| Auf der Spur meiner Ahnen (ZDF, 18.07.07) |
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Mariele: Ich werde Schauspielerin und Tierärztin. Das hab
ich wohl schon von Kindesbeinen an gesagt, das hat mir meine Mutter immer
erzählt. Für Vater war es wohl wichtig, so wie er das erlebt
hatte, dass immer die ganze Familie mit auf der Bühne stehen sollte.
Das war für ihn das Allerschönste. Als ich dann weggegangen
bin, war das mein Versuch zu sagen, ich mach jetzt was Eigenes, in das
mir keiner reinquatschen kann. Ich merkte bei allem Drang da wegzukommen,
aber auch wieder, wie es so an mir gezogen hat. Und ich hab dann 1983
nach dem 3. Staatsexamen SOFORT nicht Tiere behandelt, sondern bin gleich
auf die Bühne gegangen. |
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Off: Die Familienbühne in Köln. Die Millowitschs
sind eine legendäre Schauspieler-Dynastie. Mariele, Willy Millowitschs
Jüngste, ist schon mit sechs Jahren ein Star. Starke Frau mit viel
Humor. Solche Rollen haben sie zum Publikumsliebling gemacht. Die ZDF
Serie "girl friends" brachte ihr den Durchbruch.
Mariele: Runterzugucken auf den Stammbaum und zu sagen: "Wow, das sind jetzt 150 Jahre und wir die sechste Generation mit den Fähigkeiten zum Tanz, zum Gesang" das finde ich beeindruckend. |
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Off: Mariele trifft sich mit ihren Schwestern Katarina und Susanne.
Wo fängt man mit der Ahnenforschung an? Am besten bei den Eltern.
Vater Willys Familienfilme sind der Start einer Zeitreise in die Vergangenheit.
(es werden alte private Filmaufnahmen gezeigt, die von den drei Schwestern
kommentiert werden) |
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K. Eisenlohr: Vor allen Dingen Weihnachten. Da
mussten wir immer gestiefelt und gespornt und schön angezogen der
Reihe nach antreten. Und dann wurde auf Familie gemacht.
Mariele: Aber solange die Eltern da sind, ist alles so selbstverständlich und dann sind die weg und dann hat man keine Chance mehr zu reden. Da haben wir die Fahrräder geschenkt gekriegt und ein paar Wochen später lagen die, glaube ich, irgendwo auf der Straße im Dreck und der Vater hat geschimpft. War unser Vater wütend. Weil er immer so hart arbeiten musste für sein Geld und wenn wir Kinder so lax im Umgang waren mit Werten ist er ausgerastet. |
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K. Eisenlohr: Er ist irgendwie in einem Internat gewesen in St.
Goarshausen und ist da abgehauen, weil er so Heimweh hatte und von da
an hat er immer im Theater mitgearbeitet, aber als Mädchen für
alles. Der hat geputzt und alles, alles was man machte. |
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Off: Marieles nächste Verabredung: ihr Bruder Peter. Peter hat das Erbe als Theaterdirektor angetreten. Weiß er ob diese Familientradition für Vater Willy in jungen Jahren eine Last war? Mariele: Und wie ist für dich so das Gefühl, wenn du
hier stehst und sagst: "Ja, früher hier klein angefangen und
jetzt hier und der Chef" Und ist da nicht der Druck, dass du sagst,
du musst jedes Jahr die Leute hier reinbringen und deine Stücke selber
schreiben... |
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P. Millowitsch: Schwierig. Schwierig war das mit Willy, weil
Willy ein Willy-zentrisches Weltbild hatte und alles was darüber
hinaus ging war schwierig. Aber er konnte auch nicht anders, weil es
bei seinem Vater genauso war. |
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Mariele: Wie ist er denn überhaupt dahin gekommen
zu diesen KdF-Tourneen?
