"Ein roter Teppich für... die Millowitschs"
(WDR, 26.07.03)

[....]

Bärbel Schäfer:
Und es ist ganz klar, die Millowitschs haben sich in unterschiedlichen Generationen in unsere Herzen gespielt sowohl auf den Theaterbühnen als jetzt auch mittlerweile via Fernsehen. Und ich freue mich auf meinen ersten Gast: Herzlich Willkommen, Peter Millowitsch. (P. Millowitsch kommt herein und wird von B. Schäfer begrüßt). Wir rollen heute einen roten Teppich aus für die Familie Millowitsch. Sind Sie denn bereit für alle möglichen Überraschungen?

P. Millowitsch:
Ich bin auf alles gefasst.

B. Schäfer: Wirklich auf alles?
Peter Millowitsch
   
P. Millowitsch: Auf alles!

B. Schäfer:
Glauben Sie, Sie wissen alles über die Familie?

P. Millowitsch:
Ich denke schon, ja.

B. Schäfer: Na, mal sehen, ob wir Ihnen im Laufe der Sendung noch mal was präsentieren können, was Sie auch noch nicht ahnen. Und Sie werden uns natürlich auch ein bisschen was erzählen, wie sich das Theater weiter entwickelt, denn Peter Millowitsch leitet das Theater mittlerweile jetzt in der sechsten Generation. Und weil wir gerade von Familie sprechen, sollen wir sie holen?

P. Millowitsch: Ja klar.

B. Schäfer: Die Frau, die natürlich Millionen Zuschauer lieben, aber Sie [P. Millowitsch] kennen sie als Familienmitglied. Sie ist die jüngste Schwester und ich freue mich ganz besonders, dass sie heute hier ist. Herzlich Willkommen, Mariele Millowitsch! (Mariele kommt herein, wird von B. Schäfer begrüßt) Das rote Sofa steht bereit, der rote Teppich ist ausgerollt für 90 Minuten Millowitsch und ganz unterschiedliche Generationen. Schön, dass Sie da sind und dass Sie Zeit haben heute abend. (Die dreien wechseln auf's rote Sofa.) Ja, der Sommer ist da, was macht denn das Theater eigentlich heute abend, während wir hier so gemütlich sitzen?

B. Schäfer, Peter und Mariele P. Millowitsch: Wir spielen unser Lieblingsstück "Sommerpause".

B. Schäfer: Ach so. Wie lange läuft das Stück denn?

P. Millowitsch: Das läuft noch bis zum 18. September.

B. Schäfer: Also, jedes Jahr gibt's eine Sommerpause, muss auch sein...

P. Millowitsch: Ja klar, im Sommer müsste man das Abendmahl in Originalbesetzung spielen, um da die Bude voll zu kriegen.
 
Mariele: Ja, das ist einfach so.

P. Millowitsch: Es ist sehr schwer.

B. Schäfer: Merken Sie dann auch, das Team ist dann wirklich reif für die Sommerpause? Muss man ein bisschen Abstand haben, Sie selbst auch?

P. Millowitsch: Ja, wenn man 140-150 Vorstellungen am Stück gespielt hat, dann ist es auch genug.

B. Schäfer: Liebe Mariele Millowitsch, was haben Sie bis jetzt gemacht? Der Sommer ist da... wir sind ja froh, dass Sie Zeit hatten zu kommen!

Mariele: Es ist im Moment ein bisschen dumm, weil ich zwei "Baustellen" habe, also zwei Projekte an denen ich arbeite. Wir haben erst "Nikola" fertig gemacht von Januar bis Mai und jetzt mache ich in Hamburg die "girl friends" zu Ende, weil wir ja aussteigen, der Walter Sittler und ich. Aber wir sind natürlich in der Staffel noch ein bisschen dabei...

B. Schäfer: Oh, das können Sie doch jetzt nicht so am Anfang der Sendung sagen! (Mariele lacht) Wir fangen doch alle an zu weinen!

Mariele: Doch! Wir haben tolle "Ersatzspieler", also ganz klasse Ensemble.
Mariele
 
B. Schäfer: Nein, es gibt keinen Ersatz, oder?

Mariele: Doch, ganz sicher.

B. Schäfer: Wird Peter Millowitsch der neue Chefarzt? (P. Millowitsch lacht)

Mariele: Nee, "Nikola" nicht, das geht nicht. Aber das wäre überhaupt eine Idee für die "girl friends". Neuer Hotel-Direktor. (zu ihm) So wie du jetzt aussiehst, könntest du locker da hin gehen.

P. Millowitsch: Heute könnte ich durchgehen, das ist richtig.

B. Schäfer: Wie oft sehen Sie beide sich denn eigentlich? Man denkt ja immer bei so einem Familien-Clan, dass die Familie auch viel Zeit miteinander verbringt...

Mariele: (lacht) Zu Familienfesten...

P. Millowitsch: Weihnachten...

Mariele: (grinst) ...Ostern...

P. Millowitsch: Nein, das ist nicht wahr, vor drei Wochen haben wir alle zusammen zu Abend gegessen.

Mariele: Ja stimmt. Unsere Schwester Susanne treibt das immer ein bisschen an...

P. Millowitsch: Ja, das ist sehr schön.

Mariele: ...also dass sie uns dann festnagelt und sagt: "An dem Tag habt ihr gefälligst alle da zu sein!" Und dann machen wir das auch.

