B.trifft
(WDR, 28.04.1995)
 
Der erste Gast in der Sendung war Andreas Brucker, damals (1995) Shooting Star der ARD Daily Soap "Verbotene Liebe"


B. Böttinger: Jetzt kommt Runde zwei. Es ist eine Frau. Eine Frau, die mit neun Jahren das erste Mal auf der Bühne stand. Das war eigentlich auch kein Wunder. Denn in der Familie war das üblich, die Schauspielerei. Sie gehört zu einer der bekanntesten Familien Deutschlands und hier im Rheinland kann man schlicht und ergreifend und mit Fug und Recht sagen: "Rheinischer Hochadel". - B. trifft Mariele Millowitsch.
   
Mariele: Hallo.

B. Böttinger:
Frau Millowitsch, Hallo! Kann man wirklich sagen, ne? Also hier käme es knapp hinterm Kaiser, wenn es noch einen gäbe.

Mariele: Ja, ich glaub schon.

B. Böttinger: Familie Millowitsch.

Mariele: In der Gegend ja, absolut.
B. trifft 1
   
B. Böttinger: Ist hier so. Wir machen mal erst unseren Fragebogen: Alter?

Mariele:
Hab ich vergessen. Ich hab aufgehört zu zählen. Irgendwas mit Mitte Dreißig.

B. Böttinger: Größe?

Mariele:
1,69.

B. Böttinger:
Gewicht?

Mariele: Erstrebt sind 63 Kilo (sie lacht).

B. Böttinger: (lacht ebenfalls) Das ist eine sehr schöne Antwort. - Sternzeichen?

Mariele: Schütze.

B. Böttinger:
Schuhgröße?

Mariele:
39.

B. Böttinger:
In welchem Schulfach waren Sie am schlechtesten?

Mariele:
Mathe.

B. Böttinger:
Ah ja, ich auch.

Mariele:
Komplett Sechs.

B. Böttinger:
trennen Sie Ihren Müll?

Mariele:
Ja, wir haben ja ein Schwein im Garten, insofern ...dadurch kommt das.

B. Böttinger:
Ah, ganz natürlich. Ihr liebstes Kölsches Gericht: Ähzezupp, Himmel und Ääd oder Flönz?

Mariele:
Himmel un Ääd.

B. Böttinger:
Himmel un Ääd. Jetzt sagen wir für die zahlreichen Bayern, die uns sehen, was das ist.

Mariele:
Himmel = Kartoffel, Quatsch Himmel = Äpfel, oben hängend, klar, Erde = Kartoffel.

B. Böttinger:
Genau.

Mariele: Also Kartoffelbrei mit Apfelmus.

B.trifft - Mariele 1 B. Böttinger: Wann waren Sie das letzte Mal im Kölner Dom? (Mariele überlegt angestrengt) Ist schon länger her, das sehe ich schon.

Mariele: Gerade erst.(sie grinst) Ja, das ist ... War aber in diesem Jahrzehnt, glaube ich.

B. Böttinger:
Aha. Das größte Rätsel für Sie ist: das deutsche Steuerrecht, die Vorfahrtsregelung in Paris oder die Augenfarbe von Heino?

Mariele: (überlegt kurz) Steuerrecht eigentlich.
 
B. Böttinger: In welchem Zimmer herrscht bei Ihnen zu Hause das größte Chaos?

Mariele:
(lachend) In meinem.

B. Böttinger:
Welche Rolle würden Sie im Karneval am liebsten mal spielen: das Funkemariechen, die Büttenrednerin, die Damensitzungspräsidentin?

Mariele:
Funkemariechen. Na, den träger möchte ich sehen, der das durchhält.

B. Böttinger:
Ach, bei den angestrebten 63 Kilo.

Mariele:
(lacht) Angestrebt, wie gesagt.

B. Böttinger: Na ja, ok. Die spannendste Abteilung im Kaufhaus ist für Sie?

Mariele:
Die spannendste? (sie überlegt wieder kurz) Spielwaren eigentlich. Spielwaren und Bücher.

B. Böttinger:
Das find ich auch immer ziemlich gut. Was verbinden Sie mit dem Begriff "Wonderbra"?

Mariele:
Das ist doch...(sie lacht) "Häng den höher" heißt das doch auf deutsch, oder?

B. Böttinger:
(lacht ebenfalls) Das kannte ich nicht, sehr gute Antwort. Mögen Sie Männer mit Bärten?

Mariele:
Nee, nicht mehr, früher ja.

B. Böttinger:
Ihre liebste Tierserie: "Der Doktor und das liebe Vieh", "Forellenhof", "Alf"?

Mariele:
"Alf" dann.

B. Böttinger:
Welche Eigenschaft bringt Sie am meisten auf die Palme: Geiz, Indiskretion oder Feigheit?

Mariele:
Alles drei eigentlich, aber ... Feigheit.

B. Böttinger:
Schnarchen Sie?

Mariele:
Nee.

B. Böttinger:
Was schenken Sie Ihrer Mutter zum Muttertag?

Mariele:
Kann ich doch jetzt nicht verraten. Ich hab's schon.

B. Böttinger:
Muttertag ist nächste Woche, ne? (Mariele nickt) Muss ich mir merken. Bis hierher erst mal. Vielen Dank.

Mariele: Alles klar.

B. Böttinger: Gehen wir rüber. Also wir haben uns erkundigt und es ist eigentlich im Hause Millowitsch Grund zum Feiern, denn Sie werden in diesen Tagen - am 1. Mai muss es genau sein - ja quasi richtig hundert. Das heißt genau vor hundert Jahren wurde aus dem Stab-Puppentheater das mit lebenden Menschen, also das klassische Volkstheater Millowitsch.

Mariele: Ja, so wie es heute noch existiert.

B. Böttinger: Wird das schwer gefeiert?
B. trifft 2
 
Mariele: Nee, eigentlich ist da ... Ich muss da ein bisschen passen, weil ich ja mit dem Theater nicht mehr so viel zu tun habe und eigentlich gar nicht weiß, ob da jetzt 'ne große Veranstaltung ist oder nicht. Im Moment ist mein Bruder auf Tournee und im Theater sind im Moment "Die Höhner". Also es ist jetzt keine Möglichkeit, ein Bühnenjubiläum auf der Bühne...

B. Böttinger:
Aber zu Hause vielleicht, dass man sagt, die ganze Familie Millowitsch trifft sich jetzt und dann wird also mal so richtig gefeiert auf die hundert Jahre?

Mariele:
Nee, ist eigentlich nicht angesagt.

B. Böttinger:
Na ja, bei den Erfolgen, die Sie haben, ist wahrscheinlich auch selbst die 100 nur ...

Mariele:
Wahrscheinlich sollte ich das mal anregen, dass wir essen gehen.

B. Böttinger:
Müssen Sie sich beeilen, ist ja schon in drei Tagen, der erste Mai.

Mariele:
Das schaffen wir.

B. Böttinger: Aber gut. Mit neun Jahren zum ersten Mal auf der Bühne im elterlichen Theater, oder väterlichen, muss man eigentlich richtigerweise sagen. Was war das für eine Rolle?

Mariele: Das war das Karlemännchen, eigentlich 'ne Jungenrolle. Die war auch immer mit Jungen besetzt, nur ging das ja in dem Fall nicht.

B.trifft - Mariele 2 B. Böttinger: Ach, Sie durften dann aber ...

Mariele: Aber ich habe auch ausgesehen wie ein Karl. Also wenn man die Ausschnitte dann sieht, das ist unglaublich.

B. Böttinger:
(lacht) ... wie ein Kerl?

Mariele: Ein kleines dickes schreiendes Kind, das bin ich.

