Wetten dass!
(ZDF, Januar 1998)
 
Andere Gäste auf dem Sofa sind Piet Klocke, Günther Jauch und Kevin Kline.

Gottschalk:.... Sie ist das, was man in Amerika den Star einer Comedyserie nennen würde. Bei uns ist sie's auch. Alles, was sie derzeit macht, hat großen Erfolg. Vielleicht hat sie es doch vom Papa geerbt. Ich freu mich auf: Mariele Millowitsch! [....] Servus, herzlich Willkommen!

Mariele begrüßt erstmal alle anderen auf dem Sofa

Mariele: (zu Piet Klocke) Herr Professor, freut mich ganz besonders.(zu Günter Jauch) Hi (und zu Kevin Kline) Hi! Nice to meet you!

Gottschalk: Bitteschön, daneben...

Mariele: (setzt sich neben Kevin Kline) Danke!

Gottschalk: Das ist auch was Schönes für's Fotoalbum, hast du Sachen von ihm [Kevin Kline] gesehen?
 
Mariele: Ja, natürlich, na klar! Mir fehlt noch "Icestorm" und mir fehlt noch "In & Out" - aber, es kömmt ja.

Gottschalk:
Es kömmt, es kömmt. Mariele!

Mariele: Ja!

Gottschalk: Du machst Serie, d.h. du begegnest dem Zuschauer immer wieder. Viele sagen erst mal "möchte ich nicht, ist 'ne gewisse Gefahr" und du machst ja gleich zwei Geschichten: "girl friends" und "Nikola" und beides läuft gut. Also, im Moment gibt's für dich keinen Grund zur Klage?
Wetten daß! 1
 
Mariele: Nee, nee, ich klag auch nicht. Mir geht es wirklich gut und beide Projekte machen mir sehr viel Spaß. Klar ist die Gefährdung bei Serie immer da. Aber das Eine hat mit dem Anderen so wenig zu tun, die beiden Figuren sind so unterschiedlich, dass ich da keine Gefahr sehe.

Gottschalk: Schielst du ab und zu so, was die amerikanischen Kollegen machen im Bereich Comedy und natürlich auch, was sie so dafür kriegen? Ich muss das mal erzählen: einem amerikanischen Kerl wie mir, der hat gerade ein Angebot über 110 Millionen Dollar abgelehnt! Sowas bieten die mir nicht mal an! Also, unglaublich...

Wetten daß! 2 Mariele: (gespielt ernsthaft) Ach...unverständlich.

Gottschalk: Also, 110 Millionen Dollar, unglaublich!

Mariele: Hab ich auch noch nicht angeboten bekommen.

Gottschalk:
Da sind einfach die Größenordnungen ganz anders. Trotzdem macht's uns ja Spaß mit unserem Publikum, mit unserem Fernsehen - also, dir reichen zwei Serien zum Leben?

Mariele:
Ja, geht mir gut, danke.
 
Gottschalk: Wenn man bedenkt, wie der Papa angefangen hat, das war ja noch MEIN Fernsehen, Menschenskinder. Richtig gefilmtes Zimmertheater, aber es war ja im Grunde nichts anderes als die gleichen Familiengeschichten, die heute auch erzählt werden.

Mariele:
Ja, im Grunde ist es irgendwie dasselbe geblieben, es hat sich nicht viel geändert. Natürlich ist die Technik 'ne andere und die Möglichkeiten sind andere, aber die Leute interessieren sich immer noch für Menschen, immer noch für gut erzählte Geschichten und das wird immer so bleiben, denke ich.

Gottschalk:
Wie geht's dem Vater?

Mariele: Gut.

Gottschalk: Guckt er zu?

Mariele: Ich nehm's an...

Gottschalk: Willy, isch bin dein Freund!

Er wirft 'ne Kusshand in die Kamera und erntet ziemlichen Applaus

Gottschalk: (zu Kevin Kline) Her father is Bing Crosby.

Mariele: Not really, but....

