"Ich habe ein ganz gutes Bauchgefühl"
(Funkuhr, 13.05.05)
 
Diese Frau kann machen, was sie will. Zickig sein wie in "girl friends", chaotisch wie in "Nikola" oder zupackend wie diese Woche als Kommissarin in dem Krimi "Damals warst du still". Mariele Millowitsch (49) bleibt der Erfolg treu. Sogar beim "Jugendwahn-Sender" RTL ist sie Kult. Im November wird sie 50 Jahre alt und lockt trotzdem als Krankenschwester "Nikola" mehr als sechs Millionen Zuschauer vor den Bildschirm. Funkuhr sprach mit der Tochter von Willy Millowitsch (gest.1999), die mit ihrem Partner Alexander Isadi (45) in Köln lebt, über Bauchgefühle, Sympathieträger und das Älterwerden.

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum Sie mit allem, was Sie anpacken, Erfolg haben?
Man muss auf Holz klopfen, dass es auch so bleibt. Aber ehrlich, es ist schwer zu sagen, warum das so ist. Vielleicht, weil die Rollen immer ganz gut zu mir gepasst haben.

Es kommt einem immer so vor, als gucke man Ihnen beim Leben zu...
Ich habe ein ganz gutes Bauchgefühl, was ich machen kann und wovon ich die Finger lassen sollte. Deswegen würde ich auch nicht den männermordenden Vamp spielen wollen. Dafür bin ich ganz einfach nicht der Typ.

Also bleiben Sie lieber die ewig patente Sympathieträgerin?
Das ist doch toll! Soll ich mich darüber etwa beschweren? Etwas Besseres kann einem doch gar nicht passieren...


Empfinden Sie sich selbst als Star?
Überhaupt nicht! Die Dreharbeiten für "Nikola" sind sehr anstrengend. Und wenn ich dann zu Hause bin, setze ich mir die Kappe auf, trage kein Make-up, gehe einkaufen, halte hier und da ein Schwätzchen. Ich liebe da. Man kennt ja die Leute hier. Die Kölner Südstadt ist wie ein kleines Dorf. Hier werde ich Gott sei Dank auch nicht wie ein Star behandelt.

Sie kommen aus einer Schauspielerfamilie. Ihr Vater Willy hat nur für den Beruf gelebt. Wie kann man da eigentlich so bodenständig bleiben?
Gerade deswegen. Man sieht ja die Kehrseite des Schauspielerlebens, wenn man damit aufwächst. Da steckt unheimlich viel Arbeit drin. Es heißt "Zum Theater brennt man durch." Ich habe versucht, davon wegzukommen. Deshalb habe ich erst mal Tiermedizin studiert und meinen Doktor gemacht. Dann bin ich zurückgekommen.

Und haben prompt Karriere gemacht...
Ich bin ein Spätzünder. Das mit der Karriere ging ja erst mit "girl friends" los - da war ich 40. Und in dem Alter hebt man natürlich auch nicht mehr so schnell ab.

Keine Angst, dass Sie aufgrund Ihres Alters keine Rollen mehr bekommen?
Nein. Denn ich glaube schon, dass sich etwas ändert, dass vor allem "ältere Semester" etwas zu tun bekommen in unserer Fernsehlandschaft. Ich bin überzeugt, dass der Jugendwahn abnimmt und irgendwann ganz weg sein wird.

Was macht Sie da so sicher?
Unsere gesamte Gesellschaft ändert sich. Und die kommerziellen Sender merken, dass die für ihre Werbung wichtigen Kunden älter sind. Bei denen sitzt das Geld, sie haben die Kaufkraft.

Im November werden Sie 50 Jahre alt. Was bedeutet das für Sie?
Arbeit. Denn an dem Tag werde ich sicher vor der Kamera stehen. Ansonsten ist mir das egal. Ich stehe morgens auf und bin 50. Na und?

Also keine Wehmut über die verflossene Zeit?
Das schon. Die Jahre zwischen 40 und 50 sind einfach so verflogen. Mein Vater ist schon seit sechs Jahren tot. Meine Mutter ist vor einem Jahr gestorben. Und ich weiß nicht, wo die Zeit geblieben ist...

Vermissen Sie etwas von früher?
Ganz ehrlich: NEIN! Noch nicht mal die Unbekümmertheit der Jugend. Die geht zwar verloren, aber dafür kommt so viel dazu.

Was denn?
Gelassenheit. Man findet mit den Jahren mehr zu sich selbst, ist nicht mehr so leicht zu verunsichern. Man weiß, was man kann, und hat gelernt zu akzeptieren, was man nicht kann. Man ist gnädiger - mit sich und auch mit anderen.

Mehr Kaufkraft, Gelassenheit. Gibt es eine Generation von "neuen Alten"?
Vor allem die Frauen haben sich verändert. Keine sieht mit 50 noch nach 50 aus. Die wirken alle viel jünger. Wir sind eine ganz andere Generation als unsere Mütter.

In der letzten Staffel von "Nikola", die im Herbst ausgestrahlt wird, werden Sie sogar schwanger...
Da kann man mal sehen, was im Fernsehen alles möglich ist... Im wirklichen Leben würde das natürlich ohne Hilfsmittel nicht funktionieren. Wenn ich Kinder gewollt hätte, dann hätte ich längst welche. Es hat sich einfach nicht ergeben.

Und was ist mit der Ehe? Sie und Ihr Freund wohnen auch nach sieben Jahren immer noch in getrennten Wohnungen...
Aber die sind immerhin in einem Haus! Wir brauchen auch keinen Trauschein. Für mich funktioniert diese Form der Partnerschaft wunderbar.

© 2005 Funkuhr; B. Plickert