| "Von der Lust (oder Last) ein Millowitsch
zu sein" (Express, 21.03.00) |
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| Spät kommt sie - doch sie kommt. Mariele Millowitsch (44) hat sich erst in den letzten Jahren an die Spitze der deutschen TV-Stars gespielt. Ungewöhnlich in einer TV-Landschaft, die weithin dem Jugendkult verfallen ist. Heute ist sie wieder zu sehen - in "Ich kaufe mir einen Mann" (SAT.1, 20.15 Uhr) ist sie eine Frau, die nach vielen Schicksalsschlägen ihr Leben in die eigene Hand nimmt. Grund für ein EXPRESS-Gespräch mit der studierten Tierärztin. | |
| Nach dem Tod Ihres Vaters haben Sie für diesen Film
erstmals wieder vor der Kamera gestanden. Hat die Arbeit bei der Bewältigung
geholfen oder war die trauer eine Last? Letztlich hat die Arbeit geholfen, denn ich konnte phasenweise abschalten. Abschiednehmen und Loslassen haben wir in dieser Gesellschaft nicht richtig gelernt. Um diese Endgültigkeit zu akzeptieren, war es gut, dass ich immer wieder abgelenkt war. So konnte ich "portionsweise" den Tod meines Vaters verarbeiten. |
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| Fühlten Sie bei der Arbeit ein wenig Befreiung, weil
nun kein übermächtiger Schatten mehr auf Sie fällt - oder
ist der Schatten größer geworden? Ich habe nie einen Schatten gespürt. Ich bin früh genug vom Familientheater weggegangen und habe schon zu Vaters Lebzeiten meinen eigenen Weg gefunden. Dass ich immer "die Tochter von Willy Millowitsch" bleiben werde, finde ich o.k. War seine Meinung ein Regulativ für Ihre Arbeit? Nein, nie. Allerdings hat er noch im letzten Spätsommer, als es ihm schon nicht mehr so gut ging, die gesamte "Nikola"-Staffel auf Videokasette hintereinander gesehen. Da hat er dann gesagt "Klasse!". Natürlich konnte er beurteilen, ob ein Timing stimmt, ob die alten Volkstheatergesetze, die schließlich auch für Comedy gelten, erfüllt sind. Die Heldin im Film schlägt nach vielen kleinen und großen Demütigungen zurück. Haben Sie Ähnliches erlebt? Ich hatte bisher das Glück, dass es mich nie so getroffen hat. Natürlich war es einige Male in meinem Leben notwendig, etwas zu verändern. Allerdings war das stets ein schleichender Prozeß, bei dem ich Zeit hatte, über meine Schritte nachzudenken und sie vorzubereiten. Sie sind ein Spätstarter und haben sich Ihre Film-Karriere auf Umwegen erarbeitet... Ich bin ein großer Verfechter der These, dass es keine Fehler gibt, sondern nur Erfahrungen: das, was ich zu dem und dem Zeitpunkt gemacht habe, war in diesen Augenblicken auch richtig. Ich würde wieder studieren, würde wieder den Umweg über die Naturwissenschaften gehen. Hier werden einem die Augen geöffnet für etwas jenseits des Mediums Fernsehen, das eben doch ein wenig oberflächlich ist. Haben Sie Probleme mit dem Älterwerden? Älterwerden finde ich natürlich - wie jeder andere auch - blöd. Aber als Schauspielerin macht mir das keine Probleme. Denn ich bin nie nach Schönheit besetzt worden, weil ich nie das Pfund hatte, äußerlich die alles überragende Schönheit zu sein. Wenn man einen Vamp sucht, wird man mich nicht fragen. Ihr Freund Alexander Isadi saß in der Geschäftsleitung von RTL, einem Sender, der nicht dafür bekannt ist, mit Frauen über 40 besonders pflegsam umzugehen. Gibts da Meinungsverschiedenheiten? RTL hat wohl dank "Nikola", die bei den Zuschauern sehr gut ankommt, gelernt, dass es sich lohnt, auch Frauen über 40 eine Chance zu geben. Mein Freund hält diesen Jugendwahn sowieso für Quatsch. Denn das Kaufpotenzial liegt bei den Leuten, die über Geld verfügen; und diese Leute sind eher älter. Sie haben bezweifelt, dass eine Zweierbeziehung über einen längeren Zeitraum heute noch funktioniert ... Die Dinge haben sich in den letzten Jahren geändert, was ich nicht dramatisch finde. Frauen haben gelernt, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Wenn ich als selbstständige Frau mit jemandem gar nicht zurecht komme, dann sage ich doch besser "Lassen wir es!", während die Generation meiner Mutter in solch einer Lage stillgehalten hätte. Warum wollen Sie nicht heiraten? Ich halte es nicht für nötig, ich habe ja keine Kinder, die möglicherweise darunter leiden könnten. Und ich brauche den Staat im Rücken nicht. Sie haben kürzlich gesagt, dass es keinen Politiker gibt, der Ihnen Vertrauen einflößt ... Ich denke, dass das, was wir wissen, nur die Spitze des Eisbergs ist. Als Vorbild für Kids haben die Politiker versagt. Die Kids bekommen doch vorgelebt, dass man anderen Leuten in die Taschen greifen darf. © 2000 Express; Andreas Kötter |
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