B. Böttinger: Auf der Bühne?
 
Mariele: Ja. Und dann haben wir... im dritten Akt hat Vater dann eben eingebaut, dass dieses Karlemännchen sich als Karla entpuppt, eben als ein Mädchen.

B. Böttinger:
Ach wie süß. Diese Szene haben wir natürlich nicht einfangen können, aber wir haben andere wunderbare mit Ihnen ...

Mariele:
Ist das wahr?

B. Böttinger:
Bitte sehr.

Mariele:
Jetzt muss ich meine Brille anziehen, das will ich sehen.

Es folgt ein Filmbeitrag mit Ausschnitten aus verschiedenen Filmen und Theaterstücken, Mariele und Ulli Schmissat beim Spaziergang mit den drei Hunden, Mariele mit ihren Tieren im Garten usw.

Der Beitrag endet mit Großaufnahme von Elvira. (siehe rechts)
B.trifft - Elvira
 

B. Böttinger: Wer ist Elvira?

Mariele (lacht lauthals): Das ist Elvira, mein Hausschwein.

B. Böttinger: Wie kommt das Schwein in Ihren Garten?

Mariele:
Ja, mit 'nem Auto. Wir haben sie in der Eifel geholt. Also sie war inseriert. Ich gucke immer die "Tierbörse" und da bin ich wahnsinnig gefährdet und las irgendwann mal morgens "zwei vietnamesische Hängebauchschweinchen". Denke ich bei "-chen" schau mer mal. Und da bin ich hingefahren mit einer Freundin und bin in Liebe entbrannt. Es waren zwei.

B. Böttinger:
Zu Elvira?

Mariele: Zu Elvira. Einen Tag später bin ich mit Ulli, meinem Freund, hingefahren, habe gesagt: "Du, ein Schwein, ganz klein, ist so putzig, sieht man kaum ...". Ja, also hingefahren und dann ist irgendwie die rosa Brille über Nacht abgefallen. Ich dachte so: "Was hast du da gemacht?!"

B. Böttinger: Und Elvira wuchs heran?

Mariele: Ja, wir haben sie erst mal im Kofferraum transportiert, etwas hart war das.

B. Böttinger:
Ist auch nicht schön für ein vietnamesisches Schwein, ne?
B.trifft - Mariele 3
 
Mariele: Nein, nicht wirklich, nehme ich an. Aber sie hat überlebt. Und sie fand es ganz wunderbar und jetzt ist sie dick und breit und groß und ist unsere grüne Tonne, die frisst die Abfälle.

B. Böttinger: Na, das ist ja immerhin auch 'ne gute Funktion. Als Sie aufgewachsen sind in dieser Familie, die - wie gesagt - hier rheinischer Hochadel bedeutet, wann haben Sie denn zum ersten Mal gemerkt: "Hey, wir sind hier aber wer?" Können Sie sich daran erinnern?

B.trifft - Mariele 4 Mariele: Ja, ich glaube, das kriegt man als Kind recht früh mit. Und man merkt ja, so wie die Leute auf den Namen Millowitsch reagieren, also "Bist du nicht ..." oder "Bist du etwa die Tochter von ..." oder "Ist dein Papi nicht ..." oder so, das kriegt man ja schnell mit. Und da gab es wohl auch irgend so 'ne Phase, wo ich dann so'n bisschen eingebildet war da drauf. Dass ich dachte... also man merkt das so als Kind. Für ein Kind dann die Relation zu wahren ist ja auch schwierig. Man merkt, dass die Leute alle gucken, irgendwie mit 'ner Reaktion auf den Namen. Und dann sind Kinder ja schnell dabei und denken "Ach ja, mein Papi, ne, der ist was ganz dolles".

B. Böttinger: Also Sie haben mit dem gestrunzt?
 
Mariele: (lacht) Ja, kann man sagen.

B. Böttinger: (lacht ebenfalls) Wie war das denn, wenn Sie Freunde oder Freundinnen so im Schulalter nach Hause eingeladen haben? Die waren doch bestimmt gespannt wie ein Flitzebogen, wie es bei den großen Millowitsch' zu Hause aussieht.

Mariele:
Denke ich schon, ja. Aber da hat meine Mutter immer 'ne ziemliche Normalität reingebracht. Das war bei uns immer wie bei normalen Menschen auch. (sie lacht) Bei normalen Menschen.

B. Böttinger: (lacht auch) Bei normalen ... Gut, ja, und zur Schule, wie war das in der Schule? In Mathe waren Sie schlecht, haben Sie gesagt.

Mariele:
Ich denke, ich habe auch im Abitur gute Geister gehabt in Form von Lehrern, die mich da in Schutz genommen haben. Ich bin auch nie ins Mündliche gekommen und habe - glaube ich - Mathe und Englisch Sechs geschrieben, das war 'ne mittelschwere Katastrophe. Ich habe nämlich nebenbei Theater gespielt und da haben die - glaube ich - viele Augen zugedrückt.

B. Böttinger:
Na ja, ist ja auch was. Immerhin haben Sie ja hinterher auch Ihren Doktor noch gemacht. Muss man auch mal sagen, ganz nebenbei als Schauspielerin. Sie waren die Jüngste, und Sie sind natürlich immer noch die Jüngste ...

Mariele:
Ja, das hat sich nicht geändert.

B. Böttinger:
... der vier Kinder, wird sich wahrscheinlich auch so nicht ändern.

Mariele:
(gespielt ernst) Nee, is nicht mit zu rechnen.

B. Böttinger: Nee, ne? Wie war denn Ihre Rolle da, waren Sie das Nesthäkchen? Waren Sie was Besonders? Dann noch die Letzte, die hinterhergekommen ist?

Mariele: Ich denke von vier Kindern als Letztes hat man seine Ruhe. Ich denke, den Erziehungswahn müssen immer die ersten zwei ausbaden und dann lässt man so langsam los. Susanne und ich, wir sind da ganz gut weggekommen. Also, das vierte lässt man dann... da wird nicht mehr groß rumerzogen, also die werden irgendwie mit groß.

B. Böttinger:
Waren Ihre Eltern voll mit Erwartungen, was die Kinder angeht, also was Sie jetzt ganz konkret angeht?
B.trifft - Mariele 5
 
Mariele: (überlegt kurz) Von den schulischen Leistungen her bestimmt nicht, da muss meine Mutter mehrfach die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen haben. Aber irgendwie kristallisierte sich eben ab meinem neunten Lebensjahr und dann später immer wieder - ich bin dann, glaube ich, mit 17 wieder zur Bühne - raus, dass ich da irgendwie ein Talent habe. Jetzt gebe ich mal an.
B.trifft - Mariele 6 Und dann war es immer klar, dass ich Schauspielerin werden würde. War auch für mich die ganze Zeit klar. Und nach dem Abitur habe ich dann plötzlich so kalte Füße gekriegt, dachte: "Nee, das ist kein Leben für mich." Also aus dem Koffer leben und nur Tournee machen und dann an irgendein Theater und alle Rollen von vorne bis hinten spielen. Und das was so noch die Thematik "Leiden für das Theater". (etwas nachdenklich) Leiden... da konnte ich dann nix mit anfangen.
Und dann habe ich kalte Füße bekommen, habe mich NICHT zum Mozarteum angemeldet, wo ich hätte hinsollen, nach Salzburg. Und nach größerem Geschimpfe meiner Mutter habe ich angefangen mit Krankengymnastik. Und das habe ich dann sausen lassen und habe einen Studienplatz gekriegt für Tiermedizin.
 
B. Böttinger: Ihr Vater ist ja so ein richtiger Patriarch wie er im Buche steht. War das früher zu Hause auch so, dass er dann wirklich auch so brummend kommentiert hat, was seine Kinder machten, wenn die sich so flügge werdend wegbewegen wollten?