P. Millowitsch: Ja, wie man dazu hinkam... Mariele: Der hat, glaube ich, einen Fahrbefehl erhalten.... P. Millowitsch: Nee, KdF das war doch, nicht gerade eine Lizenz zum Gelddrucken, aber das war doch eine todsichere Sache. Wenn du den Spielplan des Millowitsch-Theaters vor 1933 siehst, dann stellst du fest: die haben Stücke für 10 oder 14 Tage gespielt und dann gab's schon wieder ein neues, dann war schon wieder Feierabend. Und nach 1933 hört das mit einem Schlag auf und die haben richtig lange Spielzeiten. Da wurden nämlich die Vorstellungen vom KdF gekauft. |
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Mariele: Aber wie ist der Vater da dran gekommen, hat der sich
da vorgestellt oder haben die ihn gebeten zu fahren? |
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Off: 1936 eröffnet der Großvater sein Theater in der Aachener Straße als Heimatbühne Millowitsch. Kraft durch Freude. KdF. Unter diesem Motto kurbelte die NS-Organisation den Theaterbetrieb durch Subventionen an und setzt das Ensemble zur Truppenbetreuung ein. Gibt es Akten über die Zusammenarbeit des Vaters mit den Nazis? Auskunft bekommt sie im Kölner NS-Dokumentationszentrum. |
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Mariele:
Ich hatte letzte Woche schon mal
angerufen, Sie erinnern sich? Genau, ob Sie Unterlagen haben über
meinen Vater Willy Millowitsch. Ist Ihnen da irgendetwas aufgefallen,
in die Hände gekommen, wie auch immer? Nichts? Gut...
Off: Mariele kennt den Theaterwissenschaftler Winfried Bonk. Er hat für seine Doktorarbeit Interviews mit Willy aufgenommen. Haben die beiden auch über das Front-Theater gesprochen? W. Bonk: Das war lange Zeit ein Tabu-Thema, der wollte auch mir gegenüber über diese ganze KdF Geschichte nur sehr ungern reden. |
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Man hörte eine alte Ton-Aufnahme |
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Willy Millowitsch: Sie gingen vor nach dem Motto, was ihnen
ja auch sehr lag: immer Lachen, immer Frohsinn, Kraft durch Freude.
Kraft durch Lachen, Kraft durch Theater. Kraft durch Lachen, das war
ja auch für die gut, ich war ja auch da am Front-Theater ständig
gefragt mit der Bühne. "Wir müssen den Millowitsch haben!
Wir müssen den Millowitsch haben!" Normalerweise hätten
die mich in Nürnberg auch an die Wand stellen müssen, hätten
sagen müssen: "Sie haben die Kampfkraft gefördert! Sie
haben die Leute zum Lachen gebracht, Sie haben ihnen Lust gegeben zum
Kämpfen." Normalerweise.. |
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Mariele: Weißt du, was der hatte, was das war? |
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W. Bonk: ...und er ist ausgebuht worden. Weil er
einfach an seinen Vater nicht heranreichen konnte. And dessen Humor, an
dessen Persönlichkeit, an die Liebe, die das Publikum auch für
den Vater entwickelt hatte. Und dann begann ja 1939 im Herbst der Krieg
und relativ bald kriegten die das Angebot über die Kraft durch Freude
Organisation, mit denen sie ja als Besucher Organisation im Theater schon
zusammengearbeitet haben, eben für die Westwall Arbeiter zu spielen
und das war dann Willys große Chance. Das war Willys große
Chance als Schauspieler zu spielen außerhalb von Köln für
Leute, die ihn nicht kannten, denn da konnte er sich seine Meriten ganz
alleine verdienen und konnte sich erproben und konnte in die Rollen reinwachsen.
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Also ich glaube, dass weder deine Großeltern, also Peter und Käthe, noch Willy Nazis gewesen sind. Dafür gibt's keine Hinweise. Die waren Theaterunternehmer, die waren Schauspieler und die wollten mit ihren privaten Unternehmungen, dass es ihnen gut geht. Und dass die Nazis zu dieser Zeit das unterstützten, war ihnen natürlich recht. |
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Off: Köln gleicht einer Geisterstadt als Marieles Vater im
Januar 1944 mit seiner Frontbühne zum letzten Mal nach Frankreich
aufbricht. |
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Mariele zeigt ihren Schwestern Film-Aufnahmen aus der Zeit des Front-Theaters |
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Mariele: So die kennt ihr ja noch gar nicht die Bilder. |
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Mariele: Das ist am Atlantik schätze ich mal tapfer, oder?
