"Darf man Erwartungen enttäuschen?"
(Kölner Stadtanzeiger, 26.03.10)
 
Mariele Millowitsch stammt aus einer der bekanntesten Schauspielerfamilien Deutschlands. In die Fußstapfen ihres berühmten Vaters wollte sie zunächst allerdings nicht treten, wie sie im Interview mit Silke Offergeld erzählt.

Frau Millowitsch, wer einen Film mit Ihnen anschaut, erwartet eine romantische Komödie. Würde Sie nicht auch mal eine ganz andere Rolle reizen?
Doch, schon. Aber die Redaktionen bei den Sendern würden es kaum zulassen.

Und da können Sie nichts machen?
Nein. Ich gelte eben - und das ist mir ja auch eine Ehre - als Sympathieträgerin. Und das sollte nicht beschädigt werden. Ich selbst wäre da wahrscheinlich mutiger.

Was wäre Ihre Traumrolle?
Ich finde es spannend, Figuren mit Brüchen zu erzählen. Die Marie Brand zum Beispiel macht mir Spaß, die hat ja auch einen Knall, ist aber keine Psychopathin. Wobei, das wäre schon mal interessant.

Was, eine Psychopathin zu spielen?
Ja, jemanden, der völlig außerhalb der Norm steht. Und dann zu zeigen, warum der so geworden ist.

Sie stammen aus einer Kölner Schauspielerfamilie, wollten aber erst gar keine Schauspielerin werden - was war das für ein Gefühl, die Erwartungen der Eltern zu enttäuschen?
Mir war das damals gar nicht so bewusst, dass ich damit jemanden enttäusche. Ich habe in dem Moment total auf Ego geschaltet. Das hatte schon länger in mir gegärt, und als es dann darum ging, mich tatsächlich an der Schauspielschule anzumelden, da hielt ich es für besser, nicht zu unterschreiben. Da habe ich mir weniger Gedanken um meine Eltern gemacht - da ging es um mich.

Wann muss man Erwartungen enttäuschen?
Wenn die Ansprüche zu groß sind. Außerdem kann ich nicht jedermanns Erwartungen erfüllen. Wenn ich weiß, jemand lädt mich nur ein, um ein bisschen mit Frau Millowitsch anzugeben - da entscheide ich spontan, und wenn ich nicht will, dann gehe ich auch nicht hin. Da gibt es sonst ja immer noch eine Folge-Erwartung: Dass ich die Lustige bin, der Pausenclown. Das kann ich manchmal gut, aber es gibt eben auch Tage, da kann ich das nicht.

Sie engagieren sich in einer ganzen Reihe von sozialen Projekten, und bekommen sicher jede Menge weitere Anfragen - fällt es da nicht schwer, abzulehnen?
Ja, aber irgendwann muss ich einfach sagen: Das geht jetzt nicht mehr, das ist einer zu viel. Es gibt Dinge, die mir sehr wichtig sind, zum Beispiel Medica Mondiale, die sich gegen Gewalt gegen Frauen einsetzen, oder das Lese-Mentorenprogramm, wo es um die Zukunft der Kinder geht. Aber ich kann nicht auf jeder Hochzeit tanzen.

Sie und Walter Sittler, mit dem Sie jetzt wieder zu sehen sind, gelten als Traumpaar der deutschen Beziehungskomödie. Werden da auch entsprechende Erwartungen an Ihr Privatleben an Sie gestellt?
Hören Sie bloß auf - da sind wir durch die Hölle gegangen, Walter und ich! Das war unfassbar, welche Zweifel Zuschauer - und Journalisten! - daran hatten, dass zwei Menschen, Mann und Frau, wirklich einfach nur befreundet sein können. Ein für alle Mal: Wir haben kein Verhältnis. Und wir wollen kein Verhältnis haben.

Ach, schade. Das wäre doch so schön!
Tja. Das ist Pech.

© 2010 Kölner Stadtanzeiger; S. Offergeld