B. Schäfer: Aber wahrscheinlich braucht man auch so jemanden, denn wenn beide beruflich so eingespannt sind, wie das bei Ihnen der Fall ist, dann ist es natürlich auch schwer, wenn das nicht von außen...

Mariele: Ja, da muss einer Befehlsgeber da sein, so dass wir uns dann einfinden. Sonst wird das nix bei uns.

[....]

Mariele B. Schäfer: Also einige Ausschnitte [aus Mariele und Peters Karriere] haben wir jetzt gesehen. [....] Mariele liebt Kuss-Szenen, das ist uns allen aufgefallen.

Mariele: (grinst) Ja, mit dem Mann [Walter] wäre ich blöd, wenn ich's nicht mache! Mein Lieblings-Kuss-Partner muss ich sagen.

B. Schäfer:
Können Sie sich noch an Ihren ersten beruflichen Kuß erinnern? Auf einer Bühne?

Mariele: (zu P. Millowitsch) Ich glaube, das war's du auch.
 
P. Millowitsch: Vermutlich.

Mariele: Es ist in der Familie geblieben. Mit Walter Sittler bin ich mal fremd gegangen, aber meine Anfänge waren kuss-mäßig bei meinem Bruder.

P. Millowitsch:
Dieses Bäcker-Stück.

Mariele: "Nachtjackenviertel", genau.

B. Schäfer: Aber es hat ja sowieso immer alles angefangen innerhalb des Hauses, die ganzen ersten Schritte. Mittlerweile gibt es so viele Casting-Shows, also Jugendliche und Kinder können sich zur Zeit im aktuellen Fernsehprogramm überall direkt vor einer Kamera erproben. Aber Sie hatten die Bühne im Grunde durch den Vater und das Elternhaus zu Hause.

Mariele: Was sicher ein guter Start ist. Also bei uns war es "learning by doing", bei mir auf jeden Fall, weil ich mit sechs Jahren zum ersten Mal auf der Bühne stand. Und ich finde, wenn man die Schauspielerei ernst nimmt, sollte man Theater spielen. Weil es einfach ein ganz wichtige und gute Schule ist. Mir tun die jungen Kollegen leid, die von Null auf Gleich vor die Kamera gestellt werden und gar keine Zeit haben, sich richtig einzuarbeiten.

B. Schäfer: Aber welche Erfahrung haben Sie denn gemacht, die für Ihre spätere Arbeit ganz wichtig waren? Gerade wenn Sie sagen, Sie haben schon mit sechs Jahren angefangen, das ist ja unglaublich früh.
Mariele
 
Mariele: Ich hab in erster Linie meinem Vater auf die Finger geguckt, muss ich sagen. Was Timing und Rhythmus betrifft, war es einfach brilliant, was Vater gemacht hat. Und ich hab auch ganz oft abends hinterm Vorhang - in der sogenannten Null-Gasse - gestanden und geguckt, was macht er heute wieder. Es war keine Szene jedes Mal gleich. Er hat immer irgendwas improvisiert oder irgendwas eingebaut.

B. Schäfer: Selbst wenn das Stück über Wochen lief, konnte man sagen: Jeden Abend ist irgendetwas anderes passiert, war irgendwas Überraschendes. Ihr [Mariele] erster Auftritt war in dem Stück "Drei kölsche Junge" und bei Ihnen, Herr Millowitsch war es...

P. Millowitsch: "Das Ekel".

B. Schäfer: "Das Ekel", genau. Ich hab hier ein altes Textbuch, schauen Sie sich das doch noch mal an. Wann war denn das?

P. Millowitsch: 1958 oder 59.

[...]

B. Schäfer: Wie haben Sie denn Text gelernt? Wie alt waren Sie?

P. Millowitsch: Etwa so alt wie Mariele.

B. Schäfer: Haben Sie sich richtig gegenseitig abends abgefragt, oder...?

Mariele: Nein.

P. Millowitsch: Ich kann mich nicht erinnern in der Zeit wirklich bewusst Text gelernt zu haben, das behielt ich einfach. Weil es mir Spaß gemacht hat.

Peter und Mariele B. Schäfer: Aber man muss sich doch vorbereiten, wie geht das?

P. Millowitsch: Als Kind doch nicht! Das war doch ein Spaß, das hab ich doch nicht auswendig gelernt.

B. Schäfer: Und heute? Bereiten Sie sich heute vor? Oder ... (Mariele lacht)

P. Millowitsch: Heute muss ich...

 
[....]

B. Schäfer: Wenn Ihre Schwester sagt, Sie hat von Ihrem Vater Timing gelernt und auch schon als junges Mädchen immer geschaut. Was würden Sie denn sagen, was waren die ersten Beobachtungen, die Sie [P. Millowitsch] als Kind auf der Bühne auch gemacht haben? In der Zusammenarbeit mit Ihrem Vater?

P. Millowitsch: Ich kann das nur unterstreichen, was die Mariele gesagt hat mit dem Timing. Und das man so einen Kraft-Bogen für den ganzen Abend kriegt. Weil es ja was anders ist, ob ich kurz was mache und dann "Danke, Klappe!" - das dauert dann 15 oder 20 Sekunden. Oder ob ich eine Figur über den ganzen Abend führen muss.

