| freund talkt ....mit Mariele Millowitsch (Swoosh, Januar/Februar 2003) |
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| Das folgende Interview wurde im Sommer 2002 für
die Schülerzeitung "Swoosh!" des Geschwister-Scholl-Gymnasiums
in Bremerhaven geführt. Vielen vielen Dank an Marcel Freund für
dieses wirklich nette Interview und die Erlaubnis es hier zu veröffentlichen. Beschreiben Sie sich in 3 Worten! Ich würde sagen: Optimist, abgerundet und Naturfreund. Welche Macken oder schlechten Angewohnheiten haben Sie? Ich bin eigentlich "verfressen". Wenn ich eine Diät machen will, dann halte ich es nie bis zum Ende durch. Gibt es irgendwas, wo Sie sagen, da bin ich unausstehlich? Da bin ich selber so 'ne Zicke? Zeitmangel. Wenn zeitlich unter Druck gerate, aber da bin ich meist selber dran schuld. Wenn ich es eng stecke und dann merke ich, so wie ich die Termine gedacht habe, kann ich sie nicht einhalten. Da flippe ich aus und zwar weil ich da keinen schuldig machen kann. Ich gehe ja nicht zu irgendjemanden hin und sage: "Du bist schuld!" Im Prinzip kann ich mich selber am besten auf die Palme bringen. Ihr Lebensmotto? Verschieden. Zuerst einmal den Satz: "Was du nicht willst, dass man dir tu!" Oder wie wir hier in Köln sagen: "Jeder Jeck ist anders!" und als drittes: "Wenn das Dach über dir zusammenbricht, kannst du die Sterne wieder sehen!" Ein schöner Spruch ist aber auch: "Wie bringst du den lieben Gott zum lachen?-Erzähl ihm deine Pläne!" Was bedeutet Glück für Sie? Das sind Momentaufnahmen. Das sind kurze Moment, die ich haben kann, wenn ich einen Spaziergang durch den Wald mache, die Sonne durch die Baumkronen scheint und ein schönes Bild malt. Das sind so Momentaufnahmen und das finde ich herrlich. Wenn ich auf meinem Balkon abends sitze und man hört von jedem Balkon ein anderes Gespräch. Da fühle ich mich zu Hause, ich fühle mich aufgehoben. Wovor haben Sie Angst? Vor Fanatismus! Wenn die rationalen Denkstrukturen, die wir vorgeben oder die man sich selber vorgibt aus den Fugen geraten und ein Menschenleben nichts mehr wert ist. Ich sag das jetzt auch aufgrund des 11.Septembers. So was macht mir eine wahnsinnige Angst! Sie haben jetzt den 11.September erwähnt. Wie haben Sie die Ereignisse an diesem Tag erlebt? Wir hatten "girlfriends" gedreht und an dem Tag hatte ich drehfrei. Ich bin Einkaufen gewesen und hatte die Hände voll Tüten und hörte denn im Radio was von dem World Trade Center, das da was passiert ist. Ich wusste ja, dass RTL in der Berichterstattung immer recht schnell ist, daraufhin habe ich den Fernseher eingeschaltet und gerade in dem Augenblick kam auch schon das zweite Flugzeug in den Turm geflogen. Ich schwebte zwischen Verzweiflung und absoluter Fassungslosigkeit. Ich hab Dampf abgelassen, indem ich wie eine Verrückte telefoniert habe, ich habe alle möglichen Leute angerufen. Als die beiden Türme dann zusammengestürzt sind, konnte ich nicht mehr sitzen. Ich bin nur noch im Kreis durch die Wohnung gelaufen. Ich war schon fassungslos. Was mich allerdings gestört hat, waren die ständigen Wiederholungen des Zusammenstürzens der beiden Türme, als ob es nicht reicht, was da passiert ist. Aber so sind die Medien eben. Was würden Sie gerne bewirken oder verändern? (Mariele überlegt) Ich würde verändern, dass man der sogenannten Dritten