"Ich plane ungern"
(TV Täglich, März 2006)
 
Über Beschäftigungsmangel kann sich Mariele Millowitsch nicht beklagen. Die studierte Tierärztin startet nun mit einer Reihe als Familienanwältin.

Eigentlich heißt sie Marie-Luise, aber jeder kennt und liebt die quirlige Tochter des Kölner Schauspiel-Urgesteins Willy Millowitsch (gestorben 1999) nur als Mariele. Als Hauptdarstellerin der ZDF-Serie "girl friends" hat sie ihr Publikum erobert und auch in der Comedyreihe "Nikola" begeistert, für die sie unter anderem die Goldene Rose von Montreux erhielt. In den acht Folgen der neuen Reihe spielt sie nun Hanna Lorenz, die für ihre Klienten und gegen die eigene Krise kämpft. Marieles Privatleben reduziert sich wegen der vielen Arbeit auf ein paar Tage oder auch nur wenige Stunden, die sie mit ihrem Lebensgefährten Alexander Isadi (50) [sic!] und ihren beiden Hunden verbringt. "Nach "Nikola" kommen Sie nun als Familienanwältin ins RTL-Programm.

Mögen Sie die Vielfalt?

"Die Familienanwältin" hat nun gar nichts mehr mit Comedy zu tun. Es werden sehr emotionale, berührende Geschichten erzählt, die zum Teil auf wahren Fällen beruhen. Da sieht man wie Menschen ihren täglichen Kampf ums Leben, um ihre Gefühle, um ihre Identität durchfechten müssen.

Was tun Sie für Körper, Geist und Seele – beruflich und privat?

Nach einem Drehtag wenig. Kein Radio, wenig Fernsehen. Ich komme nach Hause oder ins Hotel, oft esse ich noch eine Kleinigkeit und lese meinen Text für den nächsten Tag. Dann gehe ich mit den Hunden raus und verschwinde meist recht flott im Bett – mit einem Buch. Privat bin ich mit den Hunden selbstverständlich viel draußen unterwegs. Und dann kann ich es schon mal ganz schön finden abends vor dem Fernseher zu liegen. Ich suche mir gezielt Filme aus oder schaue mir eine schöne DVD an.

Hatten Sie nicht nach "girl friends" und "Nikola" gehofft, dass es ruhiger wird oder ist dieses Pensum für Sie so in Ordnung?

Ich finde es toll, dass es im Moment so ist. Man wird sehen, wie das nächste Jahr wird. Da bleibe ich auch bei meiner Einstellung, dass ich nicht so gerne plane.

Hängt es mit Ihrem verplanten Beruf zusammen, dass Sie als Privatperson ungern Pläne machen?

Nein, aber es ist bei meinem Beruf eben so, dass man sich einfach die freien Tage herrauspicken und planen muss. Wenn ich auf eine Geburtstagsparty gehen will oder mit einer Freundin zum Essen, dann steht der Termin in meinem Kalender und dann ändere ich ihn auch nicht – anders geht es einfach nicht. Das macht aber nix.

Sender und Produzenten ist die Quote immer wichtig, Schauspielern weniger. Aber wie wichtig ist es Ihnen, auf der Straße auf Ihre Arbeit angesprochen zu werden?

Das ist für mich das größte Kompliment und ganz wichtig. Da ich viel für die kommerziellen Sender arbeite, wird nach der Quote mein Marktwert eingeschätzt. Das ist so! Wenn mir die Leute auf der Straße etwas Nettes sagen, das hat eine ganz andere Bedeutung. Das steckt Wärme drin. Es ist praktisch wie ein direkter Kontakt zum Theaterpublikum , wenn mir am nächsten Morgen jemand sagt: Klasse, Frau Millowitsch, hat mir gefallen! Darüber freue ich mich rasend. Absolut.

Sie stammen aus einer Schauspielerfamilie, sind aber auf indirektem Wege in diesen Beruf gekommen. Warum?

Ich wollte nicht unbedingt gleich in das Familen-Theater hinein. Ich hätte auf dem "Mozarteum" in Salzburg die Schauspielschule absolvieren sollen. Aber mir war klar, dass ich aus diesem Trott nie wieder herauskommen würde. Das ist Theater und ich bin Inventar.

© 2006 TV täglich; Wolfgang Wittenburg