B. Schäfer: Aber wer hat Sie vorbereitet? Haben Sie untereinander geübt oder sich gegenseitig abgefragt, oder?

P. Millowitsch: Nö.

Mariele: Nee, Peter war ich ja sowieso viel zu klein. Der fand mich ja überhaupt nicht.... Kleine Schwester, die braucht doch kein Mensch, also irgendwie war ich völlig überflüssig. (Gelächter). Ich weiß gar nicht. Willy hat ab und zu mal was gesagt und dann gab es den jüngsten Bruder meiner Mutter, den Hermann Feldhoff, der viel mit uns gearbeitet hatte. Der hatte auch bei den "Drei kölsche Jungen" Regie geführt. Der hat sehr mit uns Kindern gearbeitet.

B. Schäfer: Aber Sie mussten jetzt nicht auf die Bühne, um überhaupt mal die anderen Geschwister zu sehen, weil die alle immer unterwegs waren in Sachen Theater?

Mariele: Nein, nein. Bei uns gab es die berühmten Sonntags-Morgens-Frühstücke...

P. Millowitsch: Sakrale Handlungen.

Mariele: Sakrale Handlungen (sie lacht) Da hatten alle um 11 Uhr - wie auch immer - am Tisch zu sitzen und dann wurde gemeinsam gefrühstückt.

Mariele
 
B. Schäfer: Das war immer ein fester Termin.

Mariele:
Also einmal in der Woche musste ich mir Peter angucken, da half nix. (sie lacht)

B. Schäfer:
Das klingt ja hier nach großer Geschwisterliebe. Es ist natürlich ganz klar, wenn man früh auf der Bühne steht, bekommt man natürlich auch ganz früh eine Aufmerksamkeit. Die hatte der Vater natürlich sowieso. Aber wir haben ein paar ganz überraschende Momente gefunden und zwar sind Sie [P. Millowitsch] das mit Ihrem Vater zusammen. Und Sie haben da nicht am Tisch gesessen, sondern in ganz anderen Momenten und haben, glaube ich, auch ganz gute Gagen für die Familie verdient.

Mariele: Und keinen Pfennig hab ich davon gesehen.

B. Schäfer:
Vater und Sohn unterwegs, schauen Sie es sich mal an.

Es werden zwei Werbespots von Willy und Peter Millowitsch eingespielt: für Botterram Margerine und für die TV-Zeitschrift "Bild + Funk".

 
Peter und Willy - alte Werbspots
Peter und Willy - alte Werbspots
 
B. Schäfer: Also mit perfektem kölschen Unterton...

Mariele: So weit hinten muss man ein L erst mal unterbringen: "Billld und Funk"

[....]

B. Schäfer: Gab's überhaupt ein bisschen Taschengeld, wenn Sie aufgetreten sind für die Familie?

Mariele:
Ja, damals für diese Aufzeichnung von "Drei kölsche Jungs" als Karlemännchen habe ich so 200 oder 300 Mark bekommen, ich weiß es nicht mehr genau. Das war in einem Umschlag so aufgezählt bis zum Kleingeld. Und dann hab ich meinen Umschlag aufgemacht und ich war damals schon verfressen und bin sofort zum Büdchen gegangen und hab mir für 1 Mark Lakritzstangen gekauft. Oh, da hab ich aber Senge gekriegt von meiner Mutter! Dass ich die Gage in Süßigkeiten umsetzte, das fand sie nun ganz daneben.

B. Schäfer: Was hätte sie denn lieber gesehen?

Mariele: Auf's Sparbuch. Anlegen.

B. Schäfer:
Ach so.

Mariele: Ich fand in Lakritzstäbchen angelegt auch in Ordnung, aber... (Gelächter)

Mariele und Peter B. Schäfer: Eine richtige Wertanlage. Man muss das auch noch mal sagen, Sie haben sich richtig abends die Gage abgeholt, wie die anderen Profi-Schauspieler auch. Im Umschlag abends dann direkt an der Kasse.

Mariele: Also bei mir war das nur einmalig damals, der Auftritt für Karlemännchen, denn ich ging ja in die Schule. Später dann, sehr viel später, gab's dann halt Abendgage, ja natürlich.

P. Millowitsch: Ich hab durchgespielt und bin dann jedes Mal hängengeblieben.

B. Schäfer: In der Schule?
 
P. Millowitsch: Ja.

Mariele: (grinst) Ach, jetzt schiebst du das aufs Theater!

P. Millowitsch:
Ja, natürlich. Das hat nur am Theater gelegen.

B. Schäfer: Das [mit dem Sitzenbleiben] glaube ich Ihnen nicht.

P. Millowitsch: Doch, doch!

Mariele: Joo!

B. Schäfer:
Nein.

Mariele:
(grinst) Doch!

B. Schäfer: 1x hängen geblieben? (P. Millowitsch hebt zwei Finger) 2x ?

Mariele: Ich auch! (Großes Gelächter)

P. Millowitsch: (zu Mariele) Aha!
Mariele
 
B. Schäfer: Wahrscheinlich haben Sie gedacht, wenn der Lehrer irgendwas so rot anstreicht, das wären Regie-Anweisungen gewesen, oder so.