Welt hilft. Das man den Leuten auf die Beine hilft, die nicht so viel haben. Das würde ich verändern. Das ist schon ein heikles Thema, da würde ich ansetzen. Worüber können Sie sich freuen? Das kann ich ein paar Mal am Tag, dass hat ein bisschen was mit den Glücksmomenten zu tun. Wie gehen Sie mit Neidern um? Ich bekomme das ja nicht so mit, das passiert ja hinter meinem Rücken. Ich krieg ja im Endeffekt nicht mit, was die Leute über mich quatschen. Ich höre denn nur, was ich alles gesagt und gemacht haben soll und darüber kann ich auch nur den Kopf schütteln. Wenn ich es mit einem Filmteam zu tun habe, dann gebe ich meist vor, dass mich die Leute ansprechen sollen, wenn sie etwas gehört haben, was ich gesagt haben soll. In den meisten Fällen stimmt es ja nicht, was da so rumerzählt wird. Müssen Sie sich eigentlich oft auf die Zunge beißen? Nein, eigentlich nicht. Mit den Menschen, bei denen ich mir eigentlich auf die Zunge beißen müsste, habe ich eigentlich nichts zu tun. Ich meide auch solche Veranstaltungen, wo ich wüsste, dass ich mich anstrengen muss, bestimmte Themen nicht anzuschneiden, solche meide ich dann. Bei meinen Freunden muss ich dann allerdings kein Blatt vor den Mund nehmen. Ärgern Sie sich manchmal im Nachhinein etwas Falsches gesagt zu haben? Nee, eigentlich nicht. Wenn ich jetzt mal einen Schritt zu weit gegangen bin, dann entschuldige ich mich. Das passiert mir aber nicht so häufig, dass ich mich im Ton vergreife. Durch Ihre etlichen Film- und Fernsehrollen sind Sie ja sehr bekannt geworden. Wenn Sie mal schlechte Laune haben und von Fans angesprochen werden, wie reagieren Sie da? Wenn ich wirklich richtig sauer bin, dann gehe ich kaum in die Öffentlichkeit. Dann gehe ich in den Park oder ich fahre in den Wald, wo keiner ist. Wenn ich dann weiß, heute geht es gar nicht mit mir, dann verzieh ich mich einfach. Wie gesagt, ich versuche es, nicht an anderen Leuten auszulassen. Wo ist die Schmerzgrenze erreicht, wo Sie es von Fans als aufdringlich empfinden? Körperlicher Kontakt! Wenn mich jemand anfasst, dass kann ich überhaupt nicht ab. Das kann ich absolut nicht leiden. Wie erklären Sie Ihren durchschlagenden Erfolg? Ich denke mal, das es damit zusammenhängt, dass mir die Leute gerne zuschauen, wenn ich diese Geschichten erzähle. Offensichtlich glauben mir die Leute, was ich da mache. Die Leute kaufen es mir ab, was ich tue, anders kann ich es mir nicht erklären. Ich versuche auch so geradeaus wie möglich zu spielen und nicht irgendwelche Geheimnisgeschichten da einzupacken. Sind die Rollen, für die Sie die Leute lieben, realitätsnah? Ja! Hat Sie eine Szene schon mal persönlich berührt? Ja natürlich. In der letzten "girlfriends" Staffel, da lag meine Filmmutter, die Dagmar Laurens, mit einem Schlaganfall im Krankenhaus. Zu dem Zeitpunkt hatte ich das ja gerade selber mit meiner Mutter erlebt und die Szene, wo ich am Krankenbett einen Monolog halte, die hat mich schon sehr gebeutelt. Da musste ich mich auch mehrfach beim Team entschuldigen, weil ich auch gar nicht drehen konnte. Mir sind die Tränen in Sturzbächen heruntergelaufen und ich habe vier oder fünf Anläufe gebraucht, bis ich so drehen konnte, dass man das auch aufnehmen kann. Nicht, dass die Mariele da sitzt und heult, sondern die Marie Malek. Das war anstrengend! Anderes Thema: