"Schauspielerei erspart mir den Psychiater"
(Frau im Spiegel, 09.03.06)
 

Als Familienanwältin in einer neuen RTL-Serie löst die Schauspielerin dramatische Fälle. In Frau im Spiegel verrät sie, wie sie es schafft, seit neun Jahren mit ihrem Partner glücklich zu sein.

 
Lustig war gestern. Als Hanna Lorenz in der neuen RTL-Serie "Die Familienanwältin" sehen wir Mariele Millowitsch (51) [sic!] mal nicht als Ulknudel wie zum Beispiel in "Nikola". Sie spielt eine erfolgreiche Familienanwältin, die zunächst ihr privates Chaos ordnen muss, bevor sie knifflige Fälle löst. Frau im Spiegel traf die Schauspielerin in Hamburg. Zum Termin trägt Mariele Millowitsch einen warmen Strickpulli und weil sie sehr leicht friert, noch extra kuschelige Pulswärmer. Offen wie noch nie spricht sie darüber, warum sie keine Kinder wollte – und warum der Beruf für sie eine Art Therapie ist.

Familienanwältin Hanna ist Mutter zweier Kinder und erfolgreich im Job. Doch den Spagat zwischen Familie und Beruf bekommt sie nicht hin. Was würden Sie Frauen in ähnlichen Situationen raten?


Wenn es geht, sollte man, wenn man Kinder hat, eine Auszeit vom Beruf nehmen. Später sollte man dann wieder versuchen, beruflich den Wieder- einstieg zu schaffen. Ich stelle mir das weniger belastend vor, als beides gleichzeitig unter einen Hut bringen zu wollen.

Sind Sie froh, dass Sie nie vor die Entscheidung gestellt wurden: Job oder Kind?
Ja! Tief in mir drin war immer eine Stimme, die mir sagte, dass ich es lassen sollte. Dabei hab ich früher immer Bilder gemalt von mir auf einem Bauernhof, mit ganz vielen Tieren und Kindern, die sich wie Orgelpfeifen aneinander reihen. Im Laufe meines Lebens habe ich gemerkt, dass für mich der Beruf sehr wichtig ist. Ich wollte keine Kinder, die permanent bei einem Kindermädchen sind.


Sie machen so einen patenten Eindruck. Ihnen traut man zu, dass Sie beides geschafft hätten.
Nein. Ich hätte die Nerven nicht. Wenn ich meinen Dackel Hans-Günther in Pflege gegeben habe, habe ich mir schon permanent Gedanken gemacht. Und das war "nur" ein Hund. Wenn ich ein Kind hätte – ich glaube, der Zustand würde mich auffressen. Ich bin eine Sorgenmacherin.

Die Ehe von Hanna bricht brutal auseinander. Ist das realistisch?
Sehr. Es ist haarsträubend, wenn ich in meinem Bekanntenkreis sehe, auf welch' fiese Art und Weise Beziehungen beendet werden.

Sie sind schon neun Jahre mit ihrem Lebenspartner Alexander Isadi zusammen. Was, glauben Sie, machen viele Paare falsch?
Wesentlich ist, dass man redet. Abends sollte man nicht mit Groll auf den anderen schlafen gehen. Dann verhärten sich die Fronten. Früher habe ich eher geschmollt. Heute macht es mir kein Problem, auf meinen Partner zuzugehen und ein Gespräch anzufangen. So kommt man um die Klippen herum und fährt nicht voll auf.

In einer Schlüsselszene reißen Sie sich die Kleidung vom Leib und rechnen lautstark mit ihrem Mann ab. Wieviel ist Drehbuch, was kommt von Ihnen?
Das war eine Szene, bei der ich sehr viel Magendrücken hatte, weil ich nicht wusste, was passieren wird. Ich bin eine Schauspielerin, die aus dem Bauch heraus agiert. Schauspielerei erspart den Psychiater. Manchmal kommen Dinge aus einem heraus, dafür liegt man sonst wochenlang auf der Couch.

Nach neun Jahren Comedy mit der Erfolgsserie "Nikola" wechseln Sie ins ernste Fach. Ein gewagter Sprung?
Mein Instinkt hat mir gesagt, dass ich mal einen anderen Weg einschlagen muss. Das hat auch etwas mit meinem Alter zu tun. Ich will nicht mit 80über den Bildschirm hüpfen, mit blond gefärbten Haaren und rufen: "Ich bin noch wahnsinnig jung und komisch."

Ja, Ihre Haarfarbe hat sich auch geändert. War Blond nicht Natur?
Nein, das war gefärbt. Straßenköterdunkelblond, das ist Mariele.

© 2006 Frau im Spiegel; Renate Ahrem