P. Millowitsch: Nee, nee, das wusste ich schon. Denn wenn dann unten drunter irgend so ein langes Wort stand... also die kurzen Wörter, die gingen noch: "gut", "sehr gut"...

Mariele: (grinst) Die hat man so selten gesehen, ne?

P. Millowitsch: Stimmt, "sehr gut" hat da nie gestanden, aber so "gut" oder "befriedigend". Aber wenn dann da stand...

Mariele: "Un-ge-nü-gend"!

P. Millowitsch: Oh doch, das kannte ich dann schon.

[....]

B. Schäfer: Sie haben natürlich viele Prominente gesehen, auch auf der Bühne und in Ihrem Elternhaus. Wir machen jetzt das sogenannte Star-Raten hier beim roten Teppich für Millowitsch.

Es wurden Fotos von Willy mit einem anderen (immer sehr gut zu erkennenden) Promi zu sehen und Mariele und P. Millowitsch sollten erraten, um es sich handelt.

Anm.d.W.: Das war genauso dämlich wie es sich hier liest und ich fand, man merkte auch Mariele an, dass sie das Ganze etwas albern fand. Eine nette Story ergab sich dabei aber doch...


Zarah Leander & Willy

Mariele: Ja, DAS wollte ich erzählen, daran erinnere ich mich sehr sehr gut. Die Zarah Leander war öfter mal bei uns zu Gast und ein Abend war ganz besonders toll, weil ihr Lebensgefährte... (zu P. Millowitsch) Wie hieß der noch? Weißt du noch, wie der hieß der Mensch?

P. Millowitsch: Schwedisch hieß der.

Mariele: Jedenfalls, dieser schwedische Mensch setzte sich ans Klavier und Zarah Leander hat nachts Kinderlieder gesungen. Und wir waren alle schon im Bett und dann sind wir wach geworden, weil es so hellhörig war...

 
P. Millowitsch: Und sie hatte ja eine etwas stärkere Stimme.

B. Schäfer: Für wen hat sie denn diese Kinderlieder gesungen?

Mariele: Für sich! Ihr war danach. Sie wollte einfach singen und fing an, schwedische Lieder zu singen. Und dann saßen wir um sie rum in Schlafanzügen und Zarah Leander hat uns dann nachts eine Stunde lang Kinderlieder vorgesungen. Das werde ich NIE vergessen! Die hatte ein rotes ganz tief ausgeschnittenes Kleid an, die Brille auf und sang dann mit ihrer tiefen Stimme... es war unglaublich schön!

B. Schäfer: Also selbst wenn man weiß, der Vater war viel beruflich unterwegs und häufig ist es sicherlich auch so gewesen, dass es dann Schwierigkeiten gab, wir haben es gerade gehört, sitzengeblieben und so weiter. Aber DAS entschädigt dann, oder?

P. Millowitsch:
Immer!

Mariele:
Aber Hallo!

[....]

Mariele:
Unsere Schwester Katarina, Gott wie süß!

P. Millowitsch: Die sehen wir gleich noch, Else sehen wir nicht mehr...

Mariele: Leider.

P. Millowitsch: Lotti sehen wir auch gleich noch.
Lotti Krekel, Else Scholten, Katarina Millowitsch
 
B. Schäfer: Genau, Lotti Krekel. (die wie auf's Stichwort dann auch erscheint und auf dem roten Sofa Platz nimmt) [....] Ich wollte mal fragen, kennen Sie die beiden auch noch als Kinder, bei ihren ersten Theater-Auftritten?

L. Krekel: Ich kenne den Peter, aber mit Mariele hab ich nicht gespielt.

Mariele: Du hast meine Mutter gespielt, du Lügnerin! (Großes Gelächter)

L. Krekel: Wo denn?

Mariele: In "Drei kölsche Jungen". Du kannst es nicht verleugnen! Hast du das verdrängt, meine Liebe?

L. Krekel: Ich habe sie beide in der Rolle erlebt. Ich hab den Peter erlebt und dich, stimmt, da warst du ein Junge.

Lotti Krekel Mariele: Siehst du. Wie kannst du das vergessen?

L. Krekel: Kannst du mir noch einmal verzeihen?

B. Schäfer: Wie waren die beiden auf der Bühne?

L. Krekel: Ja, wie waren sie...?

Mariele und P. Millowitsch:
Vorsicht!

[....]

B. Schäfer: Hier, wunderschönes, dichtes, dunkles Haar. Mariele, sollen wir da neidisch werden bei diesen Haaren?

Mariele: (ironisch) Hätte ich auch, wenn ich sie wachsen lassen würde!

[....]

Lotti Krekel
 
B. Schäfer: Lotti Krekel hat anlässlich des 90. Geburtstages einen Brief an Willy Millowitsch geschrieben und hat ihn angesprochen mit "Hallo, Chef!" Können Sie beide [Mariele und P. Millowitsch] damit was anfangen?

P. Millowitsch: Ich hab auch "Chef" zu ihm gesagt.

Mariele: Der hieß auch in der Familie immer "der Chef".

B. Schäfer: Alle sagen "Chef"?

Mariele: Ja.

