"Ich hasse Abhängigkeit"
(Woche der Frau, 29.01.00)
 
Spätestens seit sie mit den Serien "girl friends" und "Nikola" von sich Reden machte, ist sie vom Bildschirm nicht mehr wegzudenken. Mariele Millowitsch (44) - in ihren Rollen stets patent und selbstbewusst - ist Vorbild für viele Frauen. Im Interview mit WOCHE DER FRAU verriet die beliebte Schauspielerin, ob sie auch privat ihren Mann steht.

Sie drehen gerade für SAT.1 einen neuen Film. Um was geht's? (Anm.d.W. gedreht wurde Nov./Dez. 1999)
Der Film heißt "Ich kauf mir einen Mann". Es geht um eine Ehefrau, deren Welt zusammenbricht, als der Ehemann sie verläßt. Ein Koffer mit viel Geld, eine Rivalin und ein Mann, den sie gerne kaufen möchte, spielen auch eine Rolle. Es dreht sich darum, dass man zu sich selbst stehen sollte und auch mit Geld nicht alles kaufen kann.
   
Fällt es Ihnen schwer, sich in eine solche Rolle zu versetzen?
Nö, man bringt sehr viel von sich selbst in Rollen ein. Ich halte es auch für glaubwürdiger, wenn der Zuschauer etwas von Mariele entdecken kann.

Ist diese Ehrlichkeit ein Erbe von Ihrem Vater Willy Millowitsch?
Was ich von meinem Vater gelernt habe ist Timing und Disziplin. Jede Vorstellung, bei der er auf der Bühne gestanden hat, war immer ein bisschen anders. Er hat seine Rollen leicht variiert. Das Schwere ist klar zu bleiben, bei sich selber zu bleiben.

Ist Disziplin etwas, was Sie durchs Leben treibt?
Bei der Arbeit, ja. Beim Essen zum Beispiel nicht. Wenn ich sage, heute abend esse ich nichts, kann man sich drauf verlassen, dass ich doch schwach werde und esse.
Mariele Millowitsch
 
Planen Sie Ihr Leben sehr?
Nein, nicht wirklich. Ich weiß, was ich nicht will und schließe bestimmte Sachen aus meinem Leben aus. Ich möchte meine Freiheit behalten und mich finanziell nicht zu abhängig von einer Rolle machen. Ich will nicht alles spielen müssen, um Geld zu verdienen. Also halte ich auch meinen Lebensstandard in Grenzen. Ich kümmere mich um meine Altersversorgung, weil ich nicht mit 90 Kaffeefahrten moderieren will.

Sie mögen keine Abhängigkeiten?
Nein, die hasse ich. Sowohl von Menschen als auch von Sachen wie Alkohol oder tabletten. Natürlich habe ich Menschen um mich herum, die ich brauche. Ich bin da nicht anders als andere Menschen auch. Aber ich nehme mir ab und zu meinen Freiraum. Deshalb bin ich auch gelernte Tierärztin - mit Doktortitel und allem was dazugehört. Das war ein Fluchtversuch aus dem Theater meines Vaters, weil ich einmal etwas anderes machen wollte.

Willy und Mariele Waren Sie von der Anteilnahme der Menschen nach dem Tod Ihres Vaters überrascht?
Ja, es war unglaublich. Wir hatten überhaupt keine Ahnung, was da auf uns zukommt. Aber als wir die ganzen Menschen gesehen haben, die an der Strasse standen und Beifall klatschen, als der Sarg an ihnen vorbeizog, da lief es uns allen kalt den Rücken runter. Wir waren alle zutiefst bewegt.

Ist seit dem Tod Ihres Vaters die Belastung durch den Namen größer geworden?
Nein, das betrifft mehr meinen Bruder Peter, der das Theater in Köln leitet. Ich hatte schon seit Jahren darauf geachtet, dass ich ein bisschen mehr Abstand zur Familie habe.
 
Sie haben eine Lebensgemeinschaft mit dem RTL-Mann Alexander Isadi. Wie ist es mit Heiraten und Kindern?
Steht nicht zur Debatte und wird nicht passieren. Da wären wir wieder beim Thema Abhängigkeit.

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