| "Gelassenheit macht frei" (Teleschau, 08.09.02) |
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| Wenn man Mariele Millowitsch gegenüber sitzt und sie bei
den Dreharbeiten zum RTL-Film "Die Stimmen" (Regie: Rainer Matsutani) beobachtet,
dann füllt die Schauspielerin vor allem ein Wort mit Leben: Gelassenheit.
Während um sie herum Aufnahmeleiter, Darsteller, Maskenbildnerinnen und
Komparsen aufgeregt umherlaufen, bleibt sie cool, kümmert sich nebenbei
sowohl um ihren kleinen Hund (Hans-Günther!) als auch um die richtigen Schuhe
für die nächste Szene und hat außerdem für jeden noch ein Lächeln und ein
freundliches Wort parat. Man bekommt aber auch den Eindruck, dass ihr diese
Gelassenheit nicht in die Wiege gelegt wurde, sondern vielmehr das Ergebnis
eines nicht immer leichten Weges ist. Alles fing damit an, dass Mariele Millowitsch als Tochter einer der bekanntesten deutschen Schauspielerfamilien geboren wurde. Ihr Vater Willy, von dem sie mit einem Glänzen in den Augen erzählt, ist das Kölner Urgestein schlechthin und bekam schon vor seinem Tod vor drei Jahren ein Denkmal in seiner Heimatstadt gesetzt. Bei aller Liebe zu ihren Eltern und den drei Geschwistern bedeutete die Situation für sie auch ein Stück Unfreiheit. "Ich dachte immer, ich habe nichts Eigenes. Ich fühlte mich in diesem Familienbetrieb wie ein Inventar, wie ein Möbelstück." Als sie sich bewusst wurde, dass sie als Schauspielerin in diesem Sinne immer abhängig sein würde und erst unter ihrem Vater und später unter ihrem Bruder hätte arbeiten müssen, da dachte sie: "Das kann es nicht sein." Mariele Millowitsch entschied sich, Tiermedizin zu studieren. "Ich wollte mir etwas bauen, in das mir keiner ´reinreden kann." Die Zeit an der Uni habe ihr dann die Bodenständigkeit gebracht, die sie so gerne haben wollte. "Es war auf einmal egal, ob man Millowitsch, Meyer oder Müller heißt. Wenn man die Sachen nicht konnte, dann ist man eben durchgefallen." Die sympathische Blondine konnte ihre Sachen aber und schloss das Studium in München erfolgreich ab. "Als ich den Doktortitel in der Tasche hatte und wusste, dass ich damit niemals in der Gosse landen würde, da habe ich auf einmal gemerkt, dass ich doch wieder spielen möchte. Das war ein gutes Gefühl, denn ich war unabhängig." Gelassenheit macht frei. Mittlerweile kann die Kölnerin, die mit ihrem Lebensgefährten in zwei getrennten Wohnungen lebt und mit einem ehrlichen Lächeln sagt, dass sie das Thema Kinder und Familie "verpennt" habe, auf eine Reihe erfolgreicher TV-Produktionen zurückblicken. Den Durchbruch schaffte sie an der Seite von Walter Sittler in der ZDF-Serie "Girlfriends", in der sie von 1996 bis 2001 die Hauptrolle spielte. Für die RTL-Comedy "Nikola" wurde Mariele Millowitsch 1998 mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet. Ein seltenes Beispiel dafür, dass "man Anspruch mit Unterhaltung kombinieren kann". Daneben spielte sie immer wieder Rollen, in denen sie ihre Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellte ("Ich kauf´ mir einen Mann", "Liebe auf den ersten Blitz", beide 2000). Oft verkörperte sie aber auch die Nette von nebenan. "Ich bin auf Sympathieträger festgelegt. Aber ich habe überhaupt keinen Grund, mich darüber zu beschweren. Wenn die Leute sagen, wir sehen uns gerne Frau Millowitsch an, dann ist das toll. Ich wär´ schön blöd, wenn ich mich darüber beklagen würde." Nun reiht sie sich neben Iris Berben, Hannelore Hoger, Maria Furtwängler und Co. in die Riege der Fernseh-Kommissarinnen ein und klärt in "Die Stimmen" (Sendetermin 2003) gemeinsam mit ihrem Kollegen (Max von Thun) mysteriöse Todesfälle auf. "Am Anfang musste ich schon ein bisschen schmunzeln und dachte: Jetzt gibt es noch eine. Viele Kolleginnen sind ja schon in Sachen Mord unterwegs. Mich interessiert aber sowieso mehr die Figur an sich. Ob sie nun in einem Kiosk steht oder Kommissarin ist, das ist mir am Ende des Tages dann egal, wenn die Geschichte gut ist." Ganz gelassen eben. © 2002 Teleschau, Stefanie Thyssen |