Mariele:
Ach nee, das eigentlich nicht so. Also, so habe ich es nicht in Erinnerung. In Erinnerung habe ich, dass er nie um uns war, als wir klein waren. Er war immer auf Tournee und war dann zum Wochenende da und dann wurden wir tatsächlich immer um Vater ein bisschen 'rum drapiert. Da wurde das Wochenende so gestaltet, dass er seine Kinder um sich 'rum hatte.

B. Böttinger:
Waren Sie manchmal vielleicht froh, Frau Millowitsch, dass Sie 'ne Tochter waren und nicht ein Sohn?

Mariele:
Ja. Aber ich denke manchmal... Peter hatte natürlich den Druck...

B. Böttinger:
Der einzige Sohn.

Mariele:
...als einziger Sohn selbstverständlich der Nachfolger zu sein und in Willys Fußstapfen zu treten. Ich denke manchmal darüber nach, was gewesen wäre, wenn ich auch ein Junge geworden wäre.

B. Böttinger:
Was wäre denn dann gewesen?

Mariele:
Vielleicht erleichternd dann auch für Peter, dass man die Wahl gehabt hätte zwischen zwei Söhnen. Weil es in der Generation ja immer noch dieses, ich sage immer - das mein ich nicht böse - Erbhof-Mentalität...

B. Böttinger:
Ja, natürlich.

Mariele:
Ja, das ist so ein bisschen die Einstellung: "Der Sohn muss das übernehmen". Und wenn ich ein Junge geworden wäre, wäre es sicher auch entlastender gewesen für Peter.

B. Böttinger: Die Familie Millowitsch ist ja öffentlich so 'ne Institution, dass auch schon mal Kräche nach außen kommen und im letzten Jahr gab's dann auch noch mal so einen zwischen Ihrem Vater und dem Sohn nach der Veröffentlichung eines Interviews. Auf welcher Seite standen Sie denn da? Haben Sie versucht zu beschwichtigen? War das so Ihre Rolle oder haben Sie Partei ergriffen?

Mariele: Nein, beschwichtigen tut man ja immer. Ich bin ja auch ein bisschen harmoniesüchtig und habe es gern, wenn die Leute nett miteinander umgehen und so.

B. Böttinger: Harmoniesüchtig? Also wenn ich mir Ihre Laufbahn angucke, haben Sie doch Ihren Kopf ziemlich durchgesetzt. Sie haben die Tiermedizin studiert...

Mariele:
Ja, das mache ich dann mit viel Harmonie. Also ich mache das dann irgendwie so ein bisschen vorsichtig. Nicht mit dem Kopf durch die Wand, sondern gucke immer, ob sich nicht irgendwo 'ne natürliche Öffnung befindet in dieser Wand.
B.trifft - Mariele 7
 
B. Böttinger: Dann sind Sie natürlich auch weg vom reinen Volkstheater, von dem, was hier in Köln so erfolgreich läuft - und nicht nur in Köln, auch im Fernsehen überall. Ganz bewusst. Sie sind zum Düsseldorfer Kom(m)ödchen, Sie waren bei "Psst...!" und das sind ja eigentlich eher Theatersachen, die gehen schon fast in Richtung Anarcho...

Mariele:
Naja...

B. Böttinger:
... na ja, "Psst...!", also Entschuldigung ...

Mariele: (lacht) Ok, das gebe ich zu.

B. Böttinger:
... und halt nicht so auf dem, ich sage mal, gediegenen Volksschauspiel, auf dieser Ebene.War das eine Befreiung?

Mariele:
Befreiung ist ... also das Verlassen des Familienbetriebes dahingehend ja. Irgendwann war der Punkt, wo man sagte: "Das ist so ein Familienclan und da möchte man mal sehen, was man alleine auf die Beine stellen kann." Und dann kamen eben Kom(m)ödchen und auch andere Theater und vom Theater bin ich jetzt erst mal so ganz weg, weil ich ja gar keine Zeit mehr habe und mache viel Fernsehen im Moment.
Das war 'ne Form der Befreiung. Jetzt nicht die Befreiung vom Volkstheater und was anderes machen, das meine ich nicht. Ich stehe voll zum Volkstheater. Ich find's toll und ich finde Komödien und Menschen zum Lachen zu bringen ist wirklich das Schwerste. Aber die "Befreiung" - wenn ich so weit gehen will - war wirklich der Schritt, auf die eigenen Füße sich zu stellen und weg von der Familie und nicht weg vom Volkstheater.

B.trifft - Mariele 8 B. Böttinger: Diese Familie, das war ja ein richtiger Familienverbund: der Patriarch, der Vater - die Mutter, die ihr Studium aufgegeben hatte und sich der Kindererziehung und der Launen ihres Mannes widmete ... (Mariele lacht und B. Böttinger ebenfalls) Muss was dran gewesen sein, sonst hätten Sie jetzt nicht gelacht.

Mariele:
(gespielt ernst) Ich?!?!? Habe ich gelacht? (sie grinst) Na ja, das stimmt schon.

B. Böttinger: Vier Kinder. Und Sie haben relativ früh gesagt: "Heiraten? Nein." (Mariele nickt) Was war das? War das, dass Sie gemerkt haben zu Hause: "Nee, da werde ich als Frau irgendwie untergebuttert oder kriege meinen Weg nicht so, wie ich ihn führen will?" Oder warum war Ihnen das so früh so klar?
 
Mariele: Kann ich Ihnen gar nicht sagen. Heiraten deswegen nicht, weil ... also gut, ich habe keine Kinder, will auch keine. Ich sehe nicht ein, dass ich dann irgendwas schriftlich geben soll, also dann habe ich wieder dieses "Krall"-Gefühl. Ich mache alles freiwillig, oder fast alles. Ich bleib auch gerne mit jemand zusammen, aber auch nur freiwillig. Und nicht, dass ich jemandem auf Gedeih und Verderb zugebunden bin wegen dieser Unterschrift und kann den Scheidungsanwalt nicht bezahlen. Das sehe ich einfach nicht ein.

B. Böttinger (lacht): Das ist eine pragmatische Erklärung.

Mariele:
Ja, ich mache alles gern freiwillig, aber ...

B. Böttinger:
Ihre Eltern reden sich an mit "Mami" und "Papi".

Mariele: Ja, ist so.

B. Böttinger: Und der Vater wird auch immer als Chef tituliert in der Familie. War das irgendwann ...

Mariele:
Ja, weniger in der Familie als im Theater. Bei uns nicht. Also bei uns heißt er "Babbo" (?, Anm.d.W.) das kommt aus dem Italienischen.

B. Böttinger: Aber er war eigentlich immer so der Chef des Clans, sage ich jetzt mal so. Ganz klar, unangefochten. Haben Sie manchmal gedacht: "Warum macht die Mutter nicht mehr?"
B.trifft - Mariele 9
 
Mariele: Nee, das wäre auf unsere Kosten gegangen. Ich kann nur froh sein, dass sie das nicht gemacht hat, dass sie zu Hause war. Also vier Kinder, das ist ja auch ein 24-Stunden-Job.

B. Böttinger:
Ganze Menge.

Mariele:
Eben. Und damit war sie ausgelastet. ich denke, nicht unbedingt immer geistig, das wird ihr sicher auch gefehlt haben ganz oft und ganz viel. Sie hat auch immer gelesen, was sie konnte und wo sie Zeit hatte. Aber die hat man eben mit vier Kindern nicht. Und wenn Mutter jetzt noch eigene Interessen gehabt hätte, ich glaube, das wäre für uns vier übel ausgegangen.

