"Helden des Alltags"
(Young Care - Magazin für Altenpflegerinnen
und Altenpfleger von morgen, Juni 2004)
 
Wenn ich in Porträts oder Interviews als "großer Star" bezeichnet werde, bin ich über diese Formulierung nicht ganz glücklich. Für mich ist Schauspielerei ein Handwerk wie jedes andere auch. Die "Helden des Alltags" stehen eher selten vor der Kamera, sondern wirken abseits der großen Öffentlichkeit. Sie als zukünftige Altenpfleger gehören zu diesen "Helden", die eine ganz wichtige Aufgabe in unserer Gesellschaft erfüllen.

Krank zu werden und nicht mehr so zu können wie ich will, empfinde ich selbst als Horror. Welchen Wert die Selbständigkeit für uns hat, merken wir doch erst dann so richtig, wenn wir auch bei selbstverständlichen Alltagsdingen auf andere angewiesen sind. Zum Beispiel wenn wir uns verletzt haben oder erkrankt sind. Wie wichtig ist es dann, dass uns jemand hilft und Verständnis für uns hat. Sie leisten diese "Beistandsarbeit" für ältere, pflegebedürftige Menschen jeden Tag in Ihrem Job. Das finde ich ganz fabelhaft und bewunderswert.
Mariele Millowitsch
 
Deswegen hoffe ich, dass die Arbeitsbedingungen für die in der Altenpflege engagierten Frauen und Männer deutlich verbessert werden. Zu wenig Nachwuchs in diesem Beruf bedeutet in absehbarer Zeit weniger Lebensqualität für die Senioren. Und zu denen gehören wir ja alle irgendwann einmal. Um es klar zu sagen: Unser "spätes Glück" setzt genügend Pflegepersonal voraus.

Gerade im Umgang mit älteren Leuten ist Zeit unverzichtbar. Was nützt das größte Engagement, wenn die Arbeit rein zeitlich gar nicht zu schaffen ist. Manche sind schwierig, haben sich in ihre Erinnerungen zurückgezogen und können nur mit sehr viel Geduld und Einfühlungsvermögen aus ihrer Isolation befreit werden. Zum Glücklichsein gehört für mich auf jeden Fall die bewusste Teilnahme am Leben. Zum Beispiel die Natur und den Sonnenschein bei einem Spaziergang genießen zu können. Solche Glücksmomente können Sie den älteren Menschen schenken. Deswegen steht Ihr Beruf auf der "Wichtigkeitsskala" ganz weit oben!

© 2004 Young Care; Mariele Millowitsch