Harald-Schmidt-Show
(SAT.1, 07.12.00)
 
 
Harald Schmidt Harald: Heute abend haben wir zwei großartige Gäste. Wir haben eine wunderbare Kollegin, mit der ich schon vor vielen vielen Jahren - damals noch im WDR - die Sendung "Psst!" gemeinsam präsentieren durfte. Sie ist mittlerweile hochdekoriert: Eine der erfolgreichsten - und populärsten sowieso - Schauspielerinnen Deutschlands. "Nikola" "girl friends" und am kommenden Dienstag ist sie hier in SAT.1 im "Movie Movie Movie Movie" - Movie zu sehen. "Zwei vom Blitz getroffen". Ein großartiges TV-Movie, das wir Ihnen wärmstens empfehlen können. Heute abend bei uns: unsere liebe Freundin Mariele Millowitsch! [....] Ich freue mich wirklich sehr auf meinen ersten Gast, meine Damen und Herren. Eine wirklich hinreißende Kollegin mit den höchsten Fernsehauszeichnungen dekoriert. "Nikola" und "girl friends" - ihre erfolgreichsten Serien und am kommenden Dienstag ist sie hier bei uns in SAT.1 zu sehen in dem Movie "Zwei vom Blitz getroffen". Herzlich Willkommen: Mariele Millowitsch.

Mariele kommt herein und bekommt unglaublich lange Applaus.

Harald:
(begrüßt sie mit Küßchen) trotz Erkältung.

Mariele: Ich geb's gerne weiter. (sie lacht)

Harald: Ja, mich schreckt nichts.

Das Publikum applaudiert ziemlich lange und Mariele ist ziemlich gerührt
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HSS 7 Mariele: (lacht) Dankeschön! Hallo!

Harald: Siehst du?

Mariele: Danke!

Harald: Das ist das, was ich vorhin gesagt habe: Das ist der Applaus, der von Herzen kommt.

Mariele: Das tut gut. Dankeschön. (langsam läßt der Applaus nach). Das hilft gegen Grippe, ich bin sicher. (sie lacht)
 
Harald: Oh und man hört's wirklich an der Stimme.

Mariele: Ja, es ist furchtbar.

Harald: Noch mal vielen Dank, dass du nicht abgesagt hast. Wir hätten das auch verstanden, wenn du gesagt hättest: "Nee, mit der Erkältung will ich nicht kommen."

Mariele: Nee, wir haben die ganze Woche gedreht und wir müssen ja irgendwas tun und ich denke, dass das nicht förderlich war: bei der Grippe zu arbeiten.

Harald: Gut, aber als Schauspieler ist man dann auch ungern krank...

Mariele: Ja eben. Wir hatten drei Ausfalls-Tage, weil es da ganz schlimm war. Und Montag ... also Sonntag abend wurde ich wieder nervös und dachte "ich will jetzt auch mal wieder arbeiten", weil ich kein Bett-Mensch bin. Das hat keinen Sinn mit mir und dann...

Harald: Ich hab jetzt auch gelesen, Bettruhe soll gar nicht SO gut sein bei Krankheiten. Im Gegensatz zu...

Mariele: Also mir tut's nicht gut. Ich bin nicht besser dran gewesen nach den drei Tagen Bett als vorher. Und dann kann ich's auch lassen.
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Harald: Was habt Ihr gedreht? "Nikola"?

Mariele: "Nikola". Und wir haben - glaube ich - jetzt Fernsehgeschichte geschrieben. Wir haben eine Folge "Nikola" an einem Stück gedreht. Das bedeutet also: Kein Schnitt. Das kleine Stückchen vor der Werbung und nach der Werbung - jeweils so ne Minute - das ist extra und diese 22 Minuten dazwischen ohne Schnitt. Das bedeutet, wenn ganz kurz bevor das Ding im Kasten ist einer hängt oder sich verspricht: Alles nochmal!

HSS 9 Harald: Kann man alles wegschmeißen.