B. Böttinger:
Da hätte es gekracht, ne?

Mariele:
Ja.

B. Böttinger:
Haben alle vier Kinder so viel Temperament wie Sie?

Mariele:
Ja, eigentlich schon. Eigentlich schon. Das kommt langsam, aber wehe, es kommt raus.

B. Böttinger:
Sie haben ein spezielles Talent: Sie können ganz gut verschiedene Dialekte. Stimmt, ne?

Mariele:
Ja, es geht.

B. Böttinger:
Sie sind ja Schauspielerin. Jetzt müssen Sie 'ran.

Mariele:
Ach du liebes bisschen.

B. Böttinger:
Jaa, Frau Millowitsch.

Mariele:
Wo muss ich jetzt hin?

Mariele: Nee, das wäre auf unsere Kosten gegangen. Ich kann nur froh sein, dass sie das nicht gemacht hat, dass sie zu Hause war. Also vier Kinder, das ist ja auch ein 24-Stunden-Job.

B. trifft 3 B. Böttinger: Hinter mir her. Immer hinter mir her. Stellen Sie sich vor: Sie fahren in den Urlaub, freuen sich drauf, kommen in Ihr Hotelzimmer und sehen das hier.

Mariele: Ach, das ist zauberhaft.

B. Böttinger:
Ein wunderbares Waschbecken. Sehr, sehr schön hier alles, ne? Mit der kleinen Kakerlake am Rand.

Mariele: Ach Gott, das ist ja für 'nen Tiermediziner nicht so tragisch. Da ist man ja hart im Nehmen.

B. Böttinger: Das stimmt, aber das Waschbecken ist nicht so schön. Zweite Katastrophe: Der erste Blick in die Minibar. Alles schon angefressen, ne?

Mariele:
Mit Ratte?! Ach, die ist ja zauberhaft.

B. Böttinger:
Na ja gut, da haben wir ein bisschen übertrieben. Aber die Salzstangen sind angeknabbert.

Mariele:
Ich hatte eine Ratte im Keller. Ralf. Die ist aber leider weg.
B. trifft 4
 
B. Böttinger: "Ralf"? Diese Tierärzte! Das Bett ist jetzt auch nicht so vom feinsten: Vorsicht! Also das ist Ihr Hotelzimmer und zu guter Letzt gibt es noch dieses Begleitgeräusch. Schön, ne? Baulärm ...

Mariele: Schön, ja.

B. Böttinger:
Straßenkrach, alles. Und jetzt müssen Sie, Frau Millowitsch ... Nehmen Sie doch einfach mal auf dem Bett Platz.

Mariele:
Was macht Ihr denn für Experimente mit mir? Ich glaub's ja nicht.

B. Böttinger:
Ja, jetzt kommt der Dialekt-Test. Sie sagen jetzt dem Hotelier die Meinung. Und zwar als rheinische Frohnatur, als sächsische große Dame oder wie immer und vielleicht auch noch auf bayerisch? Was ist Ihnen am liebsten?

Mariele:
Ja, dann nehme ich das Bayerische, das Vornehme...

B. Böttinger:
Fangen wir mal mit dem Bayerischen an. Da geh'n wir mal zum Rheinischen über.

Mariele:
(leicht geschockt) Jetzt muss ich hier improvisieren? Das mache ich nirgendwo sonst!

B. Böttinger:
Doch, hier!

Mariele:
Ihr seid Schweinebacken! (Die beide müssen lachen.)

B.trifft - Mariele 10 Die Dialekte Nummern kann man beim besten Willen nicht aufschreiben und nachlesen, das muss man gehört oder gesehen haben. Mariele macht der Reihe nach sehr überzeugend eine bayrischen "Grand Dame", eine "im Leben stehenden Rheinländerin" und die italienisch radebrechende Sächsin (mein Favorit) - Anm.d.W.

B. Böttinger: Das war super!

Mariele:
So, jetzt ist Schluss.

B. Böttinger: Das war super!
 
Mariele: Danke.

B. Böttinger: Sie können doch improvisieren. Sie haben doch gesagt, Sie könnten das nicht?

Mariele:
Ich mach's nicht gern. Man muss es immer mal so bei privatem Schauspielunterricht "Jetzt mach mal eine Enttäuschung oder mach mal 'ne große Freude und mach mal dies ..." und dann denke ich immer "Oh nee!" Wenn ich dann einmal drin bin, ist es gut, aber es gehört nicht so zu den großen Lieben meinerseits zu improvisieren.

B. Böttinger:
Gucken Sie sich die Sendung mal an. (Mariele lacht) Dann werden Sie vielleicht Ihre Meinung ändern. - Jetzt, Frau Millowitsch, kommen wir zur Begegnung der besonderen Art.

Mariele:
Die da wäre?

B. Böttinger:
Jaa, das ist ja jetzt das Geheimnis. Haben Sie 'ne Ahnung, wen Sie treffen?

Mariele:
Ich weiß es nicht.

B. Böttinger:
Ich muss es den Zuschauern immer wieder sagen: Die beiden Gäste wissen es wirklich nicht. Und wir schließen die Gäste quasi vorher ein.

Mariele:
War ich auch.

B. Böttinger: Ja, damit sie sich nicht über den Weg laufen. Und deswegen würde ich sagen, wir probieren das jetzt einfach mal. Es wird nicht eine Begegnung wie immer. Sie ist ein bisschen was anderes. Ich sage jetzt einfach: Mariele Millowitsch trifft Willy. (Mariele kuckt erst mal ein ganz klein wenig irritiert, aber dann taucht der Hund Willy auf)

Mariele: Das ist der Gast?

B. Böttinger: Ja Willy, ja komm mal her.

Mariele: Ja Hund... Tach, wer bist du denn?

B. Böttinger: Das ist Willy. Was glauben Sie ... Da kommt jetzt noch einer hinterher. Da gehört noch einer zu. Was glauben Sie, was da für ein Herrchen dazugehört?

Mariele: Ein Mensch? Ein Mann.
B. trifft 5
 
B. Böttinger: Hmm, ein Mann sagen Sie schon mal.

Mariele: Sagen wir mal... (sie grübelt) Ja, was passt dazu?

B. Böttinger:
Willy, was passt zu Dir? Jung, alt?

Mariele:
Ich stelle mir vor: mittelalt, blond, Leinenklamotten anhabend. Beige, nicht zu poppig, so was in der Richtung.

A. Brucker B. Böttinger: Dann holen wir mal das Herrchen von Willy und ich sage noch mal B.trifft A. Brucker.

Mariele:
(lacht) Oh nee, aber beige, na ja.

A. Brucker: Tag.

B. Böttinger:
Tag. Mariele Millowitsch - A. Brucker.

A. Brucker:
Ach so, die Tochter von Willy.
 
B. Böttinger: Das hören Sie gern.

Mariele: (leicht ironisch) Ja, ja.

A. Brucker:
Die Tochter von... Genau. Ja das ist die erste Assoziation logischerweise.

B. Böttinger:
Schon die erste Schnitte gemacht.

Mariele:
Ja klar, das passiert immer.

A. Brucker:
Habe ich jetzt was Falsches gesagt?

Mariele:
Nein, nein. Wir haben nur gerade drüber gesprochen, dass das immer passiert und schon passiert's.

A. Brucker:
Aha. Tja, Mensch. Aber nett, dich kennengelernt zu haben.

Mariele:
"Haben" ist noch nicht.

B. Böttinger:
Nee, nee. Wir sind noch nicht fertig.

A. Brucker:
Oh Gott.

Mariele:
Noch keine Vergangenheit.

