Explosiv Weekend
(RTL, 13.09.97)
 
B. Eligmann: Fast fünf Millionen Zuschauer wollten eine Krankenschwester kennenlernen. Sie heißt Nikola und sorgt dafür, dass im Spital nicht nur Eiter, Blut und Tränen fließen. Die Frau, die hinter dieser Rolle steckt, ist gleich bei mir im Studio.

Es folgen verschiedene Ausschnitte, Aufnahmen von den Dreharbeiten und dem Drumherum und dazu ein Kommentar aus dem Off:

Off: Der nächste Serienerfolg der Mariele Millowitsch. Als Schwester Nikola assistiert sie seit gestern einem arroganten Karriere-Arzt in der RTL Serie "Nikola". Und das ist das Erfolgsrezept der 41jährigen Tochter des bekannten Volksschauspielers Willy Millowitsch. Arbeiten, arbeiten, lernen, lernen.
Sie wollte nie von ihres Vaters Prominenz profitieren, im Gegenteil. All ihre Theater- und Filmerfolge hat sie sich ganz allein verdient. Obwohl sie schon als kleines Mädchen auf Papas Bühne zur Schauspielerin ausgebildet wurde, nimmt sie, als sie erwachsen ist, Privatunterricht. Ihr Fleiß rentiert sich. Sie bekommt unzählige Rollenangebote in Serien wie "Tatort", "Eurocops", "Tisch und Bett". Im Sommer 96 wird sie für ihre Rolle in der Vorabendserie "girl friends" mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.
Der Applaus war ihr immer sicher, egal was sie anfing. Und doch hätte das Publikum fast auf Mariele Millowitsch verzichten müssen. Um etwas eigenes auf die Beine zu stellen, begann sie nach ihrem Abitur zunächst das Studium der Tiermedizin. Ihr Wissen um die Heilkunst macht sie jetzt in der neuen RTL Serie so richtig glaubwürdig. Mariele Millowitsch, sie gönnt sich keine Pause. Nachdem sie "Nikola" abgedreht hat, steht sie zur Zeit wieder in Hamburg für neue Folgen von "girl friends" vor der Kamera.

B. Eligmann: Zu Gast bei Explosiv Weekend: Mariele Millowitsch. Wie ist das, wenn so eine Serie startet, wenn Sie sich selbst im Fernsehen dann sehen, ist man dann total aufgeregt?
   
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Mariele: Ja klar, weil dann wird’s ernst. Es geht halt darum, ob die breite Masse das annimmt, also breite Masse im positiven Sinne. "Ihre Majestät" Publikum sage ich immer, ob denen das gefällt. Egal, was die Presse im Vorfeld schreibt, ob das nun Elogen waren oder ob’s Verrisse waren. Ist egal! Es ist so, dass die Leute es dann "fressen" müssen oder nicht und dann wird’s eben Ernst. Und mich selber ... wie gesagt, ich kann mich nicht gut sehen, aber was will man machen? Ich hab‘ den Kopf und an den gewöhne ich mich langsam.
 
B. Eligmann: Ja, wie ist das, wenn man so eine Rolle angeboten bekommt. Liest man das Drehbuch und sagt: "Das isses!"? Es ist ja ‘ne lustige Rolle und da schleppen Sie ja ‘ne gewisse Bürde mit sich rum.

Mariele: Ja, es kommt auf die Form der Komik an und es gibt eben halt Formen, die ich nicht für mich gut finde oder akzeptiere und es gibt eben diese. Und da waren noch die Arbeitsbedingungen: andere Arbeit mit der Kamera, mit normaler Filmkamera, keine eingeblendeten Lacher, wir haben Zeit, das Tempo zu arbeiten und das Timing zu arbeiten. Weil Comedy ist ... das würde den Rahmen sprengen, dann fange ich an zu dozieren, wie schwer es ist, eigentlich Comedy zu machen. Das haben wir gemerkt, also nach den 13 Folgen war ich platt. Aber es ist so gewesen, das ich sagte, das kann ich für mich annehmen als eine Form der Comedy, die ich machen möchte. Weil die Bücher waren toll und eben, was ich beschrieben hatte, die Arbeitsbedingungen war so und dann sagte ich "Ja, ok."