Mariele: Es gibt keine Möglichkeit dazwischen zu kommen. Und was ich toll fand: erstmal, dass es diese Kassetten gab, wußte ich nicht. Seit Sommer gibt es Kassetten, die genau 22 Minuten lang sind. Und bei der ersten Aufzeichnung, da waren wir ganz froh, dass wir rum waren und dann spürte ich nur irgendwie entsetzte Stille. Kasette ausgelaufen! Wir waren ein bisserl zu langsam und 10 Sekunden waren nicht drauf. Ok, das Ganze noch mal.

Harald: Wie? Dann habt ihr die komplette Folge noch mal gespielt?
 
Mariele: Ja, na mussten wir doch. Wir können ja nicht raus.

Harald: Wie oft habt ihr denn die komplette Folge gespielt?

Mariele: Montag haben wir den ganzen Tag geprobt - Dienstag Morgen kurzen Durchlauf mit der Technik - dann zwei versemmelt - eine ganz geschafft - Päuschen gemacht - dann diese versemmelt, weil wir zu langsam waren sozusagen 10 Sekunden und danach DIE, die war's! Und die ist - glaube ich - richtig schön geworden.
Und mich fasziniert es, wie jemand, z.B. ein Kamera - Assistent, der die Schärfen macht ... der hat ja kein Maßband. Der kann ja nicht mit 'nem Maßband rumlaufen da bei der Aufzeichnung. Und der hat auch keine Marken auf dem Boden. Der muss also "Pi mal Daumen" checken: wie weit ist dieser Schauspieler weg? Wie nah ist der? Ist das ein Meter, sind das zwei, sind das drei...? Und es ist alles gestochen scharf! Da kann ich nur niederknien! Das ist mir ein Rätsel, wie ein Mensch so was schafft. Entfernungen...
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Harald: Das sind Kollegen vom ZDF, die das machen...? Nein, das war ja "Nikola", entschuldige.

Mariele: Das ist RTL.

Harald: "girl friends" war ZDF.

Mariele: Wobei ich glaube auch dass, ZDF Kollegen das können, selbstverständlich.

Harald: Auch beim ZDF. Selbst bei SAT.1 ... was heißt "selbst"? Vor allem bei SAT.1 können die's auch.

Mariele: Bei SAT.1 könnten sie's längst.

Harald: Aber es ist ja auch toll als Schauspieler, weil es ja noch mal 'ne neue Herausforderung ist, oder? Ich meine am Theater ist es ja eigentlich selbstverständlich.

Mariele: Es ist wie Theaterspielen, du kennst das ja.

HSS 11 Harald: Wenn aber natürlich die Kamera... man muss auf Technik achten und das Licht und so weiter. Das ist doch noch mal was anderes.

Mariele:
Wobei ... die Technik war unglaublich unaufdringlich. Also gut, wir durften jetzt nicht, wenn's heißt: "Da ist deine Marke oder da musste hin" dann [weit davon entfernt] da stehen. Das geht nicht. Aber du hattest ein bisschen Spielraum. Insofern hatten wir nicht das Gefühl, wir sind jetzt so in einer Korsage und müssen genau da landen, wie's abgesprochen war. Es war 'ne geniale Erfahrung! Und ich glaube, leider ist es so gut geworden, dass es nicht auffällt. Und Sie hier im Publikum: ich weiß nicht ob Sie's sehen - nächstes Jahr wird's gesendet werden - ob's auffällt.
 
Harald: Ja, das wollte ich gerade fragen. Weil der Zuschauer ja die Technik eigentlich nicht spüren soll bei so einem Film.

Mariele: Tut er auch nicht. Aber man merkt nicht, dass nicht geschnitten wurde. Aber vielleicht sieht's ja ... uns hat's Spaß gemacht!

Harald: Jetzt am Dienstag bist du... ist es das erste Mal, dass Du 'ne größere Sache machst für SAT.1?

Mariele: Nee, ich war ja schon mal bei dir im März.

Harald: Richtig.

Mariele:
Und da hatten wir ja schon einen Film...

Harald:
Der war auch für SAT.1.

Mariele:
Das war ... was hatten wir denn da für einen Film?

Harald: (flehentlich) Bitte weißt du es nicht? (Mariele lacht) Damit ich nicht derjenige bin...

Mariele: "Ich kaufe mir einen Mann"! Genau, dafür sind wir hier Werbung gelaufen.
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Harald: Genau. War das auch so ein SAT.1-Movie-Movie? Die teilen das ja immer in solche Kategorien ein.

