| "Freundin fürs Leben" (Hörzu, 10.09.99) |
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| Seit "girl friends" und "Nikola" ist
Mariele Millowitsch einer der beliebtesten deutschen TV-Stars. In Hörzu
spricht die Tochter des Volksschauspielers Willy Millowitsch darüber,
was sie schwach und stark macht und über den Jugendwahn im Fernsehen.
Der Weg war lang, teilweise dornig, aber jetzt ist sie ganz oben - vom Publikum vielfach geehrt (Grimme-Preis, Telestar, Goldener Löwe). Mariele Millowitsch genießt diese Erfahrung, weil sie weiss, wie schnell alles vorbei sein kann. HÖRZU-Mitarbeiterin Evelyn Holst sprach mit der viel beschäftigten Kölner Schauspielerin bei ihrem Lieblingsitaliener zwischen Rucolasalat (ihrem Lieblingsgericht) und gedünstetem Fisch (aus Rücksicht auf die Linie) Seit dem Erfolg von "girl friends" sind Sie eine öffentliche Person. Wie kommen Sie damit klar? Als ich und Walter Sittler eine Sexszene hatten und mein nackter Körper am nächsten Tag auf der ersten Seite der "Bild" - Zeitung war, überfiel mich ein richtiges Ekelgefühl. Aber wenn eine Millowitsch so was macht, ist das natürlich ein gefundenes Fressen. |
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| Die Szene war ja fürs Vorabendprogramm ziemlich deutlich.
Aber nicht besonders erotisch. Der Walter und ich haben uns wirklich nur zähneknirschend darauf eingelassen. Die Szene war nicht nötig. Nie wieder nackt. Nie wieder! Sie sind ein Publikumsliebling wie Inge Meysel oder Uschi Glas. Das ist einerseits wunderbar, aber engt dies nicht auch ein? Eine Zeit lang war ich sauer, weil ich nicht nur das nette Mädchen von nebenan spielen wollte. Doch dann sagte ich mir: Warum soll ich unbedingt an mir herumschrauben, warum nicht mit dem Pfund wuchern, das ich habe? Ich bin halt keine coole, geheimnisvolle Femme fatale. |
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| Welche Rollen reizen Sie? Menschen, bei denen das Schicksal voll zuschlägt. Wie in "Stella", einem Roman von Patrick McGrath, wo die Frau eines Psychiaters in sexuelle Abhängigkeit zu einem Mörder gerät. Alles geht kaputt, sie lässt ihr Kind ertrinken, wird handlungsunfähig, bringt sich um. Weil in ihr eine Sehnsucht ist, eine unerfüllte Ecke, zu der nur er den Schlüssel hatte. Solche Rollen sind im Fernsehen eher selten. Richtig. Weil die Sender alle die eierlegende Wollmilchsau wollen. Nicht zu weich, nicht zu kalt, ein bisschen Psycho, ein bisschen Missbrauch. Und natürlich jung, jung, jung. Dieser Jugendwahn ist sicher stressig für Schauspielerinnen ab dreißig. Achten Sie zum Beispiel auf Ihr Gewicht? Muss ich. Ich bin 1,69 Meter, mein Idealgewicht sind 64 Kilo, die Schallgrenze sind 68. Wenn ich die erreicht habe, krieg ich einen Schreikrampf und esse gar nichts mehr. Zum Glück bin ich keine Süße, aber bei Pasta werde ich schwach. Außerdem mache ich jeden Morgen Gymnastik. Wilde Musik an, dann geht's los. |
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trotz Jugendwahn haben Sie viele Fans. Sind Sie selbst
