"Frau Doktor will mal ausrasten"
(TV neu, 01.10.97)
 
Kann ein Star wirklich so normal sein? Wer Mariele Millowitsch (41) begegnet, hat sofort das Gefühl, als ob er eine alte Freundin begrüßt. Ein fester Händedruck, ein verschmitzes lächeln aus ihren grün-braunen Augen. Das Outfit denkbar unauffällig: weite helle Bluse, Jeans, blonde Kurzhaarfrisur. Schon mit ihren ersten Worten schafft die jüngste Tochter der Kölner Theaterlegende Willy Millowitsch (88) eine seltsame Vertrautheit. Dabei hätt die Wahl-Hamburgerin allen Anlaß, sich als etwas Besonderes zu fühlen:Mit sieben stand sie bereits auf Papas Bühne, mit 35 promovierte sie in Tiermedizin, seit zwei Jahren ist sie die weibliche Kultfigur von Millionen TV-Zuschauern in der ZDF-Serie "girl friends" und seit September auch noch als RTL-Krankenschwester "Nikola". Zusammen mit Yorkshire-Dackel-Mischling Hans-Günther lebt der überzeugte Single ("Ich brauche abends meine Ruhe") in einer 3-Zimmer-Altbauwohnung in Hamburgs City.

Frau Millowitsch, wie erklären Sie sich den Erfolg von "girl friends"?
Besonders Frauen lieben die Marie Malek, weil sie im Grunde völlig normal ist - aber auch mal unbescheiden und sich nicht nur anpaßt. Die Zuschauer identifizieren sich mit einer Frau, die vom Land kommt, mit Charme und Frechheit die Großstadtprobleme meistert.

Sprechen Ihre Fans Sie auf der Straße an?
(Sie lacht.) Ja, und das schöne ist: fast immer begeistert. Neulich war ich in einer Eisdiele, da sagte die Verkäuferin: 'Sie brauchen nicht zu bezahlen. Ich mache zur Zeit genau das gleiche durch wie die Malek.' Da habe ich mich dann für das Eis bedankt.

Ist der berühmte Name eine Belastung?
Nein, ich hatte beschlossen, dem Namen einen anderen Anstrich zu geben. Ich will die Mariele sein, nicht nur die Tochter von Willy - und das ist mir gelungen.

Ist Ihr Vater stolz auf seine Tochter?
Ja, nachdem er die Kröte geschluckt hatte, dass ich vom Theater weg bin. Das paßte ihm nicht.

Stört es Sie, dass Sie nicht den Sexappeal von Iris Berben und die Kurven von Veronica Ferres haben?

Nein. Ich denke, es ist eher belastend, einem bestimmten Schönheitsideal entsprechen zu müssen. Ich danke dem Herrgott, dass ich ganz durchschnittlich aussehe. Das Älterwerden ist so viel einfacher, weil ich mich nicht über Krähenfüßchen aufregen muss.

Hat die immer fröhlich wirkende Mariele Millowitsch eine andere Seite?

Natürlich, aber ich lasse meine Launen nicht an Mitmenschen aus. Ich würde denen damit den Tag versauen - und mir auch.

Was tun Sie gegen schlechte Laune?
Ich schau' in den Spiegel und sage mir: Zieh die Mundwinkel wieder hoch - so siehst du einfach besser aus.

Was sind ihre nächsten Pläne?
Auf keinen Fall drehe ich eine dritte Serie! Am liebsten würde ich mal eine Frau mit langem Rock und Birkenstockschuhen spielen, die mitten im Alltag aus nichtigem Anlaß plötzlich ausrastet.

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