Mariele: Ich weiß nicht wieviele "Movies" kamen hinter SAT.1. Ich glaub nur ein "Movie".

Harald: Nur ein "Movie"?

Mariele: Was heißt das denn, wenn man viele "Movies" dahinter hat, ist das besonders toll?

Harald: Ja, das ist besonders toll, denn es gibt ja den SAT.1 "Film-Film".

HSS 13 Mariele: Wieviel "Movies" habe ich für den [Blitz-Film] bekommen?

Harald: Eins. Weil das absolute Extra-Spitze ist. Das ist so wie Jahrgangs-Sekt, weißt du?

Mariele: Aha.

Harald: Ja, nicht so enttäuscht gucken. Das ist 'ne Erfindung von uns. Also SAT.1 macht ja den "Film-Film". Das ist, glaube ich der Film, der im Kino läuft. Aber wenn er im Fernsehen läuft ist es ein "Film vom Film".

Mariele: Verstehe.

Harald: "Film-Film".

Mariele: "Film-Film" Ah ja. (ihr Blick spricht Bände!)

Harald: Und es heißt eigentlich nur SAT.1 - Movie. Und es ist 'ne Komödie.

Mariele: Ja.
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Harald: Aber doch mit einem eigentlich sehr ... wie soll ich sagen: fast philosophischen Untergrund? Nämlich Mutter - Tochter ....

Mariele: Philosophisch? Gut, es lappt ein bisschen hinein. Also Mutter und Tochter...

Harald: Zu bescheiden!

HSS 15 Mariele: (lacht) ... Mutter und Tochter sind im ständigen Clinch und ärgern sich gegenseitig und sitzen im Auto vor der Schule. Die Mutter ist Lehrerin an einer Schule, an dieser Schule ist auch die Tochter Schülerin. Und sie sitzen im Auto vor der Schule und prügeln sich und zanken und dann schlägt der Blitz ein und ZACK sind die Körper vertauscht.

Harald: Und das ist toll.

Mariele: Das ist ganz schön zu spielen gewesen - vor allen Dingen für mich.

Harald: Und es ist nicht einfach, oder?


Mariele:
Na, es geht. Ich hab mich so zurückerinnert an frühere Zeiten. Du erinnerst dich wahrscheinlich auch dunkel. (sie lacht)

Harald:
(grinst) Das ist ja ... wenn ich das so sagen darf: Wir waren ja ungefähr zum selben Zeitpunkt jung. (er lacht)

Mariele: (lacht) So ungefähr ja. Auch "Verdamp lang her" [Anm.d.W. in Anspielung auf einen früheren Gag aus der Show]

Harald: Verdammt lang her. Es war im letzten Jahrhundert.
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Mariele: So ungefähr, ja.

Harald: Wie war da bei dir? Hattest du da zu Hause Kämpfe durchzufechten? Mit Klamotten und Haaren und so?

HSS 17 Mariele: Ja, ich erinnere mich noch an diese wahnsinnig engen Hosen, die diesen tollen Schlag haben mussten. Und die waren ja oben so eng. Man konnte sich ja nur auf's Bett legen und den Reißverschluss konnte man ja nicht festhalten, du erinnerst dich? Dann nahm man einen Stielkamm, ging in diesen Reißverschluss und zog diese Hose zu. Dann lag man da. Und kam nicht vom Bett hoch. Und dann musste ich nach meiner Schwester rufen, dann hat die mich so hochgehebelt. (sie setzt sich wieder gerade hin) Klitzekleine Schritte machen. Ich bin auch dauernd zu spät zur Schule gekommen, weil ich ja nicht laufen konnte in dem Ding.

Harald: Wirklich wahr?

Mariele: Ja ja! Ich musste ja ganz kleine Schrittchen machen in der Hose. Aber Hauptsache, die war knackig eng und mit weitem Schlag.

Harald: Und ich kenne Leute, die lagen in Jeans mit Cola in der Badewanne...

Mariele: Ja natürlich!
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Harald: ... damit das am Körper ganz eng wurde. Und bei mir war damals besonders cool: Ich hatte so 'nen silbernen Metallkamm hinten in der Hose. Weil man kämmte sich damals alle zwei Minuten.

