| Mariele Millowitsch spielt im neuen ZDF-Film eine
betrogene Ehefrau. Ihr selbst ist das erspart geblieben. Im Interview verrät
sie, wie sie ihr eigenes Glück lebt.
Sie ist ein wenig außer Puste, als sie ans Telefon kommt. "Entschuldigung,
ich komme gerade vom Sport", erklärt Mariele Millowitsch, 53,
und erzählt dann von ihrem neuen Film "Mein Mann, seine Geliebte
und ich" (am 21. September um 20.15 Uhr im ZDF). Es entwickelt sich
ein Gespräch über Liebe, Beziehungen und Lebensformen. Die jüngste
Tochter des Kölner Volksschauspielers Willy Millowitsch (gestorben
1999) wohnt selbst mit ihrem Lebensgefährten Alexander Isadi, 47,
nicht zusammen. Ihre Form, die Liebe zu erhalten? Mariele Millowitsch
weiß nicht, ob das ein Patentrezept ist. Im Film sucht sie verzweifelt
nach Lösungen, ihre langjährige Ehe zu retten, als ihr Mann
(gespielt von Harald Krassnitzer, 49) sie wegen einer Geliebten verlassen
will.
Es ist so frauentypisch, dass die betrogene Frau noch an der Beziehung
festhalten will. Kann man sein Glück wirklich auf Scherben aufbauen?
Das kommt wohl auf die Paare an. In diesem Fall sind so ein großer
Graben und Misstrauen entstanden, dass es schwer vorstellbar ist. Das
Ende bleibt im Prinzip offen. Wir Zuschauer dürfen uns überlegen,
was wir ihnen wünschen.
Wie hätten Sie selbst reagiert?
Schwer zu beurteilen, das kann man immer erst sagen, wenn man in so einer
Situation steckt. Bisher ist mir so was erspart geblieben. Da muss ich
wohl auf Holz klopfen (lacht).
Macht der Alltag bzw. die Routine in einer Beziehung viel kaputt?
Ich denke, darin liegt eine Gefahr versteckt, der man entgegentreten sollte
- man muss aufpassen, dass man nicht wie ein Hamster im Laufrad steckt,
losrennt und nicht mehr auf den anderen achtet. Der Alltag muss eine Beziehung
nämlich nicht kaputtmachen. Wenn man ihn miteinander teilt, kann
das sehr schön sein.
Im Film bleibt auch die Erotik auf der Strecke
Wenn ein Paar 25 Jahre zusammen ist - wie das Paar im Film - und die Erotik
und das Prickeln von etwas anderem abgelöst werden, zum Beispiel
durch Vertrauen und Freundschaft, dann ist das doch auch sehr schön.
Und trotzdem gehen heute nach 20, 25 Jahren Beziehungen kaputt. Das
war bei unseren Eltern und Großeltern noch anders
Da hat sich sicher etwas geändert. Die Generation meiner Mutter waren
noch Frauen, die gesagt haben: "Zähne zusammenbeißen und
durch." Da ließ man sicht nicht einfach scheiden. Heute denken
Frauen anders: "Was habe ich davon, wenn ich mich andauernd ärgere,
und ich stehe doch im Prinzip auf eigenen Füßen!" Sie
tun sich keinen Partner an, mit dem sie sich nicht wohl fühlen, der
sie nicht mehr glücklich macht.
Sie leben mit Ihrem Lebensgefährten in einem Haus - aber in zwei
verschiedenen Wohnungen. Ist das vielleicht die ideale Lösung, dass
der Alltag die Beziehung nicht auffrisst?
Das ist eine Lebensform, die man wählen kann. Aber man kann auch
unter einem Dach leben, trotzdem hat jeder seine Freiheiten und in den
Alltag kehrt nicht zwangsläufig Routine ein. Bei zwei Wohnungen muss
man im Übrigen aufpassen - zum Beispiel, dass man den Dialog nicht
verliert. Vielleicht ist es sogar anstrengender, wenn man nicht zusammenlebt,
weil man nie vergessen darf, dass man auch eins ist und sich Zeit füreinander
nehmen muss.
"Man darf einen Menschen nicht zu sehr lieben, dann macht man
sich abhängig" - diesen Ratschlag geben Sie im Film Ihrer Tochter
mit.
Es ist doch klar, dass man sich in eine Abhängigkeit begibt, wenn
man liebt. Man ist dann auch schwach und verletzlicher. Aber deshalb verliebt
man sich wohl auch, weil man diese Weichheit gerne fühlen möchte.
Die Dinge, an die man denkt und von denen man träumt - die sind doch
schön. Denkt man an die Zeiten zurück, in denen man nicht verliebt
war - die Zeiten waren zwar ganz nett, aber Schmetterlinge im Bauch und
das Pricklen, das wünscht man sich doch auch. Wenn man natürlich
mehr Gefühle in eine Beziehung investiert, als das Gegenüber,
dann wird es schwer.
Trotzdem scheint sich doch einer von beiden in einer Liebesgeschichte
immer etwas mehr zu engagieren
Das heißt nicht, dass er weniger liebt, nur weil er rationaler ist,
weil er nicht Blütenblätter ins Haus streut. Vielleicht hat
mancher nicht gelernt, Liebe zu zeigen, ist aber mindestens genauso investiert
wie der andere.
Wie ist das bei Ihnen - sind Sie romantisch oder eher rational?
Das ist bei mir stimmungsabhängig.
Sie sind jetzt glücklich liiert, erinnern Sie sich gerne an Ihre
Single-Zeit?
Oh, meine Single-Zeit in München, während meines Tiermedizin-Studiums,
die war großartig. Da war ich unabhängig, bin meiner Wege gegangen,
habe viele tolle Menschen getroffen. Ich war viel unterwegs. Das fand
ich herrlich. Ich habe als Single nicht gelitten. Es war eine gute Zeit.
Ihre heutige Wohnung teilen Sie sich mit Hans-Günther, Ihrem
Dackel-Mischling, ein alter Herr von 15 Jahren.
Wir verbringen sehr viel Zeit miteinander. Ich hab bei ihm sehr große
Verlustängste. Jedes Mal, wenn er langsam geht oder zittert wie ein
älterer Herr, dann bekomme ich sofort einen Adrenalinschub bis zum
Haaransatz, weil ich denke, jetzt naht der Abschied.
Hunde sind wie Familienmitglieder
Richtig, er ist jetzt 13 Jahre an meiner Seite. Wenn Günni etwas
passiert, dann mache ich erst mal Pause mit Hunden. Irgendwann wird mir
der nächste Hund zulaufen, wie Günni mir zugelaufen ist.
Wie war das damals?
Ein Kameramann kam und sagte, er könne Hans-Günther nicht behalten,
weil seine Frau ein Baby bekäme. Daraufhin hab ich mir Hans-Günther
angeguckt. Wir haben uns sofort angefreundet. Als ich wegfuhr, um nachzudenken,
was ich nun mache, ist er mir bellend und winselnd hinterhergerast. Da
brauchte ich gar nicht weiter nachzudenken. Er hat sich mich ausgesucht!
© 2009 Frau im Spiegel; Susanne Schormann
|