"Himmel und Hölle? Das ist doch alles Gequatsche"
(Express, 16.08.03)
 
Sommer - Zeit für luftige Kleidung, leichtes Essen, lockere Gespräche. Beim Wein, beim Prosecco, beim Kaffee. Deshalb haben wir uns auch dieses Jahr mit Prominenten zum "Sommergespräch" getroffen. Und auch dieses Mal hieß das Motto: Reden wir mal nicht über den Job. In unserem heutigen Gespräch kommt Mariele Millowitsch zu Wort. Gelernt hat sie auf Willys Bühne ("Er hat mir alles beigebracht"), nabelte sich dann ab und ist spätestens seit "Nikola" eine der beliebtesten deutschen TV-Schauspielerinnen. Um ihrer kranken Mutter Gerda möglichst nahe sein zu können, zog Mariele Millowitsch vom Hamburg nach Köln. Seit zehn Jahren ist sie mit Ex-RTL-Mann Alexander Isadi befreundet. (Anm.d.W.: Mit den korrekten Zeitangaben hat es der Express wohl nicht so *g*)
 
Anm.d.W.: Besser scannen konnte ich's leider nicht :-(
 

Frau Millowitsch, reden wir mal nicht über den Job. Macht es Ihnen nichts aus, mit 47 noch Mariele genannt zu werden?
Ach, das spricht sich so weg. Es steht auch schon auf den Geburtskarten von 1955: "Wir sind froh, die Geburt unseres vierten Kindes Mariele bekannt zu geben." Für Willy war das einfach klar.

Und war es für Sie klar, keine Kinder haben zu wollen?

Ich war nie so wild drauf. Ich bin auch ganz sicher kein Muttertier, und den Spagat zwischen Beruf und Kind habe ich mir nicht wirklich zugetraut. Außerdem hat es sich nie ergeben. Es waren immer die falschen Partner. Jetzt würde ich es mir zutrauen, aber nun ist es zu spät.

Sie haben einen Wunsch frei...

...es müssen schon drei sein: Ein Scartkabel, das ich in einen anderen Menschen reinstecke, damit ich mich so in ihn reinversetzen kann. Dann eine Zeitmaschine.

Mit der Sie in welche Ära reisen würden?

Rückwärts. Mich interessiert, ob wir schon immer so blöd waren. Ich würde auch gerne wissen, wie die Inkas und Mayas gelebt haben. Überhaupt, die alten, untergegangenen Kulturen interessieren mich. Und drittens hätte ich unter dem Arm gerne so einen Hebel für Sprachen. Dann könnte ich mich in einem fremden Land immer verständigen.

Das ewige Leben ist nicht dabei?

Um Gottes Willen. Man wird irgendwann müde, die Figur zu sein, die man gerade ist. Ich bin davon überzeugt, dass die Energie, die bei unserem Tod frei wird, wieder verwendet wird. Das kann ein Windhauch oder ein Gedanke sein. Unsere Hardware verfällt, aber die Software wird weiter gebraucht.

Was ist mit Himmel?

Das hat mich als Kind schon abgenervt, das dumme Gequatsche von Hölle, Fegefeuer und Himmel. Bei den Katholiken kam mir das so verlogen vor: Einmal die Woche abbeichten, und dann geht es wieder von vorne los.

Gibt es einen Kollegen, den Sie rückhaltslos bewundern?

Harald Schmidt. Der ist echt der Größte. Der hat eine Geschwindigkeit im Kopf und eine treffsicherheit in seinen Worten, das ist unerreicht. Der ist ja auch sehr belesen. Und ich mag ihn auch als Mensch sehr. Hut ab, faszinierend.

Wie geht es Ihrer Mutter Gerda?

Sie kriegt mal mehr, mal weniger mit. Sie lacht ab und zu. Aber die Hitze der letzten Tage hat ihr sehr zugesetzt. Ich weiß nicht so genau, was sie mitbekommt. Deshalb sorgen wir immer für ein hübsches Umfeld mit Blumen und so.

Sonst keine Reaktionen?

Doch, wenn ich ihr erzähle, dass ich mal wieder 18 Stunden gedreht habe, kommt ein "Oh." Sie versteht eine ganze Menge, das darf man nicht unterschätzen.

Hat diese Erfahrung Sie verändert?

Sie bestätigt mir, dass man das Leben nicht auf später verschieben kann. Meine Mutter hat sich ja aufgeopfert für Mann und Familie. Aber es gibt nun mal leider keine Fleißkärtchen für besonders gutes Verhalten.

Tun Sie deshalb viel für Ihre Fitness, damit Ihnen das nicht widerfährt?

Ich brauche das einfach, allein, weil ich dabei toll fernsehen kann. Ich habe alle Folgen von "Emergency Room" auf Band. Und dann setze ich mich auf den Hometrainer und radele 45 Minuten, so lange, wie eine Folge dauert. Alternierend dazu mache ich jeden zweiten Tag eine Stunde lang Workout.

Sie haben den Tod Ihres Vaters direkt miterlebt. Wie schlimm war das?

Die Kraft, die er hatte, reichte noch für 20 Leben, aber der doofe Körper machte nicht mehr mit. Deshalb wollte Willy nicht mehr, er hatte seine Hardware, von der wir vorhin sprachen, so satt. Mein Vater ist bei vollem Bewusstsein gestorben. Es war ihm nicht vergönnt, einfach einzuschlafen.

Letzte Frage: Ihr Urlaub steht an, wo geht's hin?

In die Dolomiten, 14 Tage wandern. Das machen wir schon seit Jahren. Wanderschuhe an, Rucksack auf, und los geht's. Dann bin ich glücklich. Als ich das erste Mal ein Edelweiß gefunden habe, habe ich gejodelt.

Marieles Rezept-Hit: Hühnchen in Sojaöl
Das Rezept passt vor allem an warmen Sommertagen: Hühnerbrust ordentlich in Sesamöl anbraten, zur Seite Stellen. Fenchel, Paprika in allen Farben und Zucchini kleinschneiden. Öl in einen Brat-Reine geben, dann das Gemüse, das Geflügel obendrauf und einen kräftigen Schuss Weißwein drüber gießen. Rosmarin dazu und alles bei 180 Grad Umluft 30 - 35 Minuten im Backofen schmoren lassen. Das Rezept kann man variieren zum Beispiel chinesisch oder thailändisch.

© 2003 Express; Christoph Ernst