A. Brucker:
Ach sch....

B. Böttinger:
Jetzt machen wir es mal umgekehrt. A. Brucker, der neue Shootingstar von "Verbotene Liebe", der Romeo des Vorabends, könnte man lästernd hinzufügen. Wir machen mal umgekehrt. Sie [Mariele] haben vom Hund auf den Menschen geschlossen: mittleres Alter, blonde Haare, gediegenes Leinenzeug.

Mariele:
Ja, knapp vorbei ist auch daneben.

B. Böttinger: (lacht) Was glauben denn Sie? Was hat diese Frau für einen Hund?

A. Brucker: (überlegt kurz) Einen Basset .

Mariele und B. Böttinger gucken etwas perplex.

Verständlicherweise! - Anm.d.W. Und wer Bassets nicht kennt.... hier ist ein Bild


B. Böttinger:
Wie darf ich denn das verstehen?

Mariele:
Sie müssen nicht vom Äußeren schließen auf das Tier, sondern einfach ...
B. trifft 6
 
A. Brucker: Ja, ich weiß nicht ...kam mir so, die Idee.

B. Böttinger: Wieso meinen Sie Basset?

A. Brucker:
Ein Basset ist doch ein niedliches Tier ...

B. Böttinger:
Ich weiß nicht, die sehen immer aus wie kurz vor'm Heulkrampf.

A. Brucker:
Ja, aber die sind doch gemütlich. Gemütlich, ein bisschen langsam... (zu Mariele) Das war jetzt nicht böse gemeint.

Mariele: Er kennt mich nicht.

A. Brucker:
Nein, nein, nein. Eben drum.

B. Böttinger:
Na, ich würd mal sagen...

A. Brucker:
War das irgendwie...?

B. Böttinger:
Nee, ist in Ordnung, A.. Wir retten die Situation.

Mariele:
Eigentlich ist da nicht mehr viel zu retten im Grunde. Ein fettiges Vollbad....

B. Böttinger:
Wir gucken jetzt mal eben. Willy, komm mal her. Da kommt noch jemand. Wir sagen nämlich jetzt zum dritten Mal. Ich sage jetzt einfach B.trifft Sophie. Sophie! (Da kommt Marieles Dackel ins Studio) Ja heute geht's hier zu ...

Mariele:
Sophie, hier bin ich, komm.

B. Böttinger:
Die sind ja Gott sei Dank friedlich.

A. Brucker:
Willy ist ein ganz lieber..

B. Böttinger:
So, das gemeinsame Thema haben die Zuschauer wahrscheinlich jetzt erraten. Es geht natürlich um Hundeliebe.

A. Brucker:
Aber ich lag nicht so ganz falsch mit dem Basset.

B. Böttinger:
Moment mal.

A. Brucker:
Also das ist ein kurzbeiniger Hund. Kurz und lang ist der ja auch, der Dackel.

Mariele:
Kein Rettungsversuche mehr, weil Bassets sind ja nun wirklich ... Ich meine, die Dackel sind schon überzüchtet, aber Bassets, das ist ja nun ...

B. Böttinger:
Das erste Knurren drang gerade an mein Ohr.

A. Brucker:
Ja, Willy wird aber aufdringlich.

Mariele:
Das macht doch nichts. Die Sophie schimpft doch nur.

B. Böttinger: So, dann würde ich doch mal sagen, setzen wir uns einfach hin, hinter mir her Willy und Sophie, kommt mal mit. Wenn ich das meinem Dackel erzähle, dann ist ja überhaupt alles aus. Sie bitte in die Mitte, Frau Millowitsch.

B. trifft 7 Ab diesem Moment ist der große Hirtenhund Willy immer wieder hinter der kleinen Sophie her, was Herrchen, Frauchen und Moderatorion hin und wieder dazu bringt, das Interview zu unterbrechen und den Hunde die entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken... - Anm.d.W.

Mariele: Sophie, gehe unter den Stuhl, da kommt er nicht hin.

B. Böttinger:
Sophie ist ja ein bisschen läufig.

Mariele: Ja, ich glaube.
 
A. Brucker: Das riecht er.

B. Böttinger:
Ich weiß nicht, ob es ein bisschen läufig gibt, so wie ein bisschen schwanger?

Mariele:
Nee, eigentlich nicht wirklich, ent- oder -weder.

B. Böttinger:
Ja, ne? Das denke ich mir nämlich auch. (Willy knurrt)

Mariele: Sophie, hau ihm eine.

A. Brucker:
Also er kommt gerade in die Pubertät, deswegen wird er ein bisschen aufdringlich sein. (zu Willy) Du, hör' mal auf jetzt, hey!

Mariele:
Das kann aber sein, dass die ihm gleich eine ...

A. Brucker:
(zu Willy) Hey, kannst Du Dich mal hinsetzen? Hey, Willy! So, und jetzt Platz! (Willy gehorcht - kurzzeitig)

B. Böttinger:
Hey, haben Sie Ihren Hund etwa dressiert?

A. Brucker:
Nee, das macht der spielerisch. Ich mag so was eigentlich nicht so.

Mariele:
DAS geht mit Dackeln nicht.

A. Brucker:
Nee. Ich bin mit Dackeln aufgewachsen, das hatten wir eben schon mal gesagt. Also ich kenne die sehr gut vom Wesen her. Das geht da weniger, stimmt.

B. Böttinger:
Jetzt muss ich mal wirklich ... Das Knurren im Hintergrund.

Mariele:
Das macht nix, wenn's den Ton nicht stört.

B. Böttinger:
Hundeliebe: Wenn Sie Willy charakterisieren würden... es mag ja sein, dass für Nicht-Hundeliebhaber der Hund aussieht, wie eben so'n Hirtenhund aussieht. Wenn Sie ihn charakterisieren: Wie ist Willy, was hat Willy?

A. Brucker:
Willy ist eigentlich so wie der Jan in der Serie, die ich spiele, er ist ein bisschen treu-doof. Also, das ist das Gefühl, was man bekommen könnte, weil er sehr oft nicht so gut sieht. Wenn er beim Spielen ist, dann ist er zum Teil sowas von tollpatschig. Wie ist Willy? Er ist unheimlich gutmütig. Er ist gutmütig, er ist sehr freundlich, ist nie schlecht gelaunt. Also ist lustig, immer was zum Lachen.

B. Böttinger:
Man muss dazu sagen, Frau Millowitsch, Sie haben ja drei, ne? Anderthalb Dackel?

Mariele:
Anderthalb Dackel.

B. Böttinger:
Kann man so sagen?

Mariele: Also einen Terrier-Dackel, einen Terkel.

B. Böttinger:
(lacht) Einen Terkel. Das ist rausgekommen bei der Paarung von Sophie und ...

Mariele:
Mit Karl-Heinz.

B. Böttinger:
Karl-Heinz und Sophie haben sich zusammengetan und ...

Mariele:
Und haben Käthe produziert ...

B. Böttinger: Käthe.

Mariele:
... unter anderem. Noch sechs andere, also sieben Stück.

B. Böttinger:
(zu Sophie) Sophie, das war 'ne ziemlich stramme Leistung!

Mariele:
Oh ja, die war fertig mit der Welt.

B. Böttinger: Sieben Stück, das muss ich sagen ...

Mariele:
Ich wusste nicht, dass Hunde Ränder unter den Augen haben können. Die hatte sie.

B. Böttinger: Ja Sophie, hör mal... (Sophie sitzt gerade bettelnd vor B. Böttinger) So, jetzt vergehe ich. Wenn mir ein Dackel in die Augen guckt, bin ich fertig. - Gut, aber ernsthaft.

Mariele:
Ist Ihrer ähnlich oder nicht?

B. Böttinger:
Meiner ist struppiger.

Mariele: Aha, der hat längere... ne?