auch einer? Ich war einer. Von Helen Hunt. Leider hat mir jemand erzählt, dass sie eine totale Zicke ist. Sie haben bei manchen den Ruf, eine Zicke zu sein. Bei den "girl friends" soll es ja nicht immer sehr freundschaftlich zugegangen ein. Es ist anstrengend mit lauter Frauen. Große Frauensolidarität gibt es nicht. Sicher halten mich manche für eine Zicke. Damit muss ich leben. Sie sind aus der Kultserie "girl friends" bislang als einziger Star hervorgegangen. Was haben Sie, was zum Beispiel Ihre Kollegin Tamara Rohloff nicht hat? Sie hat nicht das Kumpelige, das ich habe. Sie ist mehr ein Männertyp. Ich bin ungefährlicher, mehr Freundin. Das mögen Frauen lieber. |
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Ist es ein Vorteil, dass Sie im Gegensatz zu Iris Berben nicht als
erotischste Frau Deutschland gelten? Bestimmt. Ich danke immer dem lieben Gott oder wer immer dafür zuständig ist, dass ich nie für Schönheit besetzt worden bin. Ich kann irgendwann hoffentlich unauffällig ins Charakterfach schlüpfen und die Kurve in die Mütter- und Großmütterrollen kriegen. Hat Sie eine Szene persönlich schon mal berührt? Nur eine. Als die Marie Malek noch als Landei mit Perücke ins Schreibbüro kommt und den Kollegen einen Korb mit Landprodukten vorbeibringt. Um sich beliebt zu machen. Da bin ich einfach in Tränen ausgebrochen. Weil mich das ganz tief berührt hat. Diese Liebessehnsucht, dieses Gefallenwollen. So was ist typisch Frau. Männer sind meist viel überzeugter von sich. Sie sind die Jüngste unter vier Geschwistern, von denen zwei auch Schauspieler sind. Gibt es Konkurrenzgefühle? Überhaupt keine. Peter macht ja das Familientheater, aber davon habe ich mich getrennt. Ich wollte einfach nicht zum Inventar gehören. Deswegen hab ich auch Tiermedizin studiert. Ein Fluchtversuch. Aber jetzt behandeln Sie nur noch Hans-Günther, Ihren aus dem Tierheim geretteten Mischlingshund. Er hat's bis jetzt auch überlebt. Wenn er erkältet ist, kuriere ich ihn mit Echanicin. Was gibt's sonst noch privates über Sie zu erfahren? Also, ich habe immer noch denselben Freund. Er heißt Alexander Isadi und ist in der RTL-Geschäftsleitung. In seinem Job ist er oft unterwegs und muss viel arbeiten. Was nicht schlimm ist, weil ich gerne alleine vor mich hin muckerle. Ich brauche meine Freiräume. Haben Sie eine enge Vaterbindung? In meiner Kindheit war er selten da, immer auf Tournee. Ich erinnere mich an eine Situation, wo ich gerade so schön spielte und Mutter rief: "Der Boss kommt!" Wir vier Geschwister mussten uns fein anziehen, alle Mädchen das Gleiche, und zum Flughafen fahren. Ich weiß noch genau, wie er aus dem Flugzeug stieg, über das Rollfeld ging, und ich dachte: Und für diesen Typ musste ich jetzt mein schönes Spiel unterbrechen? Später hab ich dann mehr von ihm gehabt und viel von ihm gelernt. Programmtip: "Nikola, Freitag, 24.9.99, RTL, 21.15 Den Spagat zwischen Familienserie und Comedy-Quatsch schafft Mariele Millowitsch mühelos. Das meinen nicht nur die Zuschauer, sondern auch professionelle TV-Kritiker. Sowohl mit "girl friends" als auch mit "Nikola" wurde sie für den neugeschaffenen "Deutschen Fernsehpreis" nominiert, der am 2. Oktober von ARD, ZDF, RTL und SAT.1 verliehen wrid. Auch abseits der großen Ehrungen läuft die Karriere bestens. RTL hat vom 17.9. an 13 neue "Nikola" Folgen im Programm, diverse andere TV Movies sind bereits abgedreht. © 1999 Hörzu |
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