| "Sie glaubt nicht an den ewigen Erfolg"
(Kölner Stadtanzeiger, 25.09.99) |
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| Auf die Frage, ob ihr Vater stolz auf sie ist, hat Mariele
Millowitsch vor fast zwei Jahren geantwortet: "Ich denke schon. Aber mit
Lob ist er nicht so schnell dabei." Doch kurz vor seinem Tod, da wollte
Willy Millowitsch alles sehen, was die Tochter gemacht hat. "Er hat sich
zum Schluss alles angesehen." Als sie die neuen Folgen von "Nikola" in Ossendorf
abgedreht hatte, brachte sie die Videos mit ins Elternhaus. "Obwohl Vater
sehr müde war, hat er sich an einem Abend zusammen mit Mutter und mir
alle 13 Folgen angeschaut, hintereinander." Und er war sehr stolz. Mariele (eigentlich Marie-Luise, 43) ist die jüngste Tochter der Millowitschs. Wie alle Geschwister war sie schon als Kind in den Familienbetrieb eingebunden. 1962 stand sie zum ersten Mal auf der Bühne: Als Siebenjährige spielte sie in dem Schwank "Drei Kölsche Jungs" - einen Jungen. Sie war von Geburt an eine öffentliche Person in einer öffentlichen Familie, das Leben spielte sich vor Publikum ab. "Es war dauernd Presse im Hause. Und ich habe es oft gehasst. Vater hat die Fotografen auch Weihnachten reingelassen, damit sie mal die Familie Millowitsch unterm Weihnachtsbaum ablichten konnten. Da gibt es einige Fotos, wo ich ziemlich übel aus der Wäsche schaue. Wenn der Vater das gemerkt hat, dann gab es einen Satz heiße Ohren. Ich habe das als Kind alles nicht verstanden." Selbst prominent zu sein und Prominente zu treffen, war normal. Peter Frankenfeld war ein Freund, mit Wolfgang Kieling machte sie lange Spaziergänge. "Ich habe die Menschen kennen gelernt, nicht die Schauspieler." Das war nicht immer erbaulich. "Da waren berühmte Kollegen, die bei uns gesessen haben, denen es nicht gut ging, die keine Arbeit mehr bekamen, und die zur Flasche griffen." Der Vater war selten zu Hause, aber wenn er mal nicht spielen musste, "dann waren wir alle zusammen". "Mutter sorgte immer dafür, dass wir gemeinsam etwas unternahmen. Wir sind auf den Eselchen den Drachenfels hinaufgeritten, zum Decksteiner Weiher gefahren, ganz normale Sachen." Zu Hause war man nie alleine. "Mutter ist eine wunderbare Gastgeberin, es war immer Besuch da. Und meine Freundinnen konnten bei uns jederzeit übernachten." Bis 1987 trat sie immer mal wieder im väterlichen Theater auf, doch dann wollte sie sich von dem Clan lösen. Ein bisschen Knies habe es deswegen schon gegeben. "Aber ich wusste nur eines: Ich muss allein etwas auf die Beine stellen." Mariele Millowitsch studierte Tiermedizin und promovierte über den Bandscheibenvorfall beim Dackel. Ausgeübt hat sie den Beruf jedoch nie. Stattdessen zog es sie immer wieder zur Bühne. Mal spielte sie im Düsseldorfer Kom(m)ödchen, mal bei ihrer Schwester Katarina Eisenlohr im Kölner Bauturm und Urania. Immer wieder sah man sie in kleinen Fernsehrollen. Der Durchbruch kam aber erst 1995 mit der Serie "girl friends". Seitdem ist sie ein Star, besonders bei den weiblichen Zuschauern. "Ich bin kompletter Durchschnitt, nicht erotisch. Das wirkt nicht so bedrohlich", erklärt sie ihren Erfolg. Eine öffentliche Person wie ihr Vater will sie aber immer noch nicht sein. Wenn allzu persönliche Fragen gestellt werden, dann schwindet das typische Millowitsch-Lächeln aus ihrem Gesicht. Und wenn ihr etwas nicht passt, dann kommt die vom Vater ererbte Dickköpfigkeit durch. Nur so viel verrät sie: Nach langer Zeit in Hamburg lebt sie seit März wieder in Köln. In einer Altbauwohnung "Richtung Südstadt". Ihr langjähriger Lebensgefährte hat einen eigenen Wohnsitz. Mariele Millowitsch glaubt nicht an die ewige Liebe des Publikums, wie es ihr Vater getan hat. "Das kann ganz schnell wieder vorbei sein." Sie ist vorsichtig: "Ich kann es immer noch nicht fassen, dass ich einen solchen Erfolg habe. Ich habe lange darauf warten müssen." Dabei ist sie in ihrer kurzen Karriere schon reichlich belohnt worden, sie ist bundesweit bekannt und eine der am meisten beschäftigten deutschen TV-Schauspielerinnen. Sie bekam den "Goldenen Löwen" für "girl friends", den Grimme-Preis und die Goldene Rose von Montreaux für "Nikola". Und sie ist nominiert für den ersten gemeinsamen deutschen Fernsehpreis, der am 2. Oktober in Köln verliehen wird. Bei all der Fernseharbeit predigt sie ihren Kollegen gerne, dass das Volkstheater der beste Prüfstein für die Schauspielerei sei. Da hört sie sich fast so an wie ihr Vater. © 1999 Kölner Stadtanzeiger; Christiane Vielhaber |