B. Schäfer: Das müssen Sie mir erklären.

L. Krekel: Er war der Chef, er war alles in einer Person.

B. Schäfer: Ja, aber das die Kinder auch "Chef" sagen...?

Mariele Mariele: Ich erinnere mich an eine Geschichte, da hab ich zu Hause gesessen und friedlich vor mich hingespielt mit irgendwelchen Sachen. Und dann hieß es plötzlich: "Ab zum Flughafen: der Chef kommt!" Und ich wusste nicht, wer der Chef ist. Da hab ich es mir dann nämlich eingeprägt. Ich dachte: "Wer ist der Chef?" Und es hieß nur: "Ja, der Chef kommt!" Ok, angezogen, zum Flughafen gefahren. Und damals konnte man noch am Flughafen von außen schauen, wer zu Fuß über das Rollfeld kam, also da gab es ja diese Busse noch nicht. Das ist ja lange, lange her.
Und ich sehe den Vater da aus dem Flugzeug kommen und zu uns latschen und dachte: "Was? Wegen DEM musste ich jetzt aufhören zu spielen? Das ist der Chef?" Fand ich hoch enttäuschend! Weil "Chef" wurde so aufgebaut, da dachte ich der Weihnachtsmann steigt da aus. Und dann war es "nur" der Vater. Und seitdem war das so.
 
[....]

B. Schäfer: War Willy bei allen Entscheidungen, also auch was das Bühnenbild und so weiter anging, war er da immer der Chef?

P. Millowitsch:
Das kann man so sagen.

Mariele:
Den Dickschädel zu umfahren, war nicht ganz einfach. Das Geschickteste war...

P. Millowitsch:
Man musste ihn um-fahren!

Mariele:
... wenn man eine Idee hatte und sie ihm so servierte, dass er dachte, er hätte sie gehabt. Das war die ganz geschickte Variante. Ihm suggerieren, er hätte die Idee gehabt, und dann war's gut, dann war man durch.

[....]

B. Schäfer: 1792 ist die Familie Millowitsch das erste Mal in den Chroniken der Stadt Köln erwähnt worden. 1894 hat der eben [in Katarinas Führung durch das Millowitsch Theater] erwähnte Wilhelm Millowitsch auch eine ganz revolutionäre Veränderung eingeführt. Man hat sich verabschiedet von den Puppen. Also von dem Puppenspiel der Familie Millowitsch hin zu den echten Schauspielern...

Mariele: Genau. "Last es mich bekunden, die Puppen sind verschwunden. Sie waren zu gewöhnlich, wir spielen jetzt persönlich."

L. Krekel: Das ist dieser schöne Spruch, genau.

B. Schäfer:
Wilhelm, das ist...

Mariele: Unser Urgroßvater.

B. Schäfer: ... und man muss dazu sagen mit einer sehr starken Urgroßmutter.

Mariele: Die "kölsche Duse", Emma Millowitsch. Die war die Pflegetochter eines Puppenspielers. Sie hat Wilhelm geheiratet und die hatte eben halt auch schon dieses Puppenspieler-Gen, deswegen hat sich das gut getroffen.

B. Schäfer: Und vor allen Dingen hat sie ihn später ja auch sehr unterstützt. Hat die Geschäfte gemacht und hat das Programm mitgestaltet.

Mariele: Absolut. Absolut. Die war auch sehr schlau, hat auch gut mit den Finanzen umgehen können und hatte dann immer noch was in der Hinterhand, wenn es finanziell knapp wurde.

B. Schäfer: Ist das auch viel zu Hause erzählt worden, dass das Überleben der Familie immer auch vom Theater abhing? Haben Sie solche Geschichten gehört von den Großeltern oder wiederum von den Urgroßeltern? Bekommt man das mit als Kind?

P. Millowitsch:
Nicht so direkt. Als ich versucht habe, den Spielplan des Millowitsch-Theaters zurückzuverfolgen bis zu den Anfängen, hab ich in der Universitäts-Bibliothek alte Stadt-Anzeiger gewälzt und habe da versucht, anhand der Anzeigen den Spielplan zu rekonstruieren. Und da ist mir aufgefallen, dass die z.B. nach dem 1. Weltkrieg wirklich alle 4-5 Tage das Programm gewechselt haben. Die haben alle 4-5 Tage ein neues Stück gespielt. Denen muss das Wasser wirklich bis zum Hals gestanden haben.

[....]

B. Schäfer:
Aber das heißt ja auch, für Ihr Theater war die Einführung des Fernsehens ganz revolutionär...

Mariele: Das war die Rettung!

P. Millowitsch:
Absolut, ja!

Mariele: Sonst hätte es nicht mehr funktioniert. [....] Das waren Einschaltquoten von 80%, da trÄUMT man heute von!

L. Krekel: Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.

[....]

B. Schäfer:
Können Sie sich noch dran erinnern, was das ist? Wann man das brauchte?

P. Millowitsch: Das war so ein Pausen - Männchen.

B. Schäfer: Ein sogenanntes Epi... so habe ich gelernt, heißt das.
Das Pausenmännchen

Mariele L. Krekel: Ach die waren wunderbar, diese Zeichnungen in den Pausen, wenn wir uns umziehen mussten oder Umbauen zum 2. Akt.

B. Schäfer: Genau, bei einer Fernsehaufzeichnung damals gab es noch keine Werbung.

Mariele: Da wurde noch mit Sendezeit umgegangen (sie grinst) Einfach so... damit die Leute sich ein Bier holen können.

