| Nordzeit (NDR, 22.10.97) |
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| Gezeigt wird ein Ausschnitt aus der Folge "Der Mann aus Montauk" - als Marie und Ilka Zoltan zum ersten Mal über den Weg gelaufen sind | |
| Moderatorin: Mariele Millowitsch!! "Was bis'n jetzt
so geladen." Worüber streiten Sie sich denn lieber? Ich mein jetzt erst
mal in der Figur. Über Männer oder über die Karriere? Mariele: Ich mich selber? Ich streite mich gar nicht gerne, muss ich sagen. Ich bin keiner, der gern Krach kriegt. Ich mein, wer ihn möchte, kriegt ihn, aber ansonsten hab ich's gern friedlich um mich herum. Und bei Ilka und Marie ist es ....ja, das Verhältnis der beiden hat sich ja sehr gewandelt, weil die Marie ist ja auch nicht mehr dieses Landei von früher, sondern schon ein bisschen selbstbewusster geworden. Auch damit muss Ilka umgehen lernen, also da gibt's 'ne ganze Menge, worüber es sich zu streiten, ja ...lohnt, weiß ich nicht, aber es gibt zu streiten. |
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| Moderatorin: Es lohnt sich sicher zu spekulieren
darüber, warum diese Serie einen solchen Erfolg hat. Es gibt da auch verschiedene
Theorien. Haben Sie ein ganz bestimmtes Publikum, vielleicht sogar eine
ganz bestimmte Frau im Kopf, wenn Sie das spielen? Mariele: Nein! Ich hab keine bestimmte Frau im Kopf, sondern einfach die Normalität und die Emotionen, die diese Marie Malek hat, die kenn ich letztendlich auch. Ich mein, ich bin keine 15 mehr und hab auch schon einiges mitgekriegt. Und das, was bei der Marie an Angstpotenzial oder Unsicherheiten das ist, ich meine, das kennt man alles. Als Frau ab einem gewissen Alter haben Sie das alles schon mal... irgendwie hat man's mitgemacht. Und man weiß, wovon man spielt. |
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Moderatorin: Ich hab mich trotzdem gefragt. Der Christian
Pfannenschmidt, der ein wunderbarer Autor ist, woher kennt der die Weiber
so gut? Mariele: Na, er beschäftigt sich viel damit, er hat auch eine ganze Zeit lang in einem Hotelbetrieb recherchiert, war selber in Redaktionen. Er ist ja auch Journalist und hat einfach auch aufgepasst, was den Alltag betrifft und hat sich auch für Frauen interessiert und auch hingeguckt, wie läuft was ab. Und er weiß es einfach. Moderatorin: Wenn man die 2., 3., 4. Staffel dreht, hat man Einfluss auf das, was in dem Drehbuch passiert? |
| Mariele: Jein! Ich möchte den auch gar nicht nehmen,
weil ich vertraue speziell dem Christian sehr. Und wenn ich manchmal Fragen
habe, ich versteh jetzt nicht, warum die so oder so reagiert, ich komm da
nicht dran an die Emotionen, wieso hat er das jetzt geschrieben? Dann ruf
ich ihn an und sag: "Christian, erklär mir, was du meinst." Und
in den meisten Fällen versteh ich ihn und, wenn ich ihn so gar nicht verstehe,
dann schreiben wir's um oder ich ändere es so, dass ich sag: "Christian,
das passt jetzt nicht an die Stelle." Und dann, wenn er meint, ich
hab Recht, dann ändern wir's. Aber meistens kann er mich bequatschen und