Gönnen Sie sich eigentlich noch Urlaub? Ja, klar. Ich war jetzt am Anfang des Jahres vier Wochen in Australien und könnte sofort wieder da hin. Ich war das erste Mal 1996 da und da habe ich mich gleich in das, was ich da gesehen habe, verliebt. Diesmal waren wir dort in Sydney und haben eine Rundreise gemacht und dieses Land lohnt immer. Ende des Jahres fahre ich denn ein bisschen in die Berge. Aus vertraglichen Gründen darf ich ja leider nicht Skilaufen, deswegen gehe ich da ein bisschen spazieren. Ist Ihnen der Erfolg jemals zu Kopf gestiegen? Das kann ich schlecht beurteilen, da müssen Sie andere fragen. Ich glaube nicht. Der Erfolg ist ja auch relativ spät gekommen, als es mit meiner Fernsehkarriere erst so richtig losging, war ich ja schon 39 Jahre alt. Bis dahin habe ich schon so viele Höhen und Tiefen in meinem Leben durchgemacht. Ich weiß einfach, dass es kein Zweck hat, den Kopf in die Wolken zu stecken und zu denken, man wäre was besonderes. Für mich ist die Schauspielerei ein Handwerk, wie jedes andere auch. Die Müllmänner oder die "Helden des Alltags" leisten sicherlich Respektableres als ich. Hat Sie der Erfolg in irgendeiner Weise verändert? Nein, ich glaube nicht. Das Einzige, was ich nicht mehr so gerne mache, ist in die Massen zu gehen. Ich gehe nicht mehr gerne unter viele Leute. Ich bin relativ schüchtern und fühle mich in Massen nicht wohl. Da ich jetzt erkannt werden kann, fühle ich mich drei Mal nicht mehr wohl, weil mir das dann zuviel wird. Ich bin gerne für mich. Sie sind ja auch bekannt für Ihren einzigartigen Humor. Glauben Sie eigentlich, dass man Ihnen den Humor in die Wiege gelegt hat? Ich denke, dass das mit der Familie was zu tun hat. Wir sind ja nun in der sechsten Generation Schauspieler, da geht es ohne Humor nicht (sie lacht) Andere Frage: Ist Mariele jetzt eigentlich Ihr richtiger Name? Nein, eigentlich heiße ich Marie-Luise. Auf den Geburtsanzeigen stand schon Mariele. Ich habe nie eine Geburtsanzeige oder ein Kärtchen gesehen, wo Marie-Luise drauf stand. Es steht nur in der Geburtsurkunde und das war es auch schon. Alle Anzeigen waren mit Mariele. Sie sind damals aus Köln geflüchtet, weil der Name Millowitsch so stark war. Sie leben heute aber wieder in Köln. Was ist jetzt anders? Da hat sich viel verändert. Mein Vater lebt ja nun auch schon eine ganze Weile nicht mehr und dadurch, dass ich meinen Weg gefunden habe, ist mein Status hier in Köln ein ganz anderer, als er damals vor 10-15 Jahren war. Das ich dann Tiermedizin studiert habe, war dann ein Versuch was eigenes zu machen, was nicht mit Theater, was nicht mit Vater und nicht mit Peter zu tun hatte. Immer auf der Suche nach Möglichkeiten, mich selber zu finden. Das ich das nicht durchgehalten habe, mit der Tiermedizin und zurückgekommen bin, liegt vielleicht daran, dass man in der Schauspielerei so drin steckt und einem das auch Freude macht. Ich hab's nicht ganz geschafft, es zu lassen. Es war sicherlich auch kein Zufall, dass während meines letzten Staatsexamens das Düsseldorfer Kom(m)ödchen sich rührte und mich nach Düsseldorf, ans Theater, holen wollte. Ich weiß nicht, was gewesen wäre, wenn dieser Anruf nicht gekommen wäre, aber er kam ja. Ich hab's dann auch nicht wieder zur Tiermedizin zurückgeschafft, ist auch nicht so schlimm. Nennen Sie uns 5 Gründe, warum