"Man muss auch mal allein sein können!"
(Funkuhr, 31.03.00)
   
Hornbrille, Haarknoten, Lodenweste - bieder und brav kommt Mariele Millowitsch (44) in ihrem neuen Film "Meine beste Feindin" daher. Doch auch in einer unscheinbaren Hausfrau schlägt manchmal das Herz einer Löwin - und so wird aus dem Mauerblümchen Johanna eine attraktive Powerfrau, die den Kampf gegen die Geliebte ihres Mannes aufnimmt.
Solche Rollen liebt die Tochter des Kölner Volksschauspielers Willy Millowitsch (gest. 1999). Denn unterschätzt wurde sie selbst lange genug. Ein FUNK-UHR - Gespräch über Liebe, Karriere und die Macht der Frauen.

Von der Frau im Schatten zur strahlenden Siegerin - ist das die Rolle Ihres Lebens?
Sieht so aus. Zum ersten Mal bin ich bei "girl friends" in dieser Rolle besetzt worden, und dann immer wieder.

Eine Frau, die in der Krise ihre Stärken entdeckt. Kennen Sie das auch selbst?
In Teilen hat das auch mit mir zu tun. Aber so sehr verzagt wie die Hauptfiguren in meinen Filmen war ich noch nie.
Mariele Millowitsch
 
Es allen recht machen zu wollen - ist das typisch weiblich?
Es ist vor allem ein Fehler. Man kann es nicht allen recht machen. Ich selbst bin ziemlich direkt und sage, was ich meine.

Viele Frauen haben aber Schwierigkeiten sich im Beruf durchzusetzten. Vor allem gegen Männer.
In meinem Beruf nicht so sehr. Allerdings gibt es immer noch mehr interessante Hauptrollen für Männer als für Frauen.

Sie spielen im Fernsehen oft die Verheiratete - in Wirklichkeit leben Sie aber alleine...
Ich bin wegen meines Freundes vor einem Jahr zurück nach Köln gezogen. Aber wir leben nicht zusammen. Und auch vorher in Hamburg habe ich drei Jahre lang allein gelebt. Dass man allein sein kann, ist für mich die Voraussetzung für das Funktionieren einer Beziehung.

Haben Sie ihren Freund in Hamburg nicht vermisst?
Klar. Manchmal war er drei Wochen weg, das war bitter für mich. Deshalb wohne ich jetzt wieder in Köln. Ich wollte einfach in seiner Nähe sein.

Unterstützt Ihr Freund Ihre Karriere?
Ja. Ich brauche zwar keinen, der mich dauernd pusht. Aber er fängt mich auf, wenn ich traurig bin.

Sie haben oft attraktive Filmpartner. War er schon mal eifersüchtig?
Eifersucht ist kein Thema für uns. Ich bin da Fatalist: Was passieren muss, passiert eben. Und wenn man sich an den Partner klammert, geht der Schuss doch erst recht nach hinten los.

Ist diese Gelassenheit eine der Stärken von Frauen ab 40?
Sicher. Man sieht die Dinge nicht mehr so eng. Man weiß eher, dass man sich selbst treu bleiben muss und sich nicht in eine Rolle drängen lassen darf. Und man hat bereits Enttäuschungen hinter sich. Deshalb sind die Erwartungen niedriger.

Als Schauspielerin kommen Sie besser bei Frauen als bei Männern an. Ist das ein Problem für Sie?
Selbst wenn - ich bin eben nicht der Vamp, sondern der Normalo-Typ und deshalb keine Gefahr für Frauen. Kann vielleicht sein, dass Männer es lieber geheimnisvoller, erotischer mögen. Aber mir passt es so besser.

© 2000 Funkuhr; Annette Kaiser