"Echt kölsch mit viel Gefühl"
(Kölner Stadtanzeiger, 23.11.05)
 
Heute wird sie 50, feiert aber nicht. Im Gespräch mit Jörk Böhnk gesteht die Schauspielerin Mariele Millowitsch, dass sie keine Zeit hat: "Ich muss arbeiten."

Glückwunsch. Wie werden Sie heute feiern?
Gar nicht. Ich habe keine Zeit, muss arbeiten. Ich hab eine arbeitsreiche Woche vor mir, stehe für die RTL-Serie "Die Familienanwältin" vor der Kamera. Da komme ich aus dem Gericht nicht heraus.

Geburtstag im Gericht, na ja. Wie halten Sie es mit dem Älterwerden?
Die Zahl 50 sagt doch gar nichts aus. Höchstens, dass ich für bestimmte Leute im Fernsehen nicht mehr zur Zielgruppe zähle. Und dass die Sanduhr unaufhörlich weiterläuft und im unteren Glas mehr Sand ist als im oberen. Aber mir bleiben hoffentlich noch 30 oder 35 Jahre.

Wie 50 sehen Sie aber nicht aus.
Vielen Dank für das Kompliment. Ich versuche auch, mich fit zu halten.

Womit?
Jeden Tag eine Stunde laufen und viel Stretching, damit ich nicht schrumpfe.

Müssen wir uns da etwa Sorgen machen? Wie groß sind Sie denn jetzt?
1,69 Meter. Guter Durchschnitt.

Ihr Vater ist über 90 Jahre alt geworden.
Ja - und dabei hat er keinen Sport getrieben.

Wie sehr hat er Sie geprägt?
Ich habe viel von ihm gelernt, nicht nur die Liebe zur Bühne und zur Kamera geerbt, sondern auch, dass man in diesem Job eiserne Disziplin haben muss.

Aber zunächst war an Schauspielerei nicht zu denken. Sie haben Tiermedizin studiert und anschließend promoviert.
Ich liebe Tiere seit meiner Kindheit und ich wollte damals etwas Eigenes machen. Deshalb bin ich Tierärztin geworden.

Sie haben zwei Hunde.
Ja, zwei Dackel. Hans-Günther ist elf und Zoppo Trump drei.

Seltsame Namen.
Die Namen aus den Fünfzigern gefallen mir als Hundenamen. Horst, Manfred, Franz oder Jochen. Hans-Günther gehört auch dazu. Und Zoppo Trump ist eine Figur aus "Kleiner König Kalle Wirsch", einem Stück der Augsburger Puppenkiste. Den Namen hat mein Freund ausgesucht.

Sie sind auch im Tierschutz engagiert.
Ja. In der Welttierschutzgesellschaft WSPA.

Was tun Sie da?
Beispielsweise jetzt zur Gänsezeit auf dieses widerliche Stopfen von Gänsen und Enten aufmerksam machen. Ich kann nicht verstehen, wie Menschen so etwas tun können.

Sie haben Geburtstag. Reden wir über schönere Dinge.
Gern.

Sie haben längere Zeit in Hamburg gelebt. Hat es Ihnen dort gefallen?
Sehr! Die Stadt hat in jeder Hinsicht viel zu bieten.

Das müssen wir jetzt fragen. Was ist denn mit Köln?
Köln ist toll. Je länger ich hier bin, desto mehr merke ich, wie ich mit Köln verwurzelt bin. Ich ben e echt kölsch Mädche.

Sie sind seit 1997 mit dem Juristen und Medienberater Alexander Isadi zusammen, leben im selben Haus, aber in getrennten Wohnungen?
Ich bin halt zeitweilig gern allein, brauche meine Ruhe.

Warum haben Sie keine Kinder?
Es hat sich nicht ergeben und ist okay so. Ich bin eine gute Tante für die Kinder meiner Schwestern Katharina und Susanne.

Was sind Sie für ein Typ?
Ich bin ein ganz normaler Mensch. Ich habe ziemlich viel Energie, kann auch schon mal wütend werden, aber meistens bin ich eher ruhig, manchmal auch sentimental oder traurig.

Was ist Ihnen zuwider?
Verrat. Das ist das Schlimmste.

Haben Sie spezielle Vorlieben?
Ich gehe gern spazieren an Tagen ohne Termine.

Sind Sie religiös?
Auf meine Weise ja. Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde, als wir uns träumen lassen. Der Institution Kirche fühle ich mich jedoch nicht so verpflichtet.

Zum Geburtstag darf man sich etwas wünschen?
Ich würde gern noch einmal an einer Führung über die Dächer des Domes teilnehmen. Das würde ich zu gerne tun.

Und gefeiert wird heute wirklich nicht?
Nein. Aber ich werde vielleicht am Abend mit meinem Freund ein Gläschen Rotwein trinken - einen deutschen oder einen aus der Toskana.

© 2005 Kölner Stadtanzeiger; Jörk Böhnk