"Meine beste Feindin - Dreharbeiten-Bericht "
(NDR, 2000)
 
Anm.d.W: Zu dem gesprochene Text werden Film-Ausschnitten oder Bildern von den Dreharbeiten gezeigt. Um diesen Dreh-Berichts verstehen oder nachvollziehen zu können sind die Film-Ausschnitte aber nicht wirklich wichtig, deswegen habe ich auf sie verzichtet.

Johanna Stauding aus Bienenbüttel ist neugierig. Hatte ihr verstorbener Gatte wirklich 10 Jahre lang ein Verhältnis in Hamburg? Und dann auch noch eins, das auf so hohen Absätzen laufen kann?

Mariele: Sie ist wie ein Wiesel über Kopfsteinpflaster gelaufen....

Doris K.: Gelaufen? Ja, ja...

Mariele: ... aber wie!!
Dreharbeiten 1

Mariele Millowitsch in der Rolle einer Frau, deren Leben sich bald drastisch verändern wird.
 
Dreharbeiten 2 Mariele: Ich hab mich in dieser Klamotte von "Johanna Eins" - so nenne ich sie, vor der Verwandlung - rasend wohl gefühlt.

Eine Großstadtpflanze, die schon bald mit der Landpomeranze verklettet sein wird. Doris Kunstmann als Nachtclub-Besitzerin Andrea Loren.
 
Doris K.: Ich spiele so viele verschiedene Rollen, aber hier in diesem Fall wollte ich DIE spielen. (sie lacht) Dreharbeiten 3

Die Rolle einer Frau, die jede Menge Ärger mit der Mafia hat. Willkommen bei den Dreharbeiten zu "Meine beste Feindin".
 
Dreharbeiten 4 Utz Weber ist Regisseur und Co-Autor dieser NDR-Produktion voll Spannung und norddeutschem Humor. Die Geschichte zweier Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Einer Nachtclub - Besitzerin mit einem großen Geheimnis. Und einer Witwe aus einem kleinen Dorf.
 
Beste Voraussetzungen beste Feindinnen zu werden. Gäbe es da nicht die Mafia mit ihren schlagenden und schießenden Argumenten und die fordern weibliche Solidariät. Eine wilde Flucht durch Nord-Deutschland statt Post-Bus nach Bienenbüttel. Für Johanna beginnt das große Abenteuer ihres Lebens. Die Geliebte des verblichenen Gatten an der Seite - die rumänische Mafia auf den Fersen. Und dann ist da noch der versehentlich mitgenommene Rucksack der Rumänen, dessen Inhalt [jede Menge Bargeld] wenigstens einen kleinen trost bietet. Ein paar Abenteuer später bricht die kleine Welt von Johanna endgültig zusammen. Sie erfährt die Wahrheit über Andrea. [dass sie ein transsexuelle ist]

Doris K.: Naja, das ist das Geheimnis. (sie lacht). Das ist das Geheimnis der Rolle. Weil sie eigentlich ein Mann ist. Eine transsexuelle. Das ist das, was mich sehr gereizt hat. Abgesehen von dem mit bezauberndem Humor geschriebenen Drehbuch fand ich eben das besonders reizvoll. Dreharbeiten 5
 
Die Reize der Schauspielerin Doris Kunstmann sind unwiderstehlich, wenn sie einen Mann darstellt, der eine Frau sein will. Ein Mann, der die Frauenrolle so gut beherrscht, dass jeder Kapitän der Landstraße zu jedem Ziel dieser Welt fährt. Immerhin... die Schatten stammen von echten Bäumen. Aber der truck wird nicht 300PS, sondern nur von drei Technikern bewegt.

Dreharbeiten 6 Nicht ganz "on the road" entstanden die Fahr-Aufnahmen über Land.
 
Immerhin... die Schatten stammen von echten Bäumen. Aber der truck wird nicht 300PS, sondern nur von drei Technikern bewegt.

Dreharbeiten 7
Dreharbeiten 8

Autohof Soltau - mitten zwischen den echten Brummis. Eine ideale Kulisse damit im Film Johanna noch ein wenig mehr über das wahre Leben lernt. So richtig verstehen kann sie das Ganze aber nicht. Noch nicht...
 
Mariele: Dass ihre heile Welt gar nicht existierte, das stellt Johanna im Laufe der Entwicklung fest. Das fand ich so reizvoll an der Rolle, weil sie hat ja auch... das [hier] ist ja jetzt nicht das, wie sie aussah. Sie war ja ganz trutschig und ganz bieder und so ganz "klein, klein, klein, klein". Und sie lernt SO viel dazu und wird immer offener und stellt sich der Tatsache, dass sie sich in die Tasche gelogen hat auch. Dreharbeiten 9

Dem theoretischen Unterricht folgt der praktische Teil. Aus dem trutschigen Land-Ei Johanna 1 wird die attraktive Dame Johanna 2. Im Film hilft die fachkundige Beratung ihrer Waffenschwester Andrea. Und für die Darstellerin geben die Kostüm- und Masken-Abteilung ihr Bestes.
 