B. Böttinger: Ja, der ist ein bisschen länger. Also der hätte Willy jetzt erst mal flachgelegt hier. Ganz klar. Das würde er nicht dulden, dass sich hier einer in den Vordergrund drängt. Das würde Piefke erst mal klären.

Mariele:
Ach, Piefke, genau.

B. Böttinger: Piefke Böttinger.

Mariele:
Piefke ist wunderbar.
Piefke
 
A. Brucker: (lacht) Piefke Böttinger.

B. Böttinger:
Das ist der aus Pünktchen und Anton. Egal. - Was unterscheidet denn Sophie jetzt von Karl-Heinz und Käthe?

Mariele:
Sophie ist die cleverste von allen. Bin ich sicher.

B. Böttinger: Klar, ist ein Dackel.

Mariele: Eben. Und hat keinen Humor. Karl-Heinz hat Humor.

B.trifft - Mariele 11 B. Böttinger: Sophie hat keinen Humor?

Mariele:
Zero! Null! Null, die nimmt immer gleich alles ernst.

B. Böttinger: Und wie zeigt sich das bei Karl-Heinz, dass er Humor hat, der Terrier?

Mariele: Der ist läppsch. Der spielt und wenn man ihn mal schubst, nimmt er's nicht tragisch oder wenn er sich weh tut beim Spielen, auch nicht schlimm. Aber Sophie ist sofort beleidigt. (Sophie knurrt.)
 
B. Böttinger: Sophie? Kein Grund zur Panik. (Mariele lacht.) Ja, und jetzt (Sophie sitzt immer noch da) Ja, Sophie hör mal...

Mariele:
(zu Sophie) Willst du auf den Schoß? Das geht nicht, du. Das gibt Flecken.

B. Böttinger:
(zu Sophie) Du kannst nicht auf meinen Schoß. (zu ihren Gästen ) Wir müssen uns jetzt mal ein bisschen ernsthaft unterhalten. - Sie [A. Brucker] kennen Frau Millowitsch als Schauspielerin, aber wir haben es in der Sendung schon gesagt: sie ist ja ausgebildete Tierärztin. Sie haben promoviert. Das ist wirklich, das ist ja kein Witz, über den Bandscheibenvorfall beim Dackel.

Mariele:
Ja.

B. Böttinger:
Das ist wirklich irre. Könnten Sie vielleicht ...

Mariele:
Ich dachte, ich muss hier jetzt den ganzen Titel der Arbeit sagen.

B. Böttinger:
Nein, nein. Sie müssen sie auch nicht ganz vorlesen. Das würde zu lange dauern. (Mariele lacht.)

A. Brucker:
Aber ich kenne sie auch als Schauspielerin. Jetzt so. Wenn ich ein bisschen darüber nachdenke. Nein wirklich, ist nicht gelogen.

Mariele:
Na ja, das Große kommt ja erst. Ab Ende des Jahres wird's ja für die Fernsehzuschauer ernst. Da komm ich in ...

B. Böttinger:
Wieso?

Mariele:
Ja, "girl friends" geht auf Sendung und wir machen jetzt die nächsten 13 Folgen. Die ersten 13 sind schon drin und dann geht's 26 Folgen durch. Im ZDF.

B. Böttinger: Nicht dass Sie noch irgendwann auch bei einer Daily-Soap mitmachen.

Mariele:
Schau mer mal.

A. Brucker:
Diplomatisch, sehr diplomatisch.

B. Böttinger: Ich möchte noch mal gerne auf's Thema zurückkommen: Hundeliebe. Ich würde ganz gerne noch mal wissen, der Bandscheibenvorfall von Dackeln. Können Sie mal bei Sophie erklären, was das bedeutet? Warum ist das bei Dackeln so schwierig?

Mariele: Oh Gott, das wird jetzt wirklich fast wissenschaftlich.

B. Böttinger: Nee, machen Sie 'ne halbe Minute.

Mariele: Also diese Rasse gehört wie verschiedene andere zu der Rasse der Chondrodystrophischen. Das heißt bei denen verändert sich das Knorpelgewebe anders und früher als bei anderen Hunden. Will heißen: die Bandscheiben, die dazu gehören, verändern sich degenerativ früher und haben eine andere Degenerationsform und werden weich.
Ich mach's mal jetzt ganz einfach: und dann knallen die halt zwischen den festen Wirbelkörpern vor. Die sind ja so als Puffer dazwischen und dann knallen die raus und drücken auf's Rückenmark und das gibt Lähmungen und das ist die Dackellähmung.
B.trifft - Mariele 12
 
B. Böttinger: Das ist die Dackellähmung. Und ich denke mal auch von dem Körperbau. Ich habe ja nun auch einen Dackel, der keine Dackellähmung hat glücklicherweise. Aber langer Rücken, kurze Beine ist jetzt nicht so ideal, ne?

Mariele:
Die Statik ist aber nicht unbedingt ausschlaggebend, sondern ausschlaggebend ist wirklich diese Veränderung des Knorpels, die auch bei Beaglen zum Beispiel und bei Möpsen und so, diese krummbeinigen Tiere alle, oder ...

B. Böttinger:
Bassets.

Mariele:
Bassets.

B. Böttinger:
Kommen wir mal von der wissenschaftlichen Seite dazu: Leben mit Hund, warum eigentlich?

Mariele:
(murmelt) Das frage ich mich jeden Tag.

B. Böttinger:
(lacht) Das fragen Sie sich jeden Tag? Herr Brucker?

A. Brucker:
Es ist angenehm. Es ist immer jemand um einen 'rum, der nie irgendwas sagen kann, nie das letzte Wort haben kann. Es ist prima. Also wirklich, man kann sich gut entspannen dabei.

Mariele:
Freut sich wenigstens einer, wenn man nach Hause kommt, ne?

B. trifft 8 A. Brucker: Eben. Erst mal das, aber ... Nee, das ist auch 'ne ganz angenehme Sache, wenn man sich auf das Nach-Hause-Kommen... gerade in so einem Beruf, wo man viel sprechen muss, wie bei uns zum Beispiel, finde ich, ist es sehr angenehm, wenn ich abends mal nichts sagen muss. Und das muss ich bei ihm nicht. Vor allen Dingen, Hunde verstehen auch ohne das man irgendwas sagt, zum Teil.

B. Böttinger: Ich meine, das ist natürlich auch schwierig. Sie sind Schauspieler, dann auch noch in einer Daily-Soap, das heißt, Sie arbeiten richtig heftig. Können Sie denn Ihren Lebensrhythmus ... (in dem Moment kommt Willy Sophie verdächtig nah, Anm.d.W.) Nee bitte, bitte jetzt nicht. Bitte kein Nümmerchen hier in der Sendung.
 
Mariele: Das wär's noch. Ist ja nach zehn.

B. Böttinger: Herr Brucker, können Sie denn Ihren Lebensrhythmus mit Willy teilen?

A. Brucker:
Ja, kann ich. Ich kann das ganz gut verbinden, weil wir bei uns sehr große Studios haben und sich jeder um ihn kümmert. Also er ist ja quasi Studio-Hund oder Produktions-Hund. Was nicht heißen soll, dass er den ganzen Tag im Studio hängt. Also jeder geht mit ihm Gassi tagtäglich. Er hat wirklich 'ne ganze Menge Auslauf. Er hat eigentlich ein gutes Hundeleben. Ihm wird sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt.

B. Böttinger:
Hatten Sie früher zu Hause auch Hunde, Frau Millowitsch, oder wie sind Sie auf die drei gekommen?

Mariele:
Immer, wir hatten immer Hunde. Also ich wollte immer Tiere haben. Ich habe auch immer alles mit nach Hause geschleppt, was irgendwo siech danieder lag zum Schrecken meiner Mutter.