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Mariele: Weiß einer von euch was über den Bruder von der Käthe, unserer Großmutter, der Steffi in Wien in dem Zusammenhang? K. Eisenlohr: Ja, da waren wir doch ein paar Mal, da warst du
aber noch sehr winzig. Der war doch Geschäftsführer in so einem
großen... |
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K. Eisenlohr: (liest aus einem alten Zeitungsartikel vor) "Nach
den bisherigen Ermittlungen der Kriminalpolizei besteht der Verdacht,
dass der ehemalige Verwaltungsrat dieses Unternehmens, der 61jährige
Jude Samuel Schalinger, Stubenring 2, und über dessen Auftrag der
59jährige Direktor des Hotels Stefan Plank zum Nachteil des Unternehmens
und dessen Angestellten teilweise falsche Buchungen vorgenommen haben.
Da steht's. "Insbesondere erscheint die Verwendung einer Bonifikation
von 440.000 Schilling einwandfrei nachgewiesen. Schalinger und Plank wurden
dem Landesgericht für Strafsachen wegen des Verdachtes des Betruges
eingeliefert." |
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Mariele: Das ist spannend. Aber hier ist er noch mal. War der
zwei Mal hier? |
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Dr. Zimmermann: Schwer zu sagen. Unsere Erfahrungen mit dem ordentlichen
Strafvollzug, die gibt es erst, nachdem die Besatzungszeit zu Ende war.
Leider kann ich Ihnen aufgrund diese wenigen Aufzeichnungen nicht mehr
sagen. |
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Mariele: Das war aufwändig da im Archiv, ich hab relativ lange auf die Akten warten müssen, aber es hat sich wirklich gelohnt. Denn was ich über den Stefan Plan, also meinen Onkel Steffi erfahren habe ist beeindruckend. Der ist zum Beispiel durch die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei beurteilt worden, also so eine Charakterbeschreibung von Onkel Steffi, da steht dann hier: "Plank war vor dem Umbruch klerikal und philosemitisch ausgerichtet. Er war ein absoluter Gegner der Bewegung, also NSDAP, asozial eingestellt und scheute selbst vor der Entlassung eines nationalsozialistisch eingestellten, lediglich seiner nationalen Ausrichtung wegen nicht zurück. Die Entlassung des Mannes ist angebracht und gerechtfertigt. Heil Hitler!" Irgendein Herr Kamber, Gau-Hauptstellen-Leiter. Und dauernd wurden solche Gutachten angefertigt über meinen Großonkel, in denen ihm immer wieder vorgeworfen wurde, dass er kein Freund der Partei sei und dass er es wagt sich mit Juden einzulassen. Und ihm ist dann auch der Prozess gemacht worden, möglicherweise ist ihm diese Unterschlagung unterstellt worden und die hat gar nicht stattgefunden. |
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Off: Wie es nach der Nazi-Zeit mit ihrem Onkel Steffi weiterging, weiß der Wiener Journalist Andreas Augustin, der ein Buch über das Hotel Imperial geschrieben hat. |
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A. Augustin: Als Ihr Onkel nach dem Krieg wieder
Generaldirektor des Imperial hier in Wien wurde, hat er etwas gemacht,
was uns heute alle noch schmunzeln lässt. Er hat in den ersten Tagen
der russischen Besatzung einen Teppich nach dem anderen zusammenrollen
lassen, aus den Suiten und aus den Zimmern entfernen und beim Hinterausgang
hinaustragen lassen. Und als ein russischer Wachoffizier darauf aufmerksam
wurde, waren schon mal 50 Teppiche weg. Und auf die Frage, was mit den
Teppichen passiert, hat Ihr Großonkel dann gesagt: "Die bringen
wir in die Reinigung, die sind ja noch schmutzig von den Nazis. Das muss
gereinigt werden." Das haben die Russen natürlich verstanden
und so verließen insgesamt 120 Teppiche das Haus.
Mariele: 120? Ist das hier auch einer von diesen Teppichen? A. Augustin: Ja, natürlich. |
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Mariele: Ich find's toll, dass jemand in der Familie ist, der halt nicht Regime-treu war und der gegen die Nazis war und sich aufgelehnt hat und offensichtlich sogar mit seinem Leben gespielt hat. Ich bin mir bis jetzt noch nicht darüber im Klaren, ob er der Onkel Steffi sich darüber im Klaren war, was er da eigentlich losgetreten hat. Ich glaube, der hatte viel mehr Glück als Verstand. |
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Off: Während Onkel Steffi gleich nach dem
Krieg wieder Hotel-Direktor wird, muss Willy in Köln erst mal mithelfen
den Schutt beiseite zu räumen. Doch schon im Herbst 1945 wird in
der Trümmerstadt die Premiere von "Glücksmädel"
gefeiert. Luzie und Willy Millowitsch treten das Erbe ihres Vaters an.
