"Klappe "Airport" die 1."
(FlyAir, Sommer 2003)
 
Kameras surren, dutzende Leuchten setzen die Szene ins rechte Licht. Dort, wo sich eben noch die Passagiere für den 21-Uhr-Flug nach München eingecheckt haben, steht jetzt Walter Sittler als "Dr. Robert Schmidt", Chefarzt in der RTL-Serie "Nikola" und wartet auf die Abfertigung seines Fluges. Umgeben von 80 Komparsen, die leere Koffer hinter sich herziehen und Mariele Millowitsch, die in dieser Szene nicht mitspielt und stattdessen amüsiert an einer Videokamera hantiert.
Eine Nachtschicht lang tauschen "Schwester Nikola" und "Dr. Robert Schmidt" das Studio in Köln-Ossendorf mit dem Flughafen Dortmund - nach Balko, dem Ruhrgebietsklassiker "Bang Boom Bang", einem Weihnachtsvierteiler und diversen anderen Produktionen zog es nun Deutschlands schlagfertigste Krankenschwester und ihren charmanten, aber durchaus auch als arrogant zu bezeichnenden Chefarzt für Dreharbeiten in den freundlichen Airport.
   
Die beiden Hauptdarsteller sind von dem ungewöhnlichen Außentermin noch heute angetan: "Einfach wunderbar", schwärmt Hauptdarsteller Walter Sittler, als "sehr aufmerksam" und "ein Traum" bezeichnet Mariele Millowitsch alias "Nikola" die Flughafen-Mitarbeiter und die Rahmenbedingungen rund um die Startbahn Ruhrgebiet.
Beide wissen, wovon sie sprechen. Walter Sittler stand zum ersten Mal zu Beginn der 80er Jahre vor der Kamera, Mariele Millowitsch spielte bereits Anfag der 70er kleine Rollen im Fernsehen. Eine Fernsehserie macht sie dann beide richtig bekannt: Seit 1995 liefern sich Millowitsch und Sittler im ZDF bei "Girlfriends" giftige Wortgefechte [Anm.d.W. ??? ;-)] , 1996 kam mit Nikola auf RTL ein weiteres Betätigungsfeld für wortgewandte Auseinandersetzungen hinzu. Doch keine Sorgen: So sehr Mariele Millowitsch und Walter Sittler auch im Fernsehen Katz und Maus spielen mögen - privat pflegen sie eine dicke Freundschaft.

Szenenwechsel: Lutz Haase ist zufrieden. Der 1. Aufnahmeleiter steht an der Sicherheitskontrolle und freut sich, dass alles reibungslos klappt und nichts fehlt. "Extrem kooperativ", seien seine Ansprechpartner am Flughafen; das Motiv so erklärt er in der Fachsprache "klar und modern".
Dabei ist die logistische Herausforderung enorm: Wie eine Urlaubsgesellschaft reiste das Filmteam aus Köln mit dem Bus an, drei Lastwagen und diverse transporter komplettieren den etwa 50 Meter langen Wagenpark.
 
Den Tipp in Dortmund zu filmen bekam Haase von einem befreundeten "Location Scout", der sich für die verschiedensten Projekte auf die Suche nach Drehorten macht. Der Dortmunder Airport ist ohnehin bekannt für seine Attraktivität: Schon vor einiger Zeit wurde er in den NRW-Pool für interessante Drehorte aufgenommen, Anfragen nach Aufnahmegenehmigungen bekommen Marketing-Bereichsleiterin Nicole Werner-Büth & Kollegen fast täglich. Bedauernswert: Erst kürzlich musste die Flughafen-Mitarbeiterin einen Tatort absagen: "Es war zeitlich einfach nicht mehr zu schaffen."

Walter Sittler und Mariele Millowitsch hatten das Vergnügen, in Dortmund zu drehen. Beide loben die Atmosphäre, die helle und freundliche Architektur sowie das Informationssystem. "Die kleinen Flughäfen", berichtet Mariele Millowitsch, sind mir ohnehin zehnmal lieber als diese Riesendinger."

Während sich Mariele Millowitsch an der Sicherheitsschleuse mindestens drei Mal durch die Warteschlange drängelt, bis die ideale Kameraeinstellung gefunden ist, suchen zwei Techniker nach einem idealen Weg für das Hochspannungskabel, um den Düsenjet auf dem Rollfeld auszuleuchten.

Die Fluggesellschaft Air Berlin hat dem Filmteam eine Boing 737 für die Aufnahmen zur Verfügung gestellt. Regisseur Richard Huber ist mit dem Service zufrieden: "Meine Leute fühlen sich wohl, das ist die halbe Miete. So ein Dreh wie hier ist nicht alltäglich."
Das zeigen auch die Zahlen: Nur zehn Prozent der Serie werden außerhalb des Studios aufgenommen. Bisher hat alles reibungslos geklappt: "Es ist traumhaft, die Handlung eins zu eins umsetzbar. Besser geht's nicht", freut sich Produktionsleiter Herbert Linkesch.
 
Um kurz vor fünf Uhr in der Frühe ist es geschafft: Die letzte Szene ist im Kasten. Müde schlendern die Schauspieler zum Bus. Die ersten Flugpassagiere, die sich gerade einchecken, reiben sich verwundert die Augen. Die Nachtschicht ist vorüber.

© 2003 FlyAir; Peter Büttner