man in Köln so gut wohnen kann! Die Kölner Mentalität, der Rhein, der Dom, Kölsch und das Stadtbild. Sie waren ja das Nesthäkchen in Ihrer Familie. Welche Rolle war Ihnen da zugedacht, weil es den jüngsten ja immer leicht gemacht wird? Es hat sich im positiven Sinne keiner wirklich um mich gekümmert. Erziehungsversuche fanden keine mehr statt, das mussten die beiden ältesten durchmachen. Es gab zwar mal einen Anschiss, wenn mal die Schulnoten nicht so gut waren, aber ansonsten war alles in Ordnung. Wie haben Sie sich gegen Ihre Geschwister durchgesetzt? Ich war laut und frech! Sie hatten ja gesagt, dass Sie schon mit neun Jahren auf der Bühne standen. Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Auftritt? Den gibt es ja auch schwarz auf weiß. Ich habe irgendwann mal ein Band zusammengeschnitten und habe diese Szene einfach mal aus Blödsinn da raufgemacht. Ich erinnere mich aber nicht mehr wirklich an den ersten Auftritt, aber an die Bilder, die ich mal gesehen habe. Ich weiß nicht, ob das jetzt meine Erinnerung ist oder die Erinnerung über das Fernsehband. Ich weiß noch, dass es aufregend war, dass ich extra für die Proben aus der Schule abgeholt wurde und damit ganz schön angegeben habe. Gibt es eigentlich noch eine Theater-Traumrolle, die Sie mal spielen wollen? Nein, da gibt es keine. Könnten Sie sich eigentlich noch mal vorstellen, auf die Bühne zurückzukehren? Man soll nie "nie" sagen, aber im Moment steht es nicht zur Debatte. Ich fühle mich mit der Fernseharbeit sehr wohl. Wie weit ist jetzt noch Ihre praktische Erfahrung als Tierärztin? Null! Ich hab 1983 das Examen gemacht und 1991 dann die Promotion. Ich hab alles vergessen. Wie schwer ist es Ihnen eigentlich gefallen, sich einzugestehen, dass Tiermedizin doch nicht das Richtige ist und doch lieber zur Schauspielerei zurückzukehren? Das ergab sich einfach so, das war auch keine Entscheidung. Nach dem Staatsexamen war ich ja beim Kom(m)ödchen und habe dann wieder zu Hause gespielt. Dann habe ich mich zurückgezogen und die Promotion gemacht, dann war ich mir nicht sicher, will ich jetzt Tiermedizin oder Schauspielerei machen. Letztendlich habe ich mich dann für die Schauspielerei entschieden. Kommen wir zur Schauspielerei! Gefällt es Ihnen, von vielen Zuschauern auf den Typ Marie Malek festgelegt werden? Ein bisschen ist es schon so. Wie gesagt, ich bin halt ein Sympathieträger und das find ich jetzt aber auch nicht schlimm. Eine gewisse Erwartungshaltung der Leute besteht da nicht. Ich würde nie die Rolle einer mysteriösen Mörderin bekommen, obwohl mir das Spaß machen würde. Ich denke, dass da auch ein bisschen nach dem Geschmack des Publikums gegangen wird oder nach der Erwartungshaltung. Mariele Millowitsch ist eben die, die realistische Geschichten aus dem Leben erzählen kann. Das ist ja auch in Ordnung. Es ist ja ein hohes Amt, dass ich da bekleide. Deswegen beklage ich mich keine Sekunde. Haben Sie es jemals bereut, dass Ihnen eine Rolle aus Zeitgründen durch die Lappen gegangen ist? Nein! Die Sachen, die mir durch die Lappen gegangen sind, die waren am Ende denn auch so, dass ich gesagt habe, da habe ich nichts verpasst. Ich bin Fatalist. Wenn etwas nicht klappt, dann klappt es nicht. Das hat auch seinen Grund, denn ich bin da sehr fatalistisch. In "girlfriends" geht es vor allem um