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Frau Millowitsch, reden wir mal nicht über den Job. Macht es
Ihnen nichts aus, mit 47 noch Mariele genannt zu werden?
Ach, das spricht sich so weg. Es steht auch schon auf den Geburtskarten
von 1955: "Wir sind froh, die Geburt unseres vierten Kindes Mariele
bekannt zu geben." Für Willy war das einfach klar.
Und war es für Sie klar, keine Kinder haben zu wollen?
Ich war nie so wild drauf. Ich bin auch ganz sicher kein Muttertier, und
den Spagat zwischen Beruf und Kind habe ich mir nicht wirklich zugetraut.
Außerdem hat es sich nie ergeben. Es waren immer die falschen Partner.
Jetzt würde ich es mir zutrauen, aber nun ist es zu spät.
Sie haben einen Wunsch frei...
...es müssen schon drei sein: Ein Scartkabel, das ich in einen anderen
Menschen reinstecke, damit ich mich so in ihn reinversetzen kann. Dann
eine Zeitmaschine.
Mit der Sie in welche Ära reisen würden?
Rückwärts. Mich interessiert, ob wir schon immer so blöd
waren. Ich würde auch gerne wissen, wie die Inkas und Mayas gelebt
haben. Überhaupt, die alten, untergegangenen Kulturen interessieren
mich. Und drittens hätte ich unter dem Arm gerne so einen Hebel für
Sprachen. Dann könnte ich mich in einem fremden Land immer verständigen.
Das ewige Leben ist nicht dabei?
Um Gottes Willen. Man wird irgendwann müde, die Figur zu sein, die
man gerade ist. Ich bin davon überzeugt, dass die Energie, die bei
unserem Tod frei wird, wieder verwendet wird. Das kann ein Windhauch oder
ein Gedanke sein. Unsere Hardware verfällt, aber die Software wird
weiter gebraucht.
Was ist mit Himmel?
Das hat mich als Kind schon abgenervt, das dumme Gequatsche von Hölle,
Fegefeuer und Himmel. Bei den Katholiken kam mir das so verlogen vor:
Einmal die Woche abbeichten, und dann geht es wieder von vorne los.
Gibt es einen Kollegen, den Sie rückhaltslos bewundern?
Harald Schmidt. Der ist echt der Größte. Der hat eine Geschwindigkeit
im Kopf und eine treffsicherheit in seinen Worten, das ist unerreicht.
Der ist ja auch sehr belesen. Und ich mag ihn auch als Mensch sehr. Hut
ab, faszinierend.
Wie geht es Ihrer Mutter Gerda?
Sie kriegt mal mehr, mal weniger mit. Sie lacht ab und zu. Aber die Hitze
der letzten Tage hat ihr sehr zugesetzt. Ich weiß nicht so genau,
was sie mitbekommt. Deshalb sorgen wir immer für ein hübsches
Umfeld mit Blumen und so.
Sonst keine Reaktionen?
Doch, wenn ich ihr erzähle, dass ich mal wieder 18 Stunden gedreht
habe, kommt ein "Oh." Sie versteht eine ganze Menge, das darf
man nicht unterschätzen.
Hat diese Erfahrung Sie verändert?
Sie bestätigt mir, dass man das Leben nicht auf später verschieben
kann. Meine Mutter hat sich ja aufgeopfert für Mann und Familie.
Aber es gibt nun mal leider keine Fleißkärtchen für besonders
gutes Verhalten.
Tun Sie deshalb viel für Ihre Fitness, damit Ihnen das nicht widerfährt?
Ich brauche das einfach, allein, weil ich dabei toll fernsehen kann. Ich
habe alle Folgen von "Emergency Room" auf Band. Und dann setze
ich mich auf den Hometrainer und radele 45 Minuten, so lange, wie eine
Folge dauert. Alternierend dazu mache ich jeden zweiten Tag eine Stunde
lang Workout.
Sie haben den Tod Ihres Vaters direkt miterlebt. Wie schlimm war das?
Die Kraft, die er hatte, reichte noch für 20 Leben, aber der doofe
Körper machte nicht mehr mit. Deshalb wollte Willy nicht mehr, er
hatte seine Hardware, von der wir vorhin sprachen, so satt. Mein Vater
ist bei vollem Bewusstsein gestorben. Es war ihm nicht vergönnt,
einfach einzuschlafen.
Letzte Frage: Ihr Urlaub steht an, wo geht's hin?
In die Dolomiten, 14 Tage wandern. Das machen wir schon seit Jahren. Wanderschuhe
an, Rucksack auf, und los geht's. Dann bin ich glücklich. Als ich
das erste Mal ein Edelweiß gefunden habe, habe ich gejodelt.
Marieles Rezept-Hit: Hühnchen in Sojaöl
Das Rezept passt vor allem an warmen Sommertagen: Hühnerbrust
ordentlich in Sesamöl anbraten, zur Seite Stellen. Fenchel, Paprika
in allen Farben und Zucchini kleinschneiden. Öl in einen Brat-Reine
geben, dann das Gemüse, das Geflügel obendrauf und einen
kräftigen Schuss Weißwein drüber gießen. Rosmarin
dazu und alles bei 180 Grad Umluft 30 - 35 Minuten im Backofen schmoren
lassen. Das Rezept kann man variieren zum Beispiel chinesisch oder
thailändisch. |
© 2003 Express; Christoph Ernst
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