ich schluck dann die Kröte. (lacht) Moderatorin: Sie schildern die Frauen in einer Arbeitssituation im Hotel. Wie läuft es denn am Set? Über Monate hat man miteinander zu tun. Sprechen wir von Ihrer besten Freundin, auch, wenn sie die nicht immer ist, von der Ilka. Wir alle kennen die Situation, dass uns auch Kollegen auf den Geist gehen. Wie bewältigen Sie das? In der Situation, wo die Kamera dann läuft? Mariele: Wenn die Kamera läuft ist es gar kein Problem mehr, denn dann steht nicht mehr die Person vor dir, also jetzt nicht mehr die Schauspielkollegin, sondern ein anderer Mensch, mit dem man spielen muss. Das kann ich total trennen. Wenn die Kamera nicht läuft, muss ich sagen, auch die anderen können mich oft genug nicht mehr sehen. Und dann kann ich nur sagen, man muss das nicht nach außen tragen. Ich versuch da irgendwie 'ne gute Miene zu zu machen, weil es ist keine Teamarbeit, wenn jetzt jeder seine Befindlichkeit oder seine schlechte Laune an den anderen auslässt. Es hat keinen Sinn, es kommt nix bei raus. Ich mach's mir ja auch nicht leichter. Deswegen komm ich dann morgens an und denke "Ich könnt' Euch alle...", aber dann versuch ich die Mundwinkel hochzuziehen und nach 'ner Stunde ist es dann meistens auch gut. Moderatorin: Mögen Sie Gospel-Songs? |
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| Mariele: Sehr!! Sehr. Mein Bruder hatte früher, wie
hießen denn diese Sänger? Sagen Sie mir schnell, aus den 50er, 60er Jahren......?
Ja, wie hießen denn diese.....? Moderatorin: ......Hawkins Singers?? Mariele: Nein. Herrschaftszeiten!!!! Fällt mir nachher wieder. Und Peter hatte jedenfalls immer Gospel-Songs und ich liebe es. Moderatorin: Es ist 'ne Art von Gesang, die uns vertraut ist und trotzdem fremd, oder? |
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| Mariele: Er ist mir insofern nicht fremd, weil er
so was ganz archaisches hat, für mich. Es ist so eine ganz emotional behaftete
Form des Gesangs. Denn meistens sind es ja Schwarze, die es singen, die
haben ein Timbre in der Stimme und eine Ausdruckskraft, die mich sofort
erwischt. Und es ist mir dann egal, ob es von Gott erzählt. Man muss nicht
unbedingt katholisch sein oder an den lieben Gott glauben. Es ist einfach
was, was einen erwischt; das liebe ich so daran. es folgt ein Beitrag über Gospel Musik Moderatorin: Ja, schön, 'ne? Mariele: Ja, wunderbar! Moderatorin: Da geht einem so richtig ein bisschen .... (deutet Gänsehaut an). Mariele: Ja, da geht so eine Kraft aus von diesen Geschichten, ist toll! Moderatorin: Ehe wir uns jetzt in Gänsehaut verlieren, ich muss eine Korrektur machen. "girl friends" wir noch etwas länger laufen, weil heute Abend fällt es aus wegen Fußball. (Mariele lacht) Hat so´ne Serie eine Wirkung auf Menschen? Ein Stück Fernsehen, dass so lange läuft? Mariele: Ich merk's manchmal, ja. Irgendwann mal war ich am Gänsemarkt und wollte mir ein Eis kaufen. Hab mir das Eis auch gekauft und wollte es bezahlen und da sagte die junge Dame: "Nein! Sie zahlen das Eis nicht, das möchte ich Ihnen schenken. Denn ich mache jetzt so was ähnliches durch wie Sie als Marie Malek." Ich hab wirklich auch so geguckt wie Sie (guckt total erstaunt). War völlig platt und hab nur noch "Danke!" gestammelt. Man ist dann doch erstaunt über diese Reaktion. Aber dadurch, dass diese Geschichten so nah am normalen Leben sind, was Christian Pfannenschmidt so gut beobachtet hat, trifft es auch so viele. Und viele finden sich in der Figur wieder und dann... das ist nicht nur einmal passiert mittlerweile, sondern schon öfter mal, dass ich Sachen nicht bezahlen darf. Aber es rührt mich immer noch. Moderatorin: Also man identifiziert Sie mit der Figur? Mariele: Ja, schon! Und die Leute vollziehen das so nach. Das