Freundschaften. Was erwarten Sie von Freundschaften? Na ja, dass jemand da ist für mich, wenn es mal brennt. Loyalität erwarte ich, dass auch Dinge so behandelt werden, wie ich das möchte, nämlich diskret. Das ist eigentlich schon das Wesentlichste. Bei "girlfriends" kam ja auch der große Erfolg. Sie haben 1996 den Goldenen Löwen gewonnen. Welche Bedeutung haben solche Preise für Sie? Das war toll. Als wir "girlfriends" machten, war uns nicht bewusst, dass das wie eine Bombe einschlagen soll. Das war einfach ein Zeichen, dass man mit dem was man macht, nicht falsch liegt. Ist ein Preis eigentlich noch eine Ehrung oder wird das irgendwann zur Routine? Nein, das wird nicht Routine. Ich freue mich wahnsinnig, wenn ich eine Auszeichnung bekomme, wie den Goldenen Löwen. Es ehrt mich sehr, dass die Leute sehen mögen, was ich mache und es wird schon deswegen nicht zur Routine, weil ich immer aufgeregt bin, wenn ich auf die Bühne und mir den Preis abholen muss. Da wird das nicht zur Routine, ich habe jedes Mal leichtes Magensausen. Hat Ihnen eigentlich eine Szene bei "girlfriends" besonders gut gefallen? Nee, das waren so viele. Wir haben sechs Staffeln "girlfriends" gedreht und da fällt mir aktuell keine ein. Das ist eben ein Handwerk, eine alltägliche Arbeit. Natürlich geht mal was schief, man verquatscht sich und es gibt Gelächter, aber nicht so, dass man jetzt irgendeine Szene behält. In der kommenden Staffel hören Sie ja zusammen mit Walter Sittler auf. Gibt es da konkrete Gründe? Nach so viele Staffeln reicht es. Ich denke, was Ronaldo Schäfer und Marie Malek betrifft, ist alles erzählt und dann kann man mal andere Geschichten weitererzählen, nämlich von denen, die neu dazugekommen sind. Was uns betrifft reicht es und es muss was Neues her. Glauben Sie eigentlich, dass "girlfriends" ohne Sie beide weiterhin Erfolg hat? Natürlich! Es sind doch gute neue Leute da, auf jeden Fall. Kommen wir nun zu "Nikola". Beschreiben Sie mal den Charakter der Schwester Nikola! Sie ist eine Powerfrau mit sensiblen Anwandlungen, d.h. dass sie auch mal unsicher ist. Sie sagt, was sie denkt. Ist alleinerziehend. Nikola ist auf jeden Fall ein Menschenfreund. Können Sie eigentlich sagen, was Sie an dem Projekt "Nikola" gereizt hat? Die Bücher! Als ich die Bücher zur Serie in der Hand hatte, bin ich sofort zum Walter Sittler gerannt und habe gesagt, dass er sich das mal ansehen soll, weil wir beiden der Meinung waren, dass eine Sitcom in Deutschland nicht funktioniert. Wir haben nämlich etliche Versuche gesehen, wo die Amerikanischen Sendungen einfach ins Deutsch übersetzt und kopiert wurde. Das ging ja gar nicht, dass war mehr als peinlich. Da habe ich gesagt, die Deutschen sollen es lassen, die können es ja eh nicht. Dann habe ich aber das Buch in der Hand gehabt, bin zum Walter und habe gesagt, dass das ja nicht wahr sein kann. Da stimmten die Dialoge, das stimmte das Timing, die Pointen waren klasse und da habe ich gesagt, dass man das machen kann. Die Bücher kommen aber aus Amerika. Das ist der Umweg, den die über Los Angeles machen, bevor sie hier ankommen. Die geschriebene Urfassung kommt also aus Los Angeles vom amerikanischen Autoren. Das hat da eben eine andere Tradition. Die haben aber ganz tolle Übersetzer und ein super Autorenteam hier, die das denn auf deutsche Verhältnisse