Dreharbeiten 10 Mariele: In dem Moment, wenn Sie Gesundheits-Schuhe anhaben und so trachten-Zeug und lange Haare und einen Haar-Reif: Sie bewegen sich automatisch anders. Dann kommt so eine Handhaltung plötzlich.
Und dann kommt so ein betuliches Bewegen und so. Und haben Sie einen Ausschnitt wie diesen [hier] ... dann ZACK, stehen Sie auch gleich ganz anders da. Und mit High-Heels läuft's sich eh anders. Also da sind Kostüm und Maske für uns Schauspieler lebenswichtig.

Die Annäherung von zwei Feindinnen - nicht nur äußerlich. Und Gespräche von Frau zu Frau. Naja, fast...

Mariele: Er stellt sich ja der Tatsache, dass er in dem Körper falsch ist. Er ist in einem falschen Haus gelandet.

Doris K.: Und das ist das traurige.

Mariele: Und er stellt sich dem und sagt: "Ich mach die ganze Tortur" und das ist eine Tortur, das haben wir beide [sie zeigt auf Doris K., die zustimmend nickt ] gelernt - auch über Filme und Dokumentationen - bis man sich zu dieser Operation, zu dieser Veränderung entschließt. Das ist hart.
 
Doris K.: Das hat auch witzigerweise mit Sexualität nichts mehr zu tun. Dieser eine Fall, wo ein 63jähriger Mann - verheiratet - der sagt, er würde sich gerne operieren lassen. Er kann aber nicht plötzlich "Frau" sein, denn dann kriegt er die Rente nicht mehr ausgezahlt und die Frau kann sich nicht selber ernähren. Das ist so traurig und so anrührend. Und das ist alles aber... das schwingt im Hintergrund so mit, das weiß ich alles. Diese traurigkeit auch dabei. Dreharbeiten 11

Dreharbeiten 12 Mariele: Das [im Bett] muss funktionieren. Ich war auch ganz platt, ich wollt's nicht glauben, aber wir haben uns schlau gemacht und es gibt Leute, die sagen: das geht wirklich!
Da müssen wir jetzt nicht ins Detail gehen (sie grinst) aber es ist möglich das zu machen. Überschreitet auch meine Fähigkeiten mir das vorzustellen ein wenig, aber funktionieren tut's wohl. Oder? (mit fragendem Blick an Doris. K.)

Doris K.: Ja, klar.

Nicht alle Männer in Frauenkleidern sind übrigens transvestiten. Das hier zum Beispiel ist der Stunt-Man für Mariele.

Stuntman: Stimmt fast alles.

Fast. Das Korsett fehlt.
Dreharbeiten 13

Dreharbeiten 14 Mariele: Das Korsett fehlt ihm. Das kann ich dir aber gerne leihen.

Stuntman: Na, ich bin ja froh, dass ich das heute nicht machen muss. Das zwängt mich immer so ein.

Mariele: Obwohl... es stand dir gut. Diese Wespen-Taille war schon schön. Lass es uns nicht verleugnen. (sie müssen beide lachen)
 
28 Drehtage war das Team in ganz Nord-Deutschland unterwegs. 28 Drehtage zwischen Spaß, Stress und Stunts. 28 Drehtage, in denen das Team zu einer großen Familie zusammenwächst. Mit den familienüblichen Streitereien und den vielen kleinen Freuden. Fast sind wir schon beim Showdown am Strand. Auch wenn es nicht so aussieht: es ist tiefste Nacht. Genauer... eine amerikanische Nacht. So heißen spezielle Filter vor der Kamera, die im Film alles dunkel erscheinen lassen. Action, Gefühl und Humor. Das alles in "Meine beste Feindin".

Dreharbeiten 15 Mariele: Es war schön, es war ein tolles Team. Wir haben uns gut verstanden, wie gesagt und das ist immer schade: man geht auseinander und man weiß nicht, sieht man sich wieder? Und man darf aber auch nicht den Fehler machen und glauben, da wachsen Menschen so zusammen und es bildet sich so eine Familie. Das ist dann oft enttäuschend, denn letztendlich geht man dann auseinander und man sieht sich vielleicht doch nicht wieder.

Doris K.: Vielleicht aber doch...

Mariele: Bei uns beiden .... (sie schaut Doris K. an) glaube ich fast - "fürchte" ich fast "ja". (sie müssen beide lachen)

[....]
Dreharbeiten 16

Doris K.: Ich kann nicht singen. Ich kann's auch immer noch nicht. (sie lacht)

Mariele: Die lügt. Sie kann singen! Selbstverständlich.
 
Dreharbeiten 17 Doris. K: (widerspricht) Nein, nein.

Mariele: Mit DER Stimme kann man singen! Quark!

Doris K.: (lacht und widerspricht immer noch) Darling!

Mariele: (zu Doris K.) Du kannst singen! (direkt in die Kamera) Sie kann singen!
 
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