B. Böttinger:
Daher auch die Berufswahl?

Mariele: Muss irgendwas miteinander zu tun haben. Wobei ich von Kindesbeinen immer gesagt habe: "Ich werde Schauspielerin und Tierärztin" Und der Sohn von Tante Lucy - was die Schwester meines Vaters war, leider gestorben vor ein paar Jahren - der hat auch Tiermedizin studiert und ist in Caracas Zoodirektor gewesen. Der hat aber die Schauspielerei wirklich drangegeben, obwohl das wirklich ein fantastisch aussehender Mann war. Der sah wirklich so toll aus, der Karl-Peter, unglaublich gut aussehender Mann. Aber der hat allen Angeboten zum trotz, hat er gesagt: "Nein, die Tiere" und ...

B. Böttinger: Die Tiere. Und was ist das zu Hause, wenn die drei da sind? Was ist das bei Ihnen? Sie sind ja auch viel unterwegs und müssen viel arbeiten beziehungsweise sind auf Dreh oder ...
B.trifft - Mariele 13
 
Mariele: Ja, aber wenn die mal zu dritt länger allein sind, habe ich nicht so ein schlechtes Gewissen, als einen Hund alleine allein zu lassen. Und wenn ich in Hamburg drehe - was ich ja jetzt wieder muss ab August - ist sie sowieso mit. Und die ist dann mit im Hotel und bleibt dann liegen.
Und dadurch, dass sie so alt ist, reicht es, wenn ich mittags mit ihr rausgehe und abends und so und dann pennt die. Und irgend jemand findet sich immer, der an ihr 'rumpuschelt und dann ist es gut. Die Ansprüche von Sophie sind nicht mehr so hoch wie von 'nem jungen Hund.

B. Böttinger: Früher waren Hunde Nutztiere, alle Haustiere waren ganz klar Nutztiere...

Mariele:
Ja, jedes hatte seine Aufgabe.

B. Böttinger:
Was ist denn jetzt die Aufgabe von Sophie?

Mariele:
(überlegt kurz) Mich zu nerven im Grunde. (sie lacht) Im Grunde geht sie mir manchmal unglaublich auf den Wecker. Aber die ist ja dann wieder so lieb, also... sie hat keine Aufgabe. Haus bewachen.

B.trifft - Mariele 14 B. Böttinger: Und bei Ihnen [Herr, Brucker] ? (Sophie bellt.)

Mariele: Ja, jetzt hat sie's ihm aber gezeigt. So Sophie, guck mal, der ist ganz blass jetzt. (sie nimmt Sophie auf den Schoß) So, Sophie, der ist jetzt weg.

B. Böttinger:
Jetzt sehe ich doch die Ähnlichkeit mit Piefke ganz klar. Aber ganz klar.

Mariele:
(zu Willy, der immer noch was von Sophie will) Willy, du hast jetzt Pause!

B. Böttinger: Haben Sie mal versucht, Sophie zu erziehen?

Mariele: Ja, das hat keinen Zweck. Das ist Anarcho, die hört wirklich nicht. Die macht mir heute noch in die Wohnung, wenn die sauer ist.

B. Böttinger:
Nein!

Mariele: Ja, wenn ich irgendwas mache, was ihr nicht passt, dann finde ich mit Sicherheit irgendwo ein freundliches Häufchen und da kann ich bitten, betteln, prügeln, hauen, schreien, ich kann alles ...

B. Böttinger: Sie hauen diesen Hund?

B.trifft - Mariele 15
 
Mariele: Ja, es gibt mal 'nen Satz heiße Ohren zwischendurch. (sie grinst und knuddelt Sophie)

B. Böttinger:
Ach Du liebes ... Ach da kann man ja gar nicht hingucken, so rührend ist das. - Herr Brucker, trauen Sie sich zu, ein Kind zu erziehen?

A. Brucker: Ja klar.

B. Böttinger:
(lacht) Haben Sie mit Willy gute Erfahrungen gemacht?

A. Brucker:
Ja, ich glaube das ohnehin ein Hund so eine Art Vorstufe für ein Kind sein kann. Klingt jetzt ziemlich banal, aber das ist irgendwo so. Also ich glaube da ist sehr viel, was ich bei dem Hund irgendwie an Erziehung tätige, was ich auch auf's Kind projizieren kann. Ob es das ganz simple Straßenverhalten ist, ob es gewisse Höflichkeitsformen sind, es ist ein bisschen komisch, es klingt auch ein bisschen blöd, was ich jetzt so sage, aber ich glaube das irgendwo schon.
Und ich glaube auch, dass ein Hund auch kein Nutztier mehr ist heutzutage. Obwohl er ein Hirtenhund ist. Nee, aber ich glaube, das ist irgendwo nichts anderes als 'ne Verwirklichung seines eigenen Egos. Es heißt: "Jeder Mann braucht seinen Hund", hat mir mal ein bekannter Werber aus Hamburg gesagt. Das war so'n Satz, der irgendwie hängen geblieben ist.

B. Böttinger:
Jeder Mann braucht seinen Hund?

A. Brucker:
Ja.

B. Böttinger:
Sie hatten mal 'ne Vogelspinne.

A. Brucker:
Ja, das stimmt.

B. Böttinger:
Das heißt, Ihre Tierleidenschaft ist irgendwie weit gefächert?

A. Brucker: Die wurde mir als Hund verkauft. Die sagten, die wächst noch.

B.trifft - Mariele 16 B. Böttinger: (lacht)Was ist denn jetzt los?

Mariele:
Ich krieg' Schimpfe vom Ton. Toni schimpft mit mir, weil Sophie auf meinem Ton lag.

B. Böttinger: (lacht) Alles in Ordnung, Sophie, sag jetzt bitte nichts.

Mariele:
Ja, gut, sie sagt jetzt nichts.

A. Bruckers Vogelspinnen-Geschichte spare ich mir. - Anm.d.W.
 
B. Böttinger: Ja, ich kann jetzt ... ich muss jetzt mal auf meinen Spickzettel gucken, weil wir jetzt ein kleines Spiel für Sie eingebaut haben. Wir wollen wissen, wer ist der bessere Hundkenner. Und ich würde jetzt einfach mal sagen...

A. Brucker:
Als Tierärztin ...

B. Böttinger:
Nee, nicht sezieren.

Mariele:
Das ist auch schon Jahre her.

A. Brucker:
Der bin ich, der bessere Hundekenner, würde ich sagen.

B. Böttinger:
Spitzt doch einfach mal die Ohren. Wir haben mal Beispiel Nummer Eins.

Das Bellen eines Hundes wird eingespielt.

B. Böttinger: Wer ist das? Rasse?

A. Brucker:
Das ist ein kleiner Hund.

Mariele:
Ja, klein auf jeden Fall. Ich würde mal sagen, irgend so'n Terrier oder so was? (B. Böttinger deutet auf Sophie) Ist es meiner?

B. Böttinger:
Dackel.

A. Brucker:
Habe ich gerade gedacht. Habe ich gedacht.
B. trifft 9
 
B. Böttinger: Machen wir mal Beispiel Nummer Zwei.

Noch mal wird das Bellen eines Hundes eingespielt.

Mariele: Ein großer Hund natürlich, was Größeres.

A. Brucker:
Ich würde sagen ...

Mariele:
Schäferhund?

A. Brucker: ... Terrier.

B. Böttinger:
Schäferhund.

A. Brucker:
Terrier-Schäferhund-Mischling wollte ich gerade sagen.

B. Böttinger: Sie haben eben gesagt, Hunde sind keine Nutztiere. Das Problem ist ja, viele Hunde werden jedoch benutzt für bestimmte Dinge. Also jetzt, wenn ich zum Beispiel denke, der deutsche Schäferhund steht ja für was. Der steht ja für Ordnung, der steht auch für Macht.