umschreiben, auch die Gags umschreiben und das funktioniert. Haben Sie eigentlich mit Nikola irgendwelche Gemeinsamkeiten? Ich bin ähnlich schnell wie sie. Dann können Sie sich also mit der Rolle identifizieren? Ja, natürlich! Die hat auch ein bisschen was mit mir zu tun. Ich bin kein langsamer Mensch, ich habe einen ziemlichen Zahn drauf, auch im alltäglichen Leben. Da kommt mir die Nikola gerade recht. Können Sie auch Einfluss auf das Drehbuch nehmen? Es gibt immer Lesungen und da probieren wir vom Tempo her aus, ob das stimmt und die Texte funktionieren. Da können Walter und ich denn auch mal hingehen und sagen, dass das vom Rhythmus her nicht geht oder das passt nicht zur Figur. Aber im großen und ganzen brauchen wir da nicht groß Einfluss zu nehmen. Gab es eigentlich schon mal ein persönliches Highlight bei den Dreharbeiten? Bei "Nikola" passiert dauernd was, dass ich vor Lachen abbreche. Ich mag gerne alles, was mit Slapstick oder körperlichem Einsatz zu tun hat. Wenn wir z.B. mit dem Fahrstuhl abstürzen oder an der Außenwand vom Krankenhaus stehen, die dann reinkopiert wird, so dass man denken kann, man steht irgendwo im 20. Stock außen. Solche Sachen machen mir Spaß. Eine der interessantesten Fragen ist ja, ob Dr. Schmidt und Nikola jemals zusammenfinden werden? Dann wäre die Serie ja vorbei. Ich denke, wenn die irgendwann einmal aneinander geraten, im positivem Sinne also zusammenfinden, dann würden sie sich so in die Haare kriegen, dass gar nichts mehr geht. Jede Annäherung von Dr. Schmidt und Nikola schlägt ja sofort in Abwehr um. Der anschließende Streit wird umso größer. Vielleicht fangen die ja mal was miteinander an, um danach zu merken, dass geht überhaupt nicht. Haben Sie jemals schon über ein Ende von "Nikola" nachgedacht? Nein! Die nächste Staffel drehen wir noch auf jeden Fall, die danach ist von RTL schon bestellt und irgendwann wird es auch gut sein, aber dann wird man sich dann Gedanken machen. Welche Rolle entspricht Ihnen eigentlich mehr? Die der Schwester Nikola oder die der Marie Malek? Das ist schwer zu sagen. Beide Frauen haben was mit mir zu tun. Nikola mit ihrer Geschwindigkeit und Marie mir ihrer Verletzbarkeit haben beide was mit mir zu tun. So ein vermischtes Ich. Die Arbeit als Nikola macht mir sehr Spaß, weil sie sehr Theater spielen muss. Unser Regisseur lässt auch große Szenen einfach durchdrehen. Wir haben einmal 20 Minuten am Stück gedreht ohne Schnitt. Das macht mir einfach einen Riesen Spaß, dass ist wirklich wie Bühne. Das entspricht meinem inneren Tempo sehr, deswegen macht mir das auch so einen großen Spaß. Ich denke aber, dass ich mit beiden Frauen etwas gemeinsam habe. Walter Sittler ist ja in beiden Serien ihr Partner. Was verbindet Sie beide? Eine Freundschaft. Wir haben dieselbe Einstellung zur Arbeit. Der Walter ist diszipliniert, ein Fairplay Kollege, der genau weiß, dass ein Produkt nicht besser wird, wenn man sich selbst hervorhebt, sondern dass ein Team wichtig ist und man mit Kollegen zusammen arbeiten muss, damit es stimmt. Er würde nie, um einen Gag zu bekommen, unfair spielen. Mit ihm zu arbeiten ist wie Ping Pong spielen. Ich brauche ihn auch nur anzugucken und ich weiß, was mit ihm los ist. Wir sind ein super eingespieltes Team. Sie kennen sich jetzt ja schon sehr lange. Was ärgert Sie denn am