Mit dem Besuch am Familiengrab stimmt sich Mariele auf die Spurensuche
nach den Großeltern ein.
Mariele: Das Kriegsende hat mein Großvater Peter nicht erlebt. Der ist gestorben im Januar 1945 und zwar nicht in Köln, weil die Krankenhäuser voll waren, es war alles überbelegt. Sondern er wurde nach Remagen gebracht in ein Übergangs-Krankenhaus. Mein Vater und seine Schwester, Tante Luzie, kamen dann irgendwann in Remagen an und es war kein Vater Peter mehr da, Und sie haben ihn gesucht und den hatte man in so eine Abstellkammer geschoben zwischen verstorbene Säuglinge. Sie haben ihn dann aber auch aus Remagen wegbringen können, so dass er hier in Köln ins Familiengrab kommen konnte. |
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Off: Das Familiendomizil in Köln-Lövenich. Hier ist Mariele aufgewachsen. Ihre Großeltern Peter und Käthe haben sich die Villa 1914 gekauft. Damals prangte an der Eingangsfront in dicken Buchstaben Haus Käthe. |
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Mariele: Das Foto liebe ich sehr, das ist das alte Haus Käthe in Lövenich. Das steht es noch alleine, keine Nachbarn drum rum. Der schöne alte Zaun und es war völlig bewachsen von Efeu. Käthe und Peter haben sich in Dresden kennen gelernt. Und Käthe war bei dem Wiener Luft-Ballett. Da waren Damen in so Korsagen an der Bühne befestigt und schwebten elfengleich über die Bühne und waren wohl auch eine Sensation. Der Peter war vorher Opernsänger und hatte eine große Karriere vor sich. Er hat die Stimme verloren und musste dann letztendlich wieder zur väterlichen Bühne zurück. |
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Off: Nach dem Tod des Vaters wird Peter Star des Ensembles. Ihm
geht's schon ziemlich gut, wenn man vergleicht wie hart seine Eltern anfangs
kämpfen mussten. Der Urgroßvater Wilhelm Millowitsch wird 1854
in Köln geboren. Mit 25 Jahren heiratet er die Puppenspielerin Emma
van Hau aus Düsseldorf. Die beiden tingeln mit einer Wanderbühne
umher. Auch ihre Kinder spielen mit. Peter, der älteste ist Marieles
Großvater. |
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Off: Wie haben die Urgroßeltern gelebt? Wo
standen sie mit ihrer Bretterbühne bevor sie große Säle
füllten? Die Spurensuche führt Mariele nach Düsseldorf.
Mariele: Hier auf dem Carlsplatz standen Wilhelm Millowitsch und seine Frau Emma mit ihrem Wagen und haben Puppentheater gespielt. Das war einer der ersten Plätze, auf dem sie mit ihrem Wagen standen und gespielt haben. Off: Die Millowitschs ziehen in Düsseldorf mehrfach um bevor sie den Sprung nach Köln wagen. Mariele staunt. Zuletzt haben sie in einer Stadtvilla gewohnt. |
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Mariele: Wow, nicht schlecht für einen Puppenspieler. |
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Off: In der Theater-Sammlung Schloss Wahn trifft sich Mariele mit Dorothea Renkhoff. Sie hat Mitte der 90er Jahre eine Biografie über Willy geschrieben und viel mit ihm über seine Großeltern geredet. Wilhelm und Emma machen den Namen Millowitsch zum Markenzeichen. Sie lassen die Konkurrenz hinter sich und treten mit lebensgroßen Puppen auf. Da ist der Schritt zum Schauspieltheater nicht weit. |
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Mariele: Er hat ja dafür gesorgt, dass die
Puppen verschwanden, dass die Personen auf die Bühne gingen. Dieser
berühmte Spruch: "Wir wollen es euch bekunden, die Puppen sind
verschwunden. Sie waren uns zu gewöhnlich, wir spielen jetzt persönlich."
Das ist von ihm, oder?