Mariele:
Ja, aber hattest du nicht so 'ne "Matte" bis da [über die Schultern] auch?

Harald: Nee, später. In Nürtingen durfte ich das nicht. Ich durfte lange Haare haben...

Mariele: Ach, Nürtingen, da ist das was anders.

Harald: ... die nur so ein bisschen über den Kragen gehen, ja

Mariele: (im schönsten Schwäbisch) Und das war schon hart an der Grenze, oder?

Harald: Ja. So [richtig] lange Haare hatten nur die Kinder vom Chefarzt in Nürtingen

HSS 19 Mariele: (lacht) Is' wahr?

Harald: Weil die konnten's sich leisten.

Mariele: Die durften?

Harald: Da hat sich keiner getraut über die Eltern zu sagen: "Die kümmern sich nicht drum" und so.

Mariele: Aber bei Schmidts ging das nicht?
 
Harald: So ein bisschen Haare, die ein bisschen über den Kragen gehen, aber mehr war nicht drin.

Mariele: Da braucht man dann den Kamm.

Harald: So jetzt schauen wir uns mal einen Ausschnitt an. Und zwar ist es eine Szene im Bad. Also sagen wir noch mal ganz klar: Die Tochter hat ihren Körper, aber du bist mental in ihr drin. Und bei dir ist es umgekehrt.

Mariele: Genau. Ich sehe aus wie ich - bin aber 16.

Gezeigt wird die Badezimmer-Szene in der Susanne an ihrem (Isabelles) Körper das Tattoo entdeckt. Es folgt wieder mal ziemlich viel Applaus.

Mariele: Danke!

Harald: Ich find das toll gemacht. Und die Kollegin ist auch sehr gut.

Mariele: Super. Zauberhaft.

Harald: Hast du zum ersten Mal mit ihr was gemacht?
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HSS 21 Mariele: Ja. Für die Friederike war das die erste große Rolle und wir mussten uns beide so ein bisschen aneinander rantasten. Mal gucken wie ist die andere. Und haben schön voneinander abgenommen ... so an Emotionen, was so Vorschläge waren ... und das ging gut. Und ich bin sehr begeistert von ihr. Und ich glaub, dass sie 'ne große Karriere macht. Und ich mag sie wirklich gern. Nettes Mädchen. Super!

Harald: Jetzt steht ja Weihnachten kurz vor der Tür. Bist du groß davon betroffen so mit Einkäufen, mit Vorbereitungen oder...?
 
Mariele: Nee, ich kann ja nicht. Wir drehen bis zum 22.12. Und danach mag ich dann auch wirklich nicht mehr in die Stadt gehen. Also ... fällt aus wegen Arbeit.

Harald: Wirklich wahr?

Mariele: Ja.

Harald: Liegst du an Weihnachten im Bett - Decke überm Kopf?

Mariele: Nö, das nicht. Die Familie trifft sich dann schon. Aber ich mach keine großen Vorbereitungen. Gott sei Dank habe ich ja eine ältere Schwester, die da Spaß dran hat und die macht das immer ganz wunderschön und ich kann mich dann so mehr oder weniger ins gemachte Bett legen. Und ich mach hinterher die Küche dann. (Harald lacht) Ich kann super gut spülen und putzen und alles ...

Harald: Wirklich?

Mariele: ... aber die Kochabteilung ist nicht mein Ding.

Harald: Hinterher aufräumen ist ja auch wichtig, muss ja auch gemacht werden.

Mariele: Das kann ich! Die Küche sieht aus ... wirklich: wie geleckt! Aber vorher das große Kochen ist nicht meins.

Harald: Hauptsache es klappt alles und jeder macht seinen Teil. Mariele, noch mal vielen Dank, dass du wirklich hierher gekommen bist...
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Mariele: Ja, gerne.

Harald: ... trotz Erkältung und trotz der vielen Arbeit. Erfolg braucht man dir nicht zu wünschen - hast du sowieso.

HSS 23 Mariele: (klopft "auf Holz") Ja. Danke.

Harald:
Alles Gute weiterhin.

Mariele: Danke schön.

Harald: Bis zum nächsten Mal.

Mariele: Ciao!
 
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