anderen? Gar nichts! Das ist ein Phänomen, denn der Walter ist mir noch nie auf die Nerven gegangen. Das ist wirklich erstaunlich, denn andere Leute können das viel schneller. Er hat es noch nie geschafft. Wie oft haben die Zuschauer eigentlich gedacht, dass Sie ein Paar sind? Anfangs ganz oft, dass mussten wir der Presse regelrecht ausreden, da die immer glaubten, die müssen doch was miteinander haben, weil die nicht glauben, dass man auch als Männlein und Weiblein befreundet sein kann. Wie würden Sie Ihre Beziehung zu Walter Sittler bezeichnen? Absolut freundschaftlich! Wir telefonieren privat sehr viel miteinander und gehen auch ab und zu mal miteinander aus. Also zusammen mit unseren Lebensgefährten. War Ihr Partner nie eifersüchtig auf Walter Sittler? Nein. Da gibt es gar keinen Grund zu. Können Sie sich eigentlich vorstellen, ähnlich wie Walter Sittler, auch Filmideen zu entwickeln oder umzusetzen? Wenn mir was Tolles einfallen würde, auf jeden Fall. Man soll nie "nie" sagen, vielleicht habe ich irgendwann mal eine schöne Idee. Ich schreibe zwischendurch immer Alltagssachen auf, die speichere ich denn auf dem Computer ab, aber da ist jetzt noch nichts draus entstanden, wo man sagen kann, dass ist ein Drehbuch wert. Welche Projekte stehen demnächst an? Ein Krimi für RTL, das mache ich jetzt in München. Das ist jetzt das nächste. Dann habe ich noch etwas, worüber ich noch nicht genau sprechen kann. Das ist auch ein 90-Minüter, eine Komödie, die hier in der Umgebung gedreht werden würde. Haben Sie irgendwann mal das Gefühl, dass Sie keine Serien mehr machen wollen, sondern nur noch Filme? Nein! Ich habe keine Berührungsängste zur Serie, wie man gesehen hat und ich mache auch lieber eine gute Serie, als zwei schlechte 90-Minüter.Es ist einfach eine Kraft-Frage. Ich habe jetzt ja die "Nikola" und die bleibt auch noch eine ganze Weile und da würde ich sagen, mache ich jetzt aus Kraft- und aus Zeitgründen, keine zweite daneben, weil das Jahr dann immer gleich weg ist. Da würde ich sagen, dass ich mir die Möglichkeiten für 90-Minüter verbaue, deswegen lasse ich jetzt erst mal die Finger von Serien. Haben sich eigentlich all Ihre Träume schon erfüllt? (Mariele überlegt lange) Ich hatte nie große Träume. Meine ume sind eigentlich immer nur Reisen und viele andere Dinge sehen und dann bin ganz froh, wenn ich so zufrieden bin. Wie weit würden Sie gehen, wenn Sie etwas unbedingt erreichen wollen? Kommt drauf an, was es ist. Das kann ich jetzt nicht so einfach sagen. Karrieremäßig kann man nichts erzwingen, wenn ich irgendwas nicht kriege oder wenn die Leute sagen aus den und den Gründen bekommst du die Rolle nicht, dann habe ich das auch alles so akzeptiert. Das wird schon alles seinen Grund haben. Ich bin ein ziemlicher Fatalist. Was kommt, kommt und was nicht kommt, kommt nicht. Ansonsten bin ich nicht jemand, der sich in etwas verbeißt. Was wollen Sie den "Scholl-Schülern" mit auf den Weg geben? Au weia! Das ist nicht so einfach. (Mariele überlegt lange) Nix ist für ewig. Es gibt keinen Fehler, es gibt nur Erfahrung. Man soll nicht versuchen, sich selber unter einen wahnsinnigen Druck zu versetzen. Flexibel bleiben. Nicht aufgeben, wenn Dinge mal nicht funktionieren, dann hat es wohl seinen Sinn. Vielen Dank für dieses Interview! © 2003 Swoosh!; Marcel Freund |