"Schönheit des Herzens"
(prisma, 06.04.00)
 
Es ist nicht nur eine Stimme, die zu Mariele Millowitsch spricht, es handelt sich ganz offenbar um mehrere. Wenn sie mit einem Fernsehpreis ausgezeichnet wird, was leicht passieren kann, da es in Deutschland mehr Preise als gutes Fernsehen gibt, mahnt eine Stimme: "Marie-Luise, gewöhn dich nicht dran, nimm es nicht als selbstverständlich!

Neuerdings meldet sich, wie Mariele jüngst der Illustrierten "Bunte" verriet, eine andere Stimme, die Stimme von Vater Willy. Der vor einem halben Jahr verstorbene kölsche Patriarch erteilt ihr bei solchen Gelegenheiten Absolution dafür, dass sie dem Familienbetrieb Millowitsch-Theater vor Zeiten den Rücken kehrte und das Glück in eigene Hände nahm. Der Himmel macht gnädig.
Es kann aber auch passieren, dass Menschen aus dem wirklichen Leben das Wort an sie richten, zum Beispiel Eis- oder Brotverkäuferinnen, die partout kein Geld von ihr nehmen wollen und sagen: "Das geht auf meine Kappe, weil ich Ihre Serie so toll finde." In solchen Momenten ist Mariele Millowitsch ein klein wenig beschämt: "Weil ich merke, was das für die Menschen bedeutet, während es für mich doch ganz normale Arbeit ist."
Mariele Millowitsch
 
Eine neuerliche Probe dieser Arbeit liefert sie in dem Fernsehfilm "Meine beste Feindin" ab (Mittwoch, ARD, 20.15 Uhr). Sie spielt eine gebeutelte Ehefrau, die nach dem Tod ihres Mannes feststellen muss, dass er ein Vermögen in eine andere Frau (dargestellt von der üppig gewordenen Doris Kunstmann, einer TV-Ikone der 70er Jahre) investiert hat.

Manche Leser, die vor drei Wochen Mariele Millowitsch in der SAT-1-Schmonzette "Ich kaufe mir einen Mann" gesehen haben, werden aufmerken: Auch da gab Mariele eine betrogene und gedemütigte Frau, die verzweifelten Mut aufbringen muss, um wieder ein bisschen Sonne in ihr Leben zu lenken. Ist das ihre Rolle im Fernsehen: Das arme Hascherl? Die vom Glück benachteiligte mit den Nehmerqualitäten eines angeknockten Boxers? "Ich bin nie nach Schönheit besetzt worden", sagt sie, und es klingt verdächtig nach der selbstkritischen Marie-Luisen-Stimme, "ich hatte nie das Privileg, äußerlich die überragende Schönheit zu sein. Wenn man einen Vamp sucht, wird man mich nicht fragen."

Wenn man jedoch eine Frau mitten aus dem Leben sucht, fragt man Mariele Millowitsch umso eher. Mit ihrem breiten Lächeln und der Pinocchio-Nase ist sie jederzeit in der Lage, Schönheit zu spielen. Schönheit fürs Herz, nicht für Hochglanz-Magazine. Mariele ist der Typ Frau, der bei Männern und Frauen ähnlich gut ankommt. Männer werden sie aufgrund der verletzlichen Charaktere, die sie spielt, vielleicht unterschätzen und die Widerhaken in ihrem wahren Charakter zu spät bemerken.
Mit munteren Serien wie "Nikola" und "girl friends" hat sie ihre Karriere in Gang gesetzt. Jetzt ist sie 44, und man möchte ihr bald eine große Rolle wünschen, eine im Leinwandformat. Vielleicht lässt ja Vater Willy mal wieder von sich hören und rät ihr: "Machet, Mariele!"

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