| "Angst um unsere Bananenrepublik" (die zwei, 15.03.00) |
|
| Spätestens seit "girl friends" ist Mariele Millowitsch einer der beliebtesten TV-Stars. Gerade wurde sie mit der Goldenen Kamera geehrt. Für "Ich kaufe mir einen Mann" verließ sie die Seriengleise. Die 44-jährige spielt eine Frau, die nach vielen Schicksalsschlägen den Mut findet, ihr Leben in ganz neue Bahnen zu lenken. Im Interview mit "die zwei" nimmt die studierte Tierärztin kein Blatt vor den Mund. | |
| Für diesen Film standen Sie erstmals nach dem Tod
Ihres Vaters vor der Kamera. Konnten Sie mit der Arbeit die trauer bewältigen?
Letzlich hat es geholfen, ich konnte phasenweise abschalten. Abschiednehmen und Loslassen haben wir nicht richtig gelernt. Um diese Endgültigkeit zu akzeptieren war es ganz gut, dass ich immer wieder abgelenkt war. So konnte ich "portionsweise" den Tod meines Vaters verarbeiten. War seine Meinung für Ihre Arbeit ausschlaggebend? Nie. Allerdings hat er im letzten Spätsommer, als es ihm schon nicht mehr so gut ging, die gesamte "Nikola" Staffel auf Video hintereinander weg geschaut. Da hat er "Klasse" gesagt. Das hat mich gefreut, denn natürlich konnte er beurteilen, ob die alten Volkstheatergesetzte erfüllt sind. |
|
| Sie sind ein Spätstarter und haben Karriereumwege
gemacht... Ich bin ein Verfechter der These, dass es keine Fehler gibt, sondern nur Erfahrungen. Das, was ich zum jeweiligen Zeitpunkt gemacht habe, war in diesem Augenblick richtig. Ich würde wieder studieren, wieder den Umweg über die Naturwissenschaften gehen. Hier werden einem die Augen geöffnet für etwas jenseits des Mediums Fernsehen, das eben doch ein wenig oberflächlich ist. Erstaunlich, das Sie trotz Jugendwahns beim Fernsehen erst spät Karriere machten... Ich weiß, normalerweise hören Karrieren im Fernsehen in meinem Alter auf. Aber ich habe wohl das Glück, dass momentan eine neue Rolle für die Frau im mittleren Alter erntwickelt wird. Ich bin da ja nicht ganz alleine. Man hat offensichtlich begriffen, dass Frauen erst in diesem Alter wirklich etwas zu erzählen haben. Eine Zwanzigjährige kann auf diese Erfahrung nicht zurückgreifen. Haben Sie Probleme mit dem Älterwerden? Älter werden, finde ich, wie wahrscheinlich jeder andere auch, blöd. Aber als Schauspielerin macht mir das überhaupt keine Probleme, denn ich bin nie nach Schönheit besetzt worden. Wenn man ein Vamp sucht, wird man nicht unbedingt mich fragen. Dadurch verliere ich nichts. Hat Ihr Vertrauen in die Politik zuletzt gelitten? Besser ist es nicht geworden. Wir kennen wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs. Als Vorbilder für die Kinder haben die Politiker jedenfalls versagt. Sie bekommen doch vorgelebt, dass man andern Leuten in die Tasche greifen darf. Umso bitterer finde ich, dass Helmut Kohl nicht zur Rechenschaft gezogen wird. Unsereins wird für jede Kleinigkeit bestraft. Wir werden immer mehr zu einer Bananenrepublik. © 2000, die zwei |
|