| Interview am 04.06.98 (aus "Die deutsche Sitcom" von Daniela Holzer, 1999) |
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| Was hat Sie zu der Hauptrolle der Schwester Nikola bewogen?
Zunächst einmal hat man das Drehbuch an mich herangetragen. Ich habe damals "girl friends" gedreht und war bis dahin eigentlich der Meinung, dass Comedy in Deutschland nicht besonders gut funktioniert. Ich habe das immer mit jenem Signallicht verbunden, das dem Zuschauer bedeutet, dass es jetzt lustig wird und nun gelacht werden soll. Ich fand, dass häufig zu dick und zu breit aufgetragen wurde. Die Amerikaner können das sehr gut, und wir können das eben nicht. Weiter habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht. Allerdings hat mir auch das meiste, was ich bis dahin gesehen hatte, missfallen. Etwa wurden einfach Stoffe 1:1 von amerikanischen Sitcoms übernommen. Solche Projekte endeten natürlich katastrophal. Dann lag plötzlich das Buch vor mir, und schon beim Lesen hatte ich viel Spaß daran. Daraufhin habe ich mich mit dem Stoff an meinen Kollegen Walter Sittler gewendet, der mit mir zusammen in "girl friends" spielt. Auch ihm hat das Buch sehr gut gefallen. Obwohl ich doch ursprünglich eher eine Aversion gegen das Genre hatte, ging von da an alles äußerst schnell. Hier gab es nun aber ein deutsches Konzept, das speziell unseren gesellschaftlichen Verhältnissen angepaßt war. Die ersten Geschichten, die von amerikanischen Autoren geschrieben wurden und von drei deutschen Autoren, den sogenannten "Schreibwaisen", adaptiert wurden, stimmten einfach. Nach wie vor schreiben die Amerikaner immer noch für "Nikola", aber zwischenzeitlich verfassen die "Schreibwaisen" auch ihre eigenen Bücher. Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass sich Comedys auch im deutschen Fernsehen ausbreiten werden. Dabei ist es besonders wichtig, die Figuren ernst zu nehrnen, keine Persiflagen zu machen und auch nicht nur Klischees zu bedienen. Wenn die Bücher und die Dialoge stimmen, sind die Geschichten gut durchzuspielen, und es muss nicht mit aller Gewalt auf die Tube gedrückt werden, um komisch zu sein. Die Komik muss aus den Situationen und den Dialogen hervorgehen. Sie liegt nicht darin, dass jemand das Gesicht verzieht. Arbeiten Sie während der Dreharbeiten an den Büchern mit? Nein, überhaupt nicht. Wenn ich da mal ein Zusammenhangsproblem sehe oder finde, dass das Verhältnis zwischen Schmidt und Nikola nicht korrekt beleuchtet wird, so dass mir das Spielen schwerfällt, dann machen sich natürlich die Autoren noch mal ans Werk und geben sich Mühe, die entsprechenden Passagen zu ändern. Aber im Grunde bin ich die letzte, die in die Bücher eingreift. Ich bin dazu da, meine Rolle zu spielen. Könnten Sie sich mittlerweile auch vorstellen, in einer Sitcom mitzuwirken, die im Studio vor Publikum aufgezeichnet wird? Ja und nein. Ich habe großen Respekt vor den Kollegen, die bei solchen Sitcoms mitspielen. Wenn ich bedenke, wieviel Zeit ich benötige, um mich wirklich sicher zu fühlen, und wieviel Textmasse in relativ kurzer Probenzeit für eine Folge pro Woche einstudiert werden muss, bin ich doch recht skeptisch. Denn schließlich hängt viel vom Rhythmus ab. Wenn man beispielsweise einen Witz erzählt, wird das schon deutlich. Setzt man die Pointe falsch, regt sich bei den Zuhörern nichts, und setzt man sie richtig, liegt der ganze Tisch flach. So ist das bei der Comedy letztlich auch. Bei einem Format wie "Nikola" fühle ich mich einfach sicherer, weil ich mich immer wieder mit der Regie absprechen, basteln und immer wieder proben kann, bis die Szenen richtig sitzen. Bei Studiositcoms steht man vor der schweren Aufgabe eine Episode am Stück durchspielen zu müssen. Dort kann nicht ständig in Kleinstarbeit geprobt werden. Außerdem glaube ich, dass das Studiopublikum auch immer eine große Verführung für den Schauspieler darstellt, gegen die er ankämpfen muss; denn wenn die Leute nicht reagieren, wird man dazu verleitet, dem Affen Zucker zu geben. Als Theaterschauspielerin, die ich ja auch lange Zeit war, achtet man immer auf die Resonanz. Wenn nicht viel zurückkommt, legt man noch etwas nach und denkt bei sich, die krieg' ich doch noch dahin, wo ich sie haben will. In diesem Moment bewegen wir uns aber schon in einem Bereich, der für das Fernsehen übertneben ist. Wenn man mit Publikum arbeitet, besteht darin eine große Gefahr, und man begibt sich auf eine Gratwanderung. Comedy ist feinste Arbeit, womit ich keineswegs meine, dass die Kollegen im Studio diese nicht machen würden. Nur ist es dort sicherlich ungleich schwieriger. Ich muss sagen, dass ich mich mit "Nikola" sehr wohl fühle, und momentan steht auch keine Studioproduktion zur Debatte. "Nikola" ist letztlich auch genau dafür gelobt worden, dass der Nerv der Zuschauer eher mit kleinen Gesten, mit Blicken und mit präzise gesetzten Zeilen getroffen wird. Das war einfach ein Experiment mit einem glücklichen Ausgang. Die Bücher, die Regie und die Schauspielkollegen, alles das paßte einfach sehr gut zusammen. Man hat Menschen zusammengebracht, und es hat funktioniert. Einmal klappt so etwas, und ein andermal nicht. Es ist sehr schön, dass es bei uns so gut funktioniert hat. Wird bei den nächsten Folgen die Besetzung auch unverändert bestehen bleiben? Ja, unbedingt, das wollen wir auch auf keinen Fall ändern. Die Autoren, die Regie und die Schauspieler sollen unbedingt dieselben bleiben. Zudem gibt es innerhalb dieser Konstellation auch noch genug zu erzählen Sicherlich werden immer mehr Gäste hinzukommen, was ich sehr begrüße, Es wird also immer wieder ein Star auftreten, um uns und unsere Geschichten aufzumischen, damit es nicht langweilig wird. Darauf freue ich mich jetzt schon sehr. © 1999 Daniela Holzer in "Die deutsche Sitcom - Format, Konzeption, Drehbuch, Umsetzung" |