SWR3 - Wildwux: Telefon-Interview
(SWR3, 13.02.00)
 
In der SWR3 Radioshow "Wildwux" mit der Moderatorin Evi Seibert treten in jeder Stunde zwei Hörer gegeneinander an, die Fragen zu unterschiedlichen Themen beantworten müssen. Es werden immer auch Prominenten per Telefon live zugeschaltet, die recht lange interviewt werden, bevor dann die Kandidaten auch zu den Prominenten eine Frage beantwortet müssen.


Evi Seibert: Diese Woche: Hollywood in Berlin. Die Berlinale beginnt und die Goldene Kamera wird verliehen. Der Preis für die beste Schauspielerin geht an... Mariele Millowitsch. Herzlichen Glückwunsch, Frau Millowitsch.

Mariele: Dankeschön.

Evi Seibert: Inge Meysel hat Ihnen den Preis überreicht, ne?

Mariele: Das stimmt.

Evi Seibert: Was hat sie denn gesagt?

Mariele: Ich muss sagen, man ... ICH bin immer recht nervös vor solchen Veranstaltungen. Also, bevor ich da raus muss. Und habe gar nicht (sie lacht) richtig hingehört, um ehrlich zu sein. Sie hat was gesagt und dann fiel meine Name und dann bin ich rausgegangen. Ich schüttel mir solche Auftritte nicht aus dem Ärmel. Und ich hab dann hinten gestanden und hab mir gesagt "Mariele jetzt fang bloß nicht an zu heulen oder so was!" Ich bin so rührselig.

Evi Seibert: Hat's denn geklappt oder liefen doch die Tränen?

Mariele: Nee, ich hab's geschafft! (und lacht wieder)

Evi Seibert: In Hollywood, wenn die Oscars verliehen werden, da bekommen die Preisträger ja immer Juwelen geliehen und die Designer stehen dann Schlange, damit ihre Outfits an den Stars dann auch im Fernsehen zu sehen sind. Ist das bei uns auch schon so?

Mariele: Ja, es ist an mich herangetragen worden von einer Firma und .... Aber ich bin da nicht so. Ich hab mein eigenes Zeug und mag nicht so gerne Reklame laufen für irgendwas.

Evi Seibert: War's denn schwer sich für ein Kleid zu entscheiden?

Mariele: Jein. Also dieses Kleid hatte ich schon und wusste, dass ich es anziehen würde. Das ist mir irgendwann mal über'n Weg gelaufen, vorher schon. Und dann haben wir's ein bisschen aufgepeppt und dann war das eigentlich ein Wohlfühl-Kleid. Das ist für mich auch sehr wichtig, dass ich weiß, dass ich da was anhab, in dem ich mich wohlfühle und mit dem ich auch zurechtkomme und das anständig aussieht.

Evi Seibert: Wir sind ja Radio. Wie sieht's denn aus?

Mariele: Es war schwarz und war schulterfrei, eigentlich. Und sehr eng und unten ging's so auseinander wie so ein Ballon so ein bisschen. Und da oben drauf, da habe ich jetzt auch was dazu gelernt. Diese Dinger heißen "Shrugs" Das sind diese...

Evi Seibert: Bitte?

Mariele: "Shrug". Wie immer man sie schreibt, ich glaube s-h-r-u-k oder g (Anm.d.W. ich glaube es heißt "shrug") ... ich weiß es jetzt nicht, da müssen die Hörer ins Lexikon gucken. Das sind diese Mikroben-Boleros. Das sind eigentlich nur so Ärmel, die hinten verbunden sind. Sie wissen was ich meine? Die waren ja 'ne Zeit lang mal in.

Evi Seibert: Ja.

Mariele: Aus Wolle und so Zeug. Gab's die aus allem möglichen. Und so ein "shrug" habe ich genäht bekommen oben drüber und das sah sehr schön aus.

Evi Seibert: Nach der Preisverleihung gab's dann das Abenteuer "Berlin bei Nacht". Kann man da gut feiern?

Mariele: Ja, wir hatten da noch Feier im Schauspielhaus. Das war wie immer sehr, sehr voll und sehr viele Menschen und sehr warm. Ich hab dann noch ein bisschen was gegessen, mit Menschen geredet und bin dann so gegen 12, glaube ich, geflüchtet und landete in den Armen von 'ner alten Freundin und wir sind dann in eine Kneipe gezogen ... ich sag jetzt einfach mal, welche es war, ist ja egal, in's "Borchard"...

