"Ich hatte schon immer eine große Klappe"
(Heim & Welt, 27.12.00)
 
Mit der ZDF-Serie "girl friends" schaffte die Schauspielerin Mariele Millowitsch den Durchbruch. Jetzt sprach sie mit Heim & Welt über ihre Kindheit, Freunde und ihre Beziehung.

Wie selbstbewusst sind Sie?

Ich hatte nie Probleme, auf Menschen zuzugehen. Ich hatte schon immer eine große Klappe und war nicht so schnell mit einem Buh kleinzukriegen. Mit dem Erfolg entwickelte ich auch Selbstbewusstsein.
 
Wie haben Sie sich Ihren Geschwistern gegenüber durchgesetzt?
Ich war einfach nur laut und frech - schließlich war ich das jüngste von vier Kindern.

Was lassen Sie sich heute nicht mehr gefallen?
Kritik lasse ich mir nicht mehr von jedem gefallen. Wenn jemand, den ich respektiere, mir etwas sagt, dann denke ich darüber nach. Wenn aber irgend jemand daherkommt und Kritik übt, dann ist mir das egal. Auch wenn das arrogant klingt, da stehe ich drüber. Ich lasse mir nicht mehr von jedem erzählen, ob ich etwas gut oder schlecht gemacht habe. Das kann ich wirklich selber beurteilen.

Haben Sie sich je einsam gefühlt?
Ja, vor allem auf Theatertourneen. Da kommt man irgendwo in irgendeiner Kleinstadt an, sitzt in irgendeinem Hotel, kennt niemanden.
Mariele Millowitsch
Was tun Sie dann dagegen?
Ein Bier trinken. Und wenn es einen Fernseher gibt, Fernseh gucken. Dann kommt der nächste Tag und eine neue Stadt.

Und zu Hause?
Ich lebte früher eine ganze Zeit allein. Wenn ich da mal vergessen hatte, eine Tasse auszuspülen, stand sie nach längerer Abwesenheit noch da und hatte schon eine Schimmeldecke. Das ist dann ganz bitter.

Können gute Freunde Liebe ersetzten?
Letzendlich hat jede Frau die Sehnsucht nach einem Mann an ihrer Seite. Aber ich denke, wenn man einen guten Freundeskreis hat, kann man eine ganze Zeit damit überbrücken und sogar auch zufrieden sein.

Sie leben mit Alexander Isadi, äußern sich aber vorsichtig über die Beziehung. Was muss passieren, damit Sie sich sicher fühlen?

Sicher sein kann man nie. Man sollte sich nicht um jeden Preis in einer Beziehung gehen lassen, sondern sich bewusst machen, dass man zu zweit ist. Man muss zulassen, dass der andere eigene Gedanken hat. Das empfinde ich als Mitdenken.

Legen Sie wert auf getrennte Wohnungen?

Die ideale Lösung. Wir finden es in Ordnung. Jeder hat somit etwas Freiraum.

Glauben Sie an das Schicksal?

Ja, an Vorbestimmung glaube ich schon. Ich bin Fatalist. Ich rege mich nicht auf, wenn Dinge passieren. Ich nehme es hin.

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