"Ich will kein Star sein"
(die zwei, 30.04.03)
 
Anm.d.W.: Dieses Interview wurde wohl schon im Sommer 2002 bei den Dreharbeiten zu "Die Stimmen" geführt

Sie kommt zu den Zuschauern wie eine alte Bekannte. Ob aus "Nikola2 oder "girl friends" - irgendwie glaubt jeder, Mariele Millowitsch schon verdammt gut aus dem Fernsehen zu kennen. Was sich als Fehler erweist. Denn am Dienstag gibt sie ihr TV-Debüt als TV-Kommissarin Mona Seiler, die mit einem Kriminellen liiert ist - und auch im Interview mit "die zwei" zeigt die 47-jährige Hundeliebhaberin (ihr Dackel Hans-Günther springt beim treff auf einer Wiese in Starnberg um uns herum) ungewöhnliche Seiten...

Sie sind eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen im deutschen Fernsehen. Haben Sie manchmal Angst, Ihre Erfolgssträhne könnte einmal zu Ende gehen?

Natürlich habe ich Angst, dass ich irgendwann mal ins Altersloch falle. Aber kann ich was dagegen tun? Warum soll ich mich da vorher schon verrückt machen?

Aber eigentlich können Sie ganz beruhigt sein. Sie sind ja schon so etwas wie ein Markenzeichen. Ein Star, der Quote garantiert.

Ach was, jeder ist ersetzbar. Wenn ich's nicht bin, ist es eben eine Frau Schnurzlipurzli. Ich halte mich nicht für einzigartig. Ich bin kein großer Star und möchte das auch nicht sein. Ich ordne mich lieber in die Masse, ins Team ein. Das macht es auch viel entspannter.

Sie würden Ihre schlechte Laune also nie an der Maskenbilderin auslassen?

Ich habe nicht das Recht, dass ein Team darunter leidet, weil ich schlecht geträumt habe. Negatives soll man mit sich selbst ausmachen. Nur mein Hund Hans-Günther ist Zeuge meiner Tobsuchtsanfälle. Das passiert so zweimal im Jahr.
 
Gibt es denn etwas, wovor Sie regelrecht Angst haben?
Mein Horror ist, krank zu werden und nicht mehr zu können, wie man will. Aber ich habe keine Angst vor Falten. Die finde ich sogar toll. Das ist doch sichtbar gewordener Charakter. Und natürlich weiß ich, dass ich in Amerika als Schauspielerin keine Chance hätte ohne Schönheits-OP.

Hatten Sie immer schon so eine große Selbstsicherheit, was Ihr Aussehen betrifft?

Auf gar keinen Fall. Ich war als Kind ganz schrecklich hässlich, habe 70 Kilo gewogen und hatte 'ne Pottfrisur. Ich sah aus wie das Grauen in Tüten. Ich hab mich nicht einmal in die Tanzschule getraut, weil ich dachte, die Jungs lassen mich bis zum Schluss sitzen. Ich hatte ein miserables Selbstbewusstsein als Teenager. Mit 13, 14 Jahren ging es mir gar nicht gut.

Fühlen Sie sich heute geschmeichelt, wenn man Ihnen jüngere Rollen anbietet?
Im Gegenteil. Ich würde nie eine Rolle annehmen, die mich 15 Jahre jünger macht. Das wäre mir zu stressig. Die armen Beleuchter müssten das ausbaden. Ich spiele lieber einer 50-jährige Trinkerin. Da kann ich abends um die Häuser ziehen.
   
Es heißt, Sie hätten eine Riesenangst vor Operationen. Hat das denn einen konkreten Grund?
Ja, sicher. Ich habe Angst vor Vollnarkosen. Ich hatte mal eine und bin gar nicht weggewesen. Hab gehört, was die Operateure bei der Vorbereitung erzählt haben. Das möchte ich in diesem Leben nicht mehr erleben, davor hab ich Schiss. Außerdem bin ich nach der letzten Vollnarkose richtig aggressiv geworden, habe getreten und gebissen.

Sie hatten ein sehr enges Verhältnis zu Ihrem Vater Willy. Haben Sie noch eine Verbindung zu ihm?

Mein Vater ist als Energie immer noch vorhanden. Manchmal bin ich erstaunt, durch welche Ereignisse, die ganzen Erinnerungen anlaufen - ganz so, als hätte er selbst dafür gesorgt. Manchmal muss nur ein Insekt kommen, dann denke ich daran, wie er im Garten eine Fliege weggewischt hat. Oder ich sehe die Hände eines alten Kollegen, die aussehen wie die Hände von Vater. Vater hätte immer kalte Hände.

Wie sind Ihre weiteren Pläne?

Es gibt einen schönen Spruch von Oscar Wilde: "Wie bringste den lieben Gott zum Lachen? Erzähle ihm Deine Pläne!" Es kann schon übermorgen alles vorbei sein, und vorher will ich noch die ein oder andere Reise machen.
© 2003, die zwei; J. Seewald