| Das Interview (15.03.00, Frau im Spiegel) |
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| Entspannt sitzt Mariele Millowitsch (44) auf dem gemütlichen
Hotel-Sofa und schaut aus dem Fenster. Das für Hamburg so typisch regnerische
Wetter stört sie nicht. "Ich fühle mich wohl in dieser Stadt.
Es ist, als ob man nach Hause kommt", erzählt die Kölnerin.
Mit der Hansestadt verbindet sie nicht nur ihr Karrieresprung durch "girl
friends" in die erste Liga der deutschen TV - Darstellerinnen. "Ich
habe mir hier meinen eigenen Freundeskreis aufgebaut. Und wenn es meine
drehfreie Zeit erlaubt, versuche ich, meine sozialen Kontakte zu pflegen."
Freizeit, beziehungsweise "Gammeltage" sind für die vielbeschäftigte Schauspielerin der pure Luxus und eine absolute Notwendigkeit, um sich gewissenhaft auf neue Rollen vorbereiten zu können. |
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| Was ist dran an den Gerüchten, dass "girl friends"
weiter gedreht wird? Das ZDF möchte es gerne. Ich glaube nur, dass ich es kräftemäßig nicht schaffen kann, zwei neue Staffeln und nebenher noch eine zweite Serie ("Nikola") zu drehen. Ich brauche Luft dazwischen, in der ich meine Festplatte hier oben im Kopf ganz und gar leer machen muss, um mich wieder in eine neue Figur hineinzudenken. Sonst kann ich mich der neuen Rolle nicht öffnen und will einfach meine Ruhe haben. Kurzum, ich möchte einfach mal wieder ich sein. Auch privat schätzt Mariele Millowitsch ihren Freiraum. In Köln lebt sie glücklich mit Alexander Isadi (42) in zwei getrennten Wohnungen. Ich kann nicht beurteilen, ob dies die ideale Beziehung für Paare ist. Es hört sich kälter an, als es ist. Wir sehen uns sehr häufig. Nur, dass wir eben noch die Möglichkeit haben, uns in die eigenen vier Wände zurückzuziehen. |
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| An Gemeinsamkeiten mangelt es den beiden jedenfalls nicht.
Neben Kinobesuchen, gerne Essen gehen und über Gott und die Welt reden
hat Mariele in der Beziehung eine neue Entdeckung gemacht: Alexander und ich hören viel Musik. Er vermittelt mir einen ganz anderen Zugang zu diesem Medium. Zum Beispiel Rhythm'n'Blues oder Rock, das ist Musik, die machen Menschen noch von Hand. Das finde ich schön. Großen Spaß hat sie auch an Hörbüchern: Da kann ich gut Kopfkino machen und in eine ganz andere Welt abtauchen. Als Kind wurden Mariele Millowitsch keine Geschichten vorgelesen. Nur an eine Kinderplatte kann sie sich erinnern: 'Lok 1414 geht auf Urlaub'. Als Kind habe ich diese Erzählung heiß und innig geliebt. Eine Lok, die einfach mal nicht nach Fahrplan leben will. Da würde jeder Psychologe sagen: Sehen Sie, Frau Millowitsch, das hat damals schon was bedeutet. Wie hat sie den Tod ihres Vaters verkraftet, des großen Volksschauspielers Willy Millowitsch, der im letzten September starb? Vater war krank, der Tod kam nicht überraschend. Aber er war immer so ein Energiebündel, so dass man ihn für unsterblich halten konnte. Endgültigkeit, Abschied nehmen, loslassen, das ist nicht etwas, von dem ich sagen kann, das habe ich trainiert, das kann ich prima. Ich bin da wie der 'Bradner Kasper', der mit Gott pokert, ob man noch ein paar Tage herausholen kann. Das habe ich als Kind schon so gemacht. Unter dem Motto: 'Nur noch fünf Minuten...' Für mich war es schon bitter, Vater beim Sterben zu beobachten. Wie ein Schiff, das sich auf die Seite legt, wenn es leckschlägt. Es ist ein trauriges Bild, das ich immer verdrängt habe. Das hat mir weh getan. In der ersten Rolle nach dem Tod des Vaters für den SAT.1 - Film "Ich kaufe mir einen Mann" spielt Mariele eine Frau, die von ihrem Mann wegen einer Geliebten verlassen wird. Als er plötzlich stirbt, findet sie in seiner Wohnung einen Koffer voller Geld. Diese Frau denkt, dass sie mit dem Geld ihr Leben verändern kann. Doch dann merkt sie, Geld ändert nichts. Dafür ändert sie sich selbst, als sie auf einer Toilette das Angebot eines Callboys liest: 'Ich bin ein Mann, dem Sie sagen können, wann er zu gehen hat und nicht umgekehrt.' Würde Mariele auf so eine Anzeige reagieren? Mann kauft Frau. Das Thema ist so alt wie die Welt. Warum soll sich das anders herum nicht auch einlösen? Ich finde es gut, wenn eine Frau den Mut hat, einen solchen Schritt zu tun. © 2000 Frau im Spiegel; Elke Hansen |
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