| Mariele Millowitsch stammt aus einer der bekanntesten Schauspielerfamilien
Deutschlands. In die Fußstapfen ihres berühmten Vaters wollte
sie zunächst allerdings nicht treten, wie sie im Interview mit Silke
Offergeld erzählt.
Frau Millowitsch, wer einen Film mit Ihnen anschaut, erwartet eine
romantische Komödie. Würde Sie nicht auch mal eine ganz andere
Rolle reizen?
Doch, schon. Aber die Redaktionen bei den Sendern würden es kaum
zulassen.
Und da können Sie nichts machen?
Nein. Ich gelte eben - und das ist mir ja auch eine Ehre - als Sympathieträgerin.
Und das sollte nicht beschädigt werden. Ich selbst wäre da wahrscheinlich
mutiger.
Was wäre Ihre Traumrolle?
Ich finde es spannend, Figuren mit Brüchen zu erzählen. Die
Marie Brand zum Beispiel macht mir Spaß, die hat ja auch einen Knall,
ist aber keine Psychopathin. Wobei, das wäre schon mal interessant.
Was, eine Psychopathin zu spielen?
Ja, jemanden, der völlig außerhalb der Norm steht. Und dann
zu zeigen, warum der so geworden ist.
Sie stammen aus einer Kölner Schauspielerfamilie, wollten aber
erst gar keine Schauspielerin werden - was war das für ein Gefühl,
die Erwartungen der Eltern zu enttäuschen?
Mir war das damals gar nicht so bewusst, dass ich damit jemanden enttäusche.
Ich habe in dem Moment total auf Ego geschaltet. Das hatte schon länger
in mir gegärt, und als es dann darum ging, mich tatsächlich
an der Schauspielschule anzumelden, da hielt ich es für besser, nicht
zu unterschreiben. Da habe ich mir weniger Gedanken um meine Eltern gemacht
- da ging es um mich.
Wann muss man Erwartungen enttäuschen?
Wenn die Ansprüche zu groß sind. Außerdem kann ich nicht
jedermanns Erwartungen erfüllen. Wenn ich weiß, jemand lädt
mich nur ein, um ein bisschen mit Frau Millowitsch anzugeben - da entscheide
ich spontan, und wenn ich nicht will, dann gehe ich auch nicht hin. Da
gibt es sonst ja immer noch eine Folge-Erwartung: Dass ich die Lustige
bin, der Pausenclown. Das kann ich manchmal gut, aber es gibt eben auch
Tage, da kann ich das nicht.
Sie engagieren sich in einer ganzen Reihe von sozialen Projekten,
und bekommen sicher jede Menge weitere Anfragen - fällt es da nicht
schwer, abzulehnen?
Ja, aber irgendwann muss ich einfach sagen: Das geht jetzt nicht mehr,
das ist einer zu viel. Es gibt Dinge, die mir sehr wichtig sind, zum Beispiel
Medica Mondiale, die sich gegen Gewalt gegen Frauen einsetzen, oder das
Lese-Mentorenprogramm, wo es um die Zukunft der Kinder geht. Aber ich
kann nicht auf jeder Hochzeit tanzen.
Sie und Walter Sittler, mit dem Sie jetzt wieder zu sehen sind, gelten
als Traumpaar der deutschen Beziehungskomödie. Werden da auch entsprechende
Erwartungen an Ihr Privatleben an Sie gestellt?
Hören Sie bloß auf - da sind wir durch die Hölle gegangen,
Walter und ich! Das war unfassbar, welche Zweifel Zuschauer - und Journalisten!
- daran hatten, dass zwei Menschen, Mann und Frau, wirklich einfach nur
befreundet sein können. Ein für alle Mal: Wir haben kein Verhältnis.
Und wir wollen kein Verhältnis haben.
Ach, schade. Das wäre doch so schön!
Tja. Das ist Pech.
© 2010 Kölner Stadtanzeiger; S. Offergeld
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