D. Renkhoff: Wobei dieses "sie waren uns zu gewöhnlich, wir spielen jetzt persönlich", glaube ich, auch ganz wörtlich nehmen muss. Es war ihm wirklich zu gewöhnlich. Der wollte hoch hinaus, der wollte in eine andere Sphäre und das ist ihm damit dann ja auch gelungen. |
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Mariele: Und dann war es wohl ein Glücksgriff, dass er Emma
kennen gelernt hat. Denn sie hat ja wirklich eine Riesen-Karriere gemacht
als die Duse vom Rhein. So wurde sie bezeichnet, die kölsche Duse.
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D. Renkhoff: Der Wilhelm konnte sämtliche Stücke seiner
Eltern auswendig und war überhaupt ein hochintelligentes Kind. Und
da hat sein Vater etwas ganz Ungewöhnliches: er hat ihn zu einem
Oberlehrer in Pension gegeben. Also Kinder von Puppenspielern sind damals
eigentlich überhaupt nicht in die Schule gegangen. Und dann ist der
Vater gestorben. Wilhelm ist dann sofort mit seinen 12 Jahren zu der Mutter
und ist dann mit ihr herumgezogen. Und das Meiste weiß ich aus einer
Festschrift, die es in eurem Familienarchiv gab. |
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Off: Der Urgroßvater beeindruckte mit guten
Manieren, beherrschte Konversation und Klavierspiel. Hat er das auf Schloss
Braunsfeld erlernt? Graf Opperdorfs-Solms-Braunsfeld empfängt Mariele
in den Räumen des Schlosses.
Graf: Die Zeit, in der Ihr Urgroßvater hier im Haus Braunsfeld gewesen, ist sehr wahrscheinlich die unserer damaligen Fürstin Ottilie gewesen, die hier gelebt und regiert hat. Und sie war verheiratet mit dem Ferdinand. |
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Mariele: Wie kann das wohl vonstatten gegangen sein, dass Ottilie
sich als Fürstin des kleinen Wilhelms angenommen hat? Weiß
man da noch von mehr Geschichten außer Wilhelm, dass sie auch Kindern
oder Menschen angenommen hat...? |
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Graf: ...das hatten die beiden eingerichtet. Die
beiden hatten keine Kinder und haben sich dann dieser Dinge und dieser
Menschen angenommen.
Mariele: Und Willy wird dann hier gewohnt haben, also Wilhelm... Graf: Ich würde sagen Platzmangel haben wir normalerweise keinen. |
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Off: Im fürstlichen Archiv könnte es noch Zeugnisse
von Wilhelms Aufenthalt geben. Herr Friedrich, der Archivar, durchforscht
für Mariele die Akten dieser Zeit. |
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Mariele: Schade. H. Friedrich: Das ist ein Angestellten-Verzeichnis, ein Diener-Verzeichnis...
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Off: Der Aufenthalt auf Schloss Braunfels hat das Weltbild des Puppenspielers Wilhelm verändert. Das ist Mariele jetzt klar. |
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Mariele: Ein Multitalent war mein Urgroßvater auf jeden Fall. Also er konnte nicht nur schreiben, er war auch handwerklich begabt, ich glaube, der hat alles gemacht. Und was mich an dem Mann fasziniert ist, dass er irgendwie gebrannt hat. Total. Der hat vor allen Dingen auch den Drang gehabt, dem Beruf des Schauspielers eine gesellschaftliche Anerkennung zu geben. Dass es nicht nur dies fahrende Volk ist und sozusagen so ein Underdog, sondern dass man gesellschaftlich eine Stellung erreicht. Und das ist denen auch gelungen, also wenn man die verschiedenen Adressen sieht, in denen gewohnt wurde, die werden immer ein kleines bisschen besser. Und ich glaube, es war ihm ein ganz großes Anliegen auch dahin zu kommen. Und das hat er wirklich geschafft. Ich weiß gar nicht, ob der Mann überhaupt mal geschlafen hat. |
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Off: Die Leidenschaft fürs Spiel beginnt mit Urururgroßvater
Franz Andreas, geboren 1797. Bevor er Puppenspieler wird, handelt er mit
Gerbereiabfällen, Lohkuchen zum Düngen. Sein Sohn Johann Kasper
ist Wilhelm Millowitschs Vater. Wo wohnte dieser Franz Andreas überhaupt?