[....]
 
B. Schäfer: Hier sieht man auch noch mal die ersten Ankündigungen in der "Hörzu"... (sie hält die Zeitschrift in die Kamera)

Mariele: Von wann ist die Ausgabe?

B. Schäfer: Die ist von 1953.

Mariele: Cool!

B. Schäfer: Hier kann man es noch mal sehen.

P. Millowitsch: Das muss dann der erste "Etappenhase" gewesen sein, wenn überhaupt.

B. Schäfer: Genau, hier: "Wir sind zu Gast im Millowitsch-Theater, Heimatbühne Köln, gespielt wird ‚Der Etappenhase' "

P. Millowitsch:
Lassen Sie mich mal gerade auf das Datum gucken. Dann hab ich das nämlich endlich mal schwarz auf weiß.

B. Schäfer: Hier 25. - 31. Oktober...

P. Millowitsch: Nee, von dem Tag.

Mariele: (ohne in die Zeitung zu schauen) 27. Oktober.

B. Schäfer: 27.10. Können Sie mich auch fragen, Herr Millowitsch. (Gelächter)

Mariele: (grinst) Hättest du MICH jetzt auch fragen können.

P. Millowitsch: (setzt zu einer Erklärung an) Nee, nee, nee...

B. Schäfer: (grinst) Ich meine, bereiten wir uns vor auf diese Sendung, oder nicht?

Mariele: Ich hab das mal gelesen, Peter, 27.10.53.

[....]

B. Schäfer: Die 60er Jahre sind ja auch politischer geworden. Ist Willy auch politischer geworden mit seinen Stücken?

P. Millowitsch: (lacht) Das hätte mich jetzt gewundert.

Mariele:
Nee, das war ja auch das, womit er letztendlich Probleme hatte. Das war auch das Problem nach 68, als die Studenten ihre Umbrüche starteten, also dass letztendlich eine Revolution statt fand. Da wurde ihm eben vorgeworfen, dass er stehen blieb und dass es nur Schwänke waren, die letztendlich platt waren, so wurde es dann tituliert. Und was vorher begeistert hatte, war dann anschließend verstaubtes Zeug, was keiner mehr sehen wollte. Und das hat den Vater, glaube ich, auch verletzt.

L. Krekel: Das hat ihn gekränkt, zu Recht.
Mariele
 
Mariele: Das hat ihn echt gekränkt. Denn vorher war der große Star und dann hieß es auf einmal...

B. Schäfer:
War Unterhaltung dann plötzlich ein Schimpfwort?

P. Millowitsch: Ist es doch heute noch.

Mariele: Ja, war es! Und ich finde auch, heute ist es noch ein bisschen problematisch. Es wird immer noch gerne so abgetan...

B. Schäfer: Aber SIE haben doch auch Erfolge mit sehr unterhaltsamen Programmen. Beide.

Mariele und Peter Mariele: Ja, deswegen war mir das auch ganz wichtig und es hat mich SO gefreut, dass wir damals für "Nikola" den Grimme-Preis bekommen haben. Denn nach der ersten Live-Sendung 1953 war der damalige Intendant ganz begeistert und meinte: "Herr Millowitsch, weiter so!". Und der General-Direktor Herr Adolf Grimme hat geschimpft und hat gesagt, das wäre eine Kulturschande, was da über den Sender gelaufen wäre!!! Und dass es ausgerechnet den Grimme-Preis gab für "Nikola"... für Comedy!

B. Schäfer: Die Tochter hat die Familien-Ehre wieder gerettet...

P. Millowitsch: Gott sei Dank! Der arme Mann dreht sich im Grab.

B. Schäfer: Meine Lieben, ich möchte euch drei gerne bitten, dass ihr ein bisschen hier in den Platten stöbert und sucht mal bitte euer Lieblingslied aus. (sie begrüßt in der Zwischenzeit Claus Janzen, der an der Millowitsch-Bühne als Darsteller und Regisseur tätig war bzw. immer noch ist.) Herr Janzen, Haben Sie die Sendung bisher verfolgt?

C. Janzen: Ein bisschen...

Mariele: Was heißt denn ein bisschen?

P. Millowitsch: Ich dachte du sitzt da oben und bist völlig fiebrig...
Mariele und Peter
 
Mariele: Ja! (gespielt empört) "Ein bisschen..." !

C. Janzen: Da hinten hört man ja nix!

B. Schäfer: Die drei sind im Moment beschäftigt und suchen ihren absoluten Lieblingssong aus...

Mariele: Meinen gibt's hier nicht.

C. Janzen: Meiner ist ja "Schnaps, das war sein letztes Wort".

B. Schäfer: Ist das irgendwo drauf?

P. Millowitsch: "Schnaps" ist bestimmt irgendwo drauf.

Mariele: Ja, das ist hier. Das könnt ihr hier haben.

C. Janzen: Das hab ich als Kind schon immer gehört.

B. Schäfer: Legen Sie mal auf...

Mariele: (leicht erschrocken) Ich jetzt?

B. Schäfer: Ja natürlich, wir haben hier einen Original-Plattenspieler.

L. Krekel: Aber das ist wieder der Krawall-Willy, ich finde man sollte auch mal davon reden, dass er ungeheuer viele leise Töne hatte. Also er konnte die Leute durchaus auch zum Weinen bringen.