A. Brucker:
Wachsamkeit.

B. Böttinger:
Wachsamkeit?

Mariele:
Oh ja.

B. Böttinger: Wie ist das mit dem Waffenschein für Hunde?

B.trifft - Mariele 17 Mariele: Oh, das ist natürlich ein Thema: ich meine die Tiere, die Hunde sind letztendlich die Leidtragenden, denn auch diese Züchtungen Bandogs (?, Anm.d.W.) und Pitbulls, die sind nicht von vornherein bösartig. Sondern sie werden eben heiß gemacht oder dazu gebracht, dass sie die Hemmschwelle nicht mehr haben. Wobei man auch dazu sagen muss, dass ganz bestimmte Züchtungsarten auch dazu führen, dass diese Beißhemmung gesunken ist ganz einfach.
Aber ich denke, man muss sich immer das andere Ende der Leine ansehen. Und ich finde, es gibt ganz bestimmte Menschen, die keinen Moralbegriff haben, was das Tier betrifft, oder die Tiere müssen Dinge ausbaden, die bei den Menschen fehlen. Und ich denke, da müsste man wirklich 'nen Riegel vorschieben. Und nicht generell auf die Rassen losgehen, weil die können nix dafür.
 
B. Böttinger: Ja klar.

A. Brucker:
Das stimmt schon, aber ich glaube, dass ein Waffenschein für Tiere überhaupt nichts bringt. Das ist genauso wie mit richtigen Waffen. Ich meine, man braucht einen Waffenschein dafür, aber die, die sie benutzen, die haben auch keinen. Demzufolge wird es auch genauso gehandhabt, dass sich dann Tiere anderweitig besorgt werden. Ein Waffenschein bringt nicht viel, glaube ich.

Mariele: Ja sicher.

A. Brucker:
Vor allen Dingen ist das auch keine Garantie dafür, dass der Hund dementsprechend dann ein liebevolles Zuhause hat.

B. Böttinger:
Ist Ihnen das denn schon mal aufgefallen oder dir, A., dass du sagst: "Hör mal, da zieht jemand mit seinem Hund los und will nur Eindruck schinden" und dann wirst du sauer?

A. Brucker:
Ja. Habe ich schon gehabt. Gerade in Hamburg an der Außenalster, wo ich häufiger spazieren bin. Da habe ich schon erlebt, dass irgendwelche Hohlköpfe ihre kleinen Pitbulls die Bäume hochgejagt haben und das ganz toll fanden, wenn die dann sich festgebissen haben an irgendwelchen Ästen. Es gibt solche Idioten. Ja, das ist ein Potenz-Ersatz. Ist abgedroschen, ich weiß, aber das fiel mir ganz einfach so ein.

Mariele: Ja, das überkommt einen, der Gedanke.

B. Böttinger:
Ja, ne. Ab und an.

Mariele:
Eigentlich immer häufiger.

A. Brucker:
Mensch, ich bräuchte eigentlich auch so'n Pitbull.

B. Böttinger:
Ach nein?!

Mariele: Mein Bruder hat einen. Der ist zauberhaft, der Hund. Pit ist so was Liebes, wirklich.
B.trifft - Mariele 18
 
B. Böttinger: Der heißt Pit?

Mariele:
Der heißt Pit. Und so ein netter Hund wirklich, verspielt und freundlich. Man muss ihn eben nur behandeln wie einen Hund.

A. Brucker:
Stimmt, ich habe auch sehr gute Erfahrungen gemacht mit solchen Tieren. Freunde von mir, die haben ... einer, der hat so einen American Bulldog, ein Weibchen, 'ne ganz, ganz Süße. Auch ganz lieb zu anderen Hunden. Und ein anderer hat einen großen Pitbull. Auch ganz liebe Tiere. Hängt von der Erziehung ab.

Mariele:
Absolut.

B. Böttinger:
Warum war es denn jetzt gerade Willy?

A. Brucker:
Ich wollte ja Heiner haben, den wollten die mir nicht geben. Nein, meine Freundin sagte damals zu mir - das war mir so in Erinnerung - also so ein Pitbull oder so ein Kampfhund kommt mir nicht ins Haus. Ich finde die nämlich eigentlich von der Beschaffung her ganz schön, die Tiere. Sie sind muskulös, sie sind sportlich, irgendwo hat man auch gewisse andere Assoziationen außer Zuhälterei und Hundekampf. Sie sind einfach ziemlich robust und sportlich. Und ich wollte mir eigentlich einen Pitbull kaufen oder einen Riesenschnauzer.
Meine damalige Freundin, meine jetzige Freundin auch, (spricht in die Kamera) "Entschuldigung, war nicht so gemeint" die sagte dann: "Also, so ein Tier kommt mir nicht ins Haus". Und dann fiel mir diese Rasse auf, weil die einfach so lieb sind so vom Wesen her, von der Art.

B. Böttinger:
Sieht lieb aus.

A. Brucker:
Ist sie auch.

Mariele:
Aber die beißenden Schweine sind trotzdem tolle Hunde, die Bullterrier.

B. Böttinger:
Na ja, ich weiß nicht ...

Mariele:
Die finde ich klasse. Die sind ja so hässlich, die sind wunderbar.

B. Böttinger:
Die sind schon wieder schön, ne?

Mariele:
Die sind schon wieder schön, so potthässlich, wie die sind.

B. Böttinger: Ich weiß. Piefke ist 12 ½ und ich habe ihn damals geschenkt bekommen, weil ein Mensch, der mich gut leiden konnte, sagte: "Du musst dich endlich daran gewöhnen, ein geregeltes Leben zu führen. Und wenn du einen Hund hast ..."

Mariele:
Hat es dazu geführt? Nicht wirklich, oder?

B. Böttinger:
Ja, doch, doch. Ziemlich.

Mariele:
Doch?

B. Böttinger:
"Wenn du einen Hund hast, dann musst du regelmäßig mit dem 'raus, da musst du dich darum kümmern, dass im Kühlschrank irgendwas ist, und wenn es nur "PAL" ist ...

B.trifft - Mariele 19 Mariele: Das stimmt. (sie lacht)

B. Böttinger: ... oder sonst irgendeine Marke oder was auch immer." Und es hat ganz gut funktioniert. Hunde können einen ja auch so ein bisschen mit erziehen. Hat Sophie Sie in irgendeiner Hinsicht erzogen? Sophie Sie, wenn Sie es schon umgekehrt nicht mir ihr geschafft haben?

Mariele: Gott, höchstens das, was Sie jetzt auch ansprechen. Man muss sich eben bei jedem Wetter raus begeben, mit ihr spazieren gehen, obwohl ich das jetzt auch nicht mehr muss. Wir haben einen Garten und ich lass die dann eiskalt nur raus. Wenn wir keine Lust haben, spazieren zu gehen, wir beiden älteren Damen, dann gehen wir nicht. (sie lacht) Dann bleiben wir zu Hause.
 
B. Böttinger: Das Thema heute Abend war "Wahre Hundeliebe", das der dritten Runde. Ich hoffe, es hat Ihnen Spaß gemacht zuzugucken. Ich weiß nicht, Sophie ist jetzt glaube ich gut aufgehoben.

A. Brucker:
Scht, die schläft.

B. Böttinger:
Ich ...(sie flüstert) Sophie schläft, Entschuldigung. Es wäre schön, wenn Sie nächste Woche wieder 'reingucken. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende, einen schönen 1. Mai. Bis dahin. Tschüß zusammen!

Mariele:
Tschüß.

© 1995 WDR