Evi Seibert: Das haben wir schon gehört. Da wurden Sie gesichtet.

Mariele: Wurde ich da gesichtet?

Evi Seibert: Ja.

Mariele: Sieh mal an. Auf jeden Fall war da ... diese ganze Wim Wenders Clique war da und auch Herr Clooney lief da rum.

Evi Seibert: Genau, das habe ich nämlich auch gehört. Und George Clooney ... ich weiß ja nicht, ich bin ja nicht ganz normal, aber ich finde der hat ungefähr so viel Sexappeal wie Ken, der Plastikfreund von Barbie. Ist der in echt knackiger?

Mariele: Ja. Also ich stand neben ihm auf der Bühne. Und - zack - stand er vor mir und sagte "How are you doing?" Und hab dann ein paar Sätze mit ihm gewechselt und dieser Mann hat wirklich eine sehr erotische Ausstrahlung. Das muss man ihm einfach lassen, die hat er! Es liegt an den Augen, also die Augen sind fantastisch. Aber auf der anderen Seite: er weiß es... (sie lacht) Er ist da jetzt nicht unschuldig mit dem Umgang, mit diesen Möglichkeiten. Er weiß es genau.

Evi Seibert: Kann man den mit dem auch feiern oder ist er nur schön?

Mariele: Der war eigentlich ganz freundlich und unprätentiös, muss ich sagen. Der sprach da ein paar Sätze, mischte sich unters Volk, auch in dem "Borchard" sass er da bei Leuten und erzählte irgendwas. Der wirkte auf mich sehr normal. Also, der machte keinen Starrummel um sich. Den fand ich eigentlich ganz ok soweit.

Evi Seibert: Wo steht sie denn jetzt, die Goldene Kamera? Zu Hause auf dem Kamin?

Mariele: Nee, ich hab ein Regal und da steht sie oben drauf.

Evi Seibert: Ein Regal?

Mariele: (lacht) Sie steht irgendwo in einem Zimmer oben. Ich mag sie nicht so prominent irgendwo hinstellen.

Evi Seibert: Vielleicht gibt's ja irgendwann noch was für's Regal.

Und dann gab's die Frage an die Kandidaten: wenn Mariele Millowitsch mal genauso alt ist wie Jeanne Moureau und der "Goldene Löwe" auch an sie verliehen werden würde: Welches Remake eines Filmklassikers sollte man in der Laudatio erwähnen, in dem Mariele Millowitsch besonders gut gespielt hat. In einem Remake von "Schweigen der Lämmer", von "Misery" oder "Sissi - Leidensjahre einer Kaiserin"? Eine der zwei Kandidaten hat dann sogar richtig geraten (wir hätten's auch alle gewusst, oder *g*?)

Evi Seibert: Mariele Millowitsch: Welcher Film wäre es denn?

Mariele: Der Mittel-Titel ist natürlich toll, weil das ist mein Lieblingsfilm. "Misery" natürlich. Ich würde versuchen, immer alles das zu spielen, was Kathy Bates spielt.

Evi Seibert: Das ist diese Hausfrau, die dem Schriftsteller auf die Pelle rückt, diese Stephen King - Geschichte...

Mariele: Das ist wundervoll. Toll! Ja, und ich finde eben diese Schauspielerin auch so "granatengut". Und wenn ich was spielen dürfte von diesen drei Dingen, würde ich mir natürlich selbstverständlich den aussuchen.

Evi Seibert: Nur würden Sie wahrscheinlich so nicht besetzt werden wieder. Dann sind Sie ja so unfreundlich und das nimmt man ja nicht für Mariele, oder?

Mariele: Naja, aber das Schöne an der Figur war ja nun ... am Anfang hatte man immer gedacht "Was ist das für eine liebe, nette, dickliche Frau" und dann wurde die ja ... so peu á peu kam ja raus, was das für eine Monster war. Und deswegen finde ich, kann man durchaus auch eine Mariele Millowitsch damit besetzen, die erstmal nur Symphatieträger ist. Und wenn die dann so ganz langsam durchknallt, das fände ich schon, also ich fänd das schon ok. (sie lacht)

Evi Seibert: Ok, dann bedanke ich mich ganz herzlich und wir gucken heute abend natürlich zu. Zum Kleid und zu all den andern Stars, die wir dann sehen.

Mariele: Ja, lohnt sich bestimmt.

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