Mariele: Ich kann sonst auch "Guter Mond, du gehst so stille" auflegen... (großes Gelächter)

Mariele und der Plattenspieler L. Krekel: So weit wollte ich eigentlich nicht gehen. Aber zum Beispiel "Die Sünderlein".

Mariele: Passt die Platte da drauf? 33' ist richtig, ne?

B. Schäfer: Was hören denn jetzt?

Mariele: "Schnaps" wolltet ihr hören, oder? (erstmal ertönt "Bier her, Bier her...") Hier geht's um Bier. Sekunde, ich muss das abwürgen. (beim nächsten Versuch ertönt "Drei Ecken...")

P. Millowitsch: Das ist der "Hut".

Mariele: (zu P. Millowitsch) Oh Scheiße, guck mal, das geht alles ineinander über. Das ist so ein Potpurri, das treffe ich wahrscheinlich nicht.

B. Schäfer: Sie schaffen das, Frau Millowitsch.

Mariele: Das ist ein Potpurri, da sind keine Unterbrechungs-Rillen. (aber sie schafft es dann doch noch)

[....]
Mariele  und Peter

Claus Janzen B. Schäfer: (zu C. Janzen) In dem Stück "Ett kütt wie ett kütt" haben Sie Regie geführt und die Hauptrolle gespielt. Das Stück hat damals für ziemlich viel Aufruhr gesagt. Können Sie mir sagen, warum?

C. Janzen: Hat es das?

B. Schäfer: Hab ich gehört.

C. Janzen: (gespielt unschuldig) Peter, hat es das?

P. Millowitsch: Ja, weil wir eine gesellschaftliche Randgruppe dargestellt haben...

C. Janzen
: Ach so, ja, ja klar. Ich glaube, das war das erste Mal, dass im Millowitsch-Theater eine schwule Figur aufgetreten ist, oder?
Mariele: Ja, das kann gut sein.

P. Millowitsch: Kein schwuler Schauspieler, sondern eine schwule Figur...

Mariele: (gespielt vehement) Bei Willy gab's das nicht!

L. Krekel: Nicht im Stück, aber wir hatten durchaus Schauspieler, die homosexuell waren...

Mariele: Aber Hallo! (sie lacht)

Mariele und Peter
 
[....]

C. Janzen:
Dann hatte ich plötzlich den großen Willy Millowitsch auf dem Anrufbeantworter, ich dachte ich hör nicht richtig! "Jung, komm' mal vorbei. Tschüssi!" [....] Und [später] dann hat mich Peter Millowitsch angerufen...

B. Schäfer:
War Peter Millowitschs Text auf dem Anrufbeantworter länger oder hat der auch nur gesagt: "Jung, komm' vorbei!" ?

C. Janzen:
Peter ist auch immer relativ knapp in seinen Ansagen.

Mariele:
(grinst) Kann man so sagen.

[....]

B. Schäfer: Hat Willy noch für was anderes gelebt als für sein Theater und auf der Bühne stehen?

Mariele: Nein!

P. Millowitsch:
Das war seins.

Mariele:
Da waren wir als Familie auch Nebensache.

P. Millowitsch:
Das war seine Welt und das war ja so schrecklich für ihn. Dass er zwar noch auf der Erde war, aber nicht mehr Theater spielen konnte. Und das ist für ihn so schwer gewesen.

Mariele: Das ist wahr.

L. Krekel: Manchmal haben wir telefoniert und da merkte man, er war im Entzug. Ihm fehlte das Theater. Da konnte er kaum noch gehen und so, das ist ja der Lauf der Dinge. Aber man merkte ihm an, ohne Theater war das für ihn kein Leben mehr.

Mariele: Nee, der wollte dann auch nicht mehr. Da hat Vater sich befreit aus diesem gammeligen Körper. Ich unterscheide da immer zwischen Hardware und Software. Und die Software hatte noch so viel Energie und dann hat sie sich befreit und ist weg.

B. Schäfer: Es ist erstaunlich, dass Sie das jetzt auch mit so einem kleinen Schmunzeln sagen können, weil Sie selbst der Meinung sind, es war für ihn dann auch eine Erlösung?

Mariele: Absolut! Er hat sich entschieden, selber. Er wollte das nicht mehr so.

[....]

B. Schäfer: Konnte er denn eigentlich abschalten? Er war ja immer im Einsatz, hatte der eigentlich Hobbies? Die Zeit für sowas?

P. Millowitsch: Ja, aber das wurde dann später immer weniger. Er hat viel fotografiert und Super-8 gefilmt. Aber als dann Video aufkam und das Zelluloid verschwand, hat er keinen Spaß mehr dran gehabt.

B. Schäfer: Können Sie sagen, was ihm Elba bedeutet hat? Das ist sein Feriensitz gewesen.

P. Millowitsch: Elba war ihm sehr sehr wichtig! Elba war die einzige Stelle, wo er wirklich in der Lage war, abzuschalten. Er war da auch noch in Betrieb und hat getan und gemacht, aber er hat sich nicht nur räumlich vom Theater distanziert. Und darum war Elba so wichtig für ihn.

