"Erfolg auf Umwegen"
(TV Spielfilm, 1997)
 
Erst mit 40 wurde Girlfriend“ Mariele Millowitsch ein Star. Nikola“ könnte ihr nächster Hit werden Als sie das erste Buch las, hat sie gesagt: "Es geht! Es geht doch! Die deutsche Komödie kann Tempo haben, kann Pointe haben, kann witzig sein." Dann ist sie "zum Walter gesaust", zu Walter Sittler, mit dem sie auch in "girl friends" zusammenspielt und hat ihm das Buch gezeigt. Und deshalb ist Sittler jetzt Chefarzt, ein Halb- , oder eher Dreiviertelgott in Weiß, der nur von einem Menschen in die Schranken gewiesen wird: von seiner Stationsschwester "Nikola". Mariele Millowitsch.

Sonst beschreibt sie sich gern als "Spätzünder". Nicht in diesem Fall. Das Potential der Krankenhaus- Comedy, die jetzt bei RTL startet, hat sie gleich erkannt. "Ich weiß, wovon ich rede, wenn ich von Komödie, von Timing und Tempo spreche." Wenn die Serie hält, was der Pilotfilm verspricht, kann ihr niemand widersprechen. Sind wohl die Millowitsch- Gene. Irgendwann wollte sie die mal hinter sich lassen. Den Namen am liebsten auch, der vom Bekanntheitsgrad gleich nach "Kölnisch Wasser" kommt. Mit neun Jahren stand die jüngste Tochter der kölschen Theaterlegende zum ersten Mal auf der Bühne. Sechste Generation einer Schauspielerfamilie.

"Das war eine klare Sache für meinen Vater: Alles, was Millowitsch heißt und spielen kann - auf die Bühne. Und in jedem Stück mitverplant." Ebenso klar war die Thronfolge: Ihr Bruder Peter sollte einmal das Theater vom Vater übernehmen. Was für Mariele Millowitsch bedeutete, dass ihre Zukunft woanders liegen musste. "Ich wollte mir nicht mehr sagen lassen, wo es langgeht. Weder von meinem Vater noch von meinem Bruder. Ich kann mich nicht besonders gut unterordnen, ich treffe selbst Entscheidungen und übernehme auch gern die Verantwortung dafür."
Erste Entscheidung: Nach dem Abi studierte sie Tiermedizin. Zweite Entscheidung: Anfang der 80er Jahre stieg sie aus dem Familientheater aus. "Da gab’s Ärger. Mein Vater hat mir nie Steine in den Weg gelegt, aber da war er schon getroffen." "Ein paar Jährchen" hat es gedauert, bis sich das Verhältnis zwischen Vater und Tochter normalisierte. Heute ist es wieder gut. Für Mariele Millowitsch nach wie vor eine der wichtigsten Entscheidungen ihres Lebens. "Es wäre unter Umständen zu dem Punkt gekommen: Ich kann euch alle nicht mehr sehen. Das wäre furchtbar."

So fand sie ihren eigenen Weg, spielte am Düsseldorfer "Kom(m)ödchen", moderierte Radio- und Fernsehsendungen ("Techtelmechtel"), stand für viele kleine Fernsehrollen vor der Kamera ("Es ist nur nie groß aufgefallen.") und wurde mit vierzig zum Serienstar. In "girl friends". Bis zu fünf Millionen Menschen sehen sie als Marie Malek in der Vorabendserie. Warum? "Vielleicht, weil alle Figuren in der Serie so normal sind. Die Marie ist nichts Besonderes, nicht prätentiös, nicht besonders schön oder toll, sie hat Fehler, Haken und Ösen.

Die Möglichkeit, sich mit ihr zu identifizieren, ist einfach ziemlich hoch." Der "girl friends"-Erfolg hat Mariele Millowitsch von Köln nach Hamburg gebracht. 120 Quadratmeter Altbau - und irgendwie auch ein Neuanfang. Von ihrem langjährigen Lebensgefährten hat sie sich ziemlich zeitgleich getrennt. Seitdem seien sie und er richtig gute Freunde, sagt sie. Es gibt Menschen, die gehen ein paar Umwege mehr, um an ein Ziel zu kommen. Mariele Millowitsch, so scheint’s, gehört zu ihnen. Sie sagt, sie habe Zeit gebraucht. Aber es klingt so, als sei dies keine vertane Zeit gewesen. "Ich glaube, ich habe jetzt, was ich will. Mir geht es richtig supergut. Aber es hat halt gedauert, vierzig Jahre."

© 1997 TV Spielfilm