Gottschalk: Willy, Willy Crosby. Nice guy, she's the daughter. (zu Kevin Kline) Gab es denn schon mal Berührungen mit deutschen Schauspielerinnen, in irgend einer Form? Schon mal mit 'ner deutschen Kollegin gearbeitet?

Kevin Kline: Nein - nein.

Gottschalk: Da wird's aber Zeit. Die deutschen Männer küssen auch recht gut - Götz George. (allgemeines Gelächter) [....] Mariele, Professor Hindemith schaut etwas finster.

Mariele: Was gibt's, Herr Professor?

Klocke: Nein, es ist - ich beobachte das alles hier sehr schön - und mir gefällt's.

Mariele: Ach schön.

Klocke: I like it.

Mariele: You like it? (zu Kevin Kline) He likes it, ok...

Klocke: ... this "Rahmenprogram". (allgemeines Gelächter)

Gottschalk:
Deutsche Intellektuelle...

Mariele: Ja (zu Kevin Kline) We have a lot of them...

Gottschalk: Steht in einer Tradition mit Wim Wenders im Filmbereicht...

Jauch: Wim Wenders ... Wim Toehlke ...

Gottschalk: Wim Wenders ... Wim Toehlke, die großen Deutschen. Mariele, so: den Tierarzt müssen wir noch mal kurz aufgreifen, denn der wäre ja eigentlich nicht nötig gewesen. Du hast die Karriere sozusagen vom Hause vorgeschrieben bekommen oder besser, sie war dir in die Wiege gelegt, die Schauspielerei. Wann kam der Moment, wo du gesagt hast, mich interessiert doch ein akademischer Beruf, der ganz anders ist?

Mariele: Es kam gar nicht so, dass ich gesagt habe "mich interessiert dieser Beruf", sondern mich interssierte erst mal, wie komme ich aus diesem ganzen Familienclan raus. Also, das war ein echter Fluchtversuch. Das war gleich nach dem Abitur und da hab ich gedacht:"Jetzt ... Schauspielschule - nee! Da reden die mir immer rein und irgendwie hab ich da nix Eigenes." Dann kam ich erst auf die Idee mit der Tiermedizin nach längerem Nachdenken, weil ich immer schon Viecher hatte und dachte, das gefällt mir. War auch gut so! Ich möchte es nicht missen, es war genau der richtige Weg. Mein Leben geht eben immer so (sie deutet eine Zickzacklinie an), was soll's.

Gottschalk: Kann man bei Fischen eigentlich - hätte man da amputieren können oder...? [Anm.d.W.: Kevin Kline hat in der Sendung vorher einen "falschen" Fisch geschluckt]

Mariele: Nicht oft, aber einmal....

Gottschalk: Nicht oft, aber ich betone noch einmal, es war ein kleiner Scherz, dem Tier ist nichts passiert. Mariele, du hättest dich sofort nach vorne gestürzt...

Mariele: Ich hätte mich dazwischen geworfen, das glaubst du...

Gottschalk: So, also, jetzt pass mal auf. (zu Kevin Kline) Wie steht's mit dem Deutschen übrigens? Sag mal Mariele Millowitsch.

Mariele: Oooh, der arme Mann...

Kevin Kline (sehr radebrechend) Mariele Millowitsch.

Mariele:
Perfect!

Kevin Kline probiert weiter....

Mariele: Ma-rie-le. Even for the Germans it's a problem. Ma-rie-le. Got it?

Kevin Kline: No! (Mariele lacht)

Gottschalk: "Little Mary"
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Mariele: No, not little, not really!

Kevin Kline: Millowitsch, it sound's russian.

Mariele: A bit. It's the direction...

Gottschalk: Sag mal, ist das ein Gerücht, dass du "Alles wird gut" in deinen Ring eintätowieren...

Mariele: Ich hab einen von einer entfernteren Freundin geschickt bekommen, das ist 'ne lange Geschichte - Axel Beyer kann dir dazu mehr erzählen.

Gottschalk: Eben, hat er mir schon.

Mariele: Hat er schon. Jetzt hab ich einen anderen an. Ich besitze diesen Ring noch.

