der Familie hatte die kleine Mariele vor 33 Jahren zur Weihnachtszeit: "Es war schon spät. Wir Kinder waren längst im Bett, als wir plötzlich von Stimmengewirr wach wurden. Auf leisen Sohlen schlichen wir die Treppe hinunter zum Wohnzimmer. Und da saß sie, die wunderschöne Zarah Leander in einem bordeauxroten Samtkleid und sang russische Kinderlieder. Dieses Bild werde ich niemals vergessen!" In diesem Moment reißt ein junger Mann die Tür auf und Mariele aus ihren Erinnerungen. Er ruft: "Mariele, du bist dran. Beeil dich!" - Augenzwinkernd antwortet sie: "Ja, ja, ich komme ja schon. Nur keine Panik. Ohne mich passiert da gar nichts." und lächelt verschmitzt ihr unvergleichliches Millowitsch-Lächeln. © 1994 das neue; Christine Bollhorn |
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