Die alten Adressbücher geben Auskunft. |
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Off: Das Haus von Franz Andreas kann Mariele nicht
mehr finden, es wurde im Krieg zerstört.
Mariele: Alte Mauer am Bach. Hier soll Franz Andreas
Millowitsch aufgewachsen sein und zwar in Hausnummer 5. Und er wurde in
den Adressbüchern an dieser Stelle noch geführt als Lohkuchen-Händler
und Tagelöhner, mal so, mal so. |
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Dr. Schwering: Hier hat er gestanden, von hier aus hat er nach
Köln rübergeguckt und hat ja nicht nur geguckt, sondern er wohnte
ja auch in Köln. |
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Mariele: Obwohl die Leuten Brückengeld zahlen mussten, um jetzt hier rüber zu kreuzen, kann ich mir vorstellen, ist trotzdem das Publikum hierhingekommen um Franz Andreas dann zu sehen? Dr. Schwering: Ja, ja, in jedem Fall, in jedem Fall, die warteten
ja da drauf. |
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Dr. Schwering: Ja, weil sie ihn so gut fanden.
Er schreibt hier "...Bitte zur Anlegung eines Puppentheaters in einer
gewissen zu bestimmenden Entfernung von hiesiger Stadt Köln mit wohl
Erwogenheit zu genehmigen. So lange ich lebe, werde ich diese hohe Gnade
in der innigsten Dank und Ehre halten"
Mariele: Wieso wollte die Stadt Köln denn partout nur einen Puppenspieler haben? Wieso konnte man keine zwei vertragen? Dr. Schwering: Weil Puppenspieler um diese Zeit oft/auch verdächtig sind immer gegen die herrschende Politik, gegen die Herrschenden überhaupt, ihr Theater spielen zu lassen. |
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Mariele: Volkes Mund hätte durchaus noch einen vertragen,
oder? |
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Mariele: Bemerkenswert finde ich so, dass Franz Andreas ja eigentlich
als Lohkuchenhändler so mit diesem Beruf gar nichts zu tun hatte
und dann in sich spürte und das finde ich so toll wie ein Segen von
oben oder wie eine Erleuchtung: er will Puppenspieler werden. Für
uns über die Generationen, Peter und ich sind dann die sechste dann
hat das natürlich auch irgendwas mit uns zu tun, das hat mich schon
beeindruckt, dass jemand so an sich glaubt, er wusste es einfach, er kann's.
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Mariele: Meine Mutter, die war wirklich sehr organisiert und sehr
fleißig, was das betraf. |
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Magda Feldhoff: Also für uns waren es die
Eltern, also auch beispielsweise wenn bei uns das Essen aufgetragen wurde.
Der Vater nahm die Schüssel und gab zuerst der Mutter. Das war also,
und dann der Vater und dann kamen wir dran. Er hatte jeder seine Rolle.
Die Mutter, die als Frau, sie war natürlich dominant, aber niemals
hätte sie jetzt gesagt, dass irgendwie, nee unser Vater war der Vater
und bei uns war das einfach Respektpersonen.
Mariele: Der Großvater interessiert mich noch: Otto, dein Papa, wo kam der eigentlich her? |
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M. Feldhoff: Aus dem Katzenloch in Frielingsdorf. |
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Mariele: Ja, die Totenzettelchen kenne ich, klar. M. Feldhoff: Hier, dass ist jetzt die Schwester von Opa und das
ist schon die nächste Generation, mehr hab ich da leider nicht. Aber
was hier die sind, dass weiß ich leider nicht. |
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Off: Marieles Ururgroßvater Johann Peter Feldhoff ist 1802 geboren. Durch die Heirat mit Elisabeth Hofstadt wird er Gutsbesitzer. Ihr Sohn Johann Karl ist Ottos Vater. Unterwegs mit Schwester Katarina nach Frielingsdorf. Sie erinnert sich noch gut an die Ferien auf dem Hof der Feldhoffs. |
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K. Eisenlohr: Das ganze Leben findet eigentlich
in der Küche statt, mit so einem alten Herd, ein mit Kohlen beheizter
Herd, auf dem immer ein große Kanne Kaffee stand, den ganzen Tag.
