"Ich spreche täglich mit meinem Vater"
(Gala, 22.12.99)
 
Vor drei Monaten starb der berühmte Volksschauspieler Willy Millowitsch. Sein Grab ist mittlerweile eine Kultstätte geworden. In GALA spricht seine Tochter Mariele zum ersten Mal über ihre trauer.

Streichholzkurze, blonde Strubbelhaare, lustige Augen und ein herzliches Lachen: Mariele Millowitsch ist auf Anhieb sympathisch. Ob als Marie Malek in der ZDF Serie "girl friends", als quietschfidele Krankenschwester in der RTL - Comedy "Nikola" oder im echten Leben. Zur Zeit dreht die Tochter des berühmten Volksschauspielers Willy Millowitsch in Hamburg das SAT.1 Movie "Ich kaufe mir einen Mann". GALA trifft sie in einer Drehpause im Hotel Atlantic. Im Interview spricht sie über widerspenstige Wäschtrockner, ihre Angst vorm Schönheitschirurgen und den Tod des geliebten Vaters.

In dem neuen SAT.1 Movie spielen Sie wieder den Typ "netter Kumpel von nebenan". Stört Sie Ihr braves Image nicht langsam?
Nein, denn die Frauen, die ich spiele, haben ja auch Ecken und Kanten. Eine Freundin hat mal zu mir gesagt, du kannst vor laufender Kamera jemanden umbringen, du hast immer noch alle Sympathien auf deiner Seite.

Sie sind eine echt rheinische Frohnatur. Bringt Sie nichts aus der Reihe?
Doch, ich mich selber, meine Ungeduld. Wenn Dinge nicht so klappen, wie ich will, dann kann ich schon mal eine Tür eintreten.

Können Sie uns ein Beispiel nennen?

Ich habe mal versucht, meinen Wäschetrockner zu reparieren - nach dem Motto "Selbst ist die Frau". Irgendwie rutsche mir 'ne Schraube weg, und dann hab ich vor Wut die ganze Tür abgerissen. Ich wollte eigentlich einen Spielfilm sehen.
   
Immer machen Sie den Clown. Wären Sie nicht auch gerne mal Vamp?
Nein, das ist mir viel zu anstrengend. Ich bin kein geheimnisvoller Mensch, sondern ein offener Typ. Ich wurde nie wegen Schönheit besetzt, also muss ich mich auch nicht aufregen, wenn sie vergeht.

Apropos: Herzlichen Glückwunsch nachträglich zum 44. Geburtstag am 23. November. Haben Sie keine Angst vor dem Alter?
Klar gucke ich in den Spiegel und denke, ach, du liebe Güte. Aber was soll ich machen? Ich kann's ja doch nicht ändern. Zum Chirurgen zu gehen, da bin ich zu feige. Stellen Sie sich vor, der wackelt einmal mit seinem Skalpell. Dann ist es aus mit meinem Beruf.

Am 20. September ist Ihr Vater gestorben. Wie haben Sie davon erfahren?
Ich war auf Elba, als der Anruf kam, dass er tot ist.
Mariele Millowitsch
 
Wie haben Sie Abschied genommen?
Als ich am Montag Abend ankam, sahe ich ihn aufgebahrt. Er sah so fantastisch aus, dass ich gedacht habe, das ist jetzt ein Witz. Er macht gleich die Augen auf und hat uns alle veräppelt.

Wie oft denken Sie an ihn?

Mehrmals täglich unterhalten wir uns. Meistens, wenn ich etwas Schönes sehe, zum Beispiel bei einem tollen Sonnenuntergang. Dann rede ich mit ihm: "Vater, was hast du wieder für ein tolles Licht gesetzt." Oder wenn Mistwetter ist wie heute. "Willy, bitte!", sage ich dann. Ich mach dann Spökes mit ihm.

Wo, denken Sie, ist er jetzt?

Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, wenn ich zu meinen Eltern nach Hause komme, dann spüre ich noch immer seine irrsinnige Energie. Der ist irgendwie gar nicht weg.

Haben Sie seinen Tod jetzt überwunden?

Die ersten vier Wochen konnte ich gar nicht unter Leute gehen. Mittlerweile gehts. Ein trost ist, dass er 90 geworden ist und ein tolles Leben hatte. Und die Art, wie er gestorben ist: Er ist ganz ruhig eingeschlafen.

© 1999 Gala, Renate Ahrem