B. Eligmann: Was sagt Ihr Vater, wenn er Sie im Fernsehen sieht?

Mariele:
Er guckt sich immer alles an und dann wird telefoniert.

B. Eligmann:
Und ist er ein harter Kritiker?

Mariele
(überlegt kurz): Ach nee, eigentlich nicht. Eigentlich nicht. Eigentlich ist er ganz stolz.

B. Eligmann: Ja. Wie geht’s ihm eigentlich? Er war sehr schwer krank?
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Mariele: Ja, sagen wir mal so, 88 Jahre auf dem Buckel, wirklich wörtlich genommen, macht natürlich ... die Knochen machen’s nicht mehr mit letztendlich. Er ist mental noch ganz fit und er ist internistisch wirklich gut drauf, aber es ist halt das Knochengestell und dann ist eben halt ... was wir gewöhnt sind: Aufstehen, Butterbrot schmieren oder irgendwas machen ist nicht mehr klar für ihn. Er braucht Hilfe und er braucht seinen Stock und es ist für ihn auch sehr ärgerlich. Denn wenn man so ‘ne junge Seele hat und einfach gewöhnt ist, Dinge zu tun, wann man sie will und das geht nicht mehr - da kommen wir alle hin - das ist nicht einfach, denke ich.

B. Eligmann:
Ihr Bruder steht auf der Bühne. Ist das jetzt etwas, was für Sie völlig flach fällt, sagen Sie, da habe ich keine Lust drauf und dann auch noch auf Mundart, möglicherweise...

Mariele: Nöö, nöö, da habe ich kein Problem mit, zu sagen, ich würd‘ da mal wieder auftreten, aber es hat sich bis jetzt nicht ergeben. Es kommt auf die Rolle an. Und es ist klar, ich hatte ja ganz lange am Theater gespielt und es waren halt immer ... die Komikerinnen waren fast immer Dienstmädchen oder irgendwelche Frauen, die aus der Vergangenheit auftauchten und alles durcheinanderbrachten. Das wäre jetzt nicht mehr so das, wo ich drauf hinwollte, das müsste schon ‘ne andere Rolle mit ‘ner anderen Qualität sein, sage ich jetzt mal ganz frech. Dann würde ich sagen "ok, da laß uns drüber reden."

B. Eligmann:
Haben Sie das schon erlebt, dass Leute auf Sie zugehen und sagen "Sie heißen Millowitsch. Die Frau ist bestimmt total lustig?"

Mariele:
Nee. Nee, ich hab das nicht so ... durch die "girl friends" ganz sicher. Und weil ich mir eben diese Nicht-Komödien oder Volkstheater-Pause verordnet hatte. Was Vater betrifft, war das immer so und da tat er mir auch manchmal leid, wenn wir als Kinder irgendwo unterwegs waren und immer "WILLY!" gerufen wurde und ihm auf die Schulter geklopft. Und die sind immer davon ausgegangen, dass der Vater genauso auf der Straße ist, wie auf der Bühne und da wurden sie dann schon mal ganz schnell eines besseren belehrt, (lacht) wenn Vater nämlich gerade irgendwie schlechte Laune hatte, dann ging das gar nicht auf, das Konzept. Aber, nee, bei mir ist die Gefahr noch nicht so groß.

Montreux B. Eligmann: Zum Glück. Vielleicht ist es nach "Nikola" so. Kommen wir noch mal auf die Serie, Sie haben’s schon angesprochen: Es hat einen Preis gegeben vorab, die "Goldene Rose von Montreux". Die zweite Staffel ist bereits in Planung. Wie geht’s weiter? Ich bin sicher, Sie kommen am Ende mit diesem ultrafiesen Arzt zusammen. Kann das sein? 

Mariele: (schmunzelt) Sag ich jetzt nichts zu! 
 
B. Eligmann: Ok, dann gucken wir auf jeden Fall. (Mariele lacht). Vielen Dank, dass Sie bei uns im Studio waren.

Mariele:
Gerne.

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