Gottschalk: Sie besitzt einen Ring, in dem drin steht "Alles wird gut" - ist das nicht niedlich?

Mariele: ER (zeigt auf ihren Ring) ist es nun nicht.

Gottschalk: Vielleicht krieg ich nach der Sendung ein "alles war gut". Jetzt kommt es zu einer Wette, wo ich sagen muss "Höchsten Respekt" - auch Herr Professor, da werden Sie sich freuen. In der Wette geht es um zwei Männer (Vater und Sohn) die 100 Erzählungen, Balladen und Gedichte großer deutscher Dichter auswendig kennen und meinen, diese anhand beliebig ausgewählter, vier aufeinander folgender Wörter wiederzuerkennen.

Gottschalk: Mariele, pass gut auf.

Mariele: Ich pass auf.

[....]

Wetten daß! 4 Gottschalk: 2000 Worte hat der längste Text und die sind länger und kürzer. Kann man sich sowas auswendig einprägen?

Mariele: Wenn ich von mir ausgehe... ich bin zwar Schauspielerin, aber mit dem Text hapert's immer ganz gern. Ich glaube nicht, dass es geht. Seien Sie mir nicht böse, aber ich gehe davon aus, dass es nicht klappen wird.

Gottschalk: Ok [....] Mariele, gibt es eine Gegenleistung, zu der Du bereit wärst, wenn die Herren versagen?
 
Mariele: Ja, die muss es ja geben, denk ich und ich dachte mir, dem Anlass entsprechend würde ich dann ein KLEINES Gedichtchen vortragen, mein Lieblingsgedicht - Herr Professor wird sich freuen - ich dachte mir, ich lese "Die Glocke" vor, von Friedrich Schiller.

Gottschalk: 34 Strophen!

Mariele: Na, macht ja nichts, Sport-Studio ist Kummer gewöhnt, das macht gar nix.

Gottschalk: Das Sport-Studio wird, glaube ich, heute nicht mehr stattfinden, aber wir enthalten uns des Mitleides.

[....]

Die Wette wird gewonnen und Mariele muss ran

Gottschalk: Du hast es nicht für möglich gehalten!

Mariele: Ja, das rächt sich, wenn man Pessimist ist, ich seh das schon.

Gottschalk: Willst du dir das nicht doch noch mal überlegen, ich meine, die ganze "Glocke"?

Mariele: Nö, ich finde, die Herrschaften haben auch ein bisschen das Recht auf Kultur und ein paar Muße-Minuten.

Gottschalk: Bremer sind als geduldig bekannt.

Mariele: Ja, müssen sie auch...

Gottschalk: Die Kölner hauen nach der 2. Strophe ab, ich sag's dir!

Mariele:
Nein, nein, nein, das glaub ich nicht.

Gottschalk: Naja, wollen wir den Kölnern nichts unterstellen - "Die Glocke". Wollen wir vielleicht, es ist ja ein langes Werk, erst mal ein Gläschen Wasser?! Oh weh, oh weh, Kultur-überfrachtet, aber die süddeutsche Kritik wird's mir danken. Bitteschön! Mariele Millowitsch, "Die Glocke".

Mariele: (nach kurzer künstlerischer Paus) "Die Glocke" - von Friedrich Schiller: Loch inne Erde - Bronze rin - fertig ist die Glocke - bimm bimm bimm! Dankeschön! (rasender Applaus)
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Und das passierte später noch als wegen Wolfgang Joop und Claudia Schiffer das Thema auf "Brautmode" kam...

Gottschalk: Mariele, du bist auch noch zu haben, gell? Ich weiß ... man hört, es geht in eine Richtung, aber es ist noch nichts...

Mariele: ... noch nichts unterschrieben! Nein.

Gottschalk: Noch nichts Endgültiges?

Mariele: Nein.

Gottschalk: Möchtest du in einem großen, weißen Brautkleid heiraten?

Mariele: (lacht schallend) Wenn ich in weiß heirate, habe ich alle Lacher auf meiner Seite, das glaubt mir keiner!

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