"Ich kann nur danke in den Himmel schmettern"
(Frau im Spiegel, Oktober 1997)
 
Drei Jahre "girl friends" liegen hinter Ihnen. Was würden Sie sagen: Noch nie so viel gearbeitet? Noch nie so glücklich gewesen oder: Noch nie so viel Angst gehabt?
Ich habe natürlich noch nie so viel gearbeitet. Der erste Drehtag ‘94: Da hatte ich furchtbar Schiß. Ob ich das durchhalte, ob ich die Rolle tragen kann. Ob ich die Erwartungen erfülle: Angst, Angst, Angst. Aber die ist weg. Ich habe gelernt: Ich schaffe das, ich kann das. Deshalb kann ich glücklich sein mit meiner Arbeit. Starrummel gefährdet mich nicht. Ich bin niemand, der sich feiern läßt.

Wie lebt es sich als öffentliches Eigentum?
Ach wissen Sie, das geht. Nun habe ich nicht so einen Kopf wie mein Vater, der überall wiedererkannt wird. Mit Sonnenbrille, Schlägerkappe, Latzhose und Gel in den Haaren bleibe ich meistens unerkannt.

Erinnern Sie sich an ein schönes Kompliment von Fans?
Mir ist letztens etwas ganz Wunderbares passiert. Ich war auf der "Street Parade" in Hamburg. Eine Frau sagte: "Ich muss dir jetzt mal die Hand drücken. Ich find’ dich klasse!" DA war ich platt, habe mich gefreut, wie ein Kleinkind. Kurze Zeit später kaufe ich mir ein Eis, will bezahlen und die Verkäuferin erklärt: "Nein, Sie bezahlen das Eis nicht!" Das sind so irre Momente, da habe ich immer ein bißchen Wasser in den Augen.

Wie ist das eigentlich, wenn man von so vielen Menschen geliebt wird?
Ich kann mich nur morgens und abends auf den Balkon stellen und danke in den Himmel schmettern. Ich habe einfach Glück gehabt. Das ist kein Verdienst. Vielleicht habe ich tatsächlich von Vaters Ausstrahlung etwas abgekriegt.

Es ist bekannt, dass Sie sich ungern für Fotos zur Verfügung stellen.
Oh ja, ich spiele gern eine Rolle, aber nur für den Film. Posen finde ich sehr anstrengend. Ich beneide Models wirklich nicht. Grausig! Das ist nicht mein Ding.

Sind Sie unzufrieden mit Ihrem Aussehen?
Gottchen, unzufrieden, man gewöhnt sich an alles (lacht). Ich hab’ nun mal den Kopf, die Figur. Das zu bekämpfen wäre auch Quatsch.

Wie viele Spiegel haben Sie zu Haus?
Ganz wenige. Im Badezimmer hängt einer, das ist’s. Ich werde mir noch einen für den Flur kaufen. In den kann man noch einen Blick werfen, bevor man rausrauscht. Ich mache mich morgens zurecht, sause los und stelle am Nachmittag fest: Mensch Alte, hast Du mal in den Spiegel geguckt? Wie sieht die Wimperntusche aus, wie die Haare? Ich denke einfach nicht drüber nach. Das finde ich auch ganz entspannend.

Was wäre, wenn Ihnen wirklich eine erotische Rolle angeboten würde?
Darauf habe ich keineswegs mein Leben lang gewartet. Also einen Vamp zu spielen, dem die Männer zu Füßen liegen...Ach nee, da müsste ich jeden Abend früh ins Bett, dürfte nichts trinken, damit ich morgens anständig aussehe- das wäre mir viel zu anstrengend (überlegt). Dann müsste ich ja Diät leben, nein, nein. Man kann mit einem normalen Kopf unter Umständen mehr erzählen. Wie der Alltag plötzlich durch eine Kleinigkeit umkippt, zum Beispiel durch einen Menschen oder ein Ereignis. So etwas kann ja jede Sekunde passieren. Das Böse ist so nah. Und so was zu spielen, das macht mir Spaß.

trotz allem Ruhm sind Sie sehr verletzlich geblieben.
Ja, das möchte ich auch bleiben, sonst stumpft man ab. Wenn man Emotionen nicht zuläßt und sich vermauert, kann man bestimmte Dinge nicht mehr spielen.
Es gibt Szenen - die tun weh, da renne ich raus und weine. Ein Schauspieler muss diese Verletzlichkeit haben. Deshalb braucht er einen Haufen guter Freunde. Damit wir aufgehoben sind in einem Nest (sie klopft auf den Holztisch). Ich glaube, ich habe das.

Verraten Sie eine Szene, nach der Sie rausgelaufen sind?
Das war eine Auseinandersetzung mit mir als Marie und Tamara als Ilka bei den Dreharbeiten für "Girl friends". Die beiden haben einen derartigen Krach, dass sie sich trennen müssen. Es ging um Verletzlichkeiten, Mißverständnisse, keiner kann raus aus seiner Haut. Diese Verzweiflung habe ich selbst gefühlt. Das alles auf dem Dach des Bürogebäudes. Ich bin runtergelaufen in meine Garderobe und musste tief Luft holen...

Gibt es irgend etwas, was Sie über sich gar nicht mehr lesen können?
Ja, die Frage "Wie fühlt man sich als Tochter von...?"

Ihr Motto heißt "Alles wird gut"?
Ja, Elke Heidenreich hat mir sogar mal einen Stempel mit diesen Worten geschenkt. Den drücke ich auch jetzt noch auf jedes Drehbuch (sie schaut auf ihre rechte Hand). Und dann hab’ ich auch noch diesen Silberring mit der Gravur "Alles wird gut". Den lege ich nur ganz selten ab.

Seit Februar sind Sie wieder verliebt. Alexander Isadi ist der Glückliche. Wie kann man jemanden kennenlernen, wenn man 12 bis 14 Stunden am Tag arbeitet?
(weicht aus) Der Tag hat bekanntlich 24 Stunden...

Sie haben eine Ausbildung als Krankengymnastin und ein Tiermedizinstudium hinter sich. Was machen Sie, wenn ich mir vor Ihren Augen den Knöchel verstauche?
(lacht) Um Gottes willen. Ich würde wahrscheinlich erst mal kalte Umschläge machen. Das ist das einzige, was ich bei verstauchten Knöcheln empfehlen kann. Auf jeden Fall würde ich mich darum kümmern, das ist mein Helfersyndrom. Aber das ich wirklich eine Ahnung von Verletzungen und Krankheiten hätte, wäre maßlos übertrieben.

Ist Ihnen das Studium immer leichtgefallen?
Nein, ich bin zum Beispiel in der Chemieklausur dreimal durchgedonnert und hätte das Semester für Tiermedizin gar nicht anfangen können. Also bin ich zum Professor geprescht und habe auf die Tränendrüse gedrückt. Er sagte daraufhin: "Okay, Sie kriegen die Punkte. Aber wenn Sie nicht mehr für Ihr Studium tun, schaffen Sie es nie."

Haben Sie eigentlich Probleme, Nein zu sagen?
Manchmal. Neinsagen muss man lernen, erkennen lernen: Will ich es nun wirklich, oder tue ich es nur dem anderen zum Gefallen. Vor allem in meiner Branche muss man nein sagen können, auch wenn’s dann heißt: "Gott, ist die Millowitsch zickig geworden." Aber wenn ich immer ja sage, bin ich everybody’s Depp.

©1997 Frau im Spiegel , U. Schankat