B. Schäfer: War es für schwer ihm zu sagen: "So, jetzt musst du mal ein bisschen abschalten?" Kennen Sie das auch aus Ihrem eigenen beruflichen Alltag? Auch mal zu sagen: "Ich brauche jetzt diese Auszeit für mich!"?

Mariele: Ich bin da etwas anders gepolt als Willy das damals war. Ich brauche die Auszeit auch wirklich. Denn wenn ich mich zu sehr zusetzte mit verschiedenen Projekten, dann werde ich krabbitzig, das ist mir dann zu viel. Ich muss einfach Zeiten haben, wo ich ganz andere Dinge mache. Viel was mit Natur zu tun hat. Da wäre Elba für mich genauso gut, einfach raus und den Kopf leer halten. Der Willy war da anders gepolt.

[....]

B. Schäfer: Sie haben es gerade schon angesprochen; Wir haben so ein paar ganz private Super-8-Aufnahmen von Ihnen...

Mariele  Super 8 Mariele: Vor allem Vaters Schwenke waren berühmt. Dogma! "Was hast du gesagt?" - "Wo?" (sie imitiert einen paar abrupte Kamera-Schwenke) So ging das immer. Nach 10 Minuten war einem speiübel. (sie lacht) Das waren Vaters Schwenke.
Es folgt ein Zusammenschnitt von alten privaten Film-Aufnahmen der Millowitschs (im Urlaub, im Garten usw)

Anm.d.W.: Mariele hab ich nur in dieser einen Szene entdeckt... und selbst da bin ich mir nicht 100% sicher *g*
 
B. Schäfer: Das war der Regisseur Millowitsch und eigentlich waren Sie da auch die ganze Zeit im Einsatz, hatte ich das Gefühl. Als Schauspieler. Es gab ja überhaupt gar keinen privaten Moment. Alles wurde gefilmt.

P. Millowitsch: Alles wurde gefilmt, hemmungslos.

B. Schäfer: Galt da ein "Nein" Ihrerseits?

P. Millowitsch: Das war uns hinterher egal.

B. Schäfer: Es war ja auch die Zeit in den 50er und 60er Jahren, da kamen auch die Homestories. Mussten Sie da zu Hause auch Tür und Tor öffnen?

Mariele: Ja, das war leider so.

P. Millowitsch: Das waren schlimme Geschichten.

Mariele: Mich hat das als Kind öfter schon mal genervt. Egal ob Weihnachten, Ostern, intimen Familienfesten, der Vater hat immer oder oft dafür gesorgt, dass Presse da war. Da hätte ich ihn manchmal für klatschen können, das gebe ich ganz offen zu.

B. Schäfer: Und gab es da keine Solidarität, zum Beispiel dass Ihre Mutter mal gesagt hat: "So, jetzt ist gut, das ist wirklich privat!"?

Mariele: Nee, die Mutter hat sich da voll drauf eingelassen und hat sich nach ihm gerichtet.

B. Schäfer: War das auch das Geheimnis seines Erfolges, gerade weil er den Zuschauern oder den Fans so viel gegeben hat? Wie sehen Sie das?

P. Millowitsch: Durchaus denkbar. Dass er sich so zur öffentlichen Person gemacht hat, also einer von ihnen wurde.

[....]

B. Schäfer: Wie sieht's bei Ihnen [Mariele] aus? Die Zukunft...?

Mariele: Ganz gut. Ich mache im Herbst noch mal einen Krimi für RTL, noch einen zweiten Mona-Seiler-Krimi nach "Die Stimmen", der war relativ erfolgreich.

B. Schäfer: Relativ? Der war SEHR erfolgreich!

Mariele: Und dann ist für dieses Jahr Schluss. Und nächstes Jahr Januar gehen wir wieder ins Hamsterrad für "Nikola."

B. Schäfer: Sagt Ihnen dieses Glücksschwein irgendetwas, das hier auf dem Tisch steht?

Mariele

Mariele  10 Mariele: Das ist jetzt nicht wirklich ein Glücksschwein, sondern eigentlich ein Wander-Schwein. Das ist ein Ersatz für ein lebendiges Schwein für das Stück "Drei kölsche Jungen". Wir hatten damals bei der Live-Sendung ein lebendiges und das ist uns eingegangen. Das hat einen Herzschlag gekriegt. Da lag dieses arme Schwein tot in der Kiste und da wurde schnell noch ein Ersatz-Schwein besorgt. Und seitdem ist es das Styropor-Teil, das stirbt nicht einfach so weg, das bleibt uns erhalten.

B. Schäfer: Und bringt der Familie hoffentlich Glück
 
Mariele: Und wir sehen wie oft man damit gearbeitet hat, das gute Stück. Von mir fachgerecht "nicht repariert" (sie grinst) oder geschient.

B. Schäfer: Ich möchte mich bei allen bedanken, dass Sie heute hier waren beim "roten Teppich" und uns geholfen haben in 90 Minuten ganz viel über die Millowitschs zu erfahren. Herzlichen Dank, Lotti Krekel. Dankeschön, Claus Janzen. Sie werden neue Stücke schreiben und den Zeitgeist mit aufgreifen. Und ganz herzlichen Dank natürlich auch an die Familien-Mitglieder der Millowitsch, Mariele Millowitsch und Peter Millowitsch.

Mariele: Hat Spaß gemacht. Dankeschön!

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