"Schaffe ich das alles, oder franse ich aus?"
(Neue Osnabrücker Zeitung, 02.06.01)
 
trotz des berühmten Namens war der Weg lang und nicht immer leicht. Erst mit der ZDF-Serie "girl friends" schaffte Mariele Millowitsch, Tochter des berühmten Willy, den Durchbruch und wurde zum Star. Warum sie für neue Folgen dieser Reihe jetzt noch einmal vor der Kamera steht, obwohl doch eigentlich längst damit Schluss machen wollte, was sie von Freundschaften erwartet und welches Verhältnis sie zu ihrem Vater auch nach dessen Tod hat, darüber sprach die 45-Jährige im Interview mit unserer Zeitung.

Frau Millowitsch, eigentlich wollten Sie bei den "girl friends" nicht weitermachen, jetzt drehen Sie doch die fünfte Staffel. Wieso dieser Sinneswandel?

Wenn eine Serie länger läuft, stellt man sich immer die Frage: "Ist da noch was drin, gibt es noch Geschichten zu erzählen?" Ich habe "Nikola" und die "girl friends" gleichzeitig gedreht und in solchen Situationen bekommt man immer mal das Gefühl, o Gott, schaff ich das alles oder franse ich rechts und links aus? Aber das halte ich für ganz normal.

Wie sieht die Zukunft für die "girl friends" aus?

Die fünfte Staffel ist in trockenen Tüchern. Für eine weitere steht die Entscheidung noch aus.

Seit 1995 gibt es die "girl friends". Besteht nach so einer langen Zeit nicht die Gefahr, auf den Typ "Marie Malek" festgelegt zu werden?

Als Gegendarstellung sozusagen habe ich die "Nikola", und ich habe ein paar andere 90-Minüter gemacht. Aber selbstverständlich bin ich festgelegt auf "patent" zu sein und die Sympathieträgerin, was ich aber nicht schlimm finde, sondern eher als Kompliment.

In den "girl friends" geht es vor allem um Freundschaften. Was erwarten Sie von Freundschaften?

Loyalität in erster Linie. Mir darf nie jemand in den Rücken fallen. Freunde können mir unter vier Augen den Kopf waschen, aber sie dürfen sich nicht auf meine Kosten profilieren wollen. Dann verlange ich von ihnen Wahrheit und dass sie offen mit mir umgehen.

Haben Sie viele gute enge Freunde?

Nein, nicht so viele. Vielleicht drei, wenn ich es hochrechne.

Sind das eher Frauen oder Männer?

Frauen.

Wobei ja Frauen untereinander - wie in der Serie dargestellt - als zickiger und missgünstiger als Männer gelten. Was sind da Ihre Erfahrungen?

Ich glaube nicht, dass Frauen grundsätzlich so miteinander umgehen. Frauen habe es sicher noch nicht ganz so gelernt, sich diese Seilschaften aufzubauen, wie die Buben das können. Wenn man in den Managementbereich guckt, wissen die Jungs schon ganz gut, wie sie die Frauen bis zu einer gewissen Höhe lassen, und dann wird abgeblockt. Frauen wiederum müssen lernen, mit Misserfolgen umzugehen, müssen lernen, dass auch mal etwas schief gehen kann, ohne dass gleich alles zusammenbricht.

Häufig werden Sie mit Ihrem Vater verglichen. Wird das nicht langsam zur Bürde für Sie?

Ich kann damit eher leben als andere. Mich regt das nicht so auf.

Haben Sie manchmal das Gefühl, Ihr Vater ist bei der Arbeit oder in sonst einer Lebenssituation irgendwie "anwesend"?
Bei der Arbeit habe ich das nicht, sondern eher, wenn ich schöne Sachen erlebe. Das ist meistens in der Natur, beim Laufen, oder wenn ich unterwegs bin. Dann ist er mir plötzlich näher. Wenn ich zum Beispiel unter einem schönen Nachthimmel unterwegs bin, fange ich ein Gespräch mit ihm an.

Bevor Sie die Schauspielerei zum Beruf gemacht haben, haben sie Tiermedizin studiert und mit der Promotion abgeschlossen. War das so etwas wie eine bewusste Flucht, wollten Sie damit etwas Eigenes schaffen?

Ganz sicher. Das war definitiv ein Fluchtversuch.

Den Beruf haben Sie aber nie ausgeübt ...

Nee, ich hatte Spaß an den ganzen Geschichten, die mit der Ausbildung zusammenhingen, den Praktika und dem Über-Land-Fahren, aber als es daran ging, das zum Beruf zu machen, merkte ich, dass es mich nicht so erwischt hatte, dass ich lieber wieder auf die Bühne wollte.

Wenn Sie sich mit drei positiven Attributen charakterisieren sollten - welche wären das?

Ich bin Optimist, lasse mich nicht so schnell unterbuttern. Ich versuche, andere Menschen zu respektieren, gehe immer ein bisschen nach dem Motto "was du nicht willst, das man dir tut", wobei ich nicht zu allem schweige. "Jede Jeck is anders", heißt es bei uns, und das akzeptiere ich auch, so lange der "Jeck" nicht anfängt, mir meine Bannmeile zu beschneiden.

Und drei negative Eigenschaften?

Ich bin relativ ungeduldig, gehe schnell in die Luft. Wollen Sie noch eine dritte Negativeigenschaft?

ja klar...

Also, ich kann schon explodieren und bin oft ganz furchtbar ungehalten, wenn ich mir Termine zu eng stecke. Hinterher bin ich dann so sauer auf mich, dass ich ausflippe.

Welche Wünsche haben Sie im beruflichen Bereich?

Schöne Sachen zu machen, hinter denen ich stehen kann. Von zehn Drehbüchern, die auf den Tisch kommen, sind meist leider neun Schrott.

© NOZ 2001, Carola Alge