| Heidi Kabel - Mein Leben (NDR, 01.12.01) |
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| In diesem TV-Portät unterhält sich die Hamburger Volksschauspielerin Heidi Kabel mit vielen Wegbegleitern ihrer langen Theater- und Fernseh- Karriere. | |
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Heidi Kabel: Mit Willy Millowitsch und seiner Familie
war ich eng befreundet. Und mit seiner Tochter Mariele hab ich bis heute
einen guten Kontakt. Ich besuche sie jetzt in ihrer Garderobe bei den Dreharbeiten
zu "girl friends" in Hamburg. Anm.d.W.: Im Laufe des Gesprächs mit Mariele werden verschiedene TV-Ausschnitte eingespielt: aus Theaterstücken vom Millowitsch und Ohnsorg-Theater, aus einer TV-Gala mit Willy Millowitsch und Heidi Kabel und aus der Serie "Heidi und Erni", in der Mariele Anfang der 90er mit Heidi Kabel vor der Kamera stand. |
| Heidi Kabel: Leider hab ich mit deinem Vater nur einmal
zusammengespielt... Mariele: Schade. Heidi Kabel: Ich meine, im Film waren wir öfter zusammen. Aber so richtig gespielt haben wir nur in einem Stück und das war... Mariele: "Die Kartenlegerin", ja. Heidi Kabel: ..."Die Kartenlegerin". Da ist er gekommen und hat den Richter gespielt und ich war eben die Kartenlegerin. |
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| Mariele: Bei ihm war ja meistens keine Vorstellung
so wie die andere, also die unterschieden sich ja immer. Ich hab so oft
als Kind in der Nullgasse gestanden und geguckt, was macht er heute wieder.
Und das Schönste war doch nun, die Kollegen zum Lachen zu bringen. Musstest du nie ein Mal abgehen bei ihm? Er liebte es doch, die Kollegen fertig zu machen, aber im positiven Sinne, weil das Publikum bekam es dann mit und die hatten natürlich ihre Freude. Hat er sich bei dir nicht getraut, ne? Heidi Kabel: (lacht) Nee. |
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[....] Mariele: Wie bin ich jetzt in dein Leben getreten, wie war das? Das weißt du besser als ich. Heidi Kabel: Ja, da war ich das erste Mal in Köln bei euch. Da war kein Fest, aber es waren ein paar Leute da und die saßen zusammen und haben dann auch musiziert und es wurde getanzt. Und dann kamst du im Pyjama wieder runter. Und wie alt warst du da? Sechs? Kann das sein? Mariele: Ich weiß es nicht. Mag angehen, ja... |
| Heidi Kabel: Und du hast getobt da unten immer im Pyjama,
das fand ich so schön. (sie lacht) So habe ich deine Eltern kennengelernt
und dich. Im Pyjama. Mariele: Ja, das war ja immer ganz schön bei uns. Weil öfter Partys waren und Feten waren. Und da war unsere Mutter sehr tolerant... wenn wir runterkamen im Schlafanzug, durften wir mitmachen. Und wenn's Vater zu viel wurde... erinnerst du dich noch, wenn so die letzten Restbestände an Gästen noch kleben blieben und die nicht nach Hause wollten, weil die Mama immer sagte "Bleiben Sie doch noch ein bisschen". Und mein Vater zog so ein Gesicht, erinnerst du dich noch? |
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| Heidi Kabel: (lacht) Oh ja. Mariele: Dann ist er doch im Schlafanzug rausgegangen, weißt du das noch? Dann kam er aus seinem Schlafzimmer, ist raus in die Küche im Schlafanzug und wieder zurück. Bis der Letzte es auch merkte, dass nun jetzt Feierabend war. Heidi Kabel: Dass endgültig Schluss war, ja. Mariele: Und wer's da nicht gemerkt hatte, der war nicht zu retten. |
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[....] Heidi Kabel: Einige rümpfen ja die Nase, wenn sie sagen: "Ach ihr, ihr seid ja am Volkstheater!" Ja, wir spielen dem Volke vor, wie sie sich benehmen, was sie falsch machen, was sie richtig machen. Und darin ähneln wir uns auch mit euch. Mariele: Ja, natürlich. Heidi Kabel: Das ist doch auch Volkstheater, diese Heiterkeit. |
| Mariele: Ja, wobei Volkstheater auch nicht immer heiter
ist. Moliere ist ein Autor für Volkstheater gewesen. Shakespeare war ein
Autor für Volkstheater. Es ist eine Frage der Direkheit des Spiels, wie
man auf das Publikum zugeht. [....] Was die beiden Theater verbindet ist
ja auch dieses "direkte auf's Publikum zu spielen". Man muss nicht immer
jedes Wort verstehen. [....] Heidi Kabel: Bei uns ist es so, dass wir nicht nur Lustspiele haben, sondern auch sehr ernste Stücke spielen. In plattdeutsche Sprache. Und ihr habt - glaube ich - keine ernsten Stücke? Mariele: Nee, das Volkstheater Millowitsch wird assoziiert mit: Lustspiele, Schwänke, Unterhaltung, Lachen. Und das wollte unser Vater eigentlich auch nie unterbrechen. Er hat immer gesagt, das steht dafür und er möchte es auch nicht anders haben. So hat er mit seinem Vater gearbeitet und so wollte er es für sich auch halten. Und wir haben ja auch viel weniger Premieren im Jahr als ihr. |
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| Heidi Kabel: Acht. Mariele: Ein bis zwei, ihr habt acht. Warst du eigentlich immer bei allen acht Premieren dabei? Heidi Kabel: Nein! Mariele: Nein, du hattest auch mal 'ne Auszeit, ne? Heidi Kabel: Ja. |
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| Mariele: Siehst du, dass gab's bei uns
gar nicht. Stücke, in denen der Vater nicht dabei gewesen wäre. Undenkbar!
Gab's ja nicht. Es gab das Volkstheater Millowitsch und da war Willy oben.
Bei dir haben sie mal gesagt: Heidi hat eine Pause und jetzt machen wir
mal was ohne sie. Aber das wäre bei uns in Köln ja gar nicht drin gewesen.
[....] Mariele: Ich bin ja später in die Serie ["Heidi und Erni"] eingestiegen, du erinnerst dich noch? Als diese Kiosk-Besitzerin, die unten bei euch am Campingplatz diesen Kiosk hatte. Weißt du das noch? |
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Heidi Kabel: Ja, ja. Mariele: Und ich hab das immer bewundert, wie ihr zwei den Text gelernt habt. Ihr wart immer textsicher, im Gegensatz zu vielen anderen. Und selbst wenn Szenen umgestellt wurden, dann wart ihr da. Ihr konntet den Text. Ihr habt euch dann immer in irgendeine Ecke verzogen, Erni [Singerl] und du... Heidi Kabel: ... und haben gebüffelt. |
| Mariele: ... und habt gepaukt und gebüffelt.
Und wenn irgendwie eine Party war - was immer mal wieder vorkam bei uns,
weil irgendein Grillabend gezaubert wurde - dann haben wir doch da gestanden
und haben angefangen, Paprika klein zu schneiden, weißt du das noch? Dann
haben wir zwei immer irgendwelche Salate für die Massen Menschen gemacht.
Und das war wirklich sehr sehr angenehm. © 2001, N3 |
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