Off: Heute leben keine Verwandten mehr auf dem Gehöft im
Bergischen Land. Mariele sieht das Anwesen zum ersten Mal. |
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Off: Ungewöhnlich für einfache Bauern. Ihre Ururgroßeltern
haben sich mit einem Denkmal verewigt. |
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Off: Auf so einem Hof zu leben, war Marieles Kindheitstraum.
Mariele: Ja, eigentlich wollte ich das ja auch immer haben. Bauernhof mit Viechern, viereinhalbtausend Kinder. K. Eisenlohr: Träum weiter, Kleine. Mariele: (lacht) Die Zeit ist ja nun auch vorbei... K. Eisenlohr: Nie Ferien... |
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Off: Wiesen, Wald und Felder gehörten zum Familienbesitz.
Welche Stellung hatten die Feldhoffs in dieser Gegend? Im Gemeindearchiv
in Lindlar hat die Historikerin Gabriele Emmerich für Mariele geforscht.
Das Ergebnis? Überraschend. Die Feldhoffs sind nicht irgendwer, haben
sogar eine gewisse Machtposition. Johann Peter Feldhoff zu Frielingsdorf. |
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Mariele: Das heißt, der saß im Gemeinderat und war
hier ein wichtiges Tier, das heißt der hat Beschlüsse mitgestaltet
sozusagen. |
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G. Emmerich: Die Eltern, die stehen hier, die habe
ich jetzt recherchiert aufgrund der Kirchenbucheintragungen. Johannes
Feldhoff und Sibylla Katharina Niemands. Ich hab dann auch die Sterbeurkunde
zu ihm gefunden, zu Johannes Feldhoff und die geben halt an, dass der
Johannes Feldhoff, der Ehemann der Sibylla Katharina Niemands verstorben
ist. Und es stehen seine Eltern drin. Das ist natürlich dann ganz
spannend, denn die hießen Johann Adolf Feldhoff und Elisabeth Gertrud
Linde.
Ich würde an Ihrer Stelle mal nachschauen, ob es bei dieser großen Sippschaft Feldhoff nicht eine Verbindung zu einem prominenten Feldhoff geben könnte, wie eventuell, was mir jetzt so einfällt, der Domprobst Norbert Feldhoff. |
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Off: Den Domprobst Norbert Feldhoff kennt Mariele schon lange. Sie sind gemeinsam im Dombauverein. Aber verwandt? |
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Mariele: Also, es ist nämlich so, dass diese Vorfahren von
mir irgendwas mit der Pfarrei oder wie immer man das nennt in Gimborn
zu tun hat |
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N. Feldhoff: ... könnte es ja doch stimmen? Mariele: Steht da ein Taufdatum dabei oder irgendwas? |
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N. Feldhoff: Das steht da nicht. Und der Vater ist Johannes
Adolf Feldhoff. Mariele: Wir sind verwandt. Wie cool ist das (sie lachen) Jetzt
merke ich es auch gerarde.. |
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Mariele: Ich kannte ihn ja vorher schon und hatte zu ihm eigentlich
immer einen ganz guten Draht, insofern freut mich das, dass wir mit dem
Domprobst, dem Herrn Feldhoff zu tun haben, finde ich schön. Finde
ich gut. Kann durchaus sein, dass ich dann, wenn ich mal einkaufen gehe,
an Verwandtschaft vorbeilaufe und weiß das nicht. |
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Mariele: Ja, schon so ein bisschen ne Erkenntnis, was mich selber
betrifft. Auch so, weil ich sage, ich bin davon überzeugt, dass wir
in unseren Genen ganz viel mit rumschleppen, was auch schon über
Jahrhunderte vorbei ist, also das sind alles so kleine Abdrücke,
so kleine Stempel, die hinterlassen werden in unserem Genmaterial, davon
bin ich überzeugt. Und jetzt habe ich das ein bisschen besser kennenlernen
können und kann auch jetzt bei mir so Charaktereigenschaften, weiß
ich jetzt einzuordnen, kann mir vorstellen, dass vielleicht ein Großvater
oder Urgroßvater oder Großmutter vielleicht ähnlich dickschädelig
waren, ähnliche Kämpfernaturen zum Beispiel oder auch Liebe
zur Natur, Liebe zu den Tieren, das kommt dann auch irgendwoher und ich
finde das ganz spannend, das rausgekriegt zu haben. |
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