ist das, was mich immer wieder auch so erstaunt. Moderatorin: Ich muss 'nen kleinen Übergang zum Puppentheater schaffen. Wird mir auch gelingen, ich glaube, es ist gar nicht so schwierig, denn was mich immer wieder erstaunt am Puppentheater, dass sich Menschen auch mit Puppen so identifizieren können. Haben Sie da ein Beispiel parat? Wissen Sie, wann Sie das letzte Mal Puppentheater gesehen haben? Mariele: Für mich war natürlich immer Augsburger Puppenkiste das größte und "Unsere Kinderstunde" damals, denn da gab's immer diese tschechische Kinderfilme und tschechische Puppenfilme. Die haben mich immer sehr beeindruckt. Das war immer so was, was mich einen ganzen Teil durch meine Kindheit begleitet hat. |
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Moderatorin: Das war immer eine Serie bzw. die Dialoge der beiden, die sprachen so schön von Fehlern und Fehlerchen. Hat so was eine pädagogische Wirkung? Mariele: Ein Fehlerchen hört sich immer viel netter an als ein Fehler. Ein Fehler macht Druck, bei einem Fehlerchen hat man immer noch eine Ausweichmöglichkeit. (lacht) Moderatorin: Sehen Sie, wir haben den Übergang doch geschafft! Mariele: Perfekt! |
| Es folgt ein Beitrag über Puppenspieler Moderatorin: Wenn man die Stimmen hört, erinnert man sich sofort wieder an früher, oder? Mariele: Ja, absolut! Es kommt ganz viel wieder hoch. Moderatorin: Wie geht es Ihnen? Solche Leute sind doch bewundernswert, die von Stadttheater zu Stadttheater ziehen und so eine alte Kultur am Leben erhalten? Mariele: Ich finde das toll, ganz bewundernswert, wenn die Leute wirklich an was glauben und da auch dran bleiben. Gerade dieses Puppentheater, das so 'ne alte Tradition hat, weil unser Theater kommt vom Puppentheater. Mein Urgroßvater war noch Puppenspieler; die sind selber erst auf die Bühne gegangen Ende letzten Jahrhunderts. Und vorher waren es diese Stockpuppen, mit denen die gespielt haben. Ich weiß noch, es gab Drehbrücken am Rhein und mein Urgroßvater stand am Rhein und ist da mit dem Hut rumgegangen. Es war richtig fahrendes Volk, wo man sagt: "Hol die Wäsche rein, die sind wieder unterwegs!" Moderatorin: Sind Sie ganz froh, dass es heute anders ist? Mariele: Ach, ich weiß es nicht. Ich hab das andere ja nie kennen gelernt, aber ich denke, es ist heute schon von größerer Bequemlichkeit gekrönt als es damals war. Moderatorin: Reden wir kurz über Ihre nächsten Pläne. Mariele: Ja, die sind ziemlich klar. Die Pläne sind "girlfriends" bis Ende Juli nächsten Jahres, dazwischen gesplittet, weitere Nikola Folgen. So ist das Jahr 1998 zu, mehr oder weniger, bis auf ein paar kleine Breaks dazwischen. Aber da versuche ich irgendwie wegzukommen. Moderatorin: Sie machen so den Eindruck, als wären Sie ganz zufrieden mit sich und der Welt und können es, glaub ich, zum momentanen Zeitpunkt auch sein. Haben Sie früher mal gedacht, ich möchte einfach anders aussehen? Mariele: Klar!!! (sie lacht) Wenn man so am Spiegel vorbeikommt, dann kommt das große "Uaaaaahhhhh" (sie tut als ob sie sich erschrickt) Aber ich hab mich langsam dran gewöhnt, ich hab den Kopf und ich hab die Figur, was soll ich jetzt anfangen dagegen zu kämpfen. Und da ich jetzt so viele Diäten schon ausprobiert hab irgendwie in meinem Leben, ich hab's jetzt so satt, jetzt bleib ich wie ich bin. Schluss, Aus, Ende!!! © 1997 NDR |
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