"Mona spricht viel langsamer als ich"
(Westdeutsche Zeitung, 25.05.04)
 
RTL, 20.15 Uhr. Schwester Nikola streift die Haube ab und ist plötzlich überhaupt nicht mehr komisch: Mariele Millowitsch ahnt als Kommissarin Mona Seiler Abgründe überall. Nach einem Jahr TV-Ermittlungspause führt ihr zweiter Fall sie in eine Familie, in der plötzlich nichts mehr heil ist. Die Tochter (mit lesbischer Freundin) kämpft gegen die wachsende Entfremdung der Eltern, die Mutter hat einen kriminellen Jung-Lover – und der Vater wird eines Tages im Garten ausgebuddelt. Offenbar war er noch am Leben, als man ihn dort begrub. Ärgerlich ist allerdings dass SAT.1 gegen den durchaus spannenden RTL-Krimi zeitgleich eine Komödie mit der Millowitsch programmiert hat.
 
Frau Millowitsch, sind solche massiven Krimi-Grausamkeiten so ganz Ihr Geschmack?
Sie werden ja nicht gezeigt. Und sie gehören leider zu unser aller Wirklichkeit. Wozu ist ein Mensch, vielleicht eben noch ein ganz gesittetes Wesen, fähig? Denken wir nur an die Vorgänge im Irak. Und ich hätte nichts dagegen, wenn auch die Mona mal in eine Situation geriete, in der sie sich hinreißen lässt, gegen alle guten Sitten zu verstoßen.

Was ist diese Mona überhaupt für ein Mensch?
Ein Terrier. Eine Kämpferin. Sehr ungeduldig. Auch jemand, der verrohen, verwahrlosen könnte. Ihr Kind, glaube ich, ist da sehr wichtig. Es hält sie sozusagen zusammen.
 

Ein eigentlich schwacher Mensch?
Nicht schwach, aber mit schwachen Momenten, was sie dann zu vertuschen versucht. Und so macht sie auch Fehler. Vor allem, wenn sie mal nicht auf ihren Bauch, sondern auf den Kopf gehört hat.

Sie wird ja nun nicht mehr so kräftig von den männlichen Kollegen gemobbt.

Nein das wäre auf die Dauer auch langweilig geworden. Sie hat sich eben durchgesetzt.

Ihr bisheriger Hauptgegner in der Mordkommission, der Kommissar Fischer verhält sich hier fair. Bahnt sich am Ende eine hassliebende Dauerkabbelei wie zwischen Ihrer „Schwester Nikola“ und deren Chefarzt an?
Sicher nicht. Der Fischer bleibt schon in Opposition, weil er generell ein Problem mit Frauen als Vorgesetzte hat. Ein Mann in dieser Position wäre ihm nun mal lieber.

Wie anders spielt sich eigentlich die Mona im Gegensatz zur Nikola?
Sie spricht schon mal viel langsamer, hat nicht solch einen Affenzahn drauf wie Nikola und wie, nun ja, ich selber leider auch.

Zum Ensemble gehört mit Nikolai Kinski der Sohn eines sehr starken, sehr berühmten Vaters, Klaus Kinski, was ja ein wenig Ihrem eigenen Schicksal als Tochter von Willy Millowitsch ähnelt. Haben Sie darüber mit ihm gesprochen?
Kaum, und ich hatte auch nicht den Eindruck, dass das für ihn ein sehr großes Problem ist. Dass die Boulevardpresse bei jedem Gesichtszucken wahrscheinlich schreiben wird: „Genau der Vater!“, wird er, nehme ich an, ertragen können. Ein sehr präziser, sachlicher und sehr sympathischer Kollege, der auch noch toll aussieht. Ich prophezeie ihm eine große Zukunft